Am vierten Donnerstag im November feiern die USA Thanksgiving. Auch hierzulande erfreut sich die amerikanische Tradition immer grösserer Beliebtheit. Doch was steckt hinter dem traditionsreichen Familienfest? Was hat es mit den Truthähnen auf sich und was hat der Black Friday damit zu tun?
Thanksgiving ist ein gesetzlicher Feiertag in den USA. Es ist wieder so weit - Thanksgiving steht vor der Tür. Doch was steckt eigentlich hinter diesem amerikanischen Hype rund um Truthahn, Football und Familienzusammenkünfte?
Thanksgiving - ein Fest, das die meisten von uns sofort mit einem grossen Truthahn, köstlichem Kürbiskuchen und gemütlichen Familientreffen in den USA verbinden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Thanksgiving zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Kultur und wurde 1863 von Präsident Abraham Lincoln offiziell als nationaler Feiertag eingeführt.

Ein traditionelles Thanksgiving Dinner im Jahr 1942.
Ursprung und Bedeutung
Das Wort «Thanksgiving» - Danksagung - wurde nicht zufällig gewählt. An Thanksgiving wird traditionell ein Dankesgebet gesprochen. Oder es geht der Reihe nach und die Anwesenden erzählen, wofür sie im vergangenen Jahr besonders dankbar waren. Allerdings variieren solche Bräuche stark.
Mutmasslich entstand das amerikanische Thanksgiving im Jahre 1621, als die Pilgerväter bei Plymouth Rock im heutigen Massachusetts ein dreitägiges Erntedankfest feierten. Sie luden aus Dankbarkeit die benachbarten Wampanoag Indianer ein. Ohne deren Hilfe wären sie wohl nicht durch den folgenden Winter gekommen. Geschichtlich ist das Fest nicht belegt. 1941 wurde daraus ein nationaler Feiertag.
Zur Tradition gehört auch die Proklamation des Feiertags durch den US-Präsidenten, der dabei in der Regel zurückliegende Ereignisse aufgreift.
Der Truthahn im Mittelpunkt
«Ohne Truthahn kein Thanksgiving» - gilt für die meisten Amerikaner. Die Traditionsspeise wird in der Regel gefüllt, gebraten und mit Beilagen wie Cranberry-Sauce, Süsskartoffeln und Gemüse wie Kürbis oder Mais serviert. Süssspeisen wie Kürbis- oder Apfelkuchen runden die Mahlzeit ab. Eine üppige Schlemmerei ist Tradition bei diesem Fest. Jedes Jahr werden in den USA an Thanksgiving rund 45 Millionen Truthähne verspeist, so das US-Landwirtschaftsministerium.
Gebratener Truthahn - narrensicher | Jamie Oliver auf Deutsch
Der Truthahn nimmt in den USA eine wichtige Stellung ein. Den amtierenden Präsidenten werden alljährlich Truthähne für das Fest überreicht. Seit der Präsidentschaft von George Bush Senior werden die Tiere traditionell begnadigt.
Kritische Perspektiven
Die Wampanoag wurden mit dem Einfall der Weissen Siedler durch eingeschleppte Krankheiten und Kriege dezimiert, aus ihrer Heimat verdrängt und in Reservate gesperrt. Während der Ausbreitung der Europäer in Amerika wurden ganze Indianerstämme vernichtet und die übrigen zu einem Leben in Reservaten gezwungen. Die meisten Nachkommen sehen in Thanksgiving daher keinen Anlass zu einer Feier.
Einige Amerikaner haben sich deshalb für einen «Nationalen Tag der Trauer» entschieden und verzichten auf die Festlichkeiten.

National Day of Mourning in Plymouth, Massachusetts.
Auswirkungen auf die Wirtschaft
Die US-Wirtschaft profitiert von Thanksgiving. Viele Amerikaner nehmen sich nämlich den Freitag frei und machen aus Thanksgiving ein verlängertes Wochenende. Die zusätzliche Freizeit wird meist für Weihnachtseinkäufe genutzt. Der Freitag wurde zum inoffiziellen Shopping-Tag. Enorme Staus und Menschenansammlungen in den Grossstädten sind die Folge.
Der Einzelhandel reagiert mit einer Rabatt-Schlacht, die bereits weitere Länder erreicht hat - so auch die Schweiz. 2018 gingen in den USA zwischen Donnerstag und Montag rund 165 Millionen Menschen einkaufen, wobei jeder im Schnitt 313 Dollar ausgab, so die «Süddeutsche Zeitung». Am sogenannte «Cyber Montag» verschiebt sich die Rabatt-Schlacht dann ins Internet und Online-Shopping-Plattformen setzen die tiefen Preise noch weiter hinunter.
Thanksgiving weltweit
Thanksgiving ist nicht nur ein amerikanisches Fest! Es gibt weltweit ähnliche Traditionen, bei denen Dankbarkeit und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen. Jede Kultur hat ihre eigene Art, das Erntedankfest zu feiern.
- Kanada: Am zweiten Montag im Oktober geniessen die Kanadier ein langes Wochenende mit traditionellen Festessen.
- Australien: Das «Apple & Grape Harvest Festival» in Stanthorpe, Queensland, lockt mit Traubenstampfen, Paraden, Live-Musik und Kulinarik.
- Ghana und Nigeria: Das «New Yam Festival» wird jedes Jahr im August nach der Regenzeit gefeiert, wobei die Jamswurzel im Mittelpunkt steht.
- Mexiko: In Oaxaca wird im Juli die «Guelaguetza» gefeiert - ein Fest zu Ehren der Maisgöttin Centeotl.
- Japan: Am 23. November feiert Japan das traditionelle Niiname-no-Matsuri und den modernen Feiertag Kinrō Kansha no Hi.
- Deutschland: Das Erntedankfest wird mit geschmückten Kirchen und Spendenaktionen gefeiert.
Weitere Traditionen
Neben dem Essen gibt es weitere Traditionen, die mit Thanksgiving verbunden sind:
- Football: Für viele gehört das Schauen von Football dazu. Die Detroit Lions bestreiten seit 1934 jedes Jahr an Thanksgiving ein Spiel.
- Macy’s Thanksgiving Day Parade: Die Parade wird von New York aus im Fernsehen übertragen.
- Turkey Trots: Rennen für einen guten Zweck, die am Morgen des Feiertags stattfinden.
- Wishbone Tradition: Zwei Personen ziehen an einem getrockneten Truthahngabelknochen. Wer das längere Stück erhält, darf sich etwas wünschen.
Zubereitung des perfekten Truthahns
Der Truthahn ist im Vergleich zu einem Poulet oder einer Gans ein sehr magerer Vogel. Das «Problem» beim Truthahn ist oft, dass er trocken wird. Wenn man den Truthahn nach unserem Rezept zubereitet, gelingt er bestimmt. Die Temperaturführung ist entscheidend. In unserem Rezept starten wir bei 180 Grad und enden mit 140 Grad. Das funktioniert hervorragend.
Neben der richtigen Temperaturführung ist es wichtig, die Haut vorgängig zu salzen und mit flüssiger Butter zu bestreichen. Man rechnet mit etwa 500 Gramm Rohgewicht pro Person.
Hier ist eine Tabelle mit den wichtigsten Fakten zu Thanksgiving:
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Datum | Vierter Donnerstag im November (USA) und zweiter Montag im Oktober (Kanada) |
| Ursprung | Erntedankfest der Pilgerväter und Wampanoag im Jahr 1621 |
| Traditionen | Truthahn-Essen, Dankgebete, Familienzusammenkünfte, Paraden, Football |
| Kritik | Negative Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung |
| Wirtschaftliche Auswirkungen | Beginn der Weihnachtseinkaufssaison (Black Friday, Cyber Monday) |
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