Erstaunlich, welche Legenden sich um die Currywurst ranken. Genauso wie die Wurst zwei Enden hat, so hat auch Berlin eine eigene Version zur Currywurstgeschichtsschreibung beizutragen. Die Currywurst ist ein beliebtes Fastfood und auch als Kantinenessen gefragt. Wo die Currywurst vor über siebzig Jahren erfunden wurde, ist ein Streitpunkt zwischen zwei Städten. Sicher ist: Die Currywurst hat es weit gebracht. Zeit, sie zu würdigen.

Herta Heuwer und die Geburtsstunde der Currywurst
An der Kantstrasse erinnert eine kleine Tafel daran, dass Herta Heuwer 1949 mit der Kreation einer scharfen Sauce die Basis für die heute bekannte Currywurst legte. Am 4. September 1949 hat Herta Heuwer, eine Berliner Imbissbetreiberin, die Currywurst erfunden. So lautet die geläufigste Version der Geschichte. Herta Heuwer wäre heute 100 Jahre alt geworden und eine Berliner Legende besagt, sie habe vor 64 Jahren die Currywurst erfunden.
Viele deutsche Städte beanspruchen die Erfindung der Currywurst für sich, doch eine Frau ist besonders eng mit dieser kulinarischen Entdeckung verknüpft: Herta Heuwer, eine Imbissbuden-Besitzerin aus Berlin-Charlottenburg, erfand aus Langeweile im September 1949 die kultige Mahlzeit. Eigentlich ist es mir egal, wer die Currywurst erfunden hat, denn für mich steht fest, dass Herta Heuwer maßgeblich an der Verbreitung dieser kulinarischen Herrlichkeit beteiligt war.
Am ehemaligen Standort hängt heute eine Gedenktafel. Die Gedenktafel findet man übrigens am Haus Kantstraße 101 an der Gebäudeseite zur Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf und ist über Google Street View hervorragend zu sehen. Seit 2003 ist am Standort ihres Imbisses (heute: Kantstraße 101) eine Gedenktafel für die Erfinderin der Currywurst aufgestellt.
Die legendäre Sauce "Chillup"
Sie mischte frisch geschnittene Paprika, Paprikapulver, Tomatenmark und verschiedene Gewürze zusammen. Die Soße namens "Chillup" wurde anschließend über eine gebratene und in Stücke geschnittene Brühwurst gegeben - der Startschuss für eine echte kulinarische Erfolgsgeschichte Made in Germany. Herta Heuwer verstarb 1999, das Rezept für ihre originale Currywurst-Soße hat sie nie weitergegeben.
Dumm nur, dass sie wohl sehr paranoid war und das Rezept für ihre legendäre Spezial-Sauce Chillup mit ins Grab nahm. Einige Jahre später ließ sie die Marke «Chillup» - ein Fantasiewort aus Ketchup und Chili - patentieren, aber nicht das Rezept. Das Rezept hütete Heuwer wie ein Staatsgeheimnis, nicht einmal ihrem Mann vertraute sie es an. Herta Heuwer verstarb am 3. Juli 1999 in Berlin und nahm ihr Rezept mit ins Grab.

Currywurst-Kultur in Deutschland
Während der Teilung der Stadt existierten gar zwei Wurstkulturen. Ihre wichtigsten Vertreter waren Konnopke’s Imbiß im Osten und Curry 36 im Westen. Wer mehr über die Currywurst erfahren möchte, dem lege ich einen Besuch im Currywurst Museum ans Herz. Für die Freunde der Currywurst die Berlin bereisen, empfehle ich dringend einen Besuch im Deutsches Currywurst Museum Berlin. Dort erfährt man so ziemlich alles über die Currywurst und Herta Heuwer hat sogar einen eigenen Raum. Außerdem kann man am zugehörigen Imbiss diversere Currywürste verschlecken. Im Idealfall besucht man das Museum mit Bastian, indem man seine Berlin Currywurst Tour bucht.
Klar ist, die Currywurst ist im Nachkriegsdeutschland ein Stück unbelastetes Kulturgut geworden. Ob in Freiburg im Süden, in Hamburg im Norden. Ob in Duisburg, Jena oder Halle. Irgendwo zwischen Apotheke und Rossmann steht eine Bude, die für 3 Euro 50 die beste Currywurst der Stadt verkauft. Die Currywurst gehört zu deutschen Fussgängerzonen wie die Bäckerei, das Rathaus, die Zeugen Jehovas.
Die Currywurst wurde in Pop-Songs und in der Literatur gewürdigt. Politiker nutzen sie immer wieder als Chiffre für Volksnähe. Touristen, die nach den kulinarischen Schätzen der Bundesrepublik suchen, treibt sie bis heute das Blut in den Kopf. Etwa dann, wenn ihnen eine Portion der Schärfestufe 10 die Nasenschleimhaut punktiert.
Vielleicht macht gerade die Einfachheit den Erfolg der Currywurst aus. Sie kennt keinen Schnickschnack. Man bekommt, was man bestellt. Die Currywurst riecht nach Schweiss, Bratfett, ehrlicher Arbeit, dem sogenannten Bodensatz der Gesellschaft. Für Politiker ist die Currywurst deshalb zu einem beliebten Vehikel geworden, wenn es darum geht, die Distanz zwischen ihnen und ihren Wählerinnen und Wählern zu verringern. Wer auf Wahlkampfveranstaltungen eine Currywurst isst, schaut auch, dass ein Fotograf dabei ist.
Auch das Fernsehen hat von der Beliebtheit der Currywurst profitiert. Fast dreissig Jahre lang kam die Currywurst in der Krimiserie «Tatort» zu prominenten Auftritten. Denn die Kölner «Tatort»-Kommissare Ballauf und Schenk pflegten nach einem gelösten Fall ein Ritual. Oft, kurz vor Ende der Folge, gingen sie zu einer Imbissbude am Rheinufer. Dort bestellten sie zwei Bier und zwei Portionen Currywurst. Sie nippten am Kölsch, kauten, schmatzten. Gleichzeitig rekapitulierten sie für das Fernsehpublikum die vergangenen anderthalb Stunden und fügten ihre Erkenntnisse zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen.

Currywurst Rezept: So gelingt die Kultwurst zu Hause
Die Currywurst ist eine Imbissbuden-Erfindung, denn erst die Sauce macht eine Wurst zur Currywurst, aber sie wird auch in Restaurants serviert. Currywurst galt bis in die 80er Jahre als eines der beliebtesten Fastfood-Gerichte und war an Imbissständen, bei Festivals, in der Gastronomie und als Industrieprodukt im Supermarkt zu finden. Konkurrenz bekam sie erst durch Döner sowie Hamburger.
Die Sauce: Das Herzstück der Currywurst
Am weitesten verbreitet ist dabei die milde Sauce aus Tomatenketchup mit Currypulver. Hausgemachte Saucen sind weit verbreitet. Über 30 Currywurst-Rezepte kursieren alleine im Internet, zB auf www.chefkoch.de. Einige enthalten Cola und Fruchtkomponenten wie Orangensaft oder Apfelpüree (Fruchtketchup).
Currywurst - Rezept Für Die Perfekte Currysauce - Kochnoob
Für die Sauce Tomaten und alle Zutaten bis und mit Zucker in einer Pfanne verrühren, aufkochen. Hitze reduzieren, unter gelegentlichem Rühren bei kleiner Hitze zugedeckt ca. 20 Min. köcheln, pürieren. Nach Belieben Sambal Oelek dazugeben. Die Currywürste über mittelstarker Glut bzw auf mittlerer Gasgrill-Stufe (ca. 180 Grad) rundum ca. 10 Min. grillieren, in Rugeli schneiden, mit der Sauce anrichten und Curry darüberstreuen.
Schnell und einfach lässt sich Currysauce mit frischen Zutaten selbst zubereiten. Wer sich dafür Zeit nimmt, kann die Zutaten bewusst auswählen und auf zuckerreiche Fertigprodukte wie Ketchup und Cola (ist Zutat in einigen Rezepten) verzichten. Für ein einfaches Rezept werden Schalotten klein geschnitten und in etwas Öl angedünstet. Mehr Schärfe geben frischer Ingwer oder eine fein gehackte Peperoni. Mit Tomatenmark und verschiedenen Currypulvergewürzen wie Kurkuma, Koriander und Kreuzkümmel oder einer fertigen Curry-Mischung kurz anrösten und mit etwas Orangensaft ablöschen. Nun kommen passierte oder stückige Tomaten hinzu. Mit Salz, Pfeffer und einem Schuss Ahornsirup oder Honig abschmecken und für zehn bis zwanzig Minuten sanft köcheln - fertig ist eine aromatische Currysauce. Je nach Geschmack kann man eine Zimtstange und Gewürznelken mitkochen oder weitere Zutaten wie Knoblauch und Balsamicoessig ergänzen. Wer es fruchtig mag, gibt klein geschnittenes Obst wie Mango, Ananas und Apfel und etwas Kokosmilch hinzu und püriert die Sauce.
Zutaten für die Currywurst-Sauce
Die Zutaten (Mischverhältnis unbekannt) waren in etwa folgende: Tomatenmark, Wasser, Currypulver, Paprika (edelsüss), Worcestershire-Sauce, Zucker, Salz, Chilipulver. Manche Imbisse bieten heutzutage noch rohe, gehackte Zwiebeln dazu an oder fügen gemahlene Chilischoten (Bestellung: «mit Körnern») hinzu, und Sterne-Köche verfeinern die Sauce auch schon mal mit einem Schuss Weisswein oder Coca-Cola, einer Prise Ingwer, Sojasauce oder Ananas.

Die Currywurst: Mehr als nur ein Imbiss
Die Currywurst hat Kulturschaffende jeder Couleur inpiriert. Sie wird in Theaterstücken, Filmen und Büchern gewüridigt sowie in einem Lied von Herbert Grönemeyer:«Gehse inne stadt, wat macht dich da satt: 'ne Currywurst. Kommse vonne Schicht, wat Schönret gibt et nich als wie Currywurst.» (Gehst du in die Stadt, was macht dich da satt: eine Currywurst. Kommst du von der Schicht, etwas Schöneres gibt es nicht als eine Currywurst.)
Wie das Currypulver zur Sauce und somit zur Wurst kam, wird in einer Novelle des Hamburgers Uwe Timm beschrieben, «Die Entdeckung der Currywurst» (1993). Darin geht es um eine Imbissbesitzerin am Grossneumarkt in Hamburg, die beim Stolpern auf der Treppe aus Versehen Currypulver, das sie gerade in der Hand hielt, in die rote Sauce streute.
Traditionell wird die Currysauce zu Brat- oder Brühwurst und Pommes frites serviert. Sie schmeckt aber auch zu Veggie-Wurst und Falafeln, Kartoffelspalten und Eierspeisen.
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