Der deutsche Lebensmittelmarkt im Visier: Transparenz, Preise und die Macht der Discounter

Alles wird immer teurer, das Klima leidet, und die Inflation steigt. Konsument:innen weichen von Bioläden auf billigere Alternativen aus. Thilo Bode, Gründer von Foodwatch, befürwortet dies in seinem neuen Buch über den Lebensmittelmarkt als eine Art Selbstverteidigung.

Bode ist eine anerkannte Stimme, der als langjähriger Geschäftsführer von Greenpeace unter anderem die Brent-Spar-Proteste verantwortete. Nach seinem Ausscheiden gründete er die Konsumentenorganisation Foodwatch.

Ein funktionierender Markt, so argumentiert Bode, setzt informierte Entscheidungen der Kund:innen voraus. Doch Information sei Mangelware. Er beschreibt den grotesken Versuch, in einem Edeka-Markt Informationen über eine Laugenbrezel zu erhalten.

Zur Erinnerung: Zur Herstellung von Brot braucht es grundsätzlich nicht mehr als Mehl, Hefe und Wasser. «Der Supermarktkompass» ist ein Aufklärungsbuch, das gängige Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Tomaten, Äpfel und Honig untersucht. Dabei wird aufgedeckt, was Konsument:innen alles nicht erfahren.

Wie das taz-Podium kommt auch Bodes Buch nicht ohne kräftige Pointen aus, was aber kein Mangel ist. In vielen Beispielen finden sich Leserinnen und Leser wieder.

Discounter, so Bode, seien auch nicht schlechter als andere Supermärkte. Qualität orientiere sich schon lange nicht mehr am Preis. Das zeigten Tests von Organisationen wie «Stiftung Warentest» oder «Öko-Test».

Qualität und Preis hätten sich entkoppelt, resümiert er. Die deutsche Lebensmittelindustrie habe zum «Qualitätsblindflug» angesetzt. Transparenz gebe es kaum. Die Kundschaft? Im Informationsinferno «definitiv: lost». Ihr bleibe die werbegesteuerte Impulsauswahl oder die rationale Wahl nach dem Portemonnaie.

Bodes Buch erklärt einiges, was der informierte Kunde bereits ahnt oder neu erfährt: Marmelade darf in Deutschland per Gesetz nicht Marmelade heissen. Stattdessen gibt es «Erdbeer-Fruchtaufstrich» und «Himbeer-Konfitüre». Aber Vorsicht, Konfitüre ist kein Fruchtaufstrich und auch keine «Konfitüre extra».

Und wo «Erdbeere» draufsteht, muss nicht unbedingt Erdbeere drin sein.

Bode fragt, wer im deutschen Lebensmittelmarkt überhaupt noch Entscheidungsgewalt hat. Die Konsument:innen seien es jedenfalls nicht. In Deutschland beherrschen vier Grossunternehmen den Lebensmittelmarkt. Aldi, Edeka, Lidl und Rewe mit ihren Discounter-Töchtern Netto, Kaufland und Penny kontrollieren 85 Prozent davon.

Die «Big Four», wie sie Bode nennt, stützen sich auf die grossen Zulieferer, denen sie die Bedingungen diktieren können. Auch Zulieferer und Grosskonzerne seien im Dumping-Wettbewerb gefangen, zeigt der Autor und Aktivist auf.

Die Regeln, seien sie ländertypisch oder EU-weit gültig, sind wiederum alles andere als konsumentenfreundlich, denn sie regeln vor allem den Umgang der Mitbewerber untereinander. Mit viel Lobbyarbeit stellten die grossen Konzerne und die Supermärkte dabei sicher, dass die Kund:innen möglichst wenig wissen, legt Bode dar.

Seit seinem Buch «Abgespeist», das er 2007 publizierte, habe sich nichts zum Besseren geändert, findet Bode im Talk. Die Konsument:innen seien schlechter informiert und machtloser als je zuvor. Bio-Produkte seien weiter ein Nischenmarkt.

Wer Bio-Ware kaufe, tue beispielsweise sich selbst etwas Gutes. Und auch das geltende Recht wie die EU-Basisverordnung habe seine Vorteile - es müsste nur konsequent angewandt werden. Kennzeichnungsvorschriften, so konsumentenfeindlich sie seien, liessen sich ändern. Lieferketten liessen sich kontrollieren.

Änderungsansätze sieht der Autor und Aktivist vor allem auf politischer Ebene.

Zusammenfassend lassen sich folgende Punkte festhalten:

  • Der deutsche Lebensmittelmarkt wird von wenigen großen Konzernen dominiert.
  • Verbraucherinformationen sind oft mangelhaft und intransparent.
  • Qualität und Preis sind nicht immer direkt miteinander verbunden.
  • Gesetzliche Regelungen und Lobbyarbeit tragen zur Macht der Konzerne bei.
  • Veränderungen sind vor allem auf politischer Ebene möglich.
REWE Group Zentrale

Preisübersicht ausgewählter Marmeladensorten (Beispiel)

Um einen kleinen Einblick in die Preisgestaltung zu geben, hier eine beispielhafte Übersicht von Marmeladensorten und deren Preisen in verschiedenen Supermärkten. Bitte beachten Sie, dass die tatsächlichen Preise variieren können.

Sorte Supermarkt Preis (ca.)
Erdbeer-Fruchtaufstrich REWE 1,99 €
Himbeer-Konfitüre Lidl 1,79 €
Aprikosen-Marmelade Edeka 2,29 €
Bio Erdbeer-Konfitüre Alnatura 2,99 €

Diese Tabelle dient lediglich zur Illustration und kann je nach Region und Angebot abweichen.

Marmelade, Gelee, extra Frucht oder weniger Zucker - Was verbirgt sich hinter der riesen Auswahl?

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