Die Welt von Astrid Lindgren: Mehr als nur Pippi Langstrumpf

Astrid Lindgrens Bücher haben Kinder mehrerer Generationen geprägt. Nun wurde Astrid Lindgrens Leben verfilmt. Eine Hommage an ihre Helden.

Pippi Langstrumpf: Ein unangepasstes Vorbild

Eine der berühmtesten Lindgren-Figuren ist Pippi Langstrumpf mit ihrem Äffchen Herr Nilsson. Drei Bände erschienen ab 1945.

Sie machte sich die Welt, wie sie ihr gefiel - und wurde dadurch zu einer Kindheitsheldin. Gerne wäre ich so unangepasst und mutig gewesen wie die Hauptfigur in Lindgrens erstem Roman. Doch im echten Leben war ich eher wie Pippis ängstliche Freundin Annika. Mittlerweile hat sich das zwar geändert, doch mit Sätzen wie «Sei wild und frech und wunderbar» ist Pippi bis heute ein kleines bisschen meine Heldin.

Fast so berühmt wie Pippis Zöpfe ist die Melodie des TV-Intros:

Pippi langstrumpf lied

Madita: Ein Mädchen, das glaubt, es kann fliegen

Drei Bände über Madita erschienen ab 1960. Das Mädchen wird von ihrer Mutter auch Margareta genannt, dann, wenn sie etwas angestellt hat. Und das kommt ziemlich oft vor.

Sie ist aber auch die fürsorgliche grosse Schwester, welche die kleine Lisabet zu verrückten Abenteuern mitnimmt. Einmal klettern sie auf das Dach des Schuppens. Am Ende springt Madita mit dem Regenschirm vom Dach. Ein Mädchen, das glaubt, dass es fliegen kann. Als Kind konnte ich Madita nur zu gut verstehen.

Kalle Blomquist: Meisterdetektiv

Drei Bände über Kalle Blomquist erschienen ab 1946. «Blut! Daran gabs keinen Zweifel!» Gibt es in der Weltliteratur einen besseren ersten Satz? Tatsächlich hat sich Kalle einfach in den Finger geschnitten und betrachtet ihn nun durch die Lupe.

Das Buch aus dem Jahr 1946 ist gespickt mit Anspielungen auf Detektivromane, ganz besonders diejenigen mit Sherlock Holmes.

Mio, mein Mio: Eine Geschichte übers Erwachsenwerden

1954 erschien "Mio, mein Mio". Hinter dem unscheinbaren Cover jener Ausgabe, die meine Mutter aus einem Antiquariat mitbrachte, versteckt sich diese Geschichte übers Erwachsenwerden. Sie erzählt, wie Mio gegen den bösen Ritter Kato kämpft. Und sich dabei oft sehr fürchtet. Was aber okay ist, weil trotzdem alles gut werden kann, wenn man nur nicht aufgibt.

Der Junge mit der Panflöte: Ausschnitt aus der Filmversion von «Mio, mein Mio»:

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Wir Kinder aus Bullerbü: Eine heile Kinderwelt auf dem Land

Sechs Bände über die Kinder aus Bullerbü erschienen ab 1947. In Bullerbü gibt es drei Höfe, auf denen, neben Erwachsenen, sieben Kinder leben. Eines davon ist Lisa, die Erzählerin.

Die Leser kriegen einen Einblick in die heile Kinderwelt auf dem Land so um 1915, begleiten die Kinder auf ihrem Schulweg, bei der Krebsjagd, begegnen dem griesgrämigen Schuster Herrn Nett, geniessen die Sprache Lindgrens und ihr Einfühlungsvermögen. Und erinnern sich auch sicher an Erlebnisse aus der eigenen Kindheit.

Drei Höfe, sieben Kinder und viele Abendteuer: «Wir Kinder aus Bullerbü»:

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Michel aus Lönneberga: Ein kleiner Lausbub mit Herz

Sechs Bände über Michel aus Lönneberga erschienen ab 1963. Er ist dieser kleine schlaue Bub, der seiner Mutter so viele Sorgen bereitet, weil er tut, was er für richtig hält, egal, was die anderen denken.

Das geht oft schief, aber noch öfter ist es mutig und tapfer und herzerwärmend. Hat man, wie ich, einen kleinen Lausbub zu Hause und liest ihm diese liebevoll geschriebenen Geschichten vor, kann es passieren, dass man das eigene Kind plötzlich ein bisschen mit anderen Augen sieht.

Ronja Räubertochter: Wild und frei

1981 erschien Ronja Räubertochter. Ronja? Nicht nur Räubertochter, sondern auch Wildpferdreiterin, Heilkrautkennerin und Waldkoboldbändigerin, kurz: für ein Stadtkind mit wilder Seele das ideale Vorbild.

Manchmal, beim Joggen, mit Winterluft in den Lungen und Silbersonne im Gesicht, fühle ich mich ganz kurz mit ihr verbunden. Wild und frei. Das Buch, mit viel Waldgrün auf dem Cover, halte ich in Ehren; der A-cappella-Räubergesang in der wundervollen Verfilmung jagt mir noch immer Schauer über den Rücken. Jedes Mal.

Karlsson vom Dach: Ein Egoist mit Propeller

Drei Bände über Karlsson vom Dach erschienen ab 1955. Er ist ein Egoist, ein Lügner, er ist arrogant und irgendwie recht unappetitlich, der Karlsson. Eine seltsame, unsympathische Figur. Wohl darin liegt ihr Reiz.

Karlsson lebt Dinge, die Kindern untersagt werden. Und hat einen Propeller auf dem Rücken.

Der gemeine Junge auf dem Dach: Szenen aus «Karlsson vom Dach»:

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Ferien auf Saltkrokan: Schwedischer Lifestyle pur

1964 erschien Ferien auf Saltkrokan. Witwer Melcher macht mit seinen vier Kindern Ferien auf der Insel Saltkrokan. Was mir vom Buch und der gleichnamigen TV-Serie bleibt, ist weniger die Erzählung - sie plätschert wie die im Buch beschriebenen Sommertage dahin -, sondern der schwedische Lifestyle, den ich kennen lernte: Die Menschen gehen auch bei strömendem Regen baden, können alle fischen, wohnen in gemütlichen Holzhäusern, tragen sommers gemusterte Wollpullis und essen Fleischeintopf.

Die Kinder mögen die wilde Kräheninsel: «Ferien auf Saltkrokan»:

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Die Brüder Löwenherz: Ein Sehnsuchtsort nach dem Happy End

1973 erschien Die Brüder Löwenherz. Als Mädchen konnte ich nicht verstehen, weshalb Astrid Lindgren die Brüder Löwenherz nicht leben liess. Ich sehnte mich so sehr nach einem Happy End, dass ich das Buch sofort wieder anfing - und den kranken Krümel und den mutigen Jonathan auferstehen liess.

Lotta aus der Krachmacherstrasse: Alleine wohnen und den eigenen Haushalt führen

Fünf Bände über Lotta aus der Krachmacherstrasse erschienen ab 1958. Alleine wohnen und seinen eigenen Haushalt führen: Die Idee fand ich, als ich klein war, ebenso gut wie die fünfjährige Lotta in «Lotta zieht um».

An diese elektrisierende Mischung aus Faszination und Angst kann ich mich heute noch erinnern. Und an das beruhigende Gefühl, wenn Lotta am Ende nach Hause zurückkehrt.

Pippi Langstrumpf und die Kunst des Spaghetti-Essens

Die vielen unterschiedlichen Tischmanieren geben immer wieder zu reden. Letztlich gibt es keine richtige oder falsche Art zu essen - womit einige Menschen nicht einverstanden sind. Besonders hitzig sind die Debatten über die Kunst des Spaghetti-Essens.

Nahrung: Wir alle brauchen sie. Egal, wer oder wo wir sind. Auf unserem Planeten findet sich in kulinarischer Hinsicht eine grosse Bandbreite. Aber ausschlaggebend ist nicht nur das Was, sondern auch das Wie: Da wird genagt, geschlürft, geknabbert. Doch mit welchem Werkzeug?

Die meisten Menschen haben zwei Hände, deshalb reichen maximal zwei Esswerkzeuge völlig aus. Wie ein Blick auf das Mittagsangebot im lokalen Supermarkt zeigt, geht es auch mit einem einzigen Werkzeug: Der Göffel findet offensichtlich Anklang.

Die Synthese aus Gabel und Löffel an den beiden Enden ist wohl an Zweckmässigkeit kaum zu überbieten - einfach und praktisch. Weshalb aber betreiben schicke Restaurants einen grösseren Aufwand? Welches nun die Salatgabel ist und wo sich das Fischmesser befindet, interessiert viele knurrende Mägen wohl kaum.

Unser südliches Nachbarland scheint es im Alltag ähnlich einfach zu halten: Spaghetti isst man mit der Gabel. Und vielleicht mit einem Löffel? Da zeigt ein Blick in die Online-Welt, dass man sich nicht einig wird: Die Reddit-Diskussion X und die Quora-Umfrage Y sind hitzig und emotional geladene Themen, die viele im Anschluss kaum anzuschneiden wagen.

Zugegebenermassen wurde auch mir mit meinem Bruchteil an italienischen Wurzeln beigebracht, die Spaghetti auf der Gabel aufzurollen und den Löffel als Unterlage zu benutzen. Da würden laut dem Internet einige den Kopf schütteln. Aber es gibt einen gemeinsamen Nenner aller wütenden Online-Postenden: Fest steht, dass bei einer authentischen Pasta das Messer vom Tisch ist. Somit wäre zumindest dieses Thema gegessen.

Und nun wagen wir einmal einen Blick über den Tellerrand hinaus: Neben Gabel, Löffel, Messer und was so manches Dinner sonst noch zu bieten hat, stillen mehr Menschen mit Stäbchen oder mit den Fingern ihren Hunger als mit Göffel und Co. Aber auch da gibt es mindestens so viele Tischmanieren wie hierzulande.

Dass man bei all diesen Regeln die Tischgesellschaft trotzdem zum Brodeln bringen kann, mag erstaunen.

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