Wenn es draußen warm ist, sind Wespen und Bienen besonders aktiv. Vor allem, wenn es nach leckerem Essen, süßen Parfüms oder Sonnencremes riecht. Auch leuchtende Farben ziehen die kleinen Insekten an. Stechen Bienen oder Wespen, gelangt Insektengift in den Körper, das vom Immunsystem als fremd erkannt wird. Der Körper versucht, das Gift zu bekämpfen. Diese Körperreaktion kann allergische Beschwerden auslösen.
Rund 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind von einer Insektengiftallergie betroffen. Werden sie gestochen, ist sofortiges Handeln erforderlich. Da eine Allergie jederzeit neu auftreten kann, sind auch Personen verunsichert, die bisher nicht allergisch reagiert haben.
Bei einer Insektengiftallergie reagieren Betroffene auf den Stich der Insekten. Schwellungen, Rötungen und Juckreiz sind meist die ersten Symptome und klingen im Normalfall innerhalb von 24 Stunden ab. Gefährlicher sind allergische Reaktionen im Kreislaufsystem und in den Atemwegen.
Welche Insekten lösen allergische Reaktionen aus?
Bei einer Insektengiftallergie ist es für den behandelnden Arzt wichtig, das auslösende Insekt zu identifizieren. Meist handelt es sich um Bienen- und Wespenstiche, da diese Tiere am häufigsten anzutreffen sind. Weniger selten sind allergische Reaktionen nach Hummel- und Hornissenstichen.
Der Unterschied zwischen einem Wespenstich und einem Bienenstich lässt sich an einem einfachen Merkmal erkennen: Nach einem Bienenstich bleibt normalerweise der Stachel zurück, den die Biene beim Stechen verliert. Wespen hingegen ziehen den Stachel wieder zurück. Bienengiftallergie und Wespengiftallergie treten meist nicht zusammen auf. Betroffene sollten daher möglichst versuchen, das stechende Insekt zu erkennen. Wer bei einer Bienengiftallergie starke Symptome entwickelt, übersteht vielleicht einen Wespenstich ohne Allergie-Symptome und Beschwerden.
In Europa sind es vor allem Bienen und Wespen, die Insektengiftallergien verursachen. Im Gegensatz zu Wespen verlieren Bienen ihren Stachel nach dem Stich und sterben dabei. Hornissen, die zu den Verwandten der Wespen gehören, sind größer und weniger aggressiv. Sie stechen seltener. Hummeln, die mit den Bienen verwandt sind, stechen sehr selten und ihre Stiche sind im Allgemeinen harmlos. Andere Insekten wie (exotische) Ameisen oder in sehr seltenen Fällen Mücken können Allergien auslösen.

Symptome einer allergischen Reaktion
Die ersten Symptome einer allergischen Reaktion treten in der Regel einige Minuten nach dem Stich auf. Wenn die Symptome auf die Stelle des Stichs beschränkt bleiben, handelt es sich in der Regel nicht um eine allergische Reaktion. Eine Schwellung von bis zu 10 cm Durchmesser gilt als normale Reaktion auf einen Insektenstich. Sie kann von einer Rötung und einem unangenehmen Juckreiz begleitet sein, der in der Regel innerhalb von 24 Stunden abklingt.
Behandlung: Einstichstelle kühlen, das lindert den Schmerz und reduziert die Schwellung.
Schwere lokale Reaktion
Eine schwere lokale Reaktion liegt vor, wenn die Schwellung an der Einstichstelle einen Durchmesser von mehr als 10 cm hat und länger als 24 Stunden anhält. Diese Schwellung kann schmerzhaft und lästig sein und beunruhigt manchmal die Betroffenen. Doch eine solche lokale Reaktion ist normalerweise nicht gefährlich - außer bei Stichen in den Mund oder Hals. Die Schwellung kann sich stark ausbreiten: das ganze Bein kann nach einem Stich in einen Zeh anschwellen oder der ganze Arm nach einem Stich in den Finger. Diese Schwellungen können bis zu einer Woche anhalten. Bei einer schweren lokalen Reaktion kommt es auch häufig zu leicht schmerzhaften Schwellungen in der Leiste oder den Achseln.
Behandlung: Es hilft, die Einstichstelle zu kühlen und das betroffene Körperteil hochzulagern. Bei starkem Juckreiz können Antihistaminika, bei starken Schmerzen ein Schmerzmittel eingenommen werden.
Die ersten Beschwerden treten meist innerhalb von Minuten bis zu zwei Stunden nach dem Stich auf und reichen von Symptomen der Haut (Juckreiz, Rötungen, Nesselfieber) über Augen- und Lippenschwellungen, Übelkeit, Bauchschmerzen bis zu Atemnot und Herzrasen.
Auch bei nicht allergischen Personen kann ein Stich in den Mund oder Hals zu einer lebensbedrohlichen Schwellung führen.
Insektengiftallergie - was tun bei Wespen- und Bienenstichen?
Diagnose
Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion nach einem Bienen- oder Wespenstich sollte ein Spezialist, eine Spezialistin eine ausführliche Befragung durchführen, um die allergische Reaktion zu bestätigen und, wenn möglich, das auslösende Insekt zu bestimmen.
Optimal sollten diese vier bis sechs Wochen nach einer allergischen Reaktion auf einen Insektenstich erfolgen.
Beim Hauttest wird ein stark verdünntes Bienen- und Wespengift in die obere Hautschicht im Bereich der Beugeseite der Unterarme eingebracht. Entsteht an der Teststelle eine kleine Schwellung und Rötung, besteht eine Allergie.
Mit Blutuntersuchungen lässt sich abklären, ob im Blut der Betroffenen Antikörper gegen das Insektengift vorkommen und ob die Antikörper gegen die Hauptallergene des Gifts gerichtet sind, welche die Beschwerden verursachen.
Soforthilfe nach Insektenstichen
Treten deutliche Symptome für eine Insektengiftallergie auf, müssen Betroffene und Begleitpersonen sofort handeln. Wichtig sind vor allem folgende Schritte:
- Stachel suchen und entfernen
- Medikamente einnehmen: Wurde der Betroffene bereits wegen einer Bienen- oder Wespenstichallergie behandelt, sollte er umgehend die verschriebenen Medikamente aus dem Notfall-Set einnehmen. Bei einer bestehenden Insektengiftallergie müssen die Medikamente in den Sommermonaten immer mitgeführt werden.
- Notarzt alarmieren, falls in den ersten 15 Minuten Insektengiftallergie-Symptome auftreten
- Atemwege freihalten: Bei Atembeschwerden enge Kleidungsstücke lockern, den Betroffenen in eine sitzende Position bringen
- Schocklage bei Anzeichen für einen Kreislaufschock (auf dem Rücken liegend, Beine hoch). Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit.
- Wiederbelebungsmassnahmen: als letzte Massnahme, falls keine Lebenszeichen mehr vorhanden sind
Für die medikamentöse Behandlung werden Kortison und Antihistaminika eingesetzt. Da beide Medikamente aber nicht sofort wirken, enthält das Notfall-Set für Insektengiftallergiker auch eine Adrenalin-Fertigspritze. Die Spritze wird bei deutlichen Insektengift Symptomen sofort angewandt, um Blutdruck und Kreislauf zu stabilisieren.
Wer allergisch auf einen Insektenstich reagiert hat, erhält vom Arzt, von der Ärztin ein Notfallset mit Medikamenten, die nach einem nächsten Stich sofort anzuwenden sind. Ebenfalls sollte unmittelbar nach dem Stich der Stachel entfernt (Bienenstich) und der Notfalldienst (Schweiz: 144, Europa: 112) verständigt werden. Sind keine Medikamente vorhanden: Bei Bienenstichen sofort den Stachel entfernen und den Notfalldienst alarmieren. In jedem Fall versuchen, Ruhe zu bewahren.

Behandlung
Personen mit einer Insektengiftallergie sollen sich im Fall einer erneuten Reaktion auf einen Stich selber behandeln können. Eine medikamentöse Behandlung erfolgt je nach Schweregrad der Reaktion mit einer Adrenalinspritze oder Antihistaminika und Kortison. Die Medikamente müssen als Notfallset überall hin mitgenommen werden. Die Spezialistinnen und Spezialisten bestimmen die Art und Dosierung der Medikamente individuell. Im Fall eines Stichs muss der Stachel sofort entfernt werden, das Medikament eingenommen und bei Atembeschwerden oder Kreislaufproblemen der nächstgelegene Arzt aufgesucht werden. Falls vorhanden den Epipen anwenden. Bei Kindern sollte das Umfeld über die Allergie und die Vorgehensweise im Fall eines Stichs informiert sein.
Desensibilisierung
Eine Desensibilisierung ist die einzige ursächliche Therapie. Ihre Wirksamkeit ist gut belegt und führt bei über 95 Prozent der Wespengiftallergiker und 85 Prozent der Bienengiftallergiker zum vollständigen Schutz vor allergischen Reaktionen. Bei einer Desensibilisierung wird in definierten Zeitabständen das Insektengift in den Oberarm gespritzt, wobei die Dosis ständig erhöht wird. Ziel ist es, den Körper schrittweise an das Gift zu gewöhnen. Der Beginn der Behandlung erfolgt mit dem Ultra-Rush-Verfahren. Dabei werden dem Patienten unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung sechs bis acht Spritzen innerhalb eines Tages verabreicht. Das hat neben einer Zeitersparnis den Vorteil, dass bereits nach dieser Behandlung ein gewisser Schutz erreicht ist. Allfällige Nebenwirkungen werden sofort behandelt, sind aber zumeist harmlos. Bei guter Verträglichkeit kann der Hausarzt oder die Hausärztin die Behandlung fortsetzen. Insgesamt dauert die Therapie fünf Jahre. Einige Personen benötigen jedoch eine lebenslange Behandlung.
Vorbeugung
Vermeiden Sie bunte Kleidung, weil Bienen sie mit Blüten verwechseln können. Beachten Sie, dass bestimmte Gerüche auf Insekten anziehend wirken.
Symptomerkennung kann Leben retten
Eine Insektengiftallergie kann zwar gefährlich werden, doch wer die Symptome kennt und richtig reagieren kann, senkt das Risiko schwerwiegender Komplikationen. Bienenstiche treten vor allem im Frühling und Sommer auf, während Wespen im Spätsommer und Herbst aktiv sind. Ihre Stiche können im Falle einer Allergie lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Betroffene sollten daher immer ihr Notfallset bei sich haben.
Verlauf
Bei einer allergischen Reaktion auf einen Insektenstich treten die Symptome meistens innerhalb weniger Minuten bis einer Stunde nach dem Stich auf. In leichten Fällen bleibt es bei milden Beschwerden, welche von selbst wieder abklingen. Im schlimmsten Fall schwellen die Atemwege zu, was zu Atemstillstand und einem Herz-Kreislauf-Kollaps führen kann (anaphylaktischer Schock). Dies ist eine absolute Notfallsituation und kann innert kurzer Zeit tödlich sein.
Zusammenfassung
Die Insektengiftallergie, meistens verursacht durch Bienen- oder Wespenstiche, kann gefährlich sein. Denn neben lokalen Schwellungen und Rötungen der Haut können Bienen- und Wespenstiche auch zu lebensgefährlichen Reaktionen führen.
Allergien sind eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Bei einer Bienen- oder Wespengiftallergie stuft das Immunsystem eigentlich harmlose Bestandteile des Insektengifts fälschlicherweise als gefährlich ein und bekämpft diese wie Krankheitserreger. Solche allergieauslösenden Substanzen nennt man Allergene.
In der Schweiz leiden rund fünf Prozent der Bevölkerung an einer Insektengiftallergie. Im Unterschied zu den meisten anderen Allergien sind Insektengiftallergien nicht vererbbar. Am häufigsten sind Allergien auf das Gift von Bienen und Wespen, seltener auf jenes von Hornissen und Hummeln.
Symptomerkennung und schnelles Handeln sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden. Wer die Symptome kennt und richtig reagieren kann, senkt das Risiko schwerwiegender Folgen.
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