Grillen sind faszinierende Insekten, die in vielen Kulturen und Regionen aufgrund ihres charakteristischen Zirpens eine besondere Bedeutung haben. Die Grille ist ein Insekt aus der Familie der Heuschrecken.
Jetzt im Sommer singen die Insekten, doch vieles davon bekommen wir nicht mit. Was wir Menschen von der Kommunikation unter den Insekten mitbekommen, ist arg beschränkt. Denn das Summen, Trommeln und Zirpen liegt häufig ausserhalb des Bereichs, den wir Menschen hören. Hier stellen wir fünf Insektenarten vor, die wir in der Agglomeration und in der Stadt zu hören bekommen. Alle fünf gehören zur Ordnung der Heuschrecken.
Haben Sie das Zirpen auch schon in Ihrem Garten wahrgenommen? Grillen leben oft in Gebieten mit dichter Vegetation wie Wiesen, Gärten, Wäldern und sogar in städtischen Umgebungen. Grillen sind Teil des Ökosystems und spielen eine Rolle im Nahrungsnetz.
Bei Heuschrecken mit langen Fühlern handelt es sich um Grillen, welche im Augenblick sehr aktiv sind. Die Heuschrecken mit kurzen Fühlern tauchen erst im Hochsommer auf.
Im Sommer grillt und zirpt es in den Wiesen, Hecken und Büschen bis weit nach Mitternacht. Die Musiker dieses Konzerts sind (männliche) Grillen und Zikaden. Die Zikaden saugen an verschiedenen Pflanzenblättern wie zum Beispiel an den Blättern des Rhododendron, aber auch an Rosen.

Die Feldgrille (Gryllus campestris)
Sie ist die erste Stimme im Wiesenkonzert: An warmen Sommertagen stimmt die Feldgrille ihr unverkennbares Zirpen an. Am gedrungenen, walzenförmigen Körper, der glänzend schwarz gefärbt ist, sind die zwei bis zweieinhalb Zentimeter langen Feldgrillen leicht zu erkennen. Ihr Kopf ist auffallend gross und rundlich. Die Flügel schimmern oberseits an der Basis goldgelb, was den Fiedlern ein attraktives Aussehen verleiht.
Für die Grillen ist das Gezirpe aber harte Fortpflanzungsarbeit. Sobald sie Spermien gebildet haben, rufen die Männchen Stunde um Stunde, in der Hoffnung ein Weibchen anzulocken. Kommt ein Männchen, verändert es seinen Gesang. Es gibt Kämpfe, die tödlich enden können. Wenig Idylle also auf der Blumenwiese. Kommt jedoch ein Weibchen daher, wird das Register gewechselt: Das Männchen zirpt leise, kurze Impulse, in unregelmässiger Folge und unterschiedlichen Lautstärken.
Das Zirpen der Feldgrillen (Gryllus campestris) auf den Wiesen ist für uns der Inbegriff eines idyllischen Frühsommers. Das Zirpen der Feldgrille ist nicht jedes Jahr häufig zu hören, denn die Bestände unserer bekanntesten Grille schwanken relativ stark. Im Ganzen gilt sie in der Schweiz als nicht gefährdet, obwohl ihr Lebensraum zunehmend unter Druck gerät und sie einen bedeutenden Rückgang erlitten hat.
Etwa Anfang Juni schlüpfen die jungen Grillen aus ihren Eiern. Anschliessend entwickeln sie sich bis zum Herbst zu «Jugendlichen». Nach dem Überwintern im Jugendstadium werden die Grillen im nächsten Frühjahr erwachsen und die Männchen beginnen lautstark nach paarungswilligen Weibchen zu suchen. Der letzte Winter sei besonders warm gewesen, darum habe er die Grillen dieses Frühjahr bereits Anfang April zirpen gehört, sagt Dieter Thommen. Sonst sei diese erst Ende April der Fall. Nach etwa einem Jahr endet der Lebenszyklus der Feldgrille.
Zu sehen bekommen wir die Grillen kaum. Sie sind vorsichtig und halten sich meistens in der Nähe ihrer Höhlen auf. Naht ein Feind, verkriechen sie sich augenblicklich in ihrem sicheren Schlupfloch. Das «Instrument» der Grillenmännchen sind die kurzen Vorderflügel. Diese sind stark zurückgebildet, sodass sie damit nicht mehr fliegen können. Doch weisen ihre Flügel auf der Unterseite eine Schrillleiste auf, eine Reihe von rund 140 feinen Zähnchen.
Diese wird wie ein Kamm über die glatte, verstärkte Schrillkante am Rand des anderen Flügels gestrichen. Als «Verstärker» des Klanges dienen zwei membranartige Flügelfelder, während der Eingang zur Wohnröhre wie ein zusätzlicher Schalltrichter wirkt. Bis hundert Meter weit ist so das Zirpen des Männchens zu hören. Die Ankommende wird aus der Nähe mit einem zarten, leisen Werbegesang bezirzt.
Weit weniger lieblich, sondern schrill und abgehackt klingt dagegen der Rivalengesang, mit dem der Sänger auf einen männlichen Eindringling reagiert. Ein feines Gehör erlaubt es den Grillen wie anderen stridulierenden Heuschrecken, die Laute ihrer Artgenossen wahrzunehmen und zu orten. Dabei haben Feldgrillen im Vergleich zu manchen Grillenarten der tropischen Regenwälder geradezu einen Breitbandempfang. Sie brauchen deutlich weniger störende «Nebengeräusche» herauszufiltern als die tropischen Arten, die sich im Durcheinander von mannigfaltigen weiteren Tierlauten verständigen müssen.
Die Ohren der Grillen sitzen dabei nicht am Kopf, sondern an den Vorderbeinen, etwas unterhalb des Knies. Grillen haben ausserdem einen ausgeprägten Erschütterungssinn in den Beinen, der ihnen jede feinste Erschütterung des Bodens meldet. So ist es keineswegs einfach, sich an eine zirpende Grille anzupirschen. Die scheuen Tiere merken es meist schnell, wenn sich etwas Grosses nähert.
Da sie für ihre Aktivitäten auf eine gewisse Umgebungswärme angewiesen sind, hört man Grillen am intensivsten bei warmen Temperaturen singen. Die Feldgrillen stridulieren fast den ganzen Tag und bis spät in die Nacht hinein. In den kühlen Nachtstunden singen sie in langsamerer Folge.
Die Feldgrillen paaren sich im Frühling. Das Weibchen legt anschließend die Eier in die Erde ab. Nach etwa 2 - 3 Wochen schlüpfen die jungen, vorerst noch flügellosen Larven. Während des Sommers fressen sie so viel wie möglich und häuten sich bis zu zehnmal. Im Herbst graben sie die typischen Gänge und überwintern darin. Im darauffolgenden Frühjahr häuten sie sich erneut zweimal. Danach sind die Grillen ausgewachsen, und der Zyklus beginnt von vorne.
Normalerweise leben Feldgrillen auf extensiv bewirtschafteten Blumenwiesen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass sie ihre Höhlen im Rasen bauen. Sehen werden Sie die schreckhaften Tiere kaum. Sobald Gefahr droht, flüchten sie in ihre Behausung. Im Rasen erkennen Sie das Vorhandensein von Feldgrillen lediglich an den etwa fingerdicken Löchern.
Die bunten und artenreichen trockenen Wiesen verschwinden durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Zudem werden gerade die sonnigen Lagen vom Menschen als Wohnstandort geschätzt und häufig überbaut. In höheren Berggebieten droht dort, wo die Bewirtschaftung aufgegeben wird, die Verbuschung der Wiesen.

Das Weinhähnchen (Oecanthus pellucens)
Eigentlich bewohnt das Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) vor allem den Mittelmeerraum. In den letzten Jahren hat es sich allerdings gegen Norden ausgebreitet. Es bewohnt inzwischen Industriebrachen, Bahngeleise und Trockenrasen in Schweizer Städten und im ganzen Mittelland.
Das kleine, braune Insekt gleicht auf den ersten Blick dem Ohrwurm. Tagsüber ist es meist so gut getarnt, dass man es kaum entdecken kann. In der Nacht aber beginnt das Weinhähnchen zu singen - manchmal ohne Unterbruch. Sobald es sich dreht, hat man den Eindruck, es singe woanders her. Denn mit den zarten durchsichtigen Vorderflügeln bildet das Weinhähnchen einen Trichter, der die Richtung des Schalls bestimmt.
Vor allem die nordamerikanische Thermometergrille ist bekannt dafür, dass ihr Gesang stark von der Umgebungstemperatur abhängt. Die Thermometergrille zählt wie das einheimische Weinhähnchen zu den sogenannten Blütengrillen, die sich mit ihrem meist hellen, zierlich gebauten Körper von anderen Grillen unterscheiden. Sie leben nicht in Verstecken am Boden, wie es für Grillen typisch ist, sondern auf Pflanzen.
Das Weinhähnchen kommt in wärmeren Gebieten der Schweiz vor und bewohnt stark besonnte Magerwiesen, Ruderalflächen oder Weinberge. Mehr als 250 Meter weit soll das laute, melodisch-glasklare «grü grü grü» dieser kleinen Grillen zu hören sein.
Die Feldgrille - Wie zirpt & hört sie?
Weitere Arten
Manchmal landet es sogar im Wohnzimmer: Das grosse, grüne Heupferd (Tettigonia viridissima). Knapp vier Zentimeter lang ist der Körper eines Weibchens. Insektenkundler können aufgrund des Gesangs dieser Tiere sagen, wie warm es draussen ist: Je wärmer es wird, umso schneller zirpen die Tiere.
Die Farbe des Nachtigall-Grashüpfers (Chorthippus biguttulus) ist variabel: Meistens sind graue bis braune Tiere zu beobachten. Regnet es allerdings viel, entwickeln sich auch grüne Tiere. Da ist es sogar für Insektenkundige schwierig, die Art eindeutig zu bestimmen. Ähnliche Arten wie der Braune Grashüpfer sehen fast gleich aus. Sobald sie aber singen, ist alles klar: Wie seine Namensgeberin hat der Nachtigall-Grashüpfer anschwellende, schwirrende Strophen, wobei die maximale Lautstärke erst kurz vor Schluss erreicht wird.

Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa)
Bei Gärtnerinnen und Gärtnern ist sie unbeliebt: die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa). Das bis zu fünf Zentimeter lange Insekt hat zwei grosse Grabschaufeln. Damit baut es unterirdische Gänge, die bis zu einem Meter in die Tiefe reichen. Von unten her tut sie sich gerne an den Wurzeln der Pflanzen gütlich.
Früher waren Maulwurfgrillen weit verbreitet. Doch wegen Pestiziden und dem Verschwinden der kleinen Äcker in der Landwirtschaft ist die Maulwurfsgrille weitgehend verschwunden. Aber an gewissen Orten, zum Beispiel in Schrebergärten mitten in Zürich, gibt es sie noch. Dort hört man, wie sie unermüdlich aus ihrem Schalltrichter surrt, den sie eigens in die Erde gegraben hat.
Mit ihren zu Grabschaufeln umgebildeten Vorderbeinen und dem bulligen Körperbau ist diese grosse, ein wenig unheimlich wirkende Grille unverkennbar. Im Siedlungsraum wurde ihr die Befürchtung zum Verhängnis, dass sie von Pflanzenwurzeln lebe, sodass sie immer noch häufig bekämpft wird.
Nicht mehr so oft anzutreffen sind in der Region die Maulwurfsgrillen, auch Werren genannt, weil sie verfolgt werden. Gärtner mögen sie nicht, da sie sich des Öfteren an Wurzeln zu schaffen machen soll. Dieter Thommen bezweifelt aber, ob tatsächlich immer die Werre die Schuldige ist. Sie sei nämlich eine Räuberin und fresse vor allem Drahtwürmer und Insekten, die im Boden leben. Dieter Thommen selbst ist begeistert von Werren. Mit ihren Schaufelbeinen sei sie faszinierend. Im Gegensatz zu anderen Heuschreckenarten wird die Werre auch bis zu drei Jahre alt und brauche zwei Jahre für ihre Entwicklung. Ausserdem kümmere sich das Weibchen um ihre Brut, andere Heuschreckenarten überlassen ihre Eier ihrem Schicksal.
Grillen als Thermometer
Hätten Sie es gewusst, dass man mit dem Zirpen der Grillen die Temperatur bestimmen kann? Grillen können tatsächlich als „thermometrische“ Indikatoren für die Umgebungstemperatur verwendet werden. Das Zirpen von Grillen ist eng mit der Temperatur verknüpft, und dieses Verhalten wurde in der Vergangenheit oft genutzt, um auf die Temperatur hinzuweisen.
Das Zirpen von Grillen, insbesondere von männlichen Grillen, hängt von der Umgebungstemperatur ab. Je wärmer es ist, desto schneller zirpen sie. Da Grillen also bei erhöhter Temperatur häufiger Zirpen, kann man aus der Häufigkeit des Zirpens die Lufttemperatur ableiten. Die Formel dafür ist sehr simpel. Um den Zufallsfaktor möglichst auszuschließen, sollte man mehrere Intervalle messen und dann einen Durchschnittswert verwenden. Diesen Durchschnittswert dividiert man durch die Zahl 3 und addiert die Zahl 4.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Methode ihre Grenzen hat und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden kann, wie zum Beispiel der Art der Grille, der Luftfeuchtigkeit und anderen Umweltbedingungen. Moderne digitale Thermometer sind weitaus zuverlässiger und genauer für die Messung der Temperatur.

Die Bedeutung von Lebensräumen
Wichtige Zeiger für Biologen: Heuschrecken sind immens wichtig für die Forschung zur Bewertung von Lebensräumen. Die Tiere sind sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Feldgrillen halten sich typischerweise dort auf, wo es warm und trocken ist und die Vegetation nicht zu dicht wächst, zum Beispiel also auf ökologisch wertvollen Magerwiesen oder an Böschungen, wo Wasser gut abfliessen kann.
«Heuschrecken sind wichtige Zeiger für uns Biologen», sagt Dieter Thommen. «Sie erfordern bestimmte Qualitäten. Im Mittelland beispielsweise gibt es nicht mehr viele Grillen. Die Lebensräume werden dort zu intensiv bewirtschaftet. Hier bei uns gibt es jedoch viele.»
Locker wachsende Blumenwiesen, die bevorzugten heimatlichen Gefilde der Feldgrille, werden immer seltener. Ihre Vorliebe für sonnige Hanglagen muss das Insekt leider mit Immobilien-Unternehmen und Ortsplanern teilen. Magerwiesen fallen nicht nur vermehrt der Zersiedlung zum Opfer, auch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Hänge machen dem Insekt zu schaffen.
Heute hat die Feldgrille deshalb eine weitaus wichtigere Rolle, als sich bloss auf der Naturbühne zu präsentieren. Die Feldgrille gewinnt zwar kaum einen Schönheitswettbewerb, ist aber ein begabter Musikant.
Weitere Informationen
Noch mehr Insektenstimmen und Bilder von Heuschrecken finden Sie auf der Heuschreckenplattform orthoptera.ch. Dort finden Sie ausführliche Informationen zu einheimischen Lang- und Kurzfühlerschrecken.
NATURZYT Ausgabe Juni 2024, Text Helen Weiss, Fotos Envato, pxhere, pixabay, AdobeStock