Die Ernährung von Kleinkindern ist ein wichtiges Thema, das viele Eltern beschäftigt. Dabei geht es nicht nur darum, was Kinder essen, sondern auch darum, wie und warum sie bestimmte Vorlieben entwickeln. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Gefahren von bestimmten Lebensmitteln wie Spaghetti, gibt Einblicke in die Entwicklung des Geschmacks und bietet Ratschläge für eine ausgewogene Ernährung.

Zucker: Eine unterschätzte Gefahr
Zucker - das Wort klingt schon hart, scharf und gefährlich. Und ja, das nicht ganz zu Unrecht: Die Kristalle können bei Überkonsum der Gesundheit extrem schaden, das ist seit Jahren wissenschaftlicher Konsens.
Eine Studie, publiziert im Wissenschaftsjournal «Science», liefert einen weiteren Beleg dafür. Die Untersuchung zeigt, dass die Rationierung von Zucker in den ersten Lebensmonaten das Risiko senken kann, an den Volksleiden Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken.
Ein Team um die Ökonomin Tadeja Gračner vom Zentrum für Sozial- und Wirtschaftsforschung an der University of Southern California nutzte für die Analyse quasi-experimentelle Daten vom Anfang der 1950er-Jahre im Vereinigten Königreich. Als der Zucker dort nach dem Zweiten Weltkrieg rationiert wurde, konsumierten die Menschen durchschnittlich bis zu 40 Gramm freien zugesetzten Zucker pro Tag. Diese Menge entspricht in etwa der geltenden Ernährungsempfehlung der WHO.
Nach Aufhebung der Rationierung im September 1953 verdoppelte sich der Zuckerkonsum der britischen Bevölkerung beinahe schlagartig. Die Forschenden untersuchten die Gesundheitsdaten der UK Biobank von gut 60’000 Erwachsenen, die zwischen 1951 und 1956 gezeugt worden waren.
Die Auswertung ergab, dass die Rationierung bereits in den ersten 1000 Tagen ab Zeugung das langfristige Diabetesrisiko um etwa 35 und das Bluthochdruckrisiko um etwa 20 Prozent senkte.
«Die Ergebnisse der Studie sind beeindruckend, andererseits überrascht mich der Effekt nicht», erklärte Regina Ensenauer, Leiterin des Instituts für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe (D). Sie war nicht an der Studie beteiligt. Von Forschung an Mäusen wisse man bereits, dass sich eine zuckerreiche Ernährung der Mütter direkt auf die Gesundheit der Nachkommen auswirke.
Auch für den Menschen nimmt man an, dass ähnliche Prozesse im Stoffwechsel stattfinden. Wenn die Mutter zu viel Zucker im Blut habe, reagiere der Fötus auf den erhöhten Zuckergehalt und schütte Insulin aus, es komme zur Hyperinsulinämie, sagt Ensenauer. Insulin ist ein Hormon, das Fett- und Muskelzellen hilft, Zucker aus dem Blut aufzunehmen und zu verarbeiten; es gilt als wichtiges Wachstumshormon im Körper.
«Das bedeutet, dass das Kind schneller wächst und ein höheres Geburtsgewicht entwickelt. Diese Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht», sagt Ensenauer.
Bemerkenswert an der Studie sei, dass sie zeige, wie Personen, die bereits im Mutterleib einer höheren Zuckerzufuhr ausgesetzt waren, auch im höheren Erwachsenenalter immer noch deutlich mehr Zucker verzehrten als Menschen, die kurz vor Ende der Zuckerrationierung geboren wurden, sagte Peter von Philipsborn.
Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der LMU München. Damit liefert die Untersuchung einen weiteren Hinweis dafür, dass die Vorliebe für Süsses bereits im Mutterleib und der frühen Kindheit geprägt wird und dann ein Leben lang Bestand hat.
«Dies unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung in Schwangerschaft und Kindheit», so Philipsborn. Denn Süsses sei von Geburt an ein attraktiver Reiz, der Belohnungssignale im Gehirn auslöse, sagt Stefan Kabisch. «Durch Zuckerverzicht wird der Geschmackssinn empfindlicher, und wir benötigen weniger Zucker für die gleiche ‹Belohnung›. Langfristig führt eine Zuckersparsamkeit zu kontrollierterer Ernährung und einem geringeren Risiko für Übergewicht.»
Von einem moderaten Zuckerkonsum sind die Menschen in der Schweiz weit entfernt, der tatsächliche Zuckerkonsum hierzulande liegt bei ungefähr 100 Gramm pro Tag - und ist damit mehr als doppelt so hoch wie von der WHO empfohlen. Eine Möglichkeit wäre es, den Zuckerkonsum politisch zu regulieren, etwa mithilfe einer Zuckersteuer oder Werbeverboten.
«Durch Prävention kann hier viel - das heisst, auch schwere Erkrankungen - verhindert werden», sagt Regina Ensenauer. Die aktuelle Studie zeige erneut und sehr deutlich: «Am Anfang des Lebens spielt die Musik.»
Übergewicht bei Kindern: Ein wachsendes Problem
Jedes sechste Kind in der Schweiz ist von Übergewicht betroffen, jedes zwölfte ist fettleibig. Damit stehen wir leicht besser da als das umliegende Ausland. Jedoch sind die Zahlen in der Tendenz wieder eher steigend, vor allem in den städtischen Zentren und bei Kindern im Oberstufenalter. Das zeigt: Es handelt sich um ein chronisches Problem, ab dem wir dranbleiben müssen.
Früher war Übergewicht vor allem in der Unterschicht und bei der ländlichen Bevölkerung stärker vertreten. Heute sind alle Bevölkerungsanteile betroffen.
Im ersten halben Lebensjahr benötigen Babys eine ausreichende Fettschicht unter der Haut, als Isolation und Schutz. Spätestens ab dem zweiten Lebensjahr, wenn die Kinder anfangen zu laufen, sollte man genauer hinschauen. Das Gewicht in diesem Alter ist eine gute Vorhersage fürs Erwachsenenalter. Deshalb sollte man nicht einfach zuschauen und Pölsterchen als Babyspeck abtun.
Wichtig ist auch, dass man die Bewegungsfreudigkeit, die Kinder in diesem Alter zeigen, nicht abklemmt und sie beispielsweise nicht ständig im Auto chauffiert.
Es ist eine Bilanzfrage: Wenn wir ständig mehr zu uns nehmen, als wir verbrauchen, dann werden wir übergewichtig. Deshalb ist es sehr wichtig auf ausreichend Bewegung und bedarfsgerechte Ernährung zu setzen.
Die Genetik macht rund 50 Prozent der ursächlichen Konstellation aus. Aber das sollte nicht dazu führen, dass man sich einfach seinem Schicksal fügt - im Gegenteil! Zu einer ungünstigen Ausgangslage sollte man nicht noch ein ungünstiges Umfeld schaffen.
Je älter das Kind wird, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Zustand im Erwachsenenalter bestehen bleibt. Körperliche Folgen umfassen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechsel-Störungen, Diabetes Typ II, gewisse Krebsarten, Gicht, Fruchtbarkeitsstörungen.
Adipöse Kinder entwickeln Fehlstellungen des Skeletts, die später zu Gelenkbeschwerden führen können. Nicht vergessen darf man die psychischen und sozialen Auswirkungen. Übergewicht führt zu Verunsicherung und Ängsten, die bis zu Depression und Suizidalität führen können.
Vorwürfe bringen nichts, sie verhindern eher, dass Eltern frühzeitig Hilfe suchen und dann mit ihren Sorgen allein bleiben. Aber es ist schon so: Je kleiner das Kind, desto grösser der Einfluss der Eltern.
Es braucht eine klare Linie, Widerstandskraft und vor allem ein gutes Beispiel. Kinder sind gute Beobachter. Ihnen fällt es auf, wenn am Esstisch zuerst über das Gemüse gestritten wird und die Eltern danach vor dem Fernseher Praliné essen.
Was tun bei Übergewicht?
Gar nicht. Ein Kind, das noch im Wachstum ist, sollte man ausser in ganz extremen Adipositas-Fällen keiner Diät unterziehen. Denn wenn es weniger Nährstoffe als nötig bekommt, können sich ein Wachstumsstopp und eine Unterversorgung von wichtigen Organen einstellen.
Vielmehr sollte die ganze Familie mitziehen und als Erstes das weglassen, was keines der Familienmitglieder wirklich braucht: ein tägliches Dessert, ungesunde Zwischenmahlzeiten oder Süssgetränke zum Beispiel. Dann ist schon vieles geschafft.
In einem nächsten Schritt schaut man sich an, wie die Mahlzeiten zusammengesetzt sind. Besteht zum Beispiel ein Überangebot an Fett? Viele Menschen können das gar nicht mehr richtig einschätzen. Aufschnitt zum Beispiel besteht zur Hälfte aus Fett. Beim Cervelat ist es auch nicht besser. Auch Käse ist vor allem ein Fettlieferant, auch wenn er auch fürs Wachstum wichtige Proteine liefert.
Grundsätzlich ist die Schweizer Kost sehr kohlenhydratlastig. In einem Teller Spaghetti mit Pesto ist kaum Eiweiss.
Beikost: Der Start in eine vielfältige Ernährung
Ab einem Alter von ungefähr fünf Monaten zeigen viele Babys Interesse am Essen. Spätestens im Alter von sieben Monaten reichen Muttermilch oder Schoppennahrung nicht mehr aus, um den steigenden Bedarf Ihres Babys an Energie, Eiweiss, Vitaminen und Spurenelementen abzudecken.
Zwischen dem 5. und 7. Monat können Sie Ihrem Baby die erste Beikost anbieten. Damit beginnt ein langsamer Übergang von ausschliesslich flüssiger Ernährung mit Milch, hin zu festerem püriertem Essen.
Übergang vom Brei zu Familienkost | Wie macht man nach dem Babybrei weiter? Fingerfood & mehr
Ihr Kind muss erst lernen, was mit einem Löffel im Mund zu tun ist und dass sich das Schlucken von Brei anders anfühlt als das von flüssiger Nahrung.
Beginnen Sie mit kleinen Portionen und legen Sie sich auf ein Lebensmittel fest, damit sich Ihr Baby daran gewöhnen kann. Bieten Sie Ihrem Kind denselben Brei mehrere Tage hintereinander an, bevor Sie das Nahrungsmittel wechseln. So können Sie Unverträglichkeiten oder Allergien am besten erkennen.
Mit dem Einführen der Beikost stellt sich die Frage nach der Flüssigkeitszufuhr. Bieten Sie Ihrem Baby zur Breimahlzeit abgekochtes Wasser an, ab ungefähr 6 Monaten können Kinder dieses sogar aus einem kleinen Becher trinken. Da im gekochten Gemüse oder Obst bereits Wasser enthalten ist, brauchen Sie sich nicht zu sorgen, wenn Ihr Kind zum Brei nichts trinken mag.
Tipps für die Beikosteinführung
- Wenn Ihr Kind den Brei verweigert, zwingen Sie es nicht zu essen.
- Versuchen Sie es aber trotzdem am nächsten Tag wieder mit dem gleichen Brei.
- Kinder brauchen viel Zeit, um sich an einen neuen Geschmack zu gewöhnen.
Merken Sie aber nach einiger Zeit, dass Ihr Kind mit der Konsistenz von Brei Mühe hat, dann versuchen Sie, ihm ein geeignetes Lebensmittel in die Hand zu geben. Wenn es Interesse am Essen hat, wird es dieses in den Mund nehmen.
Grundsätzlich können Sie Ihr Baby mit einem Teelöffel füttern. Allerdings sind spezielle Baby-Löffel aus Kunststoff angenehmer für das Kind. Diese Löffel sind flexibel, aus weichem Material, schmal und nehmen die Temperatur des Breis nicht an. Sie sind also bestens für den Babymund geeignet.
Achten Sie beim Kauf von Kuststofflöffeln darauf, dass sie frei von BPA (Bisphenol A) sind. Löffel mit einem etwas längeren Stiel eignen sich gut, um Breireste auf dem Gläschenboden zu erreichen.
Ein Lätzchen ist unverzichtbar und kann nicht gross genug sein. Ob Sie nun ein waschbares aus Baumwolle oder ein abwischbares aus Kunststoff verwenden, bleibt Ihnen überlassen. Sobald Ihr Baby beginnt, mit den Händen in den Essprozess einzugreifen, empfiehlt sich ein Lätzchen mit Ärmeln.
Um mit der Beikost zu starten, sollte Ihr Baby mit Unterstützung aufrecht sitzen und den Kopf selber halten können. Dies geht sowohl auf dem Schoss als auch in einem Hochstuhl gut.
Fertigbrei vs. Selbstgemacht
Wenn Ihnen die eigenhändige und liebevolle Zubereitung der Beikost wichtig ist, investieren Sie diese Zeit gern. Aber auch mit Fertigbrei ist Ihr Kind bestens mit den nötigen Nährstoffen versorgt.
Fertig-Breie können Ihnen Zeit und Arbeit ersparen. Ausserdem wird Ihr Baby länger satt sein, wenn Sie auf nährstoffreiche Gemüsebreie setzen und bei pürierten Menüs darauf achten, dass sie Vollkorngetreide enthalten. Neben den fertigen Gläschen-Breien sind auch viele Milch-Getreide-Breie im Angebot. Diese müssen mit Wasser verrührt werden. Sämtliche Fertig- und Gläschenbreie sind mit Altersempfehlungen versehen, so dass Sie sich in dem riesigen Sortiment gut orientieren können.
Bei selbstgekochtem Brei wissen Sie ganz genau, was drin ist und das Baby kennt von Anfang an den Geschmack von frischem Gemüse. Mischen Sie nach dem Kochen jeweils etwas Öl mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren unter den Brei. Diese Fettsäuren sind wichtig für die Entwicklung des Gehirns sowie die Reifung der Intelligenz und des Sehvermögens. Rapsöl ist diesbezüglich sehr gut geeignet. Als Faustregel gilt: pro 100 Gramm Gemüse ein Esslöffel Öl.
Selbstgekochte Breie lassen sich sehr gut auf Vorrat kochen und einfrieren. Machen Sie dies zu Beginn in kleinen Protionen, zum Beispiel in einem Eiswürfelbehälter. Auf diese Weise verlieren Sie nicht gleich einen ganzen Becher Brei, wenn das Baby ihn nicht essen mag.
Wenn Sie Gemüse mit erhöhtem Nitratgehalt - zum Beispiel Fenchel, Spinat oder Randen - verwenden, sollten Sie auf das Einfrieren verzichten. Beim Aufwärmen wird das Nitrat in Nitrit umgewandelt und ein zu hoher Nitritwert kann gesundheitsschädigend sein.
Wichtige Hinweise zur Ernährung im ersten Lebensjahr
- Bevorzugen Sie pflanzliche Fette.
- Setzen Sie Zucker und Süssigkeiten sehr zurückhaltend ein.
- Verzichten Sie im ersten Lebensjahr ganz auf Honig. Das rohe Naturprodukt kann Bakterien enthalten, die bei Babys zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen können.
- Bieten Sie Ihrem Kind jeden Tag frische Früchte und Gemüse an. Damit sorgen Sie für ausreichend Vitamine und unterstützen eine geregelte Verdauung.
- Der Eiweissbedarf sollte jeweils zur Hälfte aus tierischen und pflanzlichen Quellen gedeckt werden.
- Bereiten Sie Mahlzeiten schonend zu, um möglichst viele Vitamine zu erhalten.
Laut der Eidgenössischen Ernährungskommission sollte Kochsalz in selbst zubereiteten Speisen erst im zweiten Lebensjahr und nur sparsam zugegeben werden. Das verwendete Salz sollte jodiert sein. In vielen Rezepten kann es ganz weggelassen oder durch Kräuter und Gewürze ersetzt werden.
Bieten Sie Ihrem Kind ausreichend Wasser oder ungesüssten Tee an. Zwingen Sie Ihr Kind nie dazu, die ganze Portion aufzuessen.
Kuhmilch ist für Kinder in den ersten 12 Monaten nicht geeignet, der hohe Eiweissanteil belastet die noch nicht ausgereiften Nieren des Kindes.
Umgang mit wählerischem Essverhalten
Viele Kinder sind pingelig, wenn es darum geht, was auf ihrem Teller landet. Wenn ein Kind angewidert das Gesicht verzieht, sobald es Brokkoli auf dem Tisch entdeckt, und die Karotte kurzerhand auf den Boden wirft, kann das für Eltern anstrengend sein. Besonders, wenn sie sich bemühen, das Kind ausgewogen zu ernähren, oder sich gar Vorwürfe wegen des heiklen Essverhaltens machen.
Eine aktuelle Zwillingsstudie entlastet jedoch die Eltern: Falls Kinder sich weigern, das liebevoll zubereitete Menü zu vertilgen, liegt das eher an den Genen als an der Erziehung. Das Forschungsteam um Zeynep Nas vom University College London kam zu diesem Schluss, nachdem es die Essgewohnheiten von 2402 Zwillingspaaren analysiert hatte. Dabei stellte sich heraus, dass eineiige Zwillinge, die die genau gleiche DNA-Ausstattung haben, ähnlichere Essensvorlieben und -abneigungen haben als zweieiige Zwillinge. Kurz gesagt: Wenn einer der eineiigen Zwillinge Obst verweigerte, tat es der andere meist genauso. Das deutet darauf hin, dass «Picky Eating» überwiegend genetisch bedingt ist.
Die Studienautoren hoffen, damit verunsicherten Eltern etwas Druck nehmen zu können. Das Forschungsteam analysierte Daten aus der britischen Gemini-Studie, um herauszufinden, wie sich das Essverhalten vom Kleinkind bis ins Jungendalter entwickelt und welchen Einfluss Genetik und Umwelt haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich das wählerische Essverhalten der Kinder in diesem Zeitraum kaum veränderte. Das bedeutet: Kinder, die bereits früh kaum neue Lebensmittel probierten und nur wenige Gerichte mochten, behielten dieses Verhalten auch später weitgehend bei. Im Alter von etwa sieben Jahren erreichte das «Picky Eating» seinen Höhepunkt und ging danach leicht zurück.
Interessanterweise unterschieden sich eineiige Zwillinge in ihrem Essverhalten mit zunehmendem Alter immer mehr. Das deutet darauf hin, dass Umweltfaktoren im Alter an Bedeutung gewinnen.
Zudem ist wählerisches Essverhalten bei Kindern in vielen Kulturen verbreitet. Studien zeigen, dass ungefähr die Hälfte aller Kinder eine Phase durchläuft, in der sie besonders heikel sind.
«Wenn ein Kind eine Zeit lang weder Spinat noch Äpfel essen möchte, ist das Teil einer normalen Entwicklung», sagt Moritz Daum, Entwicklungspsychologe an der Universität Zürich. Das habe nicht den Zweck, die Eltern zu verärgern.
Strategien für den Umgang mit wählerischem Essverhalten
- Geduld bewahren: Auch wenn Kinder über Jahre hinweg wählerische Esser sind, legt sich dieses Verhalten normalerweise im Erwachsenenalter.
- Wiederholtes anbieten: «Passen Sie die Menüs nicht zu sehr an die Vorlieben des Kindes an», rät Ernährungsberaterin Isabelle Rieckh. Denn eine wiederholte Konfrontation - auch visuell - sei notwendig, damit die Chance bestehe, dass das Kind das Lebensmittel irgendwann mal probiert.
- Freiwilligkeit betonen: Wichtig ist, das Kind nicht zum Probieren zu drängen. Auch Sätze wie «Du darfst erst aufstehen, wenn du aufgegessen hast» sind kontraproduktiv. Ebenso sollte auf Belohnungen wie «Wenn du das isst, bekommst du ein Dessert» verzichtet werden.
- Vorbild sein: «Wenn Eltern selbst Freude am Essen haben und diese auch bei ausgewogenen Mahlzeiten zeigen, wird das Kind dies bemerken und sich animiert fühlen, es ihnen nachzumachen», sagt Moritz Daum, Entwicklungspsychologe an der Universität Zürich.
- Entspannte Atmosphäre schaffen: Gemeinsame Mahlzeiten sollen positiv und lustvoll erlebt werden. Das trägt dazu bei, eine gesunde Beziehung zum Essen zu entwickeln, die das Kind noch lange begleiten wird.
- Fachliche Unterstützung einholen: «In der heutigen Informationsflut ist es oft schwierig zu beurteilen, was eine ausgewogene Kinderernährung ausmacht und welches Essverhalten noch ‚normal‘ ist», betont Rieckh. Daher rät sie besorgten Erziehungsberechtigten, sich an Fachpersonen zu wenden und einen Teil der Verantwortung abzugeben.
Weitere Gefahrenquellen im Alltag
Eltern können ein Lied davon singen: Der neugierige Nachwuchs steckt sich alles in den Mund. Mit dem Erlernen des Krabbelns eröffnen sich für das Forscher-Baby unerkannte Welten und Möglichkeiten. Mutter und Vater haben sich dann (hoffentlich) längst das Mantra verinnerlicht: «Gefährliches gehört aus dem Weg geräumt.»
In der oralen Phase erkunden Kinder ihre Umwelt mit dem Mund. Mit ca. eineinhalb Jahren endet diese Phase. Doch auch danach stecken sich Kinder noch alles Mögliche in den Mund. Dass Tox Info Suisse bei der Altersklasse der unter 5-jährigen Knirpse die meisten Anfragen verzeichnet (mehr dazu in den Jahresberichten), ist also nicht weiter erstaunlich.
Unfälle passieren. Auch das Erkennen von Gefahren müssen Kinder nebst vielem anderem erst erlernen. Zum Ziel führen das Sammeln von Erfahrungen und das spielerische Entdecken der Umwelt. Die Aufgabe der Eltern ist es, dass dies unter Einhaltung der nötigen Sicherheitsvorkehrungen im alltäglichen Umfeld möglichst gefahrlos geschieht.
Das Internet liefert den Eltern schnell zugängliche Informationen auch im Notfall. In der täglichen Beratung stellt Tox Info Suisse fest, dass dies oft zu einer Verunsicherung bei den Anrufenden führt. Reisst man Worte wie «schädlich, krebserzeugend, lebensbedrohlich …» aus dem Zusammenhang, führt das manchmal gar zu Panik. In relativ harmlosen Situationen greifen so stark verunsicherte Eltern in falschem Aktionismus zu unnötigen oder gar gefährlichen Massnahmen.
Tox Info Suisse rät gänzlich von Brechversuchen ab.
Die oben genannten Produkte sind ungiftig. Doch einige dieser Produkte können in der Speiseröhre stecken bleiben oder in die Luftröhre und die Atemwege gelangen. Schlimmstenfalls bekommt ein Baby oder Kleinkind dann keine Luft mehr. Verständigen Sie die Ambulanz.
Babys und Kleinkinder kennen noch keinen Ekel und gegriffen wird nach dem, was in Reichweite ist. Kot ist ungiftig. Magen-Darm-Infektionen sowie die Übertragung von Parasiten sind jedoch möglich. Warten Sie den Verlauf ab. Eine Arztkontrolle sollte dann erfolgen, wenn die Magen-Darm-Probleme sehr ausgeprägt sind und ein grosser Flüssigkeitsverlust droht.
Warnungen von offizieller Seite her wie z.B. den kantonalen Laboratorien sollen gemäss Tox Info Suisse ernst genommen werden. Im konkreten Fall würde Tox Info Suisse davon abraten, das Kind mit den Bastelmaterialien spielen zu lassen. Die Beurteilung des individuellen Risikos bleibt jedoch schwierig und ist Aufgabe von anderen Institutionen als Tox Info Suisse. Tox Info Suisse kann v.a. Aussagen zur akuten Vergiftungsgefahr machen. Daraus leiten wir Empfehlungen für Sofortmassnahmen ab.
Achten Sie auf eine kindersichere Aufbewahrung! Räumen Sie alles immer sofort wieder weg und verwahren Sie es sicher. Kennen Sie die Namen der Pflanzen in Ihrem Zuhause und Ihrem Garten.
Schlussfolgerung
Die Ernährung von Kleinkindern ist ein komplexes Thema, das viele Aspekte umfasst. Es ist wichtig, sich über die potenziellen Gefahren von bestimmten Lebensmitteln wie Zucker und Spaghetti im Klaren zu sein und gleichzeitig eine ausgewogene und vielfältige Ernährung zu fördern. Dabei sollte man auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben des Kindes eingehen und eine entspannte und positive Essatmosphäre schaffen.
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