Alle lieben die heissen, fettigen Wurstschnipsel mit Currysauce. Doch in Deutschland tobt ein Currywurst-Streit: Der Ruhrpott und Berlin beanspruchen die Erfindung für sich.

Currywurst mit Pommes
Berliner Currywurst-Mania
Sommer wie Winter bilden sich unter der Brücke der U-Bahnstation Eberswalderstrasse in Berlin-Prenzlauerberg lange Schlangen. Der Grund? Die Currywurst-Bude Konnopke’s Imbiss - oder schlicht Konnopke. Die Wurst-Institution ist nicht nur die erste Imbissbude Ost-Berlins, ihre Currywurst und die hausgemachte Currysauce gilt auch als eine der besten der deutschen Hauptstadt.
Das gleiche Bild zeigt sich am Stand von Curry 36 in Kreuzberg oder in Charlottenburg bei Bier’s Kudamm 195 (beide servieren übrigens ebenfalls hervorragende Currywürste). Hunderte Currywurst-Buden gibt es in Berlin, die Stadt an der Spree hat dem fettigen Snack sogar ein Museum gewidmet, dass allerdings 2018 schliessen musste.
Bei so viel Currywurst-Mania liegt die Vermutung nahe, Berlin sei die Erfinderin der Currywurst.
Der Ruhrpott erhebt Anspruch
Alles über die Currywurst
Gastronom Tim Koch von der Imbiss-Kette Bobby & Fritz zweifelt Berlin als Heimat der Currywurst stark an. «Sie kommt aus dem Ruhrgebiet!», sagt er in einem Interview mit Prestaurant.de und erklärt, warum er das so sieht: «Der Legende nach brachten nach dem 2. Weltkrieg amerikanische GIs erstmals Ketchup mit in die Region, wo dann die Kombination mit Bratwurst und Currypulver vollzogen wurde.»
Koch ist vom Ruhrgebiet als Wiege der Currywurst dermassen überzeugt, dass er einen Antrag gestellt hat, auf der Autobahn Schilder mit dem Slogan «Ruhrgebiet - Heimat der Currywurst» aufzuhängen. Ausserdem will er Berlin als Currywurst-Museums-Standort ablösen und in der Zeche Zollverein in Essen dem Snack huldigen - ein Currywurst-Lexikon zum letztjährigen 70. Geburtstag der Wurst ist in Arbeit.

Currywurst aus dem Ruhrgebiet
Berliner Patent als Trumpf
In der Hauptstadt zeigt sich vom Besitzanspruch aus dem Ruhrpott unbeeindruckt. «Patent ist Patent, da kann man nichts machen», schreibt die Berliner Zeitung «Der Tagesspiegel» und verweist auf Herta Heuwer, die bereits ab 1949 in Berlin-Charlottenburg ihre Spezial Curry-Bratwurst verkaufte. Für dieses Gericht entwickelte sie extra die Chillup-Sauce, die sie 1958 beim Patentamt schützen liess. Herta Heuwer ist Berliner-Stadtheldin und wird mit einer Gedenktafel geehrt.
Für die Berliner und Berlinerinnen ist die Frage über die Herkunft der Currywurst damit geklärt.
Mit oder ohne Darm? Eine Glaubensfrage
Das heisst aber noch lange nicht, dass der Streit (zumindest innerhalb der Hauptstadt) beigelegt wäre. An der Spree zankt man sich nämlich bis heute darüber, ob eine Currywurst knusprig mit - oder eher puristisch - ohne Darm gegessen werden sollte.
Das ist, laut «Der Tagesspiegel» Geschmacksache: «Soll doch jeder machen und essen, was er will.» Eines gehe aber gar nicht: «Wenn die Wurst im Wasser erhitzt, statt in Fett gebraten wird.»
Die Erfinderin: Herta Heuwer
Wir widmen uns einer Erfinderin: Herta Heuwer, die sich eines der beliebtesten Fastfood-Gerichte aus Deutschland ausgedacht hat.
An einem verregneten Tag im September war in Herta Heuwers Imbissbude wenig los. Sie fing an, mit verschiedenen Zutaten zu experimentieren, und goss das Ergebnis über eine gebratene und zerstückelte Dampfwurst. Die Currywurst war somit geboren!
Dabei war Heuwers gar keine Köchin. Von 1929 bis 1932 hatte sie eine kaufmännische Weiterbildung, anschliessend eine Ausbildung als Schneiderin und danach einen Haushalts- und Kochkurs absolviert. 1949 eröffnete sie dann einen Kiosk in der Nähe des Stuttgarter Platzes in Berlin, in dem sie im selben Jahr die Currywurst kreierte.
Schon bald musste sich Heuwer anhören, sie sei gar nicht die Erfinderin der Currywurst. Allerdings war sie so clever und liess ihre Currywurst-Sauce «Chillup» zehn Jahre nach Erfindung patentieren. So schuf sie den Beweis, dass die Currywurst wirklich aus Berlin stammt.
Das Rezept hütete Heuwer wie ein Staatsgeheimnis, nicht einmal ihrem Mann vertraute sie es an. Herta Heuwer verstarb am 3. Juli 1999 in Berlin und nahm ihr Rezept mit ins Grab.

Gedenktafel für Herta Heuwer
Currywurst-Variationen und Empfehlungen
In Berlin zu weilen, ohne aber zumindest einmal im eigenen Leben eine Currywurst überhaupt probiert zu haben, grenzt wiederum an Ignoranz gegenüber Berliner Bewusstsein. Inwieweit sich Fastfood dieser Art mit dem eigenen Verständnis von „gesunder Ernährung“, „veganer Lebensweise“, „verantwortungsvoller Umgang mit Tieren“ und dergleichen heutzutage noch vereinbaren lässt, möge bitte jeder für sich selbst entscheiden.
Hier sind einige Empfehlungen für Currywurst-Buden in Berlin:
- Konnopke’s Imbiss: Hier weht dem Besucher bis zum heutigen Tage noch echter DDR-Charme um die Ohren. Die Konstrukte, die unter der Hochbahn in der Nähe des U-Bahnhofes Eberswalder Strasse stehen, sind Relikte und Zeitzeugen von DDR-Aluminiumverarbeitung!
- Krasselts: In einem winzigen „Küchenraum“ werden hier seit über sechzig Jahren Currywürste verarbeitet und serviert, somit ist Krasselt einer der ältesten Anbieter vor Ort. Die Sosse ist hier besonders fruchtig, im direkten Vergleich zu anderen diese durchaus ein kulinarisches Highlight ist, weit entfernt von der sonst üblichen Ketchup-Curry-Pampe!
- Curry 36: Das Angebot ist solide, sättigend und gut - aber auch nicht gerade umwerfend, begeisternd, beflügelnd. Curry 36 ist sich selbst treu geblieben und offensichtlich zahlt sich diese Treue zu sich selbst aus, die zahlreichen Gäste bestätigen diese Theorie.
Currywurst-Gewürzmischung selber machen
Schusters Gewürze für eine kulinarische Currysauce enthalten unter andrem auch Zimtstange, Ingwer, Sternanis und Chili. Dazu kommen frische Zutaten wie Zwiebeln und passierte Tomaten. Für ein schnelles, doch aromareiches Gericht ideal.
Zutaten
- Rohrzucker
- Curry Madras (Kurkuma, Senf, Kümmel, Koriander, Salz, Rohrzucker, Piment, Liebstöckel, Ingwer, Sellerieknolle, Kreuzkümmel, Galagant, Bockshornklee, Knoblauch, Paprika)
- Salz
- Zimtstange
- Paprika (edelsüß)
- Sternanis
- Kurkuma
- Ingwer
- Lorbeerblatt
- Nelken
- Chilischote
Enthält Senf und Sellerie. Kann Spuren von Gluten, Soja und Sesam enthalten.