Schilddrüsenknoten sind weit verbreitete Veränderungen der Schilddrüse, die in den meisten Fällen harmlos sind. Viele Menschen bemerken sie nicht einmal, da sie oft keine Beschwerden verursachen. Allerdings können diese Knoten in einigen Fällen eine Schilddrüsenkrebs-Diagnose nach sich ziehen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenknoten, insbesondere solchen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind (Zysten).

Die Lage der Schilddrüse im Halsbereich.
Was sind Schilddrüsenzysten?
Schilddrüsenzysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die von Zystenwänden umschlossen sind. Sie können äusserlich kaum von Knoten unterschieden werden, weshalb eine Ultraschalluntersuchung entscheidend für die Diagnose ist.
Ursachen von Schilddrüsenknoten
Schilddrüsenknoten entstehen, wenn sich Zellen in einzelnen Bereichen der Schilddrüse stark vermehren und/oder vergrössern. Das Wachstum dieser Knoten kann unterschiedlich sein: Einige wachsen nur begrenzt, während andere immer grösser werden. Zu Beginn ist jeder Knoten in der Schilddrüse klein. Eine weitere mögliche Ursache sind Metastasen, also Tochtergeschwülste anderer Krebserkrankungen im Körper, die sich in der Schilddrüse bilden.
Schilddrüsenknoten: Diagnostik und Behandlung an der Privatklinik Döbling
Häufigkeit
Schilddrüsenknoten treten vergleichsweise häufig auf und nehmen mit steigendem Alter zu. Frauen sind anfälliger für Veränderungen in der hormonproduzierenden Drüse als Männer.
Diagnose von Schilddrüsenknoten
Knoten an der Schilddrüse werden häufig per Zufallsbefund im Rahmen einer Kontrolluntersuchung des Halsbereichs entdeckt. Daher ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie Veränderungen oder Vergrösserungen an Ihrer Schilddrüse feststellen. Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte, um herauszufinden, wann der Patient die Veränderungen an seiner Schilddrüse erstmalig bemerkt hat, ob der Knoten seitdem gewachsen ist und ob Beschwerden auftreten.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet die Halsregion ab, um die Vermutung eines Schilddrüsenknotens zu bestätigen.
- Ultraschalluntersuchung: Hierüber lassen sich in der Regel Knoten von einer Grösse ab drei Millimeter erkennen. Schilddrüse und Knoten können hinsichtlich Grösse, Form, Struktur und Durchblutung eingeordnet werden.
- Blutuntersuchung: Regelmässige Blutuntersuchungen mit Kontrolle der Schilddrüsenwerte können helfen, Schilddrüsenknoten rechtzeitig zu entdecken. Die ergänzende Blutuntersuchung zeigt, ob die Schilddrüse normal funktioniert, also weder zu viele noch zu wenige Hormone bildet.
- Szintigrafie: Ist der Knoten grösser als ein Zentimeter oder hat eine vorangegangene Blutuntersuchung ein hormonelles Ungleichgewicht ergeben, ist eine Szintigrafie das medizinische Mittel der Wahl.
- Biopsie: Bestätigt das Ergebnis der Szintigrafie, dass es sich um einen kalten Schilddrüsenknoten handelt, wird dem Knoten eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, um auszuschliessen, dass der Knoten bösartig ist, also Krebszellen enthält.
- Feinnadelpunktion: Mit Hilfe der Feinnadelpunktion wird Zystenflüssigkeit entfernt und der Druck auf das umliegende Gewebe vermindert. Das Würge- und Druckgefühl verbessert sich. Die Feinnadelpunktion der Zyste macht auch eine feingewebliche Untersuchung des Zysteninhaltes möglich. Die Feinnadelpunktion ist eine einfach durchführbare, für die Patienten risikoarme und meist schmerzlose Methode.

Feinnadelpunktion eines Schilddrüsenknotens.
Gutartige und gefährliche Knoten
Schilddrüsenknoten sind in mehr als 90 bis 95% der Fälle gutartige Veränderungen. Da der grösste Teil der Knoten keine Probleme bereitet, steht die moderne Diagnostik vor einer besonderen Herausforderung: Es gilt, eine Überdiagnostik und unnötige Operationen zu vermeiden. Zunächst muss das individuelle Risiko des Patienten bestimmt werden. Gefährliche Knoten bedürfen einer weiteren Abklärung.
Symptome für gefährliche Knoten können sein:
- Schnell wachsende Schwellungen im Halsbereich
- Kloss-, Enge- oder Druckgefühl im Hals
- Beschwerden beim Schlucken
- Hustenreiz
- Heiserkeit
- Atemnot
- Herzrasen
Behandlung von Schilddrüsenknoten
Kleine, gutartige Knoten ziehen in der Regel keine Behandlung nach sich. Allerdings wird Patienten und Patientinnen mit einem Knoten in der Schilddrüse eine regelmässige Untersuchung der Schilddrüse durch einen Spezialisten nahegelegt. Die Behandlungsoptionen umfassen:
- Medikamentöse Therapie: Diese ist lediglich bei kleinen, kalten Knoten eine Option. Dem Patienten werden Schilddrüsenhormone, meist in Verbindung mit Jod, verabreicht. Aufgabe der Medikamente ist es, das Wachstum des Drüsengewebes zu hemmen und den Knoten so «in Schach zu halten».
- Nuklearmedizinische Behandlung: Hier wird dem Patienten radioaktives Jod verabreicht, welches sich daraufhin in den hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen ablagert und diese zerstört.
- Operation: Im Zuge einer Operation wird entweder lediglich der Schilddrüsenknoten selbst, nur ein Schilddrüsenlappen (Hemithyreoidektomie) oder die gesamte Schilddrüse (subtotale Thyreoidektomie) entfernt. Dabei kommen unterschiedliche Operationstechniken zum Tragen: Der Eingriff kann offen, mittels eines Schnittes in den Hals oder laparoskopisch, das heisst, minimalinvasiv mittels einer Spiegelung durchgeführt werden.
Eine Schilddrüsenoperation wirkt sich immer auf das hormonelle Gleichgewicht des Patienten aus - ganz gleich, wie viel Schilddrüsengewebe entfernt werden musste. Je weniger Gewebe entnommen wurde, desto geringer der Abfall des Hormonspiegels.
Nachsorge nach einer Schilddrüsenoperation
Die Nachsorge umfasst einerseits die optimale (medikamentöse) Einstellung der Schilddrüsenhormone und andererseits die bestmögliche Vorbeugung von Krankheitsrückfällen (Rezidivprophylaxe). Welche Medikamente verabreicht werden, richtet sich dabei nach der Art des Schilddrüsenknotens und der Grösse der verbliebenen Schilddrüse.
Kalte und heisse Knoten
Bei der Unterscheidung von Schilddrüsenknoten in «kalt» oder «heiss» geht es darum, ob der jeweilige Knoten Schilddrüsenhormone produziert oder nicht. Die Namensgebung der beiden Knoten rührt von der Szintigrafie her, einer nuklearmedizinischen Untersuchung, mittels derer die Unterscheidung von kalten und heissen Schilddrüsenknoten möglich wird.
Im Zuge einer Szintigrafie wird dem Patienten eine, mit radioaktivem Jod versetzte, Flüssigkeit gespritzt, die über den Blutkreislauf in seine Schilddrüse gelangt. Ein Schilddrüsenknoten, der Hormone produziert, ein heisser Knoten, benötigt viel Jod. Umgekehrt bedeutet das, dass sich das radioaktive Jod verstärkt in einem heissen Knoten festsetzt. Dort zerfällt es unter Abgabe radioaktiven Strahlen, welche unter Verwendung einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden können. Der betreffende Bereich wird dabei als gelb-rote Zone, also in warmen Farben, kenntlich gemacht.
Weitere Informationen
Bei den meisten Knoten der Schilddrüse handelt es sich um eine gutartige Gewebeneubildung, auch Adenom genannt. Erhält die Schilddrüse zu wenig Jod, schüttet sie Hormone aus, woraufhin sich die Schilddrüsenzellen vermehren.
Es ist wichtig, bei Verdacht auf einen Schilddrüsenknoten einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und geeignete Behandlung zu erhalten. Regelmässige Kontrollen und eine frühzeitige Erkennung können helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Gesundheit der Schilddrüse zu erhalten.
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