Bienen sind nicht nur für das Ökosystem von großer Bedeutung, sondern ihre Produkte können auch zugunsten unserer Gesundheit eingesetzt werden. Die medizinische Verwendung von Bienenprodukten zur Linderung von Beschwerden und zur Vorbeugung gegen Krankheiten ist unter dem Begriff Apitherapie (lat. apis, Biene) bekannt. Diese Therapieform reicht bis ins alte Ägypten zurück.

Bienenprodukte und ihre Anwendungen
Verschiedene Bienenprodukte werden in der Naturheilkunde und Medizin eingesetzt. Hier ein Überblick:
Honig
Honig sammeln die Bienen als Wintervorrat, mit dem sie die kalte Jahreszeit überstehen. Für die Insekten ist er somit überlebenswichtig. Für uns Menschen versüßt Honig nicht nur Butterbrot, Obstsalat oder Kräutertee, er hat auch eine heilende Wirkung. Dank dem Enzym Glucoseoxidase kann er antibiotisch wirken, was zum Beispiel bei Entzündungen im Rachenbereich helfen kann.
Medizinisch ist Honig eines der wissenschaftlich am besten dokumentierten Wundheilmittel, vor allem im englischen Sprachraum. Besonders der neuseeländische Manukahonig zeigt für medizinische Wundbehandlungen überzeugende Resultate. Mittlerweile ist sehr genau bekannt, welche Honigarten und welche Verarbeitungstechnik notwendig sind, um medizinisch sichere und hochwirksame Wundauflagen herzustellen. Die Enzymaktivität des Honigs reinigt die Wunde auf schonende Weise, wirkt antibakteriell und regt die Wundgranulation an.
Propolis
Eines der spannendsten Produkte ist das Bienenkittharz, auch Propolis genannt. Bienen arbeiten dieses direkt in die Waben ein. Es hat antibakterielle Eigenschaften und hält Pilze, Bakterien, Viren und andere potenzielle Krankheitserreger vom Bienenstock - insbesondere von der Königin - fern. Diese antibakterielle Wirkung lässt sich therapeutisch nutzen. Dank ihrer entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften lässt sich Propolis in der Pflanzenheilkunde breit einsetzen - zum Beispiel in Form von Salben, Tinkturen und spagyrischen Essenzen.
Medizinisch besonders interessant ist das Bienenharz. Bienen sammeln Harze von bestimmten Baumknospen und verarbeiten diese zu einer antimikrobiell hochaktiven Substanz, dem sogenannten Propolis. Mit dieser Substanz können sie ihren Bienenstock weitgehend von den häufigsten Mikroben (Bakterien, Pilze usw.) freihalten. Diese antimikrobiellen Eigenschaften von Propolis sind auch für die Humanmedizin sehr interessant. Fein verteilt ist Propolis auch im Bienenwachs präsent.
Bienenwachs
Das Bienenwachs ist ein natürliches, von Honigbienen abgesondertes Wachs, das die Insekten zum Bau der Bienenwaben nutzen. Bienenwaben sind das innere Gerüst und der Halt des Bienenvolkes. Bienenwachs ist chemisch eine ungewöhnliche Substanz. Er wird mit wenig Wärmezufuhr sofort weich und plastisch formbar und hält diese Wärme ungewöhnlich lange in sich.
Bienenwachs lässt sich nicht nur für Kerzen, sondern auch für die Anwendung von Wickeln oder Umschlägen nutzen. Erwärmt aufgelegt, können Bienenwachsblätter Atemwegserkrankungen oder Gelenkbeschwerden lindern. Der Bienenwachswickel kann - je nach Beschwerden - auf Brust, Bauch oder Rücken aufgelegt werden.
In der Medizin kann man mit warmen Bienenwachs-Packungen diese Eigenschaften nutzen und Bienenwachs anatomisch an bestimmte Körperteile anformen. Es werden auch verschiedene Bienenwachsauflagen verwendet, zum Beispiel bei Atemwegsinfekten oder gegen Rückenschmerzen.
Beim Schmelzen von Wachs wird auch immer etwas Propolis freigesetzt. Eltern können beispielsweise beobachten, dass ihre ständig hustenden Kinder nach einem Anlass mit Bienenwachskerzenziehen plötzlich nicht mehr husten. In den warmen Bienenwachsdämpfen kann das gelöste Propolis seine antimikrobielle Wirkung entfalten.
Bienengift
Deine Naturheilkunde – Bienengiftsalbe
Ein Bienenstich ist nicht angenehm. Wer allergisch auf das Gift der Biene reagiert, sollte für alle Fälle ein Notfallset dabeihaben. Solche Sets enthalten in der Regel ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat, gegebenenfalls auch eine Adrenalin-Fertigspritze. Bienengift kann aber auch Linderung verschaffen: In homöopathischen Dosen lässt es sich gegen Schwellungen durch Bienenstiche nutzen. Hier bezieht man sich auf das homöopathische Simile-Prinzip. Das bedeutet, dass man Ähnliches mit Ähnlichem behandelt.
Umsicht und Sorgfalt gelten in besonderem Masse auch für die stärkste Substanz der Bienen: dem Bienengift. Die wissenschaftliche Aufschlüsselung der Substanzkomposition des Bienengiftes ergab eine Vielzahl von medizinisch hochaktiven Substanzen. In der Volksmedizin gilt Bienengift als gutes Mittel gegen Gelenkschmerzen und chronisch entzündliche Erkrankungen. Inzwischen wurde durch medizinische Forschungen entdeckt, dass durch einen Bienenstich klinisch relevante Mengen von körpereigenen entzündungshemmenden Substanzen ausgeschüttet werden, welche solche Effekte auch schulmedizinisch verständlich machen.
In der Naturheilkunde wird Bienengift aufgrund seiner analgetischen Wirkung geschätzt. Bienengiftsalbe kann dank des enthaltenen Bienengifts unterstützend an den betroffenen Stellen wirken. Die natürlichen Kräuterextrakte in der Creme verstärken zusätzlich die Wirkung des Bienengifts. Beim Auftragen sorgt die Bee Cream zunächst für eine kühlende und anschließend für eine sanfte, wärmende Empfindung.
Weniger heikel in der medizinischen Anwendung sind verschiedene potenzierte Bienenpräparate. In der Homöopathie hat sich Apis vor allem bei akuten Entzündungsreaktionen bewährt, die die Kardinalsymptome eines frischen Bienenstiches zeigen, wie akute Rötung, Überwärmung, Schwellung und Berührungsempfindlichkeit (Simile-Prinzip).
Die Anthroposophisch erweiterte Medizin geht von einem qualitativen Zusammenhang der Honigbiene mit höheren Gestaltungskräften aus, die auch im Menschen wirksam sind. Im Menschen werden diese Kräfte durch sorgfältig eingesetzte Heilmittel aus den Bienenprodukten angesprochen und aktiviert.
Gelée Royal
Bei Gelée Royal handelt es sich um eine Art Bienenmilch, die von Ammenbienen speziell für die künftige oder aktuelle Königin erzeugt wird. Gelée Royal wirkt antibiotisch, aufbauend, immunstärkend und kann auch bei Hautproblemen helfen. Es ist ein extrem gehaltvoller Saft, der die eigenen Abwehrkräfte stärkt.
Blütenpollen
Als «Superfood der Bienen» werden Blütenpollen bezeichnet. Diese entstehen, wenn die Biene bei ihrer Arbeit Nektar und pulvrige Pollen aus dem Staubbeutel der Pflanzenblüte abkratzt. Das Blütenpollen-Granulat hat die Funktion, den Nachwuchs zu ernähren, enthält alle lebenswichtigen Stoffe für seine gesunde Entwicklung und schützt ihn vor Keimen. In der Naturheilkunde ist die Liste von Anwendungen von Blütenpollen lang. In der Regel werden sie als Granulat oder in Kapselform angeboten.
Bienengiftakupunktur
Die Bienengiftakupunktur (auch Apipunktur oder Apiakupunktur von lat. Apis = Biene) ist eine alternative Heilmethode. Unter der Bienengiftakupunktur versteht man die therapeutische Anwendung von Bienengiftinjektionen an ausgewählten Akupunkturpunkten.
In der Apiakupunktur wird die Anwendung von Bienengift zu therapeutischen Zwecken mit dem Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kombiniert. Bei der Bienengiftakupunktur werden dieselben Akupunkturpunkte wie bei der klassischen Nadeltherapie stimuliert und dadurch der Fluss der Lebensenergie Qi reguliert. Zusätzlich entfaltet das Bienengift seine entzündungshemmende, schmerzlindernde und durchblutungsfördernde Wirkung.
Wirkungsweise
Die Bienengiftakupunktur wirkt zum einen wie die klassische Akupunktur aufgrund der Stimulation ausgewählter Akupunkturpunkte und der damit verbundenen Meridiane (Leitbahnen). In den Meridianen zirkuliert nach Vorstellung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Lebensenergie Qi.
Zusätzlich zur Stimulation auf energetischer Ebene wirkt die Bienengiftakupunktur aufgrund der komplexen Eigenschaften des Bienengifts. Hauptbestandteil des Bienengifts ist das Peptid Mellitin. Diese wirkt im entzündeten Gewebe entzündungshemmend und aktiviert die körpereigene Cortisolausschüttung. Dadurch wird überschüssige Immuntätigkeit gehemmt und Entzündungen klingen ab. Durch die gefässerweiternde Wirkung der Injektion kommt es ausserdem zu einem vermehrten Auftreten von Abwehrzellen wie Leukozyten vom B- und T-Zelltype rund um die Einstichstelle. Der Stoffwechsel wird angeregt, Schlacken und Zellgifte werden mobilisiert und können vom Körper abtransportiert werden. Durch die Wärme wird das Gewebe und die Muskulatur gelockert. Bienengift kann mitunter auch versteckte, chronische Krankheitsherde aufdecken und aktivieren.
Anwendung
Entsprechend des Beschwerdebilds des Patienten und der Diagnose des Therapeuten wählt dieser zur Behandlung geeignete Akupunkturpunkte aus. Zusätzlich können konkrete Schmerzpunkte in die Therapie miteinbezogen werden. Es gibt unterschiedliche Methoden mit Bienengift auf die Akupunkturpunkte einzuwirken.
Am häufigsten kommt mittlerweile die Injektion einer Bienengiftakupunktur zum Einsatz. In arabischen Ländern und in weiten Teilen Asiens wird die Biene selbst zur Bienengiftakupunktur verwendet.
Im Gegensatz zur Bienengiftakupunktur mit lebenden Bienen, muss die Biene bei der Akupunktur mit einer Bienengifttinktur nicht sterben. Das Gift wird in Bienenstöcken mit speziellen Vorrichtungen gewonnen. Mit Hilfe einer Drahtstromfalle werden die Bienen durch einen milden Stromschlag zum Stechen animiert.
Anwendungsgebiete von Bienengift in der Medizin
Neben der Behandlung von Nervenschmerzen wird Bienengift auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt:
- Rheuma und Arthritis
- Multiple Sklerose
- Immunsystemstärkung
- Wundheilung
- Allergien
- Krebserkrankungen
Bienengift in der Kosmetik
Neben der Verwendung in der Medizin wird das Bienengift auch in Kosmetikartikeln, wie in Hautpflegeprodukten, verwendet. So ist in verschiedenen Quellen von der Kollagen- und Elastinfördernden-Wirkung des Peptids Melittin zu lesen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion der beiden Bestandteile im Körper ab, was wiederum zu Falten und schlaffer Haut führt. Denn Kollagen und Elastin sind für eine straffe und elastische Haut verantwortlich. Aufgrund dieser Wirkung von Melittin wird Bienengift eingesetzt, um Falten zu bekämpfen und die Durchblutung der Haut anzuregen.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie bei allen Arzneimitteln kann auch die Anwendung von Bienengift Nebenwirkungen haben. Mögliche Nebenwirkungen können lokale Hautreaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz sein. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion sollte die Anwendung sofort beendet und ein Arzt konsultiert werden. Personen mit einer bekannten Allergie gegen Bienengift oder einen der sonstigen Bestandteile der Salbe sollten das Produkt nicht verwenden. Ebenso ist Vorsicht geboten bei Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Im Zweifelsfall sollte vor der Anwendung Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker gehalten werden.
Homöopathische Arzneimittel mit Bienengift
In der Homöopathie findet das Bienengift unter dem Namen Apisinum Verwendung als Wirkstoff in diversen Arzneimitteln. Weiter verbreitet ist Apis mellifica, wobei das ganze Insekt verarbeitet wird, welches ja dann auch die Giftblase samt Inhalt enthält.
In der Homöopathie hat sich Apis vor allem bei akuten Entzündungsreaktionen bewährt, die die Kardinalsymptome eines frischen Bienenstiches zeigen, wie akute Rötung, Überwärmung, Schwellung und Berührungsempfindlichkeit (Simile-Prinzip).
Apis mellifica
Das aus der Honigbiene gewonnene Apis hilft bei allem, was der Reaktion auf einen Bienenstich ähnelt - und insbesondere bei Insektenstichen. Werden die Globuli möglichst rasch nach einem Stich (Wespen, Mücken, Bremsen oder Bienen) oder einem Quallenkontakt eingenommen, lässt sich das unangenehme Brennen, Jucken und Anschwellen der Haut eindämmen. Auch bei klassischen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute kann Apis helfen, so etwa bei Nesselfieber, Wundinfektionen oder Blasenentzündungen. Sie eignet sich auch sehr gut für die Behandlung von Beschwerden als Nebenwirkung eines Medikaments oder bei Nachwirkungen einer Narkose wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme.
Potenzierte Apiszubereitungen - meist im Verdünnungsbereich D3 bis D30 - werden beispielsweise eingesetzt bei Erkrankungen mit überschiessenden Entzündungsreaktionen, um Selbstheilungskräfte und innere Strukturierung anzuregen.
Weitere Homöopathische Mittel
- Arnica: Als Erste-Hilfe-Medizin bei Sportverletzungen, Quetschungen, Prellungen und Geweberissen.
- Belladonna: Bei allen plötzlich und heftig auftretenden Infekten wie Mandel- oder Mittelohrentzündungen, Bronchitis und Erkältungen kommt sie zum Einsatz, um die typischen Symptome wie hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten oder pochende Kopf- oder Zahnschmerzen zu lindern.
- Rhus toxicodendron: Bei überlasteten Gelenken oder einer angegriffenen Muskulatur kommt diese homöopathische Arznei zum Einsatz. Sie kann Schmerzen lindern, wie sie für Gelenksteifigkeit, Rheuma, Neuralgien typisch sind; aber auch bei Muskelkater nach zu viel Sport.
Erste Hilfe nach einem Bienenstich
Wenn die Biene einen Menschen gestochen hat, bleibt ihr Stachel mit der Giftblase in der Haut stecken. Er muss als erstes entfernt werden. Dazu wird der Stachel seitlich mit dem Fingernagel herausgewischt.
Danach kühlt man die brennende, juckende und schmerzende Einstichstelle durch kalte Umschläge mit Essigwasser (1 Teil Essig auf 2 Teile Wasser), Coldpacks oder Eiswürfel, Kältespray oder Alkohol. Auch die Auflage von frischen Zwiebelschalen oder Propolis-Tinktur kann helfen.
Treten grössere Schwellungen, stärkere Schmerzen oder in einigen Tagen danach rote Streifen unter der Haut auf, muss der Arzt aufgesucht werden.
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