Madeira Wein Herstellung: Ein umfassender Überblick

Madeiraweine hatten früher einen eher schlechten Ruf. Zu Unrecht, wie gerade uralte Beispiele zeigen. Die Rede ist von Madeira. Die Insel liegt einsam im Meer, mitten im Atlantik, 950 Kilometer südwestlich von Portugal. Von dort stammt ein gleichnamiger, aufgespriteter Wein mit zweifelhaftem Ruf: Gerade gut genug zum Kochen sei er. Das entspricht nur der halben Wahrheit, denn es werden dort neben viel Mittelmass ambitionierte Gewächse gekeltert, die zudem beinahe unsterblich sind.

Gute Madeiraweine können nämlich über Jahrzehnte altern und halten sich selbst dann über Wochen, ja Monate in bester Form, wenn man die Flasche geöffnet und nicht den gesamten Inhalt getrunken hat. Dazu wird gerne eine kleine Anekdote erzählt: «Ich genoss letzte Woche ein Glas Madeira, aus einer Flasche, die mein Grossvater vor 25 Jahren geöffnet hatte.»

Die Langlebigkeit hängt mit der speziellen Herstellungsmethode zusammen. Einerseits wird die Gärung durch Zugabe von hochprozentigem Alkohol gestoppt, so dass im Wein eine gewisse Restsüsse zurückbleibt. Andererseits behandeln die Winzer das Produkt mit einem speziellen Wärmeverfahren. Die hochwertigste Methode besteht darin, den Madeira während Jahren in Holzfässern unter einem Dach - und damit unter Hitze - reifen zu lassen. So altert der Wein durch eine natürliche Oxidation und lässt sich nach der Abfüllung problemlos lagern.

Madeira ist nicht ganz einfach zu verstehen. Es entstehen vier Weintypen, von trocken über halb­trocken, halbsüss bis süss. Dabei werden etliche Rebsorten angebaut, namentlich die rote Tinta Negra Mole. Am hochwertigsten sind jedoch die weissen Varietäten Sercial, Verdelho, Boal und Mal­vasia.

Ein gutes Beispiel kommt vom Gut Blandy’s. Der nicht zu süsse, kräftige Colheita Bual 2002 schaffte es im letzten Jahr gar auf Platz 24 der Top-100-Liste, welche die US-Zeitschrift «Wine Spectator» publiziert. Ein zuverlässiger Lieferant von Spitzenqualitäten ist Barbeito. Das Gut keltert beispielsweise den trockenen Sercial Old Reserve 10 Years Old mit einer perfekten Säure­struktur (Fr. 45.10, bei riegger.ch). Er passt zum Apéro oder als Begleiter zu Meeresfrüchten.

Ein Blick hinter die Kulissen: Winzer Stephan Thielen über die Kunst des Weinbaus 🍇🍷

Die Insel Madeira und ihre Weinbautradition

Die Insel Madeira liegt im Atlantischen Ozean. Schon der durch die starken Winde oftmals wackelige Anflug auf die mit riesigen Betonpfeilern gestützte Landebahn ist ein Abenteuer für sich. Der Flughafen von Madeira wurde im Jahr 2017 nach dem Fussballer Cristiano Ronaldo (37) umbenannt, weil er auf der Insel auf die Welt kam.

Eine weltberühmte Tradition der abgelegenen Atlantikinsel Madeira ist die Herstellung des gleichnamigen Dessertweins. Erstmalig dokumentiert wurde der Wein im Jahr 1478, in dem der Engländer George Plantaganet Herzog von Clarence (1449-1478) hingerichtet wurde. Auf eigenen Wunsch hat man ihn in einem Weinfass voller Malmsey ertränkt. Malmsey steht für Madeirawein der Rebsorte Malvasia.

Seit der erstmaligen Erwähnung im Jahr 1478 haben Madeiraweine von der gleichnamigen portugiesischen Atlantikinsel einen besonderen Platz in der Weinwelt.

Die einzigartige Vulkaninsel Madeira liegt rund 900 Kilometer südwestlich vom portugiesischen Festland entfernt mitten im Atlantik und ist Ursprung für die vielleicht faszinierendsten und langlebigsten verstärkten Weine der Welt. Die Insel ist 741 Quadratkilometer gross, die höchste Erhebung ist der Pico Ruivo mit 1862 Metern. Die Atlantiklage mit Golfstrom-Einfluss sorgt für ein ausgeglichenes, mildes, zuweilen gar subtropisches Klima mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Aufgrund des vulkanischen Ursprungs der Insel werden die Böden von Basalt und Tuff geprägt, die Auflage ist reich an organischem Material.

Henriques & Henriques ist seit ihrer Gründung eine Madeira-Institution und bietet das Beste dieser malerischen portugiesischen Insel. Mit über 160 Jahren Erfahrung in der Herstellung der besten Madeiras nutzt Henriques & Henriques die neuesten technischen Innovationen, um Weine von aussergewöhnlicher Qualität zu kreieren und zu pflegen. Als grösster Weinbergeigentümer von Madeira kontrolliert Henriques & Henriques unter der inspirierenden Führung von «Master Blender» Humberto Jardím jeden Aspekt des Produktionsprozesses.

Rebsorten und Stile von Madeira

Auf einer Rebfläche von rund 450 Hektar werden für Madeira hauptsächlich sechs Rebsorten verwendet: die dunkle Tinta Negra sowie die weissen Sercial, Verdelho, Boal, Malvasia und Torrontez. Alle Rebsorten stehen auch für einen individuellen Stil von Madeiraweinen.

So ist Sercial im Vergleich zu den anderen Weinen am trockensten mit einer überdurchschnittlich hohen Säure, während Malvasia bzw. Malmsey immer süsslich ist und ausgeprägte Aromen von Rosinen, Karamell und getrockneten Feigen zeigt.

Das Wein-Institut der Insel Madeira hat für die Herstellung von Jahrgangs-Madeira genau vier Rebsorten als „edel“ bezeichnet. Die Sorte Sercial ist vor allem für ihre Säuerlichkeit und Trockenheit bekannt. Der Madeira-Wein, der aus den weißen Reben gewonnen wird, benötigt aufgrund der enthaltenen Säure eine lange Lagerzeit, bis der Wein genießbar ist. Alternativ wird der Jahrgangs-Madeira als Mischgetränk trinkbar. Die weiße Rebsorte Gouveio ist hingegen trocken und relativ schwierig anzubauen. Die dritte edle Rebsorte Bual beeindruckt durch ein Aroma mit einer einmaligen Mischung aus Säure und Süße. Je älter der Wein dieser besonderen Sorte, desto vielfältiger und intensiver werden seine Aromen. Der weiße Bual wird oft für die Herstellung von Jahrgangs-Madeira verwendet. Das Aroma der edlen Rebsorte Malmsey zeichnet sich hingegen vor allem durch eine intensive Süße aus.

Ob Säuerlichkeit oder zarte Süße: Mit einem eleganten Wein kommt jeder auf seinen Geschmack.

Die verschiedenen Madeira-Stile im Überblick:

Rebsorte Geschmacksprofil Empfehlung
Sercial Trocken, hohe Säure Aperitif, Meeresfrüchte
Verdelho Halbtrocken Leichte Speisen
Boal Halbsüss, Säure und Süsse in Balance Käse, Desserts
Malvasia (Malmsey) Süss, Aromen von Rosinen, Karamell, Feigen Desserts
Verschiedene Stile von Madeira Wein

Herstellungsprozess von Madeirawein

Beim Madeira wird die Gärung durch die Beigabe von Weinbrand abgestoppt. Die Gärung der Weine wird in der Regel gestoppt, bevor die Hefen den gesamten Zucker in Alkohol umgewandelt haben, weshalb Madeiraweine oftmals süss sind. Danach wird dem noch unfertigen Madeira 96-prozentiger, geschmacksneutraler Alkohol hinzugefügt, womit der fertige Wein zwischen 17 und 18 Prozent Alkohol enthält.

Nach dem Ernten der handverlesenen Weintrauben werden diese zunächst zu Most gepresst, das anschließend zur Gärung angesetzt wird. Während der Gärung wird der Madeira, wie auch der Portwein, aufgespritzt. Dabei wird der gärende Most mit hochprozentigem Alkohol angereichert. Dann wird der Gärvorgang unterbrochen, wodurch sich die Haltbarkeit des Weins verbessern soll. Schließlich folgte der Reifungsprozess des Madeiras.

Schauen wir uns nun die Ähnlichkeiten an: Beide Getränke sind gewissermaßen ein Relikt aus alten Zeiten. Chartreuse wird seit 1737 nach den Anweisungen eines Manuskripts aus dem Jahr 1605 hergestellt. Die Herstellung von Madeirawein begann im 15. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 17. und 19.

Christliche Mönche spielten eine entscheidende Rolle bei der Erschaffung der beiden. Chartreuse wurde von den Kartäusermönchen geschaffen und wird auch heute noch hergestellt. Andererseits brachten die Jesuitenmönche die ersten Weinstöcke von der griechischen Insel Kreta nach Madeira. Sie waren die ersten, die sie anpflanzten und mit der Weinherstellung begannen. Ihr berühmtester Weinberg, Faja dos Padres "Das Land der Priester", existiert noch immer auf Madeira und produziert den mythischen Wein Malvasia Candida.

Die Reifeverfahren: Estufagem und Canteiro

Je nach angestrebtem Stil gelangt Madeira in zwei mögliche Reife-Verfahren, die beide mit Wärme arbeiten. Estufagem heisst der Prozess, bei dem Madeira während mindestens drei Monaten auf 45 bis 50 Grad Celsius erwärmt wird, weshalb die Weine oftmals gekochte Fruchtaromen aufweisen.

Während einfachere Madeiras im «Estufagem»-Prinzip (der Wein wird in Tanks für drei Monate auf 45 Grad Celsius erhitzt, dann abgekühlt und in Fässern gereift) produziert werden, durchlaufen edle Selektionen das sogenannte «Canteiro»-Verfahren. Bei diesem reifen die Weine in Eichenfässern, zuerst auf Dachböden, die den vollen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, später dann in kühlen Kellern.

Canteiro ist das zweite Verfahren, bei dem die Weine in alten Holzfässern über mehrere Jahre bei einer Temperatur von 25 bis 40 Grad reifen und im Vergleich zu Estufagem mehr Alkohol und Komplexität zeigen.

Durch Zufall fanden portugiesische Seeleute heraus, dass sich der Geschmack nach dem Transport durch die Tropen verbessert habe. Heute wird der Jahrgangs-Madeira während der Reifung natürlich nicht mehr durch die Tropen transportiert, sondern für drei bis fünf Monate in kleinen Holzfässern bei einer Temperatur von 45 bis 75 Grad gelagert. Durch diese besonderen Bedingungen wird die Oxidierung des Weins, auch als „Madeirisierung“ bekannt, gefördert.

Die traditionelle Herstellung von Madeira Wein

Altersstufen und Kennzeichnungen

Wie bei Portweinen gibt es auch bei Madeira verschiedene Altersstufen. Colheita wird zum Beispiel mindestens fünf Jahre im Holzfass gelagert und besteht aus Trauben eines einzelnen Jahrgangs, während Frasqueira für mindestens 20 Jahre im Holzfass schlummert. Madeira-Etiketten zeigen oftmals die verwendete Rebsorte, den Süssegrad, die Lagerzeit und ob es sich um die Trauben eines einzelnen oder mehrerer Jahrgänge handelt.

Auf jeder Madeira-Flasche wird das Abfüllungsdatum angegeben, während bei der Farbe von preisgünstigen Madeiraweinen oft mit der Zugabe von Caramel etwas nachgeholfen wird.

Madeira und Chartreuse: Eine interessante Parallele

Was verbindet Madeira - ein mit Alkohol angereicherter Wein von der Atlantikinsel Madeira - und Chartreuse - den französischen Kräuterlikör - miteinander? Nicht viel, werden Sie vielleicht denken. Er hat einen fast mythischen Status erlangt. Es wird Sie nicht überraschen, wenn Sie Ihren örtlichen Barmann mit einem Chartreuse-Tattoo sehen.

Man könnte sagen, dass die Madeira-Wein-Welle gleich dahinter rollt. Manche wagen sogar zu behaupten, dass man diese Welle verpassen kann, wenn man nicht auf seinem "Madeirawein-Surfbrett" steht.

Sowohl Madeira als auch Chartreuse werden nur von einer Handvoll Menschen hergestellt. Chartreuse wird heute von nur einem "Hersteller" produziert - den Mönchen selbst, und offenbar kennen nur zwei von ihnen das eigentliche Rezept. Früher gab es mehr als hundert Hersteller von Madeirawein, heute sind es nur noch 8. Es ist sicher, dass mehr als zwei Personen das Rezept kennen, aber die Produktion bleibt trotzdem in einem sehr kleinen Kreis. Sie können alle Winzer von Madeira an den Fingern Ihrer beiden Hände abzählen.

Madeira und Chartreuse sind offenbar ewig haltbar. Eines der ersten Chartreuse-Manuskripte enthielt ein Rezept für ein "Elixier des langen Lebens". Man kann darüber streiten, ob Chartreuse ein längeres Leben ermöglicht, aber Chartreuse hat auf jeden Fall die Fähigkeit, gut zu altern, und sehr alte Flaschen tauchen immer wieder auf. Andererseits sind Madeira-Weine unverwüstlich und halten ewig. Sie können immer noch Madeira-Weine aus den 1850er Jahren und sogar aus den 1700er Jahren kaufen. Und nicht nur, dass man diese alten Weine ergattern kann, sie sind auch in einem beeindruckend guten Zustand und ein großes Vergnügen beim Trinken.

Sowohl Madeira als auch Chartreuse hatten ihre schlechten Zeiten. Chartreuse wurde im 18. Jahrhundert sehr populär, doch 1929 ging das Unternehmen, das ihn herstellte, in Konkurs. Madeirawein war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert das beliebteste Getränk in den britischen Kolonien, in Amerika und im Russischen Reich, bevor er im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geriet.

Sowohl Madeira als auch Chartreuse haben ihr Comeback erlebt. Chartreuse steht heute zweifellos auf dem Radar eines jeden Sommeliers und Barkeepers, jeder spricht darüber und jeder ist hinter den bei Christie's versteigerten Flaschen her.

Folgt der Madeira diesen Schritten? Immer mehr Sommeliers und Weinliebhaber entdecken ihn wieder und begeistern sich für ihn. Die Preise für alte Madeira-Weine sind in den letzten 30 Jahren erstaunlich gestiegen (z.B. ist der Preis für eine Flasche Madeira von 1850 seit den 1990er Jahren um 2'000% gestiegen). Im Jahr 2022 wurde ein historischer Verkauf von Madeira-Weinen verzeichnet, und die besten Flaschen waren innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Die Weinkritiker stürzen sich auf die Madeira-Inseln und vergeben 100 und 20 Punkte (Jancis Robinson, La Revue du Vin de France, usw.).

Viele sind der Meinung, dass die Madeira-Wein-Welle begonnen hat und weiter wächst. Ob sie die Chartreuse-Welle einholen wird - das wird die Zeit zeigen. Eines ist jedoch sicher - Sie sollten sich besser auf Ihr "Madeirawein-Surfbrett" schwingen, sonst verpassen Sie die Welle.

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