Wenn das warme Wetter lockt, haben Stechinsekten Hochsaison. Gerade Kinder, die in der Natur ihrem natürlichen Forschungsdrang nachgehen, laufen Gefahr, gestochen zu werden. Insektenstiche sind im Sommer an der Tagesordnung.

Unterschiedliche Insekten und ihre Stiche
«Rund 90 Prozent aller Menschen hierzulande erleiden im Laufe ihres Lebens einen Bienen- oder Wespenstich», weiss Allergieexperte Helbling. Zu den Hautflüglern zählen Bienen, Wespen, Hornissen, Hummeln (stechen sehr selten) sowie Ameisen, wobei die gefährlichen Ameisenarten in unseren Breitengraden nicht vorkommen.
Anders als blutsaugende Insekten stechen Hautflügler in der Regel, um sich zu verteidigen, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen. Dazu setzen sie ein Gift ein, das im Körper eine entzündliche Abwehrreaktion mit Schmerzen und Juckreiz und eine oft starke, bis zu 10 Zentimeter grosse lokale Schwellung an der Einstichstelle erzeugt.
Unterschied zwischen Bienen und Wespen
Bienen und Wespen sehen unterschiedlich aus, aber wer gestochen wurde, achtet meist nicht auf das Aussehen des wegfliegenden Insekts. Anhand der folgenden Kriterien kann man erkennen, ob man von einer Biene oder Wespe gestochen wurde:
- Aussehen: Honigbienen sind goldbraun, kleiner und rundlicher als Wespen. Bienen sind behaart und nicht so auffällig gelb gestreift wie Wespen.
- Stich: Ein Bienenstachel hat Widerhaken und bleibt in der Haut stecken, sobald die Biene nach dem Zustechen wegfliegt - der Stachel wird dabei zusammen mit der Giftblase aus dem Hinterleib gerissen. Die Biene stirbt dann kurz darauf. Der steckengebliebene Stachel mit der Giftblase kann noch kurze Zeit weiter Gift in die Haut abgeben. Wespen sterben nach dem Stich nicht, weil sie ihren Stachel aus der Haut zurückziehen können. Deshalb können sie auch mehrfach zustechen. Eine Honigbiene kann mehr Gift pro Stich abgeben als eine Wespe.
- Verhalten: Honigbienen und Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Bienen reagieren früher und weniger tolerant als Wespen, wenn sich Menschen ihrem Bienenstock nähern. Wespen reagieren bei schwül-warmer Witterung, etwa vor einem Gewitter, dafür oft aggressiver als Bienen. Wird man auf einer blühenden Wiese gestochen, handelt es sich eher um eine Honigbiene, beim Verzehr von Lebensmitteln oder in der Nähe eines Abfallkorbs trifft man eher auf Wespen.

Auch wenn isoliertes Bienengift (Apitoxin) mitunter therapeutisch eingesetzt wird - gesund sind Bienenstiche nicht. Zu Wirksamkeit und Sicherheit der Apitherapie fehlen ausserdem noch abschliessende wissenschaftliche Belege.
Was tun nach einem Bienenstich?
Wenn ein Kind von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen wurde, ist es wichtig, das weinende Kind erst mal zu beruhigen. Sollte nach einem Bienenstich der Stachel noch in der Haut stecken, sollte dieser mit einer Pinzette oder dem Fingernagel vorsichtig entfernt werden.
Anschliessend ist es wichtig, die Stichstelle zu desinfizieren, gut zu kühlen, den betroffenen Körperteil - meist Hand oder Fuss - hochzulagern und mindestens 15 Minuten zu ruhen. Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält, sind Hornissenstiche nicht gefährlicher als Wespenstiche.
Um den Heilungsprozess zu unterstützen, kann lokal eine antientzündliche Creme, eine Rheumasalbe oder auch ein Schmerzgel aufgetragen werden. Ergänzend haben sich auch komplementärmedizinische Anwendungen bewährt. Direkt nach dem Stich kann eine aufgeschnittene Zwiebel oder die Auflage von zerdrücktem Spitzwegerich gute Hilfe leisten.
Sofortmaßnahmen:
- Stachel entfernen
- Kühlen
- Desinfizieren
- Hochlagern
Erste Hilfe bei allergischen Reaktionen
Wenn eine Biene, Wespe, Hornisse oder Hummel in den Mund oder Rachen sticht, ist das immer ein lebensbedrohlicher Notfall. Denn infolge der lokalen Stichreaktion können die Atemwege zuschwellen. Hier muss sofort ein Notarzt alarmiert werden.
Ein medizinischer Notfall liegt auch vor, wenn eine Person allergisch auf Insektengift reagiert. Meistens zeigen sich die unterschiedlich starken systemischen Reaktionen schon wenige Minuten bis eine halbe Stunde nach dem Stich und können von Schwindel und starkem Juckreiz bis hin zum anaphylaktischen Schock mit lebensbedrohlichem Herz-Kreislauf-Versagen und Atemstillstand führen.
Anzeichen für eine allergische Reaktion sind unter anderem auffällige Ruhe, Blässe, Schwindel, Übelkeit, Juckreiz am ganzen Körper, Schlaffheit, Atemprobleme und pfeifende Atemgeräusche, blaue Lippen, Bauchschmerzen, Durchfall sowie Bewusstlosigkeit.
Treten Anzeichen einer allergischen Reaktion auf, sollte sofort der Notarzt alarmiert werden. Wenn ein Antihistaminikum zur Hand ist, kann die doppelte Dosierung, wie im Beipackzettel empfohlen, gegeben werden, um die Reaktion bis zum Eintreffen des Notarztes zu bremsen.
Wer einmal - und seien es auch nur leichte - allergische Reaktionen auf Insektengift gezeigt hat, sollte die Symptome immer von einem Allergologen abklären lassen. Bei moderaten Reaktionen wird in der Regel ein Allergie-Notfallset mit speziellen Notfallmedikamenten verordnet, das Betroffene stets bei sich tragen sollten. Ausserdem wird besprochen, was im Notfall genau zu tun ist.
Darüber hinaus sollten auch Angehörige, sonstige Betreuende und Lehrpersonen eine Anaphylaxie-Schulung (z. . beim aha! Allergiezentrum Schweiz) mitmachen, um im Notfall gezielt helfen zu können. Bei schweren Verläufen kann auch eine allergenspezifische Immuntherapie beim Arzt durchgeführt werden.
Am besten ist es natürlich, sich gar nicht erst stechen zu lassen, denn häufige Stiche innerhalb kurzer Zeit erhöhen das Risiko für eine Insektengiftallergie.

Vorbeugende Maßnahmen
Folgende vorbeugende Massnahmen können helfen, Stiche zu vermeiden:
- Nie barfuss gehen.
- Nie direkt aus offenen Dosen oder undurchsichtigen Flaschen trinken. Bier, Cola- und Limonadengetränke ziehen Wespen und Bienen magisch an.
- Starke Düfte wie Parfüm, Haarspray usw., aber auch Schweiss locken Stechinsekten an.
- Süsse und eiweisshaltige Speisen ziehen Bienen und Wespen an.
- Wasseransammlungen wie Regentonnen und wassergefüllte Gefässe sind ideale Brutstätten für Mücken und Bremsen.
- Mücken, Bremsen und Zecken meiden ätherische Düfte wie Lavendel, Salbei, Rosengeranie oder Teebaumöl.
Symptome eines Bienenstichs
Sofern keine Allergie gegen Bienengift vorliegt, verursacht ein Bienenstich nur lokale Symptome an der Einstichstelle. Dazu zählen:
- Schmerzen
- Rötung
- Schwellung
- Juckreiz
Meistens kommt es zu einer normalen Lokalreaktion: Dann betragen Rötung und Schwellung an der Einstichstelle weniger als zehn Zentimeter im Durchmesser und beginnen innerhalb von 24 Stunden, sich wieder zurückzubilden.
Von einer gesteigerten (oder überschiessenden) Lokalreaktion spricht man, wenn die Schwellung 10 cm oder mehr beträgt und mehrere Tage anhält. Solch eine Reaktion kann ein Hinweis auf eine Allergie gegen Bienengift sein. Man kann sie zum Beispiel bei einem Bienenstich in der Nähe von Gelenken oder an gut durchbluteten Körperstellen (z.B. Bienenstich im Gesicht) beobachten.
Besonders bei Kindern kommt es bei einer gesteigerten Lokalreaktion mitunter zu einer Entzündung im Körper, die nicht durch eine Infektion an der Einstichstelle verursacht wird (nicht-infektiöse systemische Inflammationsreaktion).
Solch eine nicht-infektiöse systemische Entzündungsreaktion macht sich in der Regel am ersten oder zweiten Tag nach dem Bienenstich bemerkbar. Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel Schüttelfrost, Krankheitsgefühl und/oder eine Lymphgefässentzündung (Lymphangitis).
Entwickeln sich nach einem Bienenstich Beschwerden, die den ganzen Körper - und nicht nur die Haut - betreffen (z.B. Übelkeit, Atembeschwerden), handelt es sich um eine Bienengiftallergie.
Verlauf und Spätreaktion
Manchmal kommt es nach einem Bienenstich auch zu einer Spätreaktion: Dann beginnt die Schwellung an der Einstichstelle nicht innerhalb von einem Tag wieder abzuschwellen, sondern nimmt in den ersten ein bis drei Tagen sogar weiter zu. Sie fühlt sich dann nicht mehr weich, sondern hart (derb) an.
Wie lange solch eine übermässige Schwellung anhält, hängt unter anderem davon ab, wohin die Biene gestochen hat, wie viel Gift in die Einstichstelle gelangt ist und ob jemand allergisch auf Bienengift reagiert. Gesteigerte Lokalreaktionen sind oft ein erster Hinweis auf eine Allergie.
Neben den Schmerzen ist der Juckreiz oft schwer auszuhalten: Wie lange ein Bienenstich juckt, ist individuell verschieden - oft hält das Jucken aber über mehrere Tage an.
Bis sich eine gesteigerte Lokalreaktion zurückgebildet hat, können bis zu zehn Tage vergehen.
Gefährlich ist ein Bienenstich in der Regel nicht. Allerdings kommt es auch darauf an, wo man gestochen wird: Ein Bienenstich in den Finger ist für Menschen, die nicht allergisch auf Bienengift reagieren, normalerweise unproblematisch. Dagegen ist ein Bienenstich im Hals für alle Menschen, ob sie nun allergisch gegen Bienengift sind oder nicht, potenziell lebensbedrohlich!
Anaphylaktische Reaktion
Eine anaphylaktische - also schwere allergische - Reaktion entwickelt sich bei Menschen, die allergisch auf Bienengift reagieren, meist innerhalb von fünf bis zehn Minuten nach dem Stich. Reaktionen wie Ohnmacht, Herzrasen oder Panikattacken innerhalb von wenigen Sekunden oder erst nach mehreren Stunden, machen eine alternative Erkrankung wahrscheinlicher.
Blutvergiftung durch Bienenstich?
Vor allem Kindern können im Rahmen einer gesteigerten Lokalreaktion nach einem Bienenstich eine Lymphgefässentzündung (Lymphangitis) entwickeln. Sie kann in seltenen Fällen zu einer Sepsis führen, auch bekannt als „Blutvergiftung“. Manchmal kommt es dann zu einer streifenförmigen Rötung, die von der Einstichstelle ausgeht.
Hausmittel gegen Bienenstiche
Verursacht der Bienenstich nur eine normale Lokalreaktion der Haut, reichen Hausmittel oft aus, um die Beschwerden auf natürliche Weise zu lindern. Viele dieser Mittel wirken entzündungshemmend, beruhigen die Haut oder lindern den Juckreiz:
- Quarkwickel: Kühle Quarkauflagen sind ein bewährtes Hausmittel gegen Schwellungen. Der Quark wird auf ein Tuch gestrichen und auf die Haut gelegt.
- Heilerdepaste: Aus Heilerde und etwas Wasser lässt sich eine Paste anrühren, die auf die Stichstelle aufgetragen werden kann. Sie kann überschüssige Wärme und leichte Entzündungen abziehen.
- Essigwasser: Ein weiteres beliebtes Hausmittel sind kühlende Umschläge mit Essigwasser (ein Teil Essig auf zwei Teile Wasser). Der Essig wirkt entzündungshemmend und kann den Juckreiz lindern.
- Zwiebelkompresse: Die aufgeschnittene Zwiebel wird mit der Schnittfläche auf die Einstichstelle gelegt. Die Schwefelverbindungen in der Zwiebel wirken antibiotisch und können den Juckreiz lindern.
- Weisskohlauflage: Kohlwickel sollen kühlend, schmerzstillend, abschwellend und entzündungshemmend wirken. Sie eignen sich ebenfalls als Auflage.
Hausmittel gegen Bienenstich reichen bei leichten Beschwerden oft aus. Bei einer Bienengiftallergie sollten Sie sich immer ärztlich behandeln lassen. Ein Stich in Mund, Rachen und Hals ist immer ein medizinischer Notfall!
Wann zum Arzt?
Bienenstiche verursachen nur selten eine Infektion an der Einstichstelle, weil das Gift bakterientötend (bakterizid) wirkt. Macht sich eine entzündete Wunde mit Schmerzen oder Eiter bemerkbar, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam.
Ist ein Bienenstich ein Notfall?
Besteht der Verdacht auf eine Bienengiftallergie, sollten Sie bei einem Bienenstich unbedingt ärztliche Hilfe suchen. Vor allem bei schweren und lebensbedrohlichen allergischen Symptomen müssen Sie umgehend die 112 wählen, also etwa bei:
- Hitzegefühl im ganzen Körper
- Quaddeln am ganzen Körper
- Übelkeit
- Atemnot oder zunehmendem Engegefühl im Brustkorb
- raschem Anschwellen von Lippen, Zunge oder Gesicht
- Kaltschweissigkeit
- Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht
Auch wenn keine Allergie vorliegt, alarmieren Sie den Notruf bei einem Bienenstich in Mund, Rachen oder Hals. Zunge und Schleimhäute in Mund und Rachen können so stark anschwellen, dass die Atemwege blockiert werden - es droht Erstickungsgefahr!
Bienenstich in der Schwangerschaft
Für Schwangere, die bislang nicht allergisch auf Bienengift reagiert haben, ist ein Bienenstich in den meisten Fällen unbedenklich, sofern es nur zu einer normalen Hautreaktion an der Einstichstelle kommt. Kommt es jedoch zu einer anaphylaktischen Reaktion, handelt es sich um einen Notfall. Wenn Sie die 112 rufen, informieren Sie die Rettung unbedingt darüber, dass es sich bei der gestochenen Person um eine schwangere Frau handelt!
Ein Einzelbericht über ein Kind, das mit Fehlbildungen geboren wurde, weil die Mutter im dritten Schwangerschaftsmonat von einer Biene gestochen wurde, belegt keinen Zusammenhang zwischen kindlichen Fehlbildungen und Bienenstichen in der Schwangerschaft.
Generell gilt in der Schwangerschaft: Die Vermeidung von Stichen sollte im Vordergrund stehen, um Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden - sind Schwangere im Sommer draussen unterwegs, tragen sie besser Schuhe und laufen beispielsweise nicht barfuss auf Wiesen.
Bei der Anwendung von Medikamenten und Hausmitteln in der Schwangerschaft ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Bewährte Hausmittel wie Zwiebelkompressen, Essigwasser oder Quarkwickel können hingegen in der Regel bedenkenlos verwendet werden bei einem Bienenstich.
Ayurvedische Tipps bei Bienenstichen
Aus ayurvedischer Sicht empfiehlt Rebekka Heckendorn bei einem Bienenstich eine einfache Zutat aus der Küche: Zwiebeln. Die Zwiebel halbieren und sofort auf den Stich legen, um das Gift zu entziehen. Nach einiger Zeit kann die Wunde mit Knoblauch eingerieben werden, um eine entzündungshemmende Wirkung zu erzielen.
Weitere Informationen und Unterstützung
Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie unser kostenloses Beratungstelefon aha!infoline jeden Vormittag von Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr.
Hilfe, Bienenstich! Was tun?
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