Kriechender Günsel: Ein delikates Wildkraut für Salat und mehr

Die Natur hält eine grosse Vielzahl von Heilpflanzen und essbaren Wildkräutern bereit. Dazu gehört auch der Kriechende Günsel (Ajuga reptans L.), welcher bereits im 15. Jahrhundert erwähnt wurde.

Die meisten der rund 50 ein- bis mehrjährigen Vertreter der Gattung Günsel sind in den gemässigten Zonen Europas und Asiens beheimatet. Der Kriechende Günsel wächst bevorzugt an halbschattigen oder schattigen Orten und ist daher oft im Wald und auf Waldlichtungen anzutreffen. Für ein gutes Wachstum ist durchlässiger und humoser Waldboden eine Voraussetzung.

Botanische Merkmale

Die mehrjährige Pflanze kann je nach Standort zwischen 15 und 30 Zentimeter hoch werden. Im Frühjahr treibt das verzweigt wachsende Wurzel-Rhizom zunächst glänzend dunkelgrüne Blätter aus. Diese Blätter verfärben sich vielfach leicht rot-bräunlich. Das Blattwerk ist leicht gewellt und kann ausgewachsen bis zu acht Zentimeter lang werden. Von den Ausläufern der Wurzelrhizome hat der Kriechende Günsel vermutlich auch seinen heutigen Namen bekommen. Ab Mai wächst der Stängel des Kriechenden Günsels in die Höhe und wird zum aufrechten Blütenstängel. Die violetten Lippen-Blüten leuchten in den Monaten Mai und Juni wie eine Kerzenleuchte.

Verwendung in der Wildpflanzenküche

Der Kriechende Günsel ist ein sehr delikates, fein herbes, mitunter auch bitter schmeckendes Kraut. Ganz fantastisch schmeckt er zum Beispiel im Salat oder zu süßen Früchten wie Zuckermelonen, Bananen oder Mangos.

Mit ihrer grossen Vielfalt können Wildkräuter unsere Küche mit speziellen Rezepten bereichern und so eine Abwechslung in unseren Küchenalltag zaubern. Von März bis in den Sommermonat Juli können die jungen Blätter Brat- und Gemüsegerichten als herbes Gewürz beigemischt werden. Da der Grundgeschmack dieses Krautes jenem von Chicorée ähnelt und eher bitter ist, lassen sich damit feine Kräuterquark- und Salatgerichte zaubern.

In den Salat kann man alles mischen, was man findet. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Kleiner Wiesenknopf, Kriechender Günsel oder Brennesseln.

Kriechender Günsel (Ajuga reptans) - Artenporträt: Merkmale | Ökologie | Wissenswertes

Heilwirkung des Kriechenden Günsels

Der Kriechende Günsel kann innerlich als Tee oder Tinktur bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden und so auf natürliche Weise Linderung bringen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch, dass dieses Kräutlein speziell gegen Sodbrennen und bei Magengeschwüren eingesetzt wird. Der Kriechende Günsel kann auch gegen Entzündungen im Mundraum und im Rachen - also auch gegen Angina - verwendet werden. Da der Kriechende Günsel beruhigend wirkt, kann man mit ihm auch Linderung bei Schlaflosigkeit und Nervosität schaffen.

Rotblättriger Garten-Günsel (Ajuga reptans)

Bei dem Rotblättrigen Garten-Günsel (Ajuga reptans) handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze, die zur Familie der Lippenblütler gehört. Die kleine, mehrjährige Pflanze bildet zwar nur kurze Rhizome, jedoch sehr kräftige Ausläufer. Die Blätter sind oval und dunkelrot; aus ihrer Mitte wachsen kleine Blütenstiele empor. An diesen bilden sich in der Zeit von April bis Mai, gelegentlich auch bis in den Juni hinein, blaue Blütenkronen.

Standort und Pflege

Rotblättriger Garten-Günsel ist sehr anspruchslos und pflegeleicht. Kein Wunder also, dass er sehr gerne in Steingärten sowie an Wald- und Gewässerrändern kultiviert wird. Ajuga reptans bevorzugt einen hellen, sonnigen bis halbschattigen Standort. Alternativ ist auch eine Kultivierung in einem sandig-lehmigen Boden möglich. Wer möchte, kann die kleine Pflanze auch in Kübeln oder Kästen kultivieren. Dabei ist es notwendig, dass das Pflanzgefäß unten Löcher zum Ablaufen überschüssigen Wassers besitzt.

Von Februar bis November kann Rotblättriger Garten-Günsel gepflanzt werden. Bevor es jedoch so weit ist, sollte der Boden vorbereitet werden. Dies geschieht, indem zunächst umgegraben und dann Kompost in die Erde eingearbeitet wird. Da Ajuga reptans für gewöhnlich als Bodendecker kultiviert werden soll, ist nur ein geringer Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen einzuhalten. Es empfiehlt sich, vor der Pflanzung den Ajuga zunächst auf das vorbereitete Beet zu stellen.

Giessen und Düngen

In den ersten Wochen nach der Pflanzung sind regelmäßige Wassergaben sinnvoll. Diese sollten jedoch nicht zu üppig ausfallen, da die kleine Pflanze keine Staunässe verträgt. Ist der Ajuga reptans angewachsen, benötigt er nur noch so viel Wasser, dass der Boden beziehungsweise sein Substrat nicht vollständig austrocknet.

Ob ein Rotblättriger Garten-Günsel gedüngt werden muss oder nicht, hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Ist die Erde nährstoffreich, so sind keine zusätzlichen Düngegaben notwendig.

Schneiden und Vermehren

Es ist nicht zwingend notwendig, Rotblättriger Garten-Günsel zu schneiden. Wer ihn jedoch etwas in Form bringen möchte, kann dies im zeitigen Frühjahr tun. Dabei werden die Pflanzen bodennah zurückgeschnitten; gleichzeitig werden zu lange Ausläufer entfernt. Um eine Selbstaussaat zu verhindern, werden die Blüten vor der Samenreife abgeschnitten.

Die langen Ausläufer bewurzeln sich an ihren Knoten, sobald diese den Boden berühren. Auch ist es möglich, den Rotblättrigen Garten-Günsel durch Teilung zu vermehren.

Überwinterung

Ajuga reptans ist komplett winterhart. Es ist weder notwendig, ihm einen Winterschutz zu verpassen, noch benötigt er spezielle Pflegemaßnahmen. Lediglich im Kübel kultivierte Pflanzen benötigen ein wenig Aufmerksamkeit: auch in der kalten Jahreszeit darf ihr Substrat nicht vollkommen austrocknen.

Krankheiten und Schädlinge

Rotblättriger Garten-Günsel ist eine sehr robuste und widerstandsfähige Pflanze. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er komplett resistent gegenüber Krankheiten und Schädlingen ist. Sind nur einige Blattläuse vorhanden, so können sie mit einem Gartenschlauch abgespritzt werden. Alternativ können die Pflanzen mit Brennnesseljauche eingesprüht werden, welche zudem als natürliches Düngemittel fungiert.

Der Echte Mehltau zeigt sich an einem mehlig-weißen Belag auf den Oberflächen der Blätter. Problematisch bei ihm ist, dass er auch auf andere Pflanzen übergeht, was im schlimmsten Fall zu einer starken Reduzierung des Pflanzenbestandes führen kann. So ist es sinnvoll, den Pilz zu bekämpfen.

Essbarkeit und Verwendung

Die kleine ausdauernde Pflanze ist nicht giftig. Im Gegenteil: die Blätter des Rotblättrigen Garten-Günsel sind sogar essbar und schmackhaft noch dazu. Sie sind bitter und herb und erinnern geschmacklich an Chicorée, weswegen sie nur sparsam verwendet werden sollten. Günsel-Blüten hingegen schmecken süßlich. Aus diesem Grund eignen sie sich hervorragend als Dekoration von Desserts, Kuchen und Torten.

Tipps zur Eindämmung der Ausbreitung

Ajuga reptans hat eine Tendenz dazu, sich schnell und massiv auszubreiten. Dabei bleibt er nicht immer in jenen Regionen des Gartens, die für seine Kultivierung vorgesehen waren, sondern tauchst an Stellen auf, an denen er nicht erwünscht ist. So schön Rotblättriger Garten-Günsel in Beeten auch aussieht: wächst er im Rasen, ist der Gartenbesitzer meist wenig erfreut darüber.

Die kleine Pflanze gedeiht auch dort ausdauernd, so dass sie innerhalb kurzer Zeit von Rasenflächen Besitz ergreift und die Graspflanzen einfach verdrängt. Ist dies der Fall, muss eingegriffen werden. Die Entfernung ist jedoch schwieriger, als man denken mag. Keinesfalls reicht es aus, die Pflanzen nur herauszuziehen, da sich nach kurzer Zeit wieder neue Triebe bilden werden. Wichtig dabei ist, dass auch wirklich sämtliche Wurzelteile entfernt worden sind.

Lubera-Tipp: Vorbeugen ist besser als bekämpfen!

Wildkräuter als Bereicherung

Die Wildkräuter, welche als «Beigemüse» im Garten oder in den Töpfen wachsen, können eine tägliche Bereicherung zu den üblichen Menüs sein. Grundsätzlich gilt: ausprobieren und kombinieren, so wie es für einen persönlich passt.

Beispiele für essbare Wildkräuter

  • Brennnessel
  • Giersch
  • Wegerich
  • Labkraut
  • Fünffingerkraut
  • Knoblauchsrauke

Bekannt ist die Neunkräuter-Suppe, in der alle Kräuter zusammen zu einer energiereichen Suppe verarbeitet werden. Vor der Blüte sind die Stängel und Blätter am zartesten. Danach geht die Kraft in die Blüte und die Blätter werden faseriger. Gesammelt werden nur die schönen, unversehrten Blätter ohne Verfärbungen oder Flecken. Selbstverständlich an einem Ort, welcher nicht verunreinigt ist.

Die Wiesen sind im Normalfall Privateigentum. Pflücken stets mit Mass und Respekt der Natur und den Pflanzen gegenüber.

Wenn im Garten oder in den Blumentöpfen etwas Wildnis gelassen wird, tauchen viele dieser Pflanzen von selber auf und stehen so direkt zur Verfügung. Getrocknet wird das Sammelgut an einem warmen Ort, gut durchlüftet, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung. Lagern am besten in einem trockenen und lichtundurchlässigen Gefäss.

Weitere essbare Wildpflanzen

Hier eine Auswahl weiterer Pflanzen, von denen die noch jungen Blätter zum Würzen verwendet werden können:

  • Bärlauch (Allium arsinum)
  • Beinwell (Symphytum off.)
  • Brombeere (Rubus fruticosus)
  • Brunnenkresse (Nasturtium off.)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis)
  • Himbeere (Rubus idaeus)
  • Hirtentäschel (Capsella burs-pastoris)
  • Malve (Malva silvestris)
  • Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Vogelmiere (Stellaria media)
  • Schlangen-/Wiesenknöterich (Polygonum bistorta)

Rezept für Wildkräutersalat

Hier ein einfaches Rezept für einen Wildkräutersalat:

  1. Alle Kräuter gut waschen und auf Ungeziefer prüfen.
  2. Aus Sherryessig, Haselnussöl, Salz, Pfeffer und wenig mildem Senf eine Vinaigrette rühren und über die Wildkräutermischung geben.
  3. Haselnüsse in Scheiben schneiden und in einer Bratpfanne trocken anrösten.
  4. Die gerösteten Haselnüsse über den Salat streuen.

tags: #kriechender #gunsel #salat