Smoothie Bars in New York City: Mehr als nur ein Trend

New York City, die Stadt, die niemals schläft, ist bekannt für ihre pulsierende Energie und ihren rasanten Lebensstil. Überall gut und supergut aussehende Menschen, alle prahlen mit ihrem tollen Leben, in die Bars kommt man nur per Warteliste. Inmitten dieses Trubels hat sich ein Trend etabliert, der Gesundheit, Wohlbefinden und den New Yorker Lifestyle auf einzigartige Weise miteinander verbindet: die Smoothie Bar.

Als ich auf die Idee kam, du könntest cool sein, war ich zwölf Jahre alt. Damals dachte ich, New York sei das grosse, das grösste aller Ziele. Es hätte mehr Kentucky Fried Chicken gegeben, als ich in meinem Leben je hätte essen können, bunte Lichter überall, die richtig Coolen kamen erst mit 21 in den Klub rein, die Stadt würde nie schlafen und ich auch nicht. Jetzt, wo ich endlich an deinem Flughafen angekommen bin, in deinen Strassen laufe, bin ich 29 Jahre alt.

Ich bin deinem Ruf gefolgt, den du nicht für die 12-Jährigen, sondern für die 29-Jährigen bereithältst: 200 Stunden Yoga bei Guru Tara Stiles, in zwei Wochen, weil, nur die Harten kommen in den Garten, und New York ist das Epizentrum der rasend schnellen Selbstoptimierung, wer es hier zu nichts bringt, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Ich gewöhne mich an meine Routine, an meine Yogamatte, an den morgendlichen Gang zu Whole Foods, an die Green Smoothies und meine neue soziale Identität. Das Gesunde gehört der Elite, denen, die nachdenken müssen, die hochbegabt und hochbezahlt und hochgeboren sind. Alle anderen essen Hotdogs für zwei Dollar und trinken Cola für einen.

Die Rolle von Smoothies im New Yorker Lifestyle

Die Popularität von Smoothie Bars in New York ist eng mit dem Gesundheitsbewusstsein und dem Wunsch nach Selbstoptimierung verbunden. Das Gesunde in dieser Stadt, das ist nur für diejenigen, die ihr Aussehen über Social Media als #NewYorkStyleOfMine verkaufen und denen du stolz nachsiehst, wie sie als deine Ambassadeure in die Welt ziehen. Ich schaue meinen neuen Freunden zu, wie sie Granatapfel-Granola-Bowls essen, wir geben alle, ohne mit der Wimper zu zucken, 12 Dollar für einen kleinen, frischen Gras-Shot aus und laufen in der Mittagspause mit unseren Yoga-Pants durch die Strassen.

Wir ziehen uns nicht einmal mehr um, wir sind ja jetzt Yogis, wir haben eine Identität, und die ist festgelegt. Wir laufen an Anzugträgern vorbei, an Hippies und an Hipstern, jeder von ihnen zeigt über sein Äusseres genau, wohin er gehört. New York ist eine Stadt der Subgruppen, Platz gibt’s für jeden, aber wer wechselt hier schon die Seite?

Vielfalt und Exklusivität

Die Smoothie-Szene in New York ist vielfältig, aber auch exklusiv. Manchmal schaffe ich es abends auf die Warteliste für die Bar, um auf die Bar-Warteliste für das Restaurant zu kommen, ich warte dann rund eine Stunde auf einen kleinen Tisch, an dem es so laut ist, dass ich mein Gegenüber leider nicht verstehe, weil die Menschen um uns herum sehr gerne sehr laut sprechen. Vielleicht hören sie sich gerne sprechen, vielleicht konkurrenzieren sie mit der Musik, vielleicht ist es wichtig, gut drauf zu sein und laut zu lachen, damit alle wissen, dass es einem gefällt, hier, in New York. Alle fragen mich ohne Unterlass, wie es mir geht, und sagen nie, wie es ihnen wirklich geht.

Da stehen immer nur die grossen, schillernden Geschichten und Biografien, sie erzählen davon, wie toll das Modelleben ist, das Musikerleben, das Künstlerleben, das Finanzleben, das College-Leben. Die Stimme der Erzählenden ist meistens müde, auch wenn das Gesicht lacht, und wenn ich frage: «Seid ihr glücklich?», sagen sie: «Äh, ich meine, ich lebe in New York, das ist doch everybody’s dream. Ich schlafe kaum, ich nehme ab und zu ein paar Pillen, aber das gehört eben dazu.» Neurotisch zu sein, gehört in New York mit auf die Eintrittskarte in eine interessante Welt.

Die Schattenseiten des New Yorker Lebensstils

Trotz des schillernden Images gibt es auch eine Kehrseite. Vielleicht gehört es zum Leben dazu, zum wirklich tollen, schillernden, dass die Innenhöfe der Häuser nach asiatischem Essen und Haschisch oder Kot riechen, dass Mitmenschen in der Gosse liegen, in ihrem eigenen Dreck, dass man nie wirklich durchschlafen kann, weil der Lärm der Strassen einen bis in die letzte Ritze des Gehirns durchdringt. Aber du verkaufst das als den Geruch der Freiheit, New York. Der Fehler im System, der bin ich.

Ich hänge also in deinen Bars ab, New York, und höre deinen Menschen zu, obwohl mir meine Fettuccine Alfredo im Magen steckenbleiben, jedes Mal, wenn ein Mann in der Nähe von mir mit seiner Faust auf den Tisch klopft, um seinen Witz zu unterstreichen. Ich bestelle mehr Rotwein und versuche zu vergessen, dass ich eigentlich rauche, weil mich die Menschen alle anstarren, wenn ich das denn mal tue. Dann bestellen wir die Rechnung, zahlen 25 Prozent Service-Extra-Charge auf alles, was wir konsumierten und gehen von dannen, endlose Wege zurück nach Hause, in alle Himmelsrichtungen.

Die Herausforderungen des Alltags

Die Stadt stellt hohe Anforderungen an ihre Bewohner. Dass du kalt bist und harsch, schlägst du mir in aller Ehrlichkeit schon am Flughafen entgegen, während ich eine Stunde in einer Schlange auf ein Taxi warte. Ich darf keine Sekunde abschweifen, den Blick nicht von meinem Platz in der Schlange wenden, weil ich sonst angeschnauzt werde, ich solle gefälligst aufschliessen, Zeit und Platz scheinen rare Güter zu sein in New York, das lehrst du mich schnell genug.

Ich fahre überteuert in meine Behausung für die nächsten Wochen, sieben Quadratmeter Fläche, für über 2500 Franken im Monat, eines der günstigsten Angebote auf Airbnb, aber hey, das ist New York, wer es sich nicht leisten kann, der soll verschwinden, und das ist total in Ordnung für dich. Auf dem Boden liegt eine kleine Matratze, daneben steht ein Pult, an dessen Ecke ich mir den Kopf anschlage, wenn ich nicht aufpasse. Und wenn ich duschen muss, tropft neben mir ein bisschen verschimmeltes Wasser die Wand runter, «Aber hey, das ist New York, Baby», sagt die Mitbewohnerin mir dann, «das ist aufregend und authentisch und ich liebe es, ich würde es keine Sekunde anders haben wollen.»

Fazit

New York ist eine Stadt der Extreme, die sowohl fasziniert als auch herausfordert. Ich sehe in all den hippen Bars in Manhattan keine einzige alte Person, niemanden im Rollstuhl. Ich sehe ein paar durchschnittlich schöne Menschen und viele gutaussehende. Ich komme oft und gerne mit neuen Menschen ins Gespräch. Sie sind schillernd, ich mag ihre Präsenz. Sie leben ein Leben, das sich mir nicht erschliesst. Manchmal sagen sie Dinge wie: «Ich habe mit Lady Gaga gearbeitet.» Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich weiss nur, dass man solche Sätze in der Schweiz selten sagt. Nie, eigentlich. Die Menschen, die in dir leben, New York, werden irgendwann wie du: dazu geboren, bewundert zu werden. Jede Kritik prallt ab, jeder Zweifel prallt ab.

Nach drei Wochen Leben in dir werden die Strassen ein bisschen leiser, in meinem Empfinden. Ich gehe in einen Kleiderladen und kaufe drei Teile für tausend Franken, weil ich mich in ihnen irgendwie neu und anders fühle. Die Hosen sind aus Leder, das würde ich daheim nie tragen, aber New York ist eben extrovertiert, also bin ich es nun auch.

New York, deine Winter sind erzitternd kalt, deine Sommer brütend heiss, deine Luft ist stickig und der Himmel über dir ist weit weg. Ich weiss, dass du so viel Wirbel zu bieten hast, so viel Überraschung, bunte Lichter in unzähligen Bars, du hast für jede Minute des Lebens grosse Unterhaltung parat. Immerhin kann man von dir sagen, dass du nie stirbst, dein Innerstes pulsiert, deine Energie wird wohl nie versiegen.

Dein Innerstes pulsiert. Ich fahre manchmal Taxi in der Nacht und schaue den Lichtern zu, wie sie über meinem Fenster in den Himmel wackeln. Ich versuche, mir einen Überblick über deine Veranstaltungen zu verschaffen, und bin davon manchmal so müde, dass ich einfach zu Hause bleibe und Netflix schaue. Wer in dich hineintritt, der wird entweder arm oder verwirrt. Ich weiss gar nicht, wie ein Alltag in dir möglich ist.

Ich finde mich in dir zurecht. Langsam. Und gerade jetzt, wo ich mich langsam an dich gewöhnt hätte, New York, gehe ich wieder. Ich rolle meine Matte zusammen, ich trinke meinen letzten Green Smoothie, ich fahre an den Flughafen und lege mein Englisch ab.

Wieder zu Hause, wäre es sehr einfach gewesen, Eindruck mit dir zu schinden. Die Menschen fragten ehrfürchtig nach dir. Allein die Tatsache, in dir gewohnt zu haben, macht einen Menschen in den Augen vieler anderer zu etwas Grösserem. Natürlich habe ich ein Diplom bekommen, ich habe jetzt ein Yoga Teachers Training absolviert, erfolgreich, in New York. Ich habe das gemacht, was sich perfekt anhört, in den Ohren der anderen. Es war eine schöne Zeit, in New York, ich würde sie nicht missen wollen. Ich hatte ein offenes Herz, als ich kam, ich wollte dich begreifen, vielleicht dachte ich auch einen kurzen Augenblick lang, wir könnten uns finden.

Doch du bist so unnahbar. Du bist hart und distanziert, du hast die narzisstische Arroganz einer Stadt, die sich nicht selbst reflektiert, und du merkst nicht, wie unsympathisch dich das macht.

Der leckerste grüne Smoothie - EINFACHE und SCHNELLE Rezepte mit Patric Heizmann

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