Hamburger und Pommes frites sind ungesund, aber trotzdem sehr beliebt. Warum ist das so? Und ist das schlimm? Dieser Artikel beleuchtet die Faszination für Fast Food, insbesondere am Beispiel des McChicken mit Salat, und untersucht die psychologischen und sozialen Gründe für diese Vorliebe.

Die Anziehungskraft von Fast Food
Schnelles, fettiges Essen ist ungesund und kann dick und krank machen. Eigentlich weiss das jeder. Doch der Hunger nach Fast Food scheint dennoch unersättlich. Wie kann das sein?
Ein Grund dafür ist die unmittelbare Belohnung, die Fast Food bietet. Ein Hamburger und ein Milchshake etwa befriedigen sofort. Wir wissen bereits vor dem Essen, was uns erwartet: viel Fett, viel Zucker. «Unser System lernt, dass die Erwartung bestätigt wird. Wir schütten Glückshormone aus», sagt Ernährungsberaterin Nicole Heuberger. Die primäre Erfahrung sei, dass es uns schmecke.
Studien zeigen, dass das Gehirn beim Verzehr von fettigem, industriell hergestelltem Essen ähnliche Mengen des Glückshormons Dopamin wie bei Suchtmitteln wie Nikotin und Alkohol ausschüttet. Hochverarbeitete Lebensmittel wie Hamburger, Pommes frites oder Chicken Nuggets in Fast-Food-Lokalen versorgen den Körper mit raffinierten, also nährstoffarmen Kohlenhydraten, zugesetzten Fetten und weiteren Zusatzstoffen.
Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe hingegen kommen in diesen Kalorienbomben kaum vor.
McDonald’s ist mit 178 Filialen das grösste Gastronomieunternehmen der Schweiz. 2018 zählte der Fast-Food-Anbieter 105 Millionen Gäste; das sind rund 300 000 pro Tag.

Der Mensch lässt sich nur allzu gerne verführen. Vor allem, wenn er Hunger hat: Jetzt schnell einen Hamburger! Oder einen grossen Cheeseburger . . . Die Lust davor ist häufig stärker als die Enttäuschung danach über das, was man nach der Bestellung wirklich bekommt. Und verführen kann McDonald’s gut. Zum Beispiel mit dem «Happy Meal» für 7 Franken 40: Für das Geld gibt es einen Hamburger, einen Cheeseburger oder vier Chicken McNuggets mit Pommes oder Rüebli, ein kleines Getränk, ein Fruchtpüree zum Dessert und ein Spielzeug oder ein Büchlein zum Mit-nach-Hause-Nehmen. So werden bereits Kinder an die Marke gebunden.
Fast Food als Rebellion und soziale Erfahrung
Viele erinnern sich an den ersten Besuch bei McDonald's als ein aufregendes, soziales Ereignis. Für Jugendliche kann Fast Food auch eine Form von Rebellion sein. Wenn Jugendliche sich auswärts verpflegen, wählen sie häufig jenes Essen, das zu Hause tabu ist.
Die 15-jährige Schülerin Lynn und die 16-jährige KV-Lernende Ellen aus Zürich sind sich einig: «Das Essen ist ungesund, aber fein.» Ihnen geht es um mehr als um Fast Food. Häufig seien sie am Wochenende hier, erzählen sie. Dann könnten sie «neue Verknüpfungen» machen - neue Leute kennenlernen.
Auch für viele Erwachsene ist der Besuch im McDonald’s eine Gewohnheit. Viele der Erwachsenen essen allein. Weil es schnell gehen muss? Oder weil sie sich schämen für ihr fettiges Mittagessen?
Der 28-jährige Ashty sagt, er nehme sich heute Zeit für sich. Er sei zum Genuss hier. Der junge Mann isst einen riesigen Hamburger und trinkt einen Milchshake. Er sei selten hier, er arbeite als Krankenpfleger. Im Spital habe er auch mit Patienten mit Darmkrebs und Nierenschäden zu tun. «Viele sagen, sie bereuten es, früher fettig und ungesund gegessen zu haben.» Und ja, ein bisschen habe er schon ein schlechtes Gewissen.
Die Kalorienfrage und ihre Folgen
Ein Big-Mac-Menu mit einer grossen Portion Pommes frites und einer grossen Cola enthält 1149 Kilokalorien, ein grosser McFlurry (so nennt sich das Softeis bei McDonald’s) bis zu 788 Kilokalorien. Zusammengezählt sind das 1937 Kilokalorien. Eine einzige Mahlzeit bei McDonald’s entspricht also bereits ungefähr dem durchschnittlichen täglichen Energiebedarf einer Frau.
Wichtiger als nackte Zahlen ist laut Heuberger die Zusammensetzung einer Mahlzeit. Und hier schneidet Fast Food oft besonders schlecht ab. Um bei dem Riesen-Hamburger und dem Milchshake von Ashty zu bleiben: Das Brötchen besteht aus Weissmehl, der Milchshake enthält viel Zucker - beide Zutaten gehören zu den sogenannten kurzkettigen Kohlenhydraten. Der Körper kann diese schnell und leicht aufspalten, der Zucker gelangt rasch ins Blut. Der Blutzuckerspiegel schnellt in die Höhe. Der Körper schüttet Insulin aus, das die Aufnahme von Glukose in die Zellen ermöglicht.
Das Problem: Ein Glukose-Rausch ist nicht nachhaltig. Der Blutzuckerspiegel fällt rasch ab. Wir haben immer noch Hunger, was dazu führen kann, dass man sich einen weiteren Burger oder allenfalls eine extra Portion Pommes frites bestellt. Oder einen weiteren zuckerhaltigen Softdrink. «Spicy» macht durstig. Ein leckerer Hamburger, der nicht satt macht, macht Lust auf mehr. Ein Teufelskreis, der sich schon bald bemerkbar machen kann: «Ein erhöhter Insulinspiegel blockiert die Fettverbrennung, das Fett wird eingelagert», sagt Heuberger.
Mögliche Folgen: Man nimmt zu. Das Fett kann sich auch in der Leber ansammeln. Dadurch erhöht sich das Risiko von Diabetes oder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder einem Herzinfarkt.
Nährwerttabelle: Big-Mac-Menu vs. Empfohlene Tagesdosis (Frau)
| Nährwert | Big-Mac-Menu | Empfohlene Tagesdosis (Frau) |
|---|---|---|
| Kilokalorien | 1149 kcal | ca. 2000 kcal |
| Grosser McFlurry | 788 kcal | - |
| Gesamte Mahlzeit | 1937 kcal | - |
Die besten Fast Food Alternativen: Schnell, einfach, gesund! | Galileo Food
Ein ausgewogener Umgang mit Fast Food
Viele Menschen haben den Anspruch, immer ausgewogen, immer «richtig» zu essen. Heuberger kämpft dagegen an. Manchmal einem Gefühl, einer Lust nachzugeben, sei ein menschliches Bedürfnis, sagt die Expertin.
Wer Lebensmittel in richtig und falsch unterteilt, verliert das Vertrauen in den Körper. Einen Tag nur Salat, dann wieder Fressattacken: Solches Schwarz-Weiss-Denken könne zwanghafte Formen annehmen.
