Artgerechte Schweinehaltung: Definition und Bedeutung

In der Schweiz erfreut sich Schweinefleisch grosser Beliebtheit. Jede Person konsumiert durchschnittlich 21 Kilogramm pro Jahr in Form von Wurst, Kotelett, Speck oder Schinken. Doch wie leben die Mastschweine in der Landwirtschaft, und was bedeutet artgerechte Schweinehaltung wirklich?

Schweine auf der Weide

Schweinehaltung früher und heute

Schon vor 10'000 Jahren entdeckte der Mensch das Schwein als Nutztier. Domestizierte Wildschweine wurden in Herden in Wäldern, auf Weiden und Stoppelfeldern gehalten und ernährten sich von dem, was sie fanden. Mit der Industrialisierung setzte sich die Stallhaltung durch, was Vorteile in Bezug auf Überwachung und Zucht bot.

Noch heute haben Mast- und Wildschwein viele Gemeinsamkeiten. Sie fressen sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung und verbringen viel Zeit in der Gruppe. Sie mögen es, sich zu scheuern, im Schlammbad abzukühlen und ihre Umgebung zu erkunden. Daher brauchen sie eine Umgebung mit Wühlmaterial, Platz und Auslaufmöglichkeiten.

Was bedeutet artgerechte Schweinehaltung?

Artgerechte Schweinehaltung berücksichtigt die natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse der Tiere. Dazu gehören:

  • Gruppenhaltung: Schweine sind soziale Tiere und dürfen nicht allein gehalten werden.
  • Auslauf: Zugang zu Weiden oder Auslaufflächen.
  • Beschäftigungsmaterial: Holzbalken, Raufen mit Stroh oder Wühlbereiche.
  • Fütterung: Artgerechtes Futter ohne Gentechnik.

Im Stall brauchen Schweine Holzbalken zum Beissen oder um sich zu kratzen. Auch Raufen, aus denen die Tiere selbständig Stroh ziehen können, eignen sich zur Beschäftigung. Ideal sind Ställe mit Zugang ins Freie und mit verschiedenen Arealen zum Wühlen, wo die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben.

Bio-Betriebe berücksichtigen die Witterung: Im Winter bieten sie den Schweinen einen von Wind und Wetter geschützten Stall mit langhalmigem Stroh zum Liegen, Kauen und Herumtollen an. Schweine in Bio-Haltung bekommen fast ausschliesslich Bio-Futter und haben einen permanent zugänglichen Auslauf. Ferkel werden mindestens sechs Wochen von der Muttersau gesäugt.

Schweine im Freien

Die Wiesenschweine

Ein Beispiel für artgerechte Haltung sind die sogenannten Wiesenschweine. Das Fleisch von Wiesenschweinen ist besonders schmackhaft und zart. Das Futter der Wiesenschweine enthält extrudierte Leinsaat und verschiedene Kräuter. Die Verarbeiter·innen von Wiesenschwein-Fleisch verpflichten sich, das Fleisch fachgerecht zu lagern und reifen zu lassen.

Vorteile der Wiesenschweine:

  • Artgerechtes Leben mit viel Auslauf
  • Spezielle Fütterung mit Kräutern und Leinsaat
  • Besonders schmackhaftes und zartes Fleisch

Was bedeuten die Haltungsformen 1-4?

Fütterung und Fleischqualität

Die Fütterung hat einen grossen Einfluss auf die Fleischqualität, besonders bei Omnivoren wie Schweinen. Extrudierte Leinsaat und verschiedene Kräuter wirken sich positiv aus: Der Anteil an gesunden mehrfach-ungesättigten Fettsäuren im Fleisch steigt und somit auch die ernährungsphysiologische Bedeutung von Schweinefleisch für den Menschen.

Auch die richtige Reifedauer hat einen grossen Effekt auf die Fleischqualität, vor allem bei Tieren, die sich wirklich viel bewegen konnten, besonders auf die Zartheit.

Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Schweinehaltung

Die Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Schweinehaltung in der Schweiz:

Kriterium Konventionelle Haltung Bio-Haltung (Bio Suisse)
Platz pro Tier 0,9 m² 1,65 m²
Auslauf Nicht obligatorisch Permanent zugänglich
Futter Konventionell Bio-Futter
Medikamente Prophylaktisch möglich Eingeschränkt, natürliche Mittel bevorzugt

Bio-Fleisch: Eine bessere Wahl?

Bio-Schweinefleisch ist teurer als Fleisch aus konventioneller Haltung, was die Kosten tierfreundlicher Produktion widerspiegelt. Höhere Kosten entstehen durch das Bio-Futter, Zukäufe von biologisch aufgezogenen Tieren und die Gesamtbetrieblichkeit. Bio Suisse Betriebe wirtschaften komplett biologisch und haben ihr ganzes System auf Bio eingestellt.

Auf Bio-Betrieben werden Tiere besonders artgerecht gehalten und gefüttert. Die Tiere haben in der Regel eine vielfältigere Umgebung mit regelmässigem Auslauf ins Freie und in den Ställen mehr Platz als in konventioneller Tierhaltung. Der Stall ist eingestreut.

Die Rolle der Konsumenten

Als Konsument:in haben Sie die Möglichkeit, Fleisch mit der Bio Suisse Knospe zu kaufen. Sie können auch auf "Special Cuts" achten. Zunehmend werden auch die «Special Cuts» verarbeitet. Wiesenschwein-Fleisch ist ein Produkt, das wirklich gut für alle ist. Gut für die Schweine, da sie endlich das spannende und abwechslungsreiche Leben erhalten, das sie verdient haben.

Tierwohl-Politik der Migros

Die Migros setzt sich für das Tierwohl von allen Tieren ein, welche die Basis ihrer Fleisch-, Fisch-, Milch- und Eiprodukte sind. Tierwohl bedeutet für die Migros, dass die tierischen Rohstoffe von gesunden Tieren aus artgerechter Haltung mit adäquater Fütterung stammen. Die Migros orientiert sich am international akzeptierten Tierwohlkonzept «Fünf Massnahmen und Tierschutzziele», einer Weiterentwicklung des Konzepts der «Five Freedoms».

Die Migros fördert aktiv die Entwicklung, die Produktion und den Verkauf veganer Fleischersatzprodukte und engagiert sich im Bereich kultiviertes Fleisch in Zusammenarbeit mit Aleph Farms.

Fazit

Artgerechte Schweinehaltung ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Durch bewusste Kaufentscheidungen können Konsumenten dazu beitragen, dass Schweine ein besseres Leben haben und qualitativ hochwertiges Fleisch produziert wird.

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