Warum riecht Stuhlgang nach Sauerkraut? Ursachen und Lösungen

Viele Menschen kennen das unangenehme Gefühl von Blähungen und Völlegefühl, besonders während der Adventszeit, wenn Käsefondue, Lebkuchen und Glühwein schwer im Magen liegen. Doch nicht nur die Völlerei kann zu unangenehmen Gasen führen. Manchmal kann der Stuhlgang auch einen ungewöhnlichen Geruch annehmen, beispielsweise nach Sauerkraut. Was steckt dahinter und was kann man dagegen tun?

Was sind Blähungen und wie entstehen sie?

Fachlich korrekt werden die «Winde», die den Enddarm über den Schliessmuskel verlassen, als Flatulenz bezeichnet. Jeder Mensch hat Blähungen, manchmal mehr und manchmal weniger. Pupsen ist also völlig normal. Allerdings wird die Flatulenz nicht von allen gleich stark oder als störend wahrgenommen. Einige Menschen würden kleinste Gasmengen bereits als sehr unangenehm empfinden.

Im Dickdarm siedeln Milliarden von Bakterien, die bis zu zwei Kilogramm auf die Waage bringen. Diese helfen, die Nahrung zu verdauen und zu vergären. «Das können Sie sich wie einen Bioreaktor vorstellen», beschreibt Vavricka den Prozess. Bei dieser Verstoffwechselung entstehen auch verschiedene Gase. Sie bestehen meist aus Stickstoff. Dazu kommen Kohlenstoffdioxid, Sauerstoff, Methan und Wasserstoff. Der Anteil der entstehenden Luftansammlungen kann sich bei jedem Menschen unterscheiden. Es kann aber auch zu einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarmes kommen. Hier arbeitet der «Bioreaktor» bereits im Dünndarm auf Hochtouren. Oft nach der Einnahme von Antibiotika.

Welche Lebensmittel fördern Blähungen?

Bestimmte Zuckerzusammensetzungen oder auch Kunstzucker, so genannte FODMAP (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole), machen häufig Blähungen und können zu einem Reizdarm führen. Auch Erkrankungen wie eine Zöliakie (Unverträglichkeit von Getreideeiweiss Gluten) oder eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) können diese Symptome hervorrufen. Ein echter Anheizer für Fürze seien komplexe Kohlenhydrate in Getreide oder Hülsenfrüchte wie Bohnen und Kichererbsen. Auch Zwiebeln, Kohl und Sauerkraut oder eine Ernährung reich an Ballaststoffen kann uns zum Blähen bringen. Ebenso «Blöterliwasser», also Getränke mit Kohlensäure. Der stärkste Pups-Auslöser kann übrigens die Topinambur-Knolle sein. Sie enthält im Gegensatz zur Kartoffel statt Stärke Inulin. Für dessen Zersetzung besitzen wir nicht das richtige Enzym, sodass besonders üble Darmwinde aufkommen.

Sauerkraut ist bekannt dafür, Blähungen zu verursachen. Das liegt an den enthaltenen Ballaststoffen und den bei der Fermentation entstehenden Stoffen. Wenn der Stuhlgang nach Sauerkraut riecht, ist das ein Zeichen dafür, dass der Körper das Sauerkraut verdaut und die dabei entstehenden Stoffe ausgeschieden werden.

Was hilft gegen Blähungen?

In erster Linie sollte man auf die erwähnten Nahrungsmittel verzichten, empfiehlt der Experte. Wer zudem noch gut kaut, hat bereits halb verdaut. Sich also trotz der Hektik des Alltages beim Essen Zeit lassen und nichts hastig hinunterschlucken. Um nicht zu viel Luft zu schlucken, sollten Sie während des Essens nicht sprechen.

Akut gegen Flatulenz helfen zur Entspannung eine Wärmflasche auf dem Bauch, aber auch Bewegung, denn dadurch wird die Luft im Darm weitertransportiert. Gegen zu viele und sehr stinkende Blähungen sollen Ingwer oder auch Kaffee mit seinen Bitterstoffen helfen. Ebenso werden deftige Speisen oft mit Kümmel gewürzt. Dieser regt die Verdauung an und hat krampflösende Eigenschaften. «Wer sie mag, kann sich in der Adventszeit also ganz ohne schlechtes Gewissen über Anis-Chräbeli hermachen», verrät Stephan Vavricka mit einem Schmunzeln.

Weitere Tipps zur Vorbeugung von Blähungen:

  • Vorsicht vor Hülsenfrüchten, Zwiebeln, Kohl und Lauch.
  • Vermeiden Sie künstliche Süssstoffe wie Mannitol oder Sorbitol.
  • Reduzieren Sie den Konsum von Milchprodukten bei Laktoseintoleranz.
  • Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung und trinken Sie ausreichend.
  • Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich.
  • Vermeiden Sie Stress und Aufregung.

Die Rolle der Darmflora

Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Verdauung und der Entstehung von Blähungen. Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Vielzahl verschiedener Bakterienstämme, die in einer lebenslänglichen Symbiose zusammenarbeiten. Diese Bakterien zersetzen Nahrungsbestandteile, gewinnen daraus wertvolle Mineralstoffe und Energie und produzieren dabei Gase wie Methan, Wasserstoff, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff.

Eine unausgewogene Darmflora kann zu vermehrter Gasbildung und somit zu Blähungen führen. Um die Darmflora positiv zu beeinflussen, können Probiotika und Präbiotika eingesetzt werden. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die sich positiv auf die Darmgesundheit auswirken können. Präbiotika sind unverdauliche Zuckermoleküle aus Ballaststoffen, die als Nahrung für die guten Darmbakterien dienen und deren Wachstum fördern.

Top 7 Lebensmittel für Darm und bessere Verdauung! (ärztlich empfohlen)

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Blähungen harmlos und auf eine falsche Ernährung oder eine vorübergehende Störung der Darmflora zurückzuführen. Dringend erforderlich ist der Gang zum Arzt eigentlich nur dann, wenn Blähungen plötzlich zusammen mit starken Bauchschmerzen auftreten und kein Stuhlgang mehr möglich ist. Ernähren Sie sich ballaststoffreich und trinken Sie ausreichend, wenn Sie zusätzlich an Verstopfung leiden.

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Blähungen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftreten.
  • Blähungen von starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Gewichtsverlust begleitet werden.
  • Blähungen trotz Ernährungsumstellung und Selbsthilfemassnahmen nicht besser werden.
  • Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit besteht.

Ein Arzt kann die Ursache der Blähungen abklären und eine individuelle Therapie empfehlen.

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