Die Mispel (Mespilius germanica) gehört zu den Rosengewächsen (Rosacea) und zum Wildobst, welches nie im eigenen Garten fehlen sollte. Wildobst trug bereits Ötzi als Proviant mit sich. In seinem Fall waren es allerdings Schlehenfrüchte.
Wildobst wie Mispeln, Vogelbeeren, Sanddorn oder Berberitze fanden bisher in Mittel- und Westeuropa leider wenig Beachtung. Bei mir persönlich fehlen die Weissdornfrüchte nie bei der Herstellung meiner eigenen Hausmittel aus dem Garten.

Die walnussgroßen, bräunlichen Früchte haben festes Fleisch, sind sehr gerbstoffhaltig und erst nach längerer Lagerung genießbar. Damit die Frucht weich und süß wird, bedarf sie der Frosteinwirkung. (Vorher sind sie herb bis bitter im Geschmack).
Wer nicht so lange warten möchte, bringt die Früchte auch im Tiefkühlfach zur Genussreife. Oder man lässt sie mehrere Wochen lang in einem trockenen Raum nachreifen. Danach können die Mispeln traditionell dem Most zugesetzt oder zusammen mit Äpfeln, Birnen, Hagebutten oder anderen Wildfrüchten zu Marmelade, Kompott oder Saft verarbeitet werden. Gezuckert und in Essig eingelegt, gelten sie sogar als Delikatesse.
Mit der Ernte sollte man sich aber Zeit lassen: Erst nach einigen strengeren Nachtfrösten werden die Mispeln weich und bekommen ihr typisches süsssäuerliches Aroma, das an Birnen und Feigen erinnert. Ich empfehle dir die Früchte jeweils zu ernten, wenn es einige Tage nicht geregnet hat. Wenn sie genügend ausgereift sind, schmecken sie süss. Sehr ähnlich wie Aprikosen oder Pfirsiche.
Die Haupterntezeit für Mispeln beginnt im August und geht bis in den späten Oktober.
Die Mispel in der Küche
Im Geschmack erinnert die Mispel an Aprikosen und Pfirsiche (typischen säuerlich-aromatisch). Die Früchte können pur gegessen werden. Die rauhe Schale wird eingeritzt und abgezogen, anschließend werden die großen Kerne herausgelöst. Die braunen Flecken sind kein Zeichen für Verderb, sondern zeigen eine optimale Reife.
Danach können die Mispeln traditionell dem Most zugesetzt oder zusammen mit Äpfeln, Birnen, Hagebutten oder anderen Wildfrüchten zu Marmelade, Kompott oder Saft verarbeitet werden.
Mispel Marmelade Rezept
Hier ist ein einfaches Rezept, um Mispel Marmelade selber zu machen:
- Nun die Mispeln im Topf für ca. 20 Minuten weich kochen.
- Die Mispeln in einen 2. sauberen Behälter durch ein Sieb drücken.
- Das Mispelmus mit Gelierzucker in einem Topf vermischen und unter rühren zum Kochen bringen.
- Danach 4 Minuten sprudelnd kochen lassen, bis das Mus-Gelierzuckergemisch Blasen wirft.
- Sofort heiss in sterile Konfitürengläser füllen und diese luftdicht verschliessen.
Ein kleiner Spritzer Zitronen- oder Apfelsaft sorgt für einen frischen Geschmack der Konfitüre. Für einen besonderen Geschmack, kann auch Vanillemark in die Konfitüre eingerührt werden. Sollten die Mispeln bereits sehr weich sein, müssen diese nicht halbiert werden.
Wenn wir Marmelade herstellen wollen, eignet sich eine Flotte Lotte dazu, welche wir in jedem Hauswarengeschäft um die Ecke finden. Zur Not eignet sich auch ein Sieb. Die Marmelade könnten wir auch mit Xylit herstellen. Wer jedoch hier keinen üblichen Haushalts- oder Rohzucker verwenden möchte, sollte unbedingt beachten, dass die Marmelade nicht besonders lange haltbar ist.
Das eingedickte Mispelmus mit Vanillezucker und Rum oder Cognac vermischen (oder ggf. Einen Kuchenteig auswallen. Mit einer Mischung aus Birnenmus, gedörrten Birnen und 1/8 Teil Mispelmus bedecken. Nach Geschmack Lebkuchengewürz oder Birnbrotgewürz beigeben. Der Guss stellen wir mit Sahne, Eier und Mehl her.
Mispel-Quitten Konfitüre
Eine Konfi die nicht jeder kennt. Die halbierten Mispeln und geviertelten Quitten in einem Topf knapp mit Wasser bedeckt 30 min köcheln lassen. Mit Gelierzucker (evtl. etwas Zucker oder Honig) und der Zimtstange aufkochen. Die Zimtstange wird dann wieder entfernt. Durch ein Sieb passieren.
Selbstgemachte Quittenkonfitüre schmeckt einfach herrlich. Ein Quittengelee aus den sonnengelben Früchten schmeckt sehr gut.
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Weitere Verwendungsmöglichkeiten
Danach können die Mispeln traditionell dem Most zugesetzt oder zusammen mit Äpfeln, Birnen, Hagebutten oder anderen Wildfrüchten zu Marmelade, Kompott oder Saft verarbeitet werden.
Kirschkonfitüre schmeckt aus frischen, reifen Früchten am besten. Eine Rhabarber-Erdbeer-Konfitüre passt perfekt auf frisches Brot. Die selbst gemachte Johannisbeerkonfitüre ist geschmacklich ein Traum.
Die Mispel und ihre gesundheitlichen Vorteile
Mispeln haben wenige Kalorien und fast kein Fett. Die Wirkung wird als adstringierend und harntreibend beschrieben. Die Mispel soll bei Arteriosklerose und Verdauungsstörungen helfen und gegen Entzündungen im Darm (z.B. Aus den Mispelblättern kann man einen Absud zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund-und Rachenbereich herstellen oder auch einen Aufguss aus gedörrten Früchten bei Mandelentzündungen.
In der Phytotherapie (Kräuterheilkunde) werden beispielsweise vom Weissdorn lediglich noch die Blüten und Blätter genutzt. Allerdings werden hier zwar in der modernen Phytotherapie die Früchte nicht genutzt, jedoch in der Spagyrik sowie Anthroposophie kommen durchaus noch alle Pflanzenteile des Weissdorns zum Einsatz und auch die Firma Ceres, welche hochwertige Urtinkturen herstellt, verwendet für eine Weissdorntinktur die frischen Früchte des Weissdorns. In der TCM (chinesischen Medizin), wo sich ja auch dem älteren Wissen noch zuwendet, werden beispielsweise die Weissdornfrüchte mit ihrem süssen und sauren Geschmack der Milz, Magen und der Leber zugeordnet (die Milz hat in der westlichen Medizin eine andere Bedeutung.
Ich habe vor einigen Jahren auch einen Artikel einst im Internet gelesen, dass Mispelfrüchte in der russischen Heilkunde bei Morbus Crohn eingesetzt würden (da ich den Artikel allerdings nicht mehr finde, kann ich ihn hier leider nicht verlinken, doch da immer wieder auch irreführende Informationen im Internet zu finden sind, beziehe ich persönlich auch nie verlässliche Informationen im Internet). Doch die Mispel besitzt viele Gerbstoffe. Gerbstoffe sind gerade bei chronischen Darmentzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sehr unterstützend. Übrigens werden Weissdornfrüchte in der japanischen Kampo-Medizin mit ihren entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften ebenso bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen geschätzt.
Früher war das Wort: „Gerben“ für viele ein Begriff. Zu Mispelfrüchten findet man leider wenig Literatur. Hildegard von Bingen hat Mispelfrüchte bei schwächeren und eher etwas „sanften“ Menschen zur Stärkung empfohlen (eigentlich ähnlich wie Schlehenfrüchte).
Jede Frucht enthält fünf Kerne. Die Kerne und Haut sind vor dem Verzehr zu entfernen. Da die Mispel Gerbstoffe enthält, sollten wir sie nicht überdosieren. Eine zu hohe Dosierung von Gerbstoffen könnte unsere Schleimhäute reizen und sie austrocknen und im schlimmsten Falle sogar Übelkeit auslösen.
Gerbstoffe finden wir meist in allen Pflanzenteilen. Gehäuft finden wir sie jedoch in Rinden und Wurzeln. In der Natur haben Gerbstoffe eine konservierende und abgrenzende Aufgabe. Wusstest du, dass ohne Gerbstoffe die Wurzeln beispielsweise sofort zu modern beginnen würden im Erdreich?
Mispel im Garten
Mispeln sind zwar gut winterhart, sollten jedoch im Kübel geschützt werden: Entweder man stellt sie an einen geschützten Bereich wie den Hausflur oder das Treppenhaus oder packt den Kübel warm mit Vlies oder Folie ein.
Wildobst sollte also aus verschiedenen Gründen nie im eigenen Garten fehlen.