Wie viele andere Gartenpflanzen stammt die Kartoffel ursprünglich aus Südamerika. Die Kulturgeschichte der Kartoffel ist gut 6000 Jahre alt. Nach Europa gelangte die Pflanze im 16. Jahrhundert. Über lange Zeit wurde sie aber nur als botanische Rarität oder als Zierpflanze angebaut.
Erst die witterungsbedingte Hungerkrise 1770-1771 führte neben anderen Faktoren dazu, dass die wenig beliebte Knolle eine Chance gegenüber dem bis dahin bevorzugten Getreide bekam. Kartoffeln gehören, wie Tomate, Paprika und Aubergine zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Weltweit gibt es nach Angaben der deutschen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rund 5.000 Kartoffelsorten.
Für den Anbau im Garten kommen in erster Linie Speisekartoffeln in Frage. Es gibt sie mit unterschiedlichen Kocheigenschaften. Mehlig kochende Sorten eignen sich zur Herstellung von Kartoffelstock, Kartoffelknödel, Gratin oder Gnocci. Neben den Kocheigenschaften unterscheiden sich die Kartoffeln auch in der Fleischfarbe. Es gibt sie in hellgelb, gelb rot und violett. Rotschalige Sorten, wie 'Desiree' oder die bekannte 'Laura' verfügen über gelbes Fleisch.
Bunte Kartoffelsorten bringen nicht nur mehr Abwechslung in den Grillsalat, sie haben auch gesundheitsförderliche Eigenschaften. Die für die rote, violette oder blaue Färbung verantwortlichen Anthocyane unterstützen unsere Nervenzellen und Blutgefässe. Damit sollen sie auch dabei helfen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Generell sind die bunten Kartoffeln sogar etwas intensiver und nussiger im Geschmack - manche behaupten sogar, einen Hauch von Maronen-Aroma zu erschmecken.
Dunkellilafarbene Sorten, die teils schon ins Blaue hinein gehen, gibt es besonders viele. Einige Beispiele sind die ‚Blaue St. Galler‘, ‚Blauer Schwede‘ oder die ‚Blaue Anneliese‘. In Dunkelrot gibt es Kartoffeln ebenfalls zu kaufen. Hier können Sie nach Sorten wie ‚Rote Emmalie‘, ‚Rouge de Cournailles‘, ‚Lilly Rose‘ oder ‚Heiderot‘ Ausschau halten. In jedem Fall sollten Sie sich vorher nach den Eigenschaften der jeweiligen Sorte erkundigen. Denn die Abstufung in fest-, vorwiegend fest und mehlig-kochend gibt es bei den bunten Kartoffelsorten genauso wie bei den gelben Varianten.
Neben diesen farblich interessanten Kartoffeln gibt es auch unter den so genannten alten Sorten Besonderheiten. So soll 'La Ratte', auch Müsli genannt, ein fein nussiges Aroma haben. Ähnlich wird 'Corne de Gatte' beschrieben. Die Knollen dieser Sorte wachsen verzweigt und lassen sich daher nur schlecht schälen.
Die «Blaue Schweden» ist in der Schweiz eine beliebte blaue Kartoffel. Ihr grosser Nachteil: Beim Kochen verschwindet ihre Farbe. Christoph Gämperli von der Sankt-Gallischen Zuchtgenossenschaft wollte sich dem aber nicht geschlagen geben und kreuzte über Jahre hinweg verschiedene Kartoffelsorten. Er selektionierte jene, die ihre Farbe behielten. Herausgekommen ist schlussendlich die Kartoffelsorte «Blaue St. Gallen». Die blau-violette Knolle hält auch nach der Verarbeitung ihre wunderschöne Farbe.
Wie all ihre Kartoffelverwandten ist die Blaue St. Galler eine Powerknolle: Sie hat wenig Kalorien und Fett, dafür aber viele Mineralstoffe und etwas Eiweiss. Somit ist sie die ideale Grundlage für eine vollwertige Mahlzeit. Die Blaue St. Galler ist vom Kochtyp B, das heisst, sie bleibt fest und wird nur schwach mehlig.
Kartoffeln sind frostempfindlich und daher bei zu früher Pflanzung durch Spätfröste im Frühjahr gefährdet. Aus diesem Grund wird i.d.R. nicht vor Ende April gepflanzt. Da Kartoffeln, je nach Sorte, eine relativ kurze Kulturzeit von drei bis max. fünf Monaten haben, spielen Fröste im Herbst keine Rolle. Kartoffeln wachsen auf fast allen Gartenböden und lassen sich sogar in grossen Pflanzkübeln, Hochbeeten oder einem Pflanzsack auf dem Balkon oder der Terrasse anbauen.
Der Boden wird vor dem Pflanzen gut gelockert und ausreichend mit Kompost oder einem organischen Dünger versorgt. Die Pflanzung der Knollen erfolgt im Abstand von 30 bis 35 cm in der Reihe, gelegt wird in 5 bis 10 cm Tiefe. Der Reihenabstand beträgt 60 bis max. 80 cm. Nach dem Legen werden die Kartoffelreihen leicht mit Erde angehäufelt.
Wer die Möglichkeit hat, kann die Pflanzkartoffeln schon ab Ende Februar vorkeimen, und mit dieser Methode die Kulturzeit etwas verkürzen. Die Knollen werden dazu einlagig in eine flache Kiste oder Schale gelegt und an einem möglichst hellen und kühlen (12°C bis 15°C) Ort aufgestellt. Unter diesen Bedingungen bilden die Kartoffeln, anders als im dunklen Keller, kurze grüne, bei manchen Sorten auch violette Keime. Wenn die jungen Triebe nach dem Legen durch die Oberfläche des Damms stossen, kann man sie mit einem Vlies vor leichten Nachtfrösten schützen, mit denen bis Mitte Mai zu rechnen ist.
Anfangs sollte keimendes Unkraut durch Jäten oder mehrfaches Häufeln beseitigt werden. Im Laufe des Wachstums brauchen Kartoffeln ausreichend Wasser, so dass bei Trockenheit ggf. Geerntet wird frühestens, wenn das Kartoffelkraut zu welken beginnt. Die Knollen sind dann schon gut entwickelt. Am besten lassen sich die Knollen mit einer Grabegabel vorsichtig aus der Erde heben. Bei grösseren Erntemengen ist es i.d.R. kein Problem die Kartoffeln über längere Zeit zu lagern. Wichtig ist, dass nur gut abgetrocknete und unbeschädigte Kartoffeln in die Kisten oder Säcke kommen.
Saatkartoffeln sollten so früh als möglich angebaut werden. Blattläuse, Hauptüberträger von Viren werden so 'an der kurzen Leine gehalten'. Eine wesentliche Beschleunigung erhält man mit dem Vorkeimen, welches im Februar begonnen werden kann. Die Kartoffeln für drei Tage bei Zimmertemperatur lagern. Damit werden sie zur Keimung angeregt. Danach vier bis sechs Wochen (bis zur Aussaat) in einem Kistchen an einem hellen Ort bei 10-12 Grad keimen lassen. Kurz vor der Aussaat darf die Temperatur auch höher sein.
Zur Zeit der Aussaat müssen die Keime ca. 1-2 cm, kräftig, farbig und gedrungen sein, dass sie beim Säen der Knollen nicht abbrechen. Anspruch Kartoffeln sind Starkzehrer. Sie brauchen einen nährstoffhaltigen Boden. Dafür reichert man das Beet mit 2 Litern reifem Kompost oder gut verrottetem Mist pro m2 an, dazu kommen rund 50 g Hornspäne. Beides wird im Herbst vorher oder kurz vor dem Auspflanzen in den Boden eingearbeitet.
Besonders gute und gesunde Stauden werden markiert, zum Beispiel mit Stecken. Sie werden gesondert geerntet und separat gelagert, da sie als Saatgut für das nächste Jahr dienen. Besonders kranke Stauden werden fortlaufend entfernt.
Wie die Blauen Schweden sind die Pflanzen einjährig, mögen es vollsonnig und feuchten Boden. Die Blaue St. Galler wird exklusiv von der Sankt-Gallischen Saatzuchtgenossenschaft vermehrt. In der Ostschweiz ist sie aber in vielen Hofläden zu finden. Auch ausgewählte Supermarkt-Filialen von Coop haben sie im Sortiment.
Rösti ist ein Schweizer Klassiker - das Ganze geht aber auch in Blau: Für vier Personen braucht man ein Kilo der blauen Knollen. Ob diese vor dem Raffelngekocht werden oder nicht, ist jedem selbst überlassen. So oder so: die Kartoffeln schälen und mit einer groben Raffel raffeln. Salz und Pfeffer daruntermischen. In einer grossen Bratpfanne genügend Fett (Bratbutter oder Öl) bei mittlerer Hitze erhitzen. Die Kartoffeln beigeben und 10 bis 15 Minuten anbraten lassen und immer wieder kurz wenden. Das Ganze danach zu einer Rösti zusammendrücken. Danach die Hitze etwas reduzieren und die Bratpfanne mit einem Deckel oder einem Teller zudecken. Braten lassen, bis eine Kruste entsteht. Zur Rösti passen Spiegeleier, Fleischkäse oder ein paar Scheiben Raclettekäse.
Anbautipps für lilafarbene Kartoffelsorten
Hier sind einige Tipps für den erfolgreichen Anbau von lilafarbenen Kartoffelsorten:
- Vorkeimen: Beginnen Sie im Februar mit dem Vorkeimen der Kartoffeln, um die Kulturzeit zu verkürzen.
- Boden: Achten Sie auf einen nährstoffhaltigen Boden und reichern Sie ihn mit Kompost und Hornspänen an.
- Pflanzabstand: Pflanzen Sie die Knollen in einem Abstand von 30 bis 35 cm in der Reihe und 60 bis 80 cm zwischen den Reihen.
- Bewässerung: Sorgen Sie für ausreichend Wasser während des Wachstums, besonders bei Trockenheit.
- Ernte: Ernten Sie die Kartoffeln, wenn das Kraut zu welken beginnt.
Die wichtigste Krankheit der Kartoffel ist die Kraut- und Knollenfäule. Leider gibt es keine ausreichend resistenten Sorten, so dass in niederschlagsreichen Jahren regelmässig mit Befall durch diesen Erreger zu rechnen ist. Der wichtigste Schädling ist der Kartoffelkäfer. Er tritt regelmässig auf.
Normalerweise verschickt Pro Specie Rara nur wenige Knollen. Um dennoch eine annehmbare Fläche bebauen zu können, gibt es folgende zwei Tricks:
- Die 2-5 cm langen Keime können abgenommen und in einen kleinen, mit leichter Erde gefüllten Topf gesteckt werden. Schön feucht und am Licht gehalten, bilden diese Keime Wurzeln und können später ausgepflanzt werden. Die "malträtierten" Knollen bilden wieder neue Keime.
- Die Knollen können in mehrere Teile zerschnitten werden, welche je einen Keim aufweisen. Vorgehen: Einige Stunden vor dem Pflanzen Knollen mit scharfem Messer fast durchschneiden. Bis zum Pflanzen heilt die Wunde bereits an. Beim Pflanzen in Teile zerbrechen.
Pflanzabstand: 60 x 35-40 cm
Mindestanzahl Samenträger: 25-30
Befruchtungsart: Fremdbefruchtung (Insekten)
Verkreuzung: Es ist keine Verkreuzung möglich, da die Vermehrung über Knollen geschieht (vegetativ).
Vermehrungsart: Knolle
Saat-/Pflanzgutgewinnung: Die Beete sollten mehrmals kontrolliert werden.
Blaue Gschwellti gefällig? Die meisten blauen Kartoffelsorten verlieren ihre Farbe beim Erwärmen. Nicht aber die Blaue St. Die meisten blauen Kartoffeln verlieren ihre Farbe beim Erhitzen, doch die Blaue St. Galler bleibt blau.
Sonst entspricht sie jedoch ganz den Eigenschaften der Ursprungspflanze.

Blaue St. Galler Kartoffeln
Hier ist eine Tabelle mit einigen beliebten lilafarbenen Kartoffelsorten:
| Sorte | Fleischfarbe | Kocheigenschaft | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Blaue St. Galler | Blau-violett | Festkochend | Behält Farbe beim Kochen |
| Blauer Schwede | Violett | Vorwiegend festkochend | Verliert Farbe beim Kochen |
| Blaue Anneliese | Violett | Mehlig kochend | Gute Lagerfähigkeit |
| Rote Emmalie | Rot | Festkochend | Intensiver Geschmack |
Kartoffeln anbauen: 7 fatale FEHLER.
Mit diesen Informationen und Tipps können Sie erfolgreich lilafarbene Kartoffeln in Ihrem Garten anbauen und die Vielfalt und den Geschmack dieser besonderen Sorten geniessen.

Verschiedene bunte Kartoffelsorten
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