Dieser Artikel widmet sich der Analyse des Comics "Spaghetti für zwei", wobei verschiedene Aspekte wie Animationstechniken, die Anwendung von Animationsprinzipien und die filmische Umsetzung untersucht werden. Dabei werden sowohl Zeichentrick- als auch Legetrick-Elemente betrachtet, um ein umfassendes Bild des Werks zu vermitteln.

Beispiel für Stop-Motion-Animation, eine verwandte Technik des Legetricks.
Animationstechniken im Fokus
Die Objektanimation ist ein Oberbegriff für alle Animationsverfahren, bei denen Objekte als filmisches Material zur Verwendung kommen. Eng definiert sind somit auch der Brickfilm und der Knetfilm Objektanimationen. Objektanimationen arbeiten oft mit der kunstorientierten Methode des Verfremdens, das heisst, dass den Objekten neue Sinngehalte zugewiesen werden. Ein typisches Beispiel wäre die Verwendung einer Schere als Riesenmaul aufgrund der Formähnlichkeit.
Der Legetrickfilm ist ein Verfahren des Animationsfilms, das nur aus der 2D-Perspektive besteht. Das heisst, die verwendeten Materialien (z.B. Gegenstände, Papierfiguren, Knete) werden nur von oben gefilmt. Professionelle Animationsstudios benutzen dafür grosse Stative, die es erlauben, von oben zu filmen. Für den Schulgebrauch eignen sich aber auch Notenständer oder grosse Kisten, in die oben ein Loch für die Smartphonekamera eingeschnitten wird.
Zeichentrick ist ein Verfahren des Animationsfilms, bei dem gezeichnete Einzelbilder nacheinander abgespielt werden. Dadurch entsteht beim Betrachter die Illusion einer Bewegung. Dieses Verfahren eignet sich gut für Einstiege ins Thema Animationsfilm, da das Grundprinzip der Animation einfach erarbeitet werden kann. Beim Daumenkino werden die Einzelbilder auf kleine Kärtchen gezeichnet, die sich danach gut abspielen lassen, indem man den Stapel Kärtchen mit der einen Hand festhält und mit dem Daumen der anderen Hand an der kurzen Seite des Stapels nach unten gleitet.

Ein Daumenkino, ein einfaches Beispiel für Zeichentrickanimation.
Ringphase, Straight Ahead und Pose-to-Pose
Eine Ringphase ist eine Animation, die sich beliebig oft wiederholen lässt. Das bedeutet, dass der Endpunkt der Animation zugleich auch der Wiederbeginn ist. Typische Ringphasen sind flackernde Feuer, hüpfende Bälle oder wehende Fahnen. Eine Ringphase greift die kunstorientierte Methode des Wiederholens auf.
Bei der Straight-Ahead-Methode werden die Einzelphasen der Bewegung nacheinander gezeichnet. Für Anfänger ist dieses intuitive Vorgehen ist im Vergleich zu Pose-to-Pose geeigneter ist. Dabei werden zuerst die Hauptphasen der Bewegung vorgezeichnet und danach die Zwischenphasen eingefügt. Dies führt zu kontrolliert gesteuerten Ergebnissen.
Die Bedeutung von Musik und Geräuschen
Die Musik- oder Geräuschkulisse trägt zu einem lebendigen Filmerlebnis bei. Für den Schulgebrauch eignen sich folgende Vorgehensweisen:
- Töne finden/erzeugen: Entweder findet man die gewünschten Soundeffekte für den eigenen Film online auf Sound-Datenbanken. Man kann aber auch eigene Sounds aufnehmen. Dazu benötigt man ein Aufnahmegerät/Smartphone sowie eine schalldichte Kiste, die jegliche Aussengeräusche filtert (einfach herstellbar aus Holz/Kartonkiste, die mit Eierkartons/Schaumstoff im Innenraum abgedichtet wird). Um die Töne zu erzeugen, kann man sich der eigenen Stimme sowie Alltags- oder Naturmaterialien bedienen. So wirken zum Beispiel raschelnde Blätter gut als Busch- oder Baumgeräusche.
- Töne digital einfügen: Manche Animationsprogramme erlauben das Einfügen von Tonspuren. Wenn dies der Fall ist, kann man die auf dem Smartphone vorhandenen Töne direkt im Animationsprogramm einfügen. Wenn dies nicht geht, dann sollte man die Animation als Film exportieren und mit einem Filmschnittprogramm auf dem Computer öffnen. Man muss selber erzeugte Töne auf den Computer exportieren, damit man sie schliesslich an der richtigen Stelle im Film platzieren kann. Es sollte im Voraus immer darauf geachtet werden, dass die Länge der Soundeffekte mit der tatsächlichen Länge der Filmsequenz, die den Ton benötigt, übereinstimmt.
Animationsprinzipien
Übertreibung
Übertreibungen sind ein weiteres typisches Merkmal für den Animationsfilm. Übertreibung ist den anderen Prinzipien übergeordnet und lässt sich deshalb auch in verschiedenen Formen auf die einzelnen Prinzipien übertragen:
- durch extreme, ausdrucksstarke Posen
- durch starkes Squash and Stretch
- durch starke Verformungen, Verwandlungen
- durch starke Kontraste im Timing (schnell - langsam)
- durch starke Kontraste im Spacing (grosser Abstand - kleiner Abstand)
Je echter die Szene wirken soll, desto weniger darf übertrieben werden.
Antizipation
Eine grosse Hauptbewegung sollte durch eine Gegenbewegung eingeleitet werden. Dieses Prinzip hat auch einen dramaturgischen Beweggrund, denn durch die Gegenbewegung wird Spannung aufgebaut, welche der Hauptbewegung zusätzlich Kraft verleiht, z. B. wenn ein Bogenschütze einen Gegenspieler abschiessen will, wird zuerst gezeigt, wie der Bogen gespannt wird (und das möglichst weit), bevor die Hauptaktion folgt, bei der der Pfeil losgelassen wird.
Suspense und Surprise
Die Grundbegriffe des filmischen Spannungsaufbaus werden Suspense und Surprise genannt. Während Surprise aus einem kurzweiligen Ereignis besteht, das den Zuschauer überrascht, stellt Suspense den Zuschauer von Anfang an unter Spannung, da sie wissen, was gleich passieren kann/wird/soll. Je länger das erwartete Ereignis nicht eintrifft, desto länger hält die Suspense an. Durch das Animationsprinzip Antizipation kann man grundsätzlich Spannung für alle Bewegungen aufbauen.
Filmpreise würdigen
Wähle einen Film aus der Aufgabe «Überraschung» aus, an dessen Erstellung du nicht selbst beteiligt warst. Schreibe zu diesem Film eine Filmkritik, indem du untenstehende Fragen beantwortest:
- Einleitung: Filmtitel, Regisseur, Filmlänge, Verfahren
- Hauptteil - kriteriengeleitete Analyse: Was ist die Handlung des Films? Was passiert? Ist die Bewegung flüssig? Welche Animationsprinzipien werden verwendet? Ist die Überraschung gelungen?
- Fazit: Wie gefällt dir der Film persönlich? Wem kannst du den Film empfehlen? Wie viele Sterne gibst du dem Film?
Beispiel einer Filmkritik
Der Film «croissant surprise» wurde von Methavee Markwell erstellt. Der Film dauert 7 Sekunden und ist ein Zeichentrickfilm. Im Film sieht man eine Katze, die dabei ist, ein Croissant zu essen. Bevor sie reinbeisst, erscheint aus dem Nichts eine Fledermaus, die die Katze mit einem lauten Schrei erschreckt. Die Katze beschwert sich daraufhin, doch die Fledermaus findet es lustig und lacht. Ende. Die Bewegung der Figuren ist flüssig. Man erkennt schnelle Bewegungen durch einen guten Einsatz von Timing. Der erschrockene Gesichtsausdruck der Katze wird mithilfe von Exaggeration erschaffen. Die Überraschung ist gut gelungen, da mich die Handlung erschreckt hat. Ich empfehle den Kurzfilm jedem, der seine Freunde erschrecken möchte. Mir gefällt der Film, ich gebe ihm 5 von 5 möglichen Sternen.