Das Grillieren ist in der Schweiz ein beliebtes Sommervergnügen. Doch während die Bratwürste auf dem Grill brutzeln, stellt sich die Frage: Wer steht eigentlich am Grill, und warum? Oftmals scheint es, als ob das Grillieren fest in männlicher Hand liegt, während die Zubereitung der Salate und Beilagen eher den Frauen zugeschrieben wird. Aber stimmt das wirklich?

Grillen ist meist immer noch Männersache: Weil die Frauen nicht dürfen, es nicht gut können oder weil sie nicht wollen? Foto: Getty Images
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Die Rollenverteilung am Grill: Ein Rückfall in alte Zeiten?
Es ist verwunderlich, was sich in diesen Tagen in helvetischen Gärten, auf Balkonen, öffentlichen Wiesen und an Feuerstellen abspielt. Zum anderen vollzieht er eine Trennung der Geschlechterrollen, die an längst vergangene, längst überwundene Zeiten erinnert: Die Männer rotten sich um den Grill, wo sie mit herrischem Habitus Fleischstücke arrangieren, während sie beim Bier über Glutstufen und Garzeiten philosophieren. Frauen halten sich derweil dezent im Hintergrund und bereiten den Salat zu.
Kulturwissenschaftler erklären sich den Rückschritt in vorzivilisatorische Zeiten als eine Art Trotzreaktion des Mannes auf die Tatsache, dass ihm die Frau inzwischen so ziemlich jeden denkbaren Lebensbereich streitig gemacht hat. Der deutsche Soziologe Sacha Szabo etwa bezeichnet das Grillieren gegenüber der «Welt» als Spiel, in dem sich der Mann «als potenter Ernährer in Szene setzen darf».
Allerdings könnte die Geschlechtertrennung am Grill auch mit dem Pragmatismus der Frau in der Gegenwart zu tun haben. Dem Mann den Vortritt lässt, wenn sich dieser im Auge des Sturms die Fackelspiess-Marinade von den Fingern leckt, um ein weiteres Bier öffnen zu können? Wir sehen das so: Die meisten Frauen haben berechtigterweise keinen Bock darauf, die schönsten Tage im Jahr in einem Umfeld zu verbringen, das an eine 1.Mai-Demo erinnert. Da machen sie lieber in der kühlen Küche den Salat. Und lassen dem Mann sein Refugium. Unter dem Strich sind alle glücklich.
Die Emanzipation findet nicht am Grill statt?
Ich freue mich ja, dass binäre Geschlechterrollen in vielen Bereichen zusehends hinterfragt werden. Aber sobald es ums Grillieren geht, sind die plötzlich wieder sehr hartnäckig. Als hätte die Emanzipation überall stattgefunden ausser am Grill. Wenn es ums Fleischgrillieren geht, dann sind Männer plötzlich sehr involviert.
Was bedeutet "Grillieren"?
An dieser Stelle eine Begriffsklärung. Grillieren heisst, man steht am Grill, in der einen Hand eine Grillzange oder so was, in der anderen eine Flasche Bier. Dazu macht man einen Witz über Vegetarier. Um anschliessend zu ergänzen, nein, sicher nicht. Man esse nur noch ganz wenig Fleisch. Also eigentlich fast nicht mehr. Und wenn, dann achte man auf die Qualität. Also schon aus der Schweiz. Auch nur von Tieren, die artgerecht gehalten werden. Aber manchmal sei es eben schon fein. So ein gutes Stück Fleisch vom Grill, weisch.
Die harte Realität des Grillierens
Nein, wenn ich ehrlich bin, weiss ich eigentlich nicht. Grillieren ist oft vor allem mühsam. Man drängt sich auf einem Balkon, es ist heiss, nur der kleinste Teil des Essens hat mit dem Grill zu tun. Der ganze Rest - seien wir mal ehrlich, am meisten zu tun geben die ganzen Salate - muss ohnehin in der Küche vorbereitet werden. Und hier kommen wieder die Geschlechterrollen ins Spiel, das übernehmen oft weiblich gelesene Personen.
Und das Beste kommt zum Schluss: Dann muss nämlich der Grill auch noch geputzt werden. Kurzum, ich sehe die Notwendigkeit nicht. Ein Kochherd ist eine tolle zivilisatorische Errungenschaft. Entweder Feuerstelle oder Kochherd. Alles dazwischen ist affektiert.

Frauen Grillkurse
Bei ihren Grillkursen merkt Yulia Haybäck, dass sich bei Kursen mit Männern und Frauen meist eine klassische Rollenverteilung ergibt. Die Frauen machen die Vorbereitungen, aber die Männer stehen später am Grill. Mit den Frauengrillkursen will sie erreichen, dass auch die Frauen an den Grill treten. Dafür schafft sie eine angenehme Atmosphäre, bei der eine solche Rollenverteilung gar nicht erst entstehen kann. Denn bei den vorgegebenen Inhalten von Weber merkt man, dass sie von Männern gemacht sind, aus den USA stammen und für Europa lediglich adaptiert wurden.
Auch wenn Verallgemeinerungen natürlich schwierig sind, denken und handeln Frauen durchschnittlich anders als Männer, das gilt auch beim Kochen und am Grill. Im Gegensatz zu Männern fragen Frauen nicht, "bei welcher Temperatur GENAU wird das gemacht?", sondern haben es mehr im Gefühl. Sie arbeiten eher "hands on", es wird einfach hingegriffen und ausprobiert.
Tipps und Tricks für Frauen am Grill
Das Wichtigste: Einfach drübertrauen! Die einzelnen Tipps und Tricks lernt man sowieso beim Grillkurs, der größte Schritt jedoch ist, sich aus der Rollenverteilung herauszulösen. Frauen haben auch keine Angst, vor dem Gasherd zu stehen, warum also vor dem Feuer am Grill?
Grillmythen und Fakten
Es gibt einige weit verbreitete Vorstellungen rund ums Grillieren. Hier einige Beispiele:
- Mythos: Nur Männer können richtig grillieren.
- Fakt: Studien zeigen, dass Frauen genauso gut, wenn nicht sogar kreativer grillieren können.
- Mythos: Fleisch muss immer im Mittelpunkt stehen.
- Fakt: Gemüse, Halloumi und andere vegetarische Alternativen erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
- Mythos: Grillieren ist kompliziert und erfordert viel Erfahrung.
- Fakt: Mit ein paar grundlegenden Tipps und Tricks kann jeder ein leckeres Grillgericht zubereiten.
Die Schweizer Grillgewohnheiten
70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer grillieren regelmässig mit Freunden. Das zeigt eine aktuelle Studie von Bell. Im Sommer heizen zudem 90 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Monat ein. 60 Prozent stehen gar einmal die Woche am Rost. Auch eine Umfrage von Coop bringt Ähnliches hervor: An durchschnittlich 21 Sommertagen pro Jahr steigt bei Schweizerinnen und Schweizern ein Barbecue.
Mit 44 zu 41 Prozent sind es heutzutage mehr Frauen als Männer, die mindestens einmal pro Woche Feines vom Grill geniessen. Am beliebtesten auf dem Grill sind gemäss der Bell-Studie Kotelett, Entrecôte oder Pouletflügeli. Sie haben die Würste in der Grill-Hitparade vom ersten Platz verdrängt. Auf Platz 3 folgen weiterhin Grill-Spiesse. Bei den Frauen gehört neu Gemüse zu den Top 3 des beliebtesten Grillguts.
Was kommt auf den Grill?
Auf den Rost kommt, was schmeckt: gefüllte Pilze, mariniertes Gemüse, Halloumi und natürlich Fleisch. Für Tsch-Tsch-Tschennifer gibt’s Gemüse aller Art, Tsch-Tsch-Tschimmy gönnt sich Fisch und Tsch-Tsch-Tscheremy geniesst Spareribs.

Fazit
Die Rollenverteilung beim Grillieren ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Geschlechterstereotypen. Es ist an der Zeit, diese aufzubrechen und das Grillieren als gemeinsames Vergnügen zu betrachten, bei dem jeder seine individuellen Fähigkeiten und Vorlieben einbringen kann. Egal ob Mann oder Frau, Hauptsache, es schmeckt!