Bei der Frage, ob ein Schnäpschen nach reichhaltigem Essen die Verdauung erleichtert, scheiden sich die Geister. Der Mythos mit dem Absacker hält sich hartnäckiger als der Käseklumpen im Magen nach dem Fondue. Alkohol? Raclette oder Braten - gespeist wird an Silvester meist fettig und üppig. Also noch schnell einen «Kurzen» hinterher, der fördert schliesslich die Verdauung. Nicht unbedingt die beste Idee.
Sicher ist: Der Mythos mit dem Absacker hält sich hartnäckiger als der Käseklumpen im Magen nach dem Fondue. Ob beziehungsweise inwiefern Spirituosen unseren Verdauungsorganen nach dem Essen auf die Sprünge helfen, untersuchten Schweizer Wissenschaftler.
Nach einer besonders schweren Mahlzeit wie Raclette oder Fondue wird oft ein kleiner Verdauungsschnaps getrunken. Dieser hilft dem Magen die enorme «Käselast» zu verdauen - so die gängige Vorstellung. Doch lässt sich durch Alkohol wirklich die Verdauung anregen?
Unrecht haben die Skeptiker nicht, denn es stimmt, dass nach fettreicher Kost die Verdauungsorgane ohnehin schon auf Hochtouren laufen. Ein kleines hochprozentiges Gläschen Alkohol bedeutet einerseits eine zusätzliche Strapaze für die Verdauung. Doch wird die richtige Spirituose genossen, kann der wohlig wärmende Effekt andererseits auch mit verdauungsfördernder Wirkung verbunden sein.

Die Wirkung von Kräutern
Im Falle des Kräuterschnaps werden tatsächlich die Magen- und Gallensäfte aktiviert. Allerdings liegt diese positive Wirkung nicht am Alkohol, sondern sie entsteht durch die Kräuter. Eine ähnliche Wirkung erzielen Kräutertees oder verdauungsfördernde Gewürze in den Speisen. Hierfür eignen sich zum Beispiel Anis, Bitterklee, Bohnenkraut, Enzian, Fenchel, Kümmel, Kamillenblüten, Lorbeer, Peterli oder Rosmarin. Alternativ helfen verdauungsfördernde Tabletten, die dem Körper mit künstlichen Verdauungsenzymen auf die Sprünge helfen.
Was sagt die Wissenschaft?
Verdauungsschnaps nach dem Essen: Warum der Shot ein Mythos ist
Schweizer Forscher der Universität Zürich haben in einer Studie nachgewiesen, dass der Alkoholkonsum dazu führt, dass die Magenentleerung verzögert wird. Dies kann dazu führen, dass der Käse länger im Magen-Darm-Trakt liegen bleibt als bei Teetrinkern. Im Vergleich zu den Teetrinkern dauerte die Verdauung des Fondues mit Alkoholkonsum ganze drei Stunden länger, also neun Stunden. Die Forscher fanden aber auch heraus, dass sich Menschen, die Wein und Schnaps zum Fondue tranken, nicht schlechter fühlten, als die Teetrinker der Kontrollgruppe.
Im Rahmen einer 2010 im «British Medical Journal» publizierten Beobachtungsstudie durften zwanzig gesunde Probanden ein Fondue geniessen. Dazu konsumierten sie entweder alkoholische Getränke wie Wein und Schnaps oder verzichteten komplett auf Alkohol. Wer schwarzen Tee oder Wasser zum Fondue trank, dem ging es nach dem Essen besser.
Alkohol bremst die Weiterleitung der Nerven auf die Darmmuskulatur, wodurch der Verdauungsprozess verlangsamt wird. An Silvester also bei Schwarztee und Mineralwasser feiern? Nicht unbedingt! Bekömmlicher ist das Essen, wenn man den Alkohol nicht während oder nach dem Mahl, sondern etwa 30 Minuten vor dem Essen trinkt. Als Aperitif empfehlen sich Pils, Portwein oder Sherry. Die in ihnen enthaltenen Bitterstoffe regen die Säureproduktion der Magenschleimhaut an.

Die Zürcher Fondue-Studie
Eine Forschergruppe des Universitätsspitals Zürich ging dieser Frage wissenschaftlich nach: Welches Getränk fördert die Verdauung des Käsefondues besser: Weisswein oder Schwarztee? Wie wirken sich Weisswein, Kirsch, Schwarztee und Wasser, getrunken zu Fondue, auf Magenentleerung, Appetit und Befinden aus?
In ihrer Studie untersuchten sie 20 gesunde Probanden vor und nach einem Käsefondue-Essen. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie in vier Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe trank Schwarztee zum Fondue und nach beendeter Mahlzeit Wasser. Eine zweite Gruppe trank zuerst Weisswein, dann Kirsch. Weiter gab es noch eine Tee-Kirsch- und eine Weisswein-Wasser-Gruppe.
Die Forscher untersuchten, wie rasch das Fondue den Magen der Versuchspersonen Richtung Darm verliess und verdaut wurde. Dafür griffen sie nicht etwa zu Magensonden, sondern führten einen speziellen Atemtest durch. Vor dem Essen streuten sie ein weisses Pulver ins Fondue, die Fettsäure Octanoat. Der «Marker» heftet sich an Speisemoleküle, wird später ausgeatmet und lässt sich messen. Je höher der Messwert, desto weniger Essen befindet sich noch im Magen.
Die Resultate der Atemtests waren eindeutig: Bei den Wein- und Kirschtrinkern der Fondue-Studie dauerte die Magenentleerung über sechs Stunden, bei den Teetrinkern nur ungefähr vier. Der Alkohol wirkte fast lähmend auf die Magentätigkeit. Dieser Effekt zeigte sich auch bei Teetrinkern, die nach dem Essen einen Kirsch kippten: Der Alkohol bremste eindeutig die Magentätigkeit.
Medizinisch bedenklich ist es nicht, wenn das Fondue wegen Weisswein und Kirsch ein paar Stunden länger im Magen bleibt als mit Tee. Entscheidend ist, wie man sich fühlt dabei. Diesbezüglich liefert die Fondue-Studie beruhigende Resultate: Bei den untersuchten Wein- und Kirschtrinkern traten keine grösseren Beschwerden auf. Sie fühlten sich nicht schlechter als die Teetrinker. Hier mag eine Rolle spielen, dass alle Testpersonen gesund waren. Wer sich dabei gut fühlt, kann unbesorgt weiterhin Weisswein und Kirsch zum Fondue trinken, obwohl die schwere Mahlzeit dann länger im Magen bleibt. Wer nach Fondue-Mahlzeiten Beschwerden hat, verzichtet besser auf Alkohol.
Alkohol erleichtert die Verdauung nachweislich nicht, sondern verzögert sie sogar - im Unterschied zu Schwarztee. Der Verdauung beim Fondue-Genuss nachhelfen kann man auch mit zusätzlichen Nahrungsmitteln, die ballaststoffreich sind.
Was wirklich hilft
Wer nach einem schweren Essen seine Verdauung unterstützen will, macht besser einen Spaziergang an der frischen Luft. Das regt sowohl die Verdauung, als auch den Kreislauf/Stoffwechsel an und verbrennt zusätzlich ein paar verspiesene Kalorien.
Nach einer fettigen Mahlzeit setzt man besser auf einen Kaffee oder Kräutertee. Danach aber nicht gleich faul aufs Sofa liegen! Diesselbe Schweizer Studie legt nahe, dass Bewegung immer noch die beste Medizin ist für die Verdauung. Für den nächsten Fondue-Schmaus oder Raclette-Gelage also gleich einen schönen Verdauungsspaziergang miteinplanen!
Zwei Faustregeln für den Genuss
Wer keinesfalls auf das gemütliche Verdauungsschnäpschen verzichten möchte, sollte zwei wichtige Punkte beachten:
- Cognac oder Whiskey vermeiden, da diese durch den färbenden Zuckercouleur (oder Karamell) einen hemmenden Effekt auf die Verdauung haben.
- Die Menge klein halten. Zu viel Hochprozentiges ist bezüglich der Magenentleerung nicht zu empfehlen. Der Alkohol geht nämlich direkt über das Blut ins Gehirn und blockiert dort die Nerven, die dafür sorgen, dass Speisen vom Magen in den Darm gelangen.
Alternativen zum Schnaps
Es gibt allerdings gesündere und deutlich heilsamere Quellen für verdauungsfördernde Bitterstoffe: Geniessen Sie vor der Hauptspeise einen Endiviensalat, oder ersetzen Sie den Schnaps nach dem Essen durch einen Ingwertee.
Optimal wirken auch Bitterstoffe, wenn sie eine halbe Stunde vor der fettreichen Mahlzeit eingenommen werden. So sorgen zum Beispiel bittere Salatsorten zur Vorspeise wie Chicorée, Rucola, Endivien oder Löwenzahn dafür, dass das darauffolgende Raclette nicht zur Last wird.
Langsam essen und gut kauen
Man ist eigentlich schon längst satt, doch das aufwendig zubereitete Essen schmeckt im Kreis seiner Liebsten so gut, dass man sich gern einen Nachschlag gönnt. Corsin Stechers Ratschlag an alle Geniesserinnen und Geniesser: «Zunächst einmal hilft es, die Mahlzeiten langsam und bewusst zu sich zu nehmen und die Speisen gut zu kauen. Denn der Magen braucht meist 15 bis 20 Minuten Zeit, um dem Gehirn zu signalisieren, dass er satt ist.» Die Devise für Hungrige lautet also: nicht zu viel und nicht zu schnell.
Neben der mechanischen Zerkleinerung des Essens durch die Mahlzähne sorgen Enzyme im Speichel für eine Vorverdauung und spalten Kohlenhydrate wie Stärke auf. Dieser Vorgang entlastet Magen sowie Darm und beugt dem Völlegefühl vor.
Alkohol in Massen geniessen
Wer sich gern ein Gläschen Wein gönnt, muss während der Feierlichkeiten nicht darauf verzichten. Es empfiehlt sich allerdings, den Alkohol in Massen zu geniessen und zusätzlich Wasser zu trinken.
Gut für die Verdauung: Spaziergang oder Nickerchen?
Das Sprichwort «Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun» darf gerne wörtlich genommen werden. Ein Nickerchen nach dem Essen tut zwar gut, ein Spaziergang an der frischen Luft ist aber noch die bessere Wahl. Denn durch die Bewegung kommt Sauerstoff in den Körper. Das regt den Kreislauf sowie die Verdauung an und die Nährstoffe können besser abtransportiert werden. Nur nicht zu schnell, denn Walken oder Joggen mit gut gefülltem Magen könnte buchstäblich sauer aufstossen.
Wer es partout nicht aus der warmen Stube schafft, sondern sich nach dem Weihnachtsschmaus lieber auf dem Sofa einmummelt, kann sich einen wohltuenden Tee mit Kümmel, Fenchel oder Anis gönnen. Auch die darin enthaltenen Stoffe wirken beruhigend und entblähend.
Weitere Tipps für eine bessere Verdauung
- Vermeiden Sie blähende Lebensmittel: Einige Nahrungsmittel können zu übermäßiger Gasbildung im Darm führen.
- Trinken Sie ausreichend Wasser: Wasser hilft, die Nahrung zu verdauen und Verstopfung vorzubeugen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Darmbewegung und hilft, Blähungen zu reduzieren.
