Reinigt Sauerkraut wirklich den Darm? Alles Wissenswerte über Fermentation und Darmgesundheit

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Darmgesundheit und den Möglichkeiten, diese zu verbessern, erheblich zugenommen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut. Doch was steckt wirklich dahinter? Reinigt Sauerkraut tatsächlich den Darm, und welche Rolle spielt die Fermentation dabei?

Was ist Fermentation?

Fermentation kommt vom lateinischen Wort «fermentum» und bedeutet Gärung. Es handelt sich um einen natürlichen Gärungsprozess, bei dem ein Ausgangsprodukt in Säure, Gas oder Alkohol umgewandelt wird. Ausgelöst wird die Fermentation durch verschiedene Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze. Im Rohmaterial sind bereits Mikroorganismen (Fermente) vorhanden, die sich von den enthaltenen Zuckern und Proteinen ernähren und diese in Alkohol, Säure und Kohlendioxid umwandeln. Dadurch verändert sich das Milieu des Rohmaterials, was die Vermehrung unerwünschter Mikroorganismen hemmt und so zur Konservierung beiträgt.

Vorteile des Fermentierens

  • Haltbarkeit: Fermentieren macht Lebensmittel haltbar.
  • Gesundheit: Lebendige, gute Milchsäurebakterien verhindern, dass sich schädliche Mikroorganismen ansiedeln.
  • Abbau unerwünschter Säuren: Beim Fermentieren werden unerwünschte Säuren wie Oxalsäure und Phytinsäure abgebaut, und das Lebensmittel wird quasi vorverdaut.
  • Nährstoffverfügbarkeit: Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme bleiben erhalten oder vermehren sich sogar - bestimmte Vitamine wie die B-Gruppe oder Vitamin K₂ entstehen dabei neu.

Ein bis zwei Esslöffel fermentierter Lebensmittel pro Tag sind ideal für die Gesundheit.

Sauerkraut: Ein fermentiertes Kulturerbe

Wenn von fermentierten Lebensmitteln die Rede ist, fällt fast immer ein Begriff: Sauerkraut. Der fein geschnittene, gesäuerte Weisskohl ist seit dem 13. Jahrhundert in Europa dokumentiert und gilt als kulinarisches Kulturerbe.

Handelsübliches Sauerkraut wird meist pasteurisiert, wodurch viele wertvolle Mikroorganismen verloren gehen. Umso spannender: Bei jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten feiert das ursprüngliche, unpasteurisierte Sauerkraut ein Revival.

Die Heilwirkung von Sauerkraut

Salzarm zubereitet, wirkt es geradezu als Arznei, wenn es roh genossen wird, besonders als Salat oder leicht mit etwas Öl erwärmt. In dem reichen Gehalt an Milchsäure und Vitaminen liegt das Geheimnis der Heilwirkung des Sauerkrautes, besonders des Sauerkrautwassers. Die nützlichen Milchsäurebakterien vernichten die schädlichen Bakterien in Magen und Darm.

Zu Kurzwecken geniesst man es meistens roh als Salat, mit Olivenöl angemacht, dazu etwas Selleriesalz, vermischt nach Belieben mit feingehackten Zwiebeln und roh geriebenen Äpfeln. Der Sauerkrautsalat kann statt mit Öl auch mit Joghurt oder Rahm oder Sauermilch angemacht werden. Bei kaltem Wetter kann man das Rohkost-Sauerkraut leicht erwärmen. Man giesst erwärmtes Olivenöl über gleichmässig angerichtetes Sauerkraut, würt mit etwas Zitronensaft und ganz wenig Paprika.

Eine weitere Sauerkraut-Diätspeise: Man dünstet Zwiebeln und etwas Mehl in Butter, löscht mit Wasser ab, fügt Lorbeerblatt zu und kocht 30 - 40 Minuten. Nachdem man die Sauce mit Pflanzenwürze abgeschmackt hat, gibt man Sauerkraut bei und lässt es heiss werden.

Wie Sauerkraut den Darm beeinflusst

Es gibt Hinweise darauf, dass fermentierte Lebensmittel (z. B. Sauerkraut) der Mikrobiota hilft gesund zu sein. Sauerkraut erzeugt im Körper denselben Effekt wie Fasten: Kaputte Körperzellen werden verdaut.

Die Wissenschaft traut den fermentierten Lebensmitteln einiges zu, wegen der in ihnen enthaltenen Milchsäurebakterien, die sich günstig auf unser Darmmilieu auswirken könnten. Die fermentierte Kost sorgt nicht nur für mehr bakterielle Vielfalt im Darm, was allgemein als gesundheitsfördernd eingeschätzt wird, sondern auch für eine deutliche Besserung in den Immunparametern.

Fermentierte Nahrungsmittel könnten also vor diesen Erkrankungen schützen. Hinzu kommt, dass sie die Darmflora und damit auch das Immunsystem nachhaltig beeinflussen.

Darin befindet sich infolge der bakteriellen Zersetzung ein Stoff namens Spermidin, der ein grosses Anti-Aging-Potenzial besitzt. Dazu darf das Sauerkraut aber nicht zu lange gekocht worden sein. Am besten wurde es gar nicht gekocht sondern nur vergoren.

Darmreinigung: Was bedeutet das wirklich?

Wer einen gesunden Darm möchte, kommt an einer regelmäßigen Darmreinigung nicht vorbei. Unser Darm ist für unsere Gesundheit immens wichtig, er regelt nicht nur unsere Verdauung, sondern spielt auch eine Rolle für die Immunabwehr, die hormonelle Regulation und beeinflusst sogar unsere Psyche.

Der Begriff Darmreinigung wird häufig benutzt, bedeutet aber keinesfalls immer dasselbe. Einmal ist es eine Darmreinigung mit klassischen Abführmitteln wie Glaubersalz, ein anderes Mal redet man von einer Darmreinigungskur mit verschiedenen Pülverchen und Mitteln. Oder zur Darmreinigung werden Heilerde und Vulkanerden genutzt.

Unser Darm ist kein starres Rohr, das einfach mal so wie ein Küchenabfluss verstopft und entsprechend freigeräumt werden muss. Der Darm reinigt sich also selbst.

Ganzheitliche Darmkur statt reizender Darmreinigung

Tatsächlich gibt es Studien, die Hinweise darauf liefern, dass man mit der Darmreinigung genau das Gegenteil von dem erreicht, was man sich eigentlich wünscht. Denn bei der Darmreinigung sollen ja nicht nur eventuelle Kot-Reste verschwinden. Auch „schlechte“ Darmbakterien sollen durch die Darmreinigung ausgespült werden. Aber leider sind sowohl Einlauf als auch Glaubersalz hier nicht selektiv. Es verschwinden nicht nur die „schlechte“ Darmbakterien, sondern auch all die Bakterien, die wir in unserer Darmflora dringend brauchen.

Eine Darmreinigung ist beim gesunden Menschen nicht nötig. Der Darm schafft das wunderbar alleine, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Alternativen zur Darmreinigung

Mit Ballaststoffen kann man seinen Darm tagtäglich ganz natürlich „entgiften“. Sie binden Stoffwechselabbauprodukte, sodass diese mit dem Stuhl ausgeschieden werden können. Sie sorgen nämlich dafür, dass der Stuhl korrekt ausgeschieden wird. Das tun sie zum einen dadurch, dass sie das Stuhlvolumen alleine durch ihre Anwesenheit erhöhen. Sie können nämlich zum Grossteil nicht abgebaut werden und werden deshalb 1:1 wieder ausgeschieden.

Probiotika und Präbiotika: Unterstützung für das Mikrobiom

Probiotische Lebensmittel und probiotische Nahrungsergänzungen enthalten lebende Bakterien, Hefe- oder Pilzkulturen. Diese siedeln sich zum Teil im Darm an, der überwiegende Teil trägt aber zur Milieuregulierung bei. Man könnte sagen, die Mikroorganismen aus probiotischen Produkten oder Nahrungsmitteln bereiten deinen körpereigenen Bakterienstämmen ein gemütliches Zuhause. So gemütlich, dass diese sich dort ausbreiten und vermehren. Dadurch haben schädliche Bakterien keine Chance.

Präbiotika nennt man die unverdaulichen Bestandteile von Lebensmitteln, welche die Darmflora positiv beeinflussen. Das bekannteste Präbiotikum ist Inulin. Es kommt in Lebensmitteln wie Topinambur, Schwarzwurzel oder Knoblauch vor. Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen wie Hefe oder Milchsäurebakterien. Prä- und Probiotika unterstützen den Körper dabei, eine gesunde Darmflora aufzubauen.

Es kommt sehr auf die Ursache der Einnahme an. Die Behandlung oder Prophylaxe bei einer Therapie mit Antibiotika ist meiner Meinung nach eher umstritten.

Nährstoff Funktion Lebensmittel
Probiotika Fördern die Ansiedlung guter Bakterien im Darm Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi
Präbiotika Dienen als Nahrung für die Darmbakterien Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch
Ballaststoffe Binden Stoffwechselabbauprodukte und erhöhen das Stuhlvolumen Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse

Ernährung für eine gesunde Darmflora

Es gibt auch verschiedene Hausmittel, mit denen sich Darmprobleme vorbeugen lassen. Dazu zählt das erwähnte Jogurt. Es sorgt mit der enthaltenen Milchsäure und seinen lebenden Bakterien für ein gesundes Darmmilieu. Denselben Effekt hat eine Brottrunkkur. Dabei nimmt man für zwei oder mehr Monate jeden Tag ein Glas dieses probiotischen Safts zu sich. Auch Sauerkraut oder Kimchi ist exzellente Darmnahrung. Neben den für den PH-Gehalt des Darms wichtigen Milchsäurebakterien enthält es Ballaststoffe, die helfen, Speisereste aus dem Darm zu entfernen.

Alkohol, Fast Food und stark verarbeitete Lebensmittel sind ebenfalls Gift für unseren Darm. Die Devise ist simpel: Mit unserer Nahrung verpflegen wir die Organismen in unserem Körper.

Darmsanierung: Mehr als nur Reinigung

Die Darmreinigung und die Darmsanierung sind zwei Begriffe, die häufig als Synonyme verwendet werden, allerdings handelt es sich um unterschiedliche Vorgänge mit ganz eigenen Zielen und Methoden. Ziel einer Darmreinigung ist es, den Verdauungstrakt von verschiedenen Schadstoffen wie Toxinen, Fäulnisbakterien, Verdauungsresten und anderen unerwünschten Substanzen zu befreien, die sich über einen langen Zeitraum in den Darmwindungen des Dickdarms ansammeln können.

Für eine Darmsanierung gibt es kein standardisiertes Vorgehen. Im Internet und in der Literatur existieren unzählige Konzepte, die etwa die Einführung bestimmter Nahrungsmittel in den Speiseplan oder Fastenkuren vorsehen. Auch Einläufe gehören zu den möglichen Methoden. Diese sollten allerdings nie ohne ärztliche Aufsicht erfolgen.

Nach Abschluss der Kur sollte an dem nun gereinigten Darm eine Darmsanierung anschliessen.

Die F.-X.-Mayr-Kur

Die F.-X.-Mayr-Kur ist eine naturheilkundliche Variante der Darmreinigung, die auf den österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr (1875-1965) zurückgeht.

  1. Schonung: In dieser sieben bis 14 Tage andauernden Phase wird der Darm durch Teefasten geschont.
  2. Säuberung: Hat man die erste harte Phase überstanden, beginnt die Säuberung, auch Ableitungs-Diät oder Semmel-Milch-Kur genannt.
  3. Schulung: Analog zu den Ernährungseinschränkungen setzt die F.-X.-Mayr-Kur auch darauf, den Körper an eine bewusstere Nahrungsaufnahme zu gewöhnen.
  4. Substitution: Im Anschluss an die Semmel-Milch-Kur sollten dem Körper allmählich wieder die nötigen Nährstoffe zugeführt werden.

Risiken und Vorsichtsmassnahmen

Bevor Sie sich dazu entscheiden, eine Darmreinigung vorzunehmen, sollten Sie sich am besten mit Ihrem Arzt oder Apotheker beraten und Ihre Ziele und gewünschten Herangehensweisen erläutern.

Häufig ist eine Darmreinigung mit Einschränkungen in der Ernährung verbunden, die unser Körper über einen kürzeren Zeitraum recht gut wegstecken kann. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, die von Fachkundigen empfohlenen maximalen Intervalle einzuhalten. Andernfalls ist es möglich, dass Mängel an essenziellen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Proteinen entstehen, die zu Müdigkeit, einer Immunschwäche oder anderen Gesundheitsproblemen führen können.

Umfasst die Reinigungsmethode Ihrer Wahl Stoffe, die Sie Ihrem Körper normalerweise nicht zuführen, besteht immer ein gewisses Risiko einer allergischen Reaktion. Achten Sie auf Symptome wie Atembeschwerden, Hautausschläge, Schwellungen oder Juckreiz.

Fazit

Sauerkraut und andere fermentierte Lebensmittel können eine wertvolle Ergänzung für eine gesunde Ernährung sein und zur Förderung der Darmgesundheit beitragen. Sie enthalten Probiotika und Nährstoffe, die das Mikrobiom positiv beeinflussen können. Eine Darmreinigung sollte jedoch nicht ohne ärztliche Beratung erfolgen, und eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, Präbiotika und Probiotika ist der Schlüssel zu einem gesunden Darm.

Die Informationen auf dieser Seite stellen keine medizinische Beratung dar und sollten nicht als solche betrachtet werden.

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