In der Ölabteilung der Supermärkte ist die Auswahl gross, doch lange nicht alle Flaschen sind von hoher Qualität. Erst kürzlich fielen sechs von 23 getesteten Olivenölen bei Stiftung Warentest als mangelhaft auf, drei Produkte davon waren «möglicherweise krebserregend». Ein Grund mehr, beim Kauf von Olivenöl ganz genau hinzuschauen.

Qualitätsstufen und ihre Bedeutung
Im Handel findet man verschiedene Olivenöl-Qualitätsstufen: nativ extra, nativ und Olivenöl aus raffinierten und nativen Ölen. Bei Olivenölen der Güterklasse «nativ extra» (oder auch als «extra vergine» beschriftet) handelt es sich um das qualitativ hochwertigste Produkt.
Sie dürfen laut EU-Verordnung keinen sensorischen Fehler, etwa ranzige Geschmacksnoten, aufweisen. Nur mechanische Herstellungsverfahren ohne Wärmezufuhr sind erlaubt. Steht «kaltgepresst» auf der Flasche, darf es bei der Gewinnung des Öls nicht wärmer als 27 Grad Celsius werden.
Fehlt das kleine Wort «extra», fehlt es dem Olivenöl meist auch an etwas - etwa weist es qualitative Mängel auf oder ist weniger fruchtig im Geschmack, denn bei Ölen dieser Güteklasse sind leichte sensorische Fehler erlaubt. Bei Olivenölen aus raffinierten und nativen Ölen handelt es sich häufig um Brat-Olivenöl. Sie schmecken eher neutral und sind gut erhitzbar.
Auch mit nativem Olivenöl extra kann man sich nicht immer auf der sicheren Seite wähnen: Olivenöl ist eines der meistgefälschten Lebensmittel, da Behörden hier zu wenig kontrollieren. So hat eine von der International Olive Foundation initiierte Studie gezeigt, dass nur etwa ein Fünftel aller im Schweizer Detailhandel als «extra vergine» angepriesenen Produkte den Qualitätsanforderungen entsprechen.
Worauf beim Kauf achten?
Herkunftsort und Anbaujahr
Wie auch bei Weinen spielen die Herkunftsregion und Lage im Anbau bei Olivenöl eine wichtige Rolle. Die Info findest du auf dem Etikett. Freiwillig sind Etikett-Angaben zum Erntejahr und zur Ernte allgemein, etwa, welche Olivensorten verwendet wurden, ob handgepflückt wurde oder das Öl gefiltert ist. Ungefilterte Öle sind nur kurz haltbar.

Der Preis
In Sachen Preis gilt es, für Qualität lieber etwas mehr Geld auszugeben. Ein Liter Olivenöl in vernünftiger Qualität sollte nicht weniger als zehn Franken kosten. Gut bewertete Flaschen können einen stolzen Preis von fast 50 Franken pro Liter aufweisen. Schnäppchen sind oft minderwertig und werden meist nicht unter fairen Bedingungen erzeugt.
Geschmackstest selbst machen
Ob ein natives Olivenöl extra mit einem minderwertigen Öl gestreckt wurde, lässt sich nur von Laboren aufdecken. Ein geschulter Gaumen kann aber gute Öle von schlechten unterscheiden. Gib Olivenöl in ein Glas, decke es ab und erwärme es mit deinen Händen. Flüchtige Aromakomponenten sammeln sich oben im Glas.
Je nach Sorte und Erntezeit duftet Olivenöl grün-fruchtig oder süsslich reif. Ein gutes Produkt sollte möglichst intensiv und harmonisch riechen. Nach dem Riechen kommt die Kostprobe: Obwohl Bitterkeit und Schärfe ein Zeichen von Frische sind, sollten bittere oder scharfe Eindrücke nicht die fruchtigen Noten überlagern. Ein auffällig unangenehmer Geruch oder Geschmack sind ein schlechtes Zeichen.
Die Verpackung
Ein weiterer Aspekt, der beim Kauf von Olivenöl entscheidend ist, ist die Verpackung. Jedes dritte Öl im Test ist geschmacklich ungenügend.
Olivenöl in Plastikflaschen ist ein No-go. Immer wieder fallen Olivenöle bei Warentests durch die Prüfung. Qualität lässt sich aber an einfachen Faktoren festmachen, die deinen Einkauf erleichtern. Label, Verpackung, Preis: Das solltest du beim Kauf von Olivenöl beachten.
Aktuelle Testergebnisse und Empfehlungen
«Kassensturz» und Saldo liessen 16 der meistverkauften Olivenöle «extra vergine» auf die geschmackliche Qualität testen. Die Öle kosten im Laden zwischen 7.50 und 39.80 Franken pro Liter. Fazit: Sieben davon sind sensorisch unbefriedigend, eines ist besonders gut.
Das Schweizer Olivenöl-Panel (SOP) der Zürcher Hochschule ZHAW in Wädenswil (ZH) degustierte die Öle. Es ist das einzige Panel in der Schweiz, das vom internationalen Olivenölverband COI anerkannt ist und damit feststellen kann, ob ein Öl die Bezeichnung «extra vergine» verdient. In dieser Beurteilung ist nur ein Öl durchgefallen: Barbera Selezione Unica, eingekauft im Denner. Es war ranzig und dürfte nicht als Olivenöl «extra vergine» verkauft werden.
Als geschmacklich «ungenügend» stuften die Sensorikerinnen und Sensoriker sechs der getesteten «Extra vergine»-Olivenöle ein (Qualité&Prix, Volg, Nature Active, Minos, Primadonna Bio und Filippo Berio). Geschmacklich «genügend» schnitten Migros Bio, Sabo und Don Pablo ab sowie eines der teuersten Olivenöle im Test (39.80 Franken pro Liter), Delikatessa aus dem Globus.
Mit «gut» bewertete die Jury Bertolli, Monini, Naturaplan und Primadonna von Lidl. Erfreulich: Den Preis-Leistungs-Sieger Primadonna aus Italien, den die Jury als geschmacklich «gut» bewertete, gibt es schon für 9.40 Franken pro Liter bei Lidl zu kaufen. Viermal so viel kostet der Testsieger, das spanische Olivenöl Oro Bailén. Für stolze 39.80 Franken ist es bei Manor zu haben. Die Jury stufte es als geschmacklich «sehr gut» ein.
Ein weiteres Öl fällt sensorisch durch. Zwei Öle werden als «sehr gut» eingestuft.
Das Prädikat «sehr gut» vergibt das Panel für zwei Öle: Iliada, gekauft bei Coop (Fr. 21.90 / Liter). Die beste Note vergibt das Panel dem Olivenöl Manor bio (Fr. 21.50 / Liter).
Die allgemeine Qualität der Olivenöle auf dem Schweizer Markt wurde von den Experten als «sehr hoch» eingeschätzt. Die Olivenöle seien besser geworden im Vergleich zu vor 10 bis 15 Jahren. Der Markt habe einen Sprung gemacht, besonders in Bezug auf das Kriterium Bitterkeit.
Der Begriff «Extra Vergine» oder «Extra Nativ» ist gesetzlich streng geregelt. Anette Bongartz, Co-Leiterin des Schweizer Olivenölpanels, erklärt, dass Olivenöl dieser Kategorie bestimmte chemische und sensorische Kriterien erfüllen muss. Dazu gehören eine ausgeprägte Fruchtigkeit sowie eine gewisse Bitterkeit und Schärfe. Das Wichtigste: Es darf keinerlei sensorische Fehler aufweisen, die auf Produktions- oder Lagerungsfehler hindeuten.
Tabelle: Testergebnisse ausgewählter Olivenöle
| Olivenöl Marke | Geschmackliche Bewertung | Preis pro Liter (CHF) | Bezugsquelle |
|---|---|---|---|
| Oro Bailén | Sehr gut | 39.80 | Manor |
| Iliada | Sehr gut | 21.90 | Coop |
| Manor bio | Sehr gut | 21.50 | Manor |
| Primadonna (Lidl) | Gut | 9.40 | Lidl |
| Delikatessa (Globus) | Genügend | 39.80 | Globus |
| Qualité&Prix | Ungenügend | - | - |
| Volg | Ungenügend | - | - |
| Nature Active | Ungenügend | - | - |
| Minos | Ungenügend | - | - |
| Primadonna Bio | Ungenügend | - | - |
| Filippo Berio | Ungenügend | - | - |
Weitere wichtige Aspekte
Oliven werden zwischen Oktober und Februar geerntet, deshalb ist die Ernte mit zwei Jahreszahlen gekennzeichnet. Olivenöl-Flaschen, die mit 18/19 gekennzeichnet sind, enthalten Öl der vorletzten Ernte, die aktuelle Ernte ist 19/20. Da Olivenöl innerhalb von zwei Jahren verzehrt werden soll, kann man aus dem Mindesthaltbarkeitsdatum 2021 ableiten, dass das Öl aus Oliven der letzten Ernte hergestellt ist.
Oft sind die im Handel erhältlichen Öle «Blends» - Mischungen aus verschiedenen Olivensorten oder sogar Ölen aus unterschiedlichen Ländern. Dies ist nicht unbedingt negativ, sondern dient dazu, ein harmonisches und «alltagstaugliches» Produkt zu schaffen, das weniger «Ecken und Kanten» hat als ein sortenreines Öl.
Martin Popp erklärt, dass reine Sorten oftmals kantigere Öle ergeben, die für Experten sehr gut sind, aber für den Alltag weniger «gefällig» sein können.
Ratschläge für den Olivenöl-Kauf
- Frische ist entscheidend: Achten Sie auf das Erntejahr oder Abfülldatum. Olivenöl wird mit der Zeit nicht besser, sondern verliert an Qualität.
- Sensorik nutzen: Panel-Mitglied Eva Lehmann Fueter empfiehlt: «Vertrauen Sie Ihrer Nase.» Ein gutes Öl sollte nach frisch geschnittenem Gras, Tomate oder anderen frischen, grünen Noten riechen. Es sollte niemals «schwer» im Gaumen sein.
- Transparenz des Produzenten: «Was ich am liebsten habe, ist, wenn ich den Produzenten kenne», sagt Marisa Silva. Auch Eva Lehmann Fueter betont die Wichtigkeit zu wissen, «Woher kommt das Olivenöl? Wer ist der Produzent? Was ist das für ein Olivenöl?».
- Flaschengrösse und Lagerung: Kleinere Flaschen (unter 0.5 Liter) sind vorteilhaft, da Olivenöl nach dem Öffnen schnell oxidiert. Glasflaschen sind ideal, aber PET-Flaschen können für den Transport auf Reisen praktisch sein.
- Bio-Qualität: Für einige Experten ist Bio-Qualität extrem wichtig, da es eine Haltung gegenüber der Umwelt, den Erntebedingungen oder auch den sozialen Umständen widerspiegelt.
Wie findet man ein richtig gutes Olivenöl? | @extranativ
Olivenöl und Gesundheit
Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Gesundheit. Denn: Olivenöl enthält viele ungesättigten Fettsäuren und wurde deshalb von Ernährungsexperten aktiv empfohlen.
Speiseöle liefern essenzielle Fette, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind. Leinöl, bekannt für seinen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, bereichert unsere Ernährung enorm. Auch Rapsöl und Olivenöl spielen aufgrund ihrer ungesättigten Fettsäuren eine wichtige Rolle in einer ausgewogenen Ernährung. Diese Fette fördern die Herzgesundheit und unterstützen den Zellaufbau sowie die Hormonproduktion.
Lagerung von Olivenöl
Wenn Sie Olivenöl längere Zeit lagern möchten, bewahren Sie es zu Hause am besten vor Licht und Luft geschützt bei kühlen Temperaturen auf - ideal wären zwischen 10° und 20°C. Ähnlich wie Wein ist Olivenöl in dunklen Flaschen oder im Kanister im kühlen, dunklen Keller am besten aufgehoben und dann bis zu 24 Monate haltbar. Man kann Olivenöl jedoch auch ohne Probleme einige Monate in hellen Flaschen gut verschlossen, dunkel und kühl lagern.
Einige unserer Olivenöle sind besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen, darunter befinden sich auch Wachse von der Olivenschale. Wenn das Öl steht, lagern sich diese ganz natürlich am Boden ab und bei kühleren Temperaturen können Sie ausflocken oder Schlieren im Öl bilden. Das Ausflocken ist ein natürlicher Prozess, der den ursprünglichen, naturbelassenen Charakter des Olivenöles zeigt.
Bitte beachten Sie, dass Olivenöl bei Temperaturen unter 8° C fest wird. Bei Raumtemperatur nimmt das Öl jedoch von selbst seinen flüssigen Ausgangszustand wieder an. Olivenöl kann ohne Qualitäts-oder Geschmacksverluste gefrieren. Unsere Hersteller versichern uns, dass durch Gefrieren keinerlei Einbußen in Qualität oder Geschmack hervorgerufen werden.