Tannennadeln sind nicht nur ein Symbol für Weihnachten, sondern auch eine vielseitige Zutat in der Küche. Von traditionellen Rezepten bis hin zu modernen kulinarischen Experimenten bieten sie eine breite Palette an Aromen und Möglichkeiten. In diesem Artikel werden wir verschiedene Rezepte und Anwendungen von Tannennadeln erkunden, von süßen Köstlichkeiten bis hin zu herzhaften Gerichten.

Traditionelle Rezepte mit Tannennadeln
Tannenspitzenhonig
Der Tannenspitzenhonig ist eine Art Melasse oder ein Honigersatz. Im Volksmund nennt man diese Zubereitungsart „Honig“. Der klare Tannenspitzenhonig bewegt sich farblich zwischen Bernstein und einem hellen Rostrot. Je dunkler die dickflüssige Masse ist, desto stärker hat der Zucker beim Einkochen karamellisiert. Im Schweizerdeutschen nennt man diesen süssen, würzigen Honig auch Tanneschösslihonig. Tanneschössli sind die jungen, grünen Triebe der Tannen.
Der Tannenspitzenhonig gehört, wie auch der Löwenzahnhonig, zu den Latwergen. Eine Latwerge ist grundsätzlich weniger flüssig als ein Saft, so dass man davon etwas mit der Messerspitze nehmen kann, ohne dass es von den Seiten herunter laufen sollte, definiert die Encyklopädie von Krünitz um 1800 den Begriff.
Wann genau die Idee aufkam, die jungen, hellgrünen Triebe der Tanne mit Zucker zu kombinieren und einzukochen, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Vermutlich passierte das irgendwann im 19. Jahrhundert, als der Zucker erschwinglich wurde und im Gegensatz dazu der Preis des Bienenhonigs anstieg. Tannenspitzen wurden jedoch schon früher in Bienenhonig eingelegt. Diese Form des Tannenspitzenhonigs wurde aber als Medizin eingenommen. In der Schweiz sind noch heute verschiedene Hustenmittel mit Tannenspitzenextrakt erhältlich.
Honig war lange Zeit das wichtigste Süssmittel in der Schweiz, und ein recht teures dazu. Es ist deshalb anzunehmen, dass der Tannenspitzenhonig, mit Zucker gemacht, ein Nachahmerprodukt ist, und wie der Löwenzahnhonig der Honig der armen Leute war. Beim Einmachen mit Zucker bleiben die Farbe und der Eigengeschmack der Früchte besser erhalten.
Gedruckte Rezepte für Tannenspitzenhonig beziehungsweise Tannenspitzensirup erscheinen seit den 1970er Jahren im Umkreis der «Zurück-zur-Natur-Bewegung», Selbstversorgung oder Kräuterküche. Die Herstellung von Tannenspitzenhonig ist eine aufwändige Sache: Zuerst müssen die Tannenspitzen von Hand von den Ästen getrennt werden. Wichtig ist, dass man ganz junge Triebe nimmt, damit der Tannenspitzenhonig keinen harzigen Geschmack erhält. Bei der Honigherstellung kocht man die grünen Tannenspitzen zusammen mit Wasser und Zitronenscheiben auf.
Die Farbe verändert sich durch das Einkochen und am Schluss ist ein amberfarbiger Honig entstanden. Der ideale Zeitpunkt für den perfekten Tannenspitzenhonig findet man mit Hilfe der Gelierprobe: Dazu gibt man etwas Honig auf einen Teller, zieht die Masse nun Fäden, dann ist der Honig bereit zum Abfüllen. Es ist besonders wichtig den Tannespitzenhonig nicht allzu dick einzukochen, da er beim Erkalten fester wird.
Gegessen wird der Tannenspitzenhonig wie Bienenhonig als Brotaufstrich. Er kann aber auch zur Verfeinerung von Desserts eingesetzt werden. Tannenspitzenhonig ist bis zu anderthalb Jahren haltbar, wenn er an einem dunklen, kühlen Ort aufbewahrt wird.
Panna Cotta mit Tannennadeln
Eine köstliche Kombination verspricht dieses Panna Cotta-Rezept aus der Natur. Panna Cotta ist ein klassisches italienisches Dessert, das aus Sahne, Zucker und Gelatine besteht. Die Panna Cotta ist wohl das bekannteste und beliebteste Dessert aus der italienischen Küche. Eine Panna Cotta mit Erdbeersauce schmeckt herrlich süss, cremig und fruchtig.
Zutaten:
- Schlagrahm
- Zucker
- Vanilleschote
- Tannennadeln
- Gelatine
- Mandarine (optional)
Zubereitung:
- Das Mark der Vanilleschote auskratzen.
- In einem Topf zuerst den Zucker mit dem Schlagrahm inkl. der Vanille leeren und alles gemeinsam erwärmen - nicht kochen lassen.
- Die Tannennadeln von den Zweigen nehmen und in den Topf geben - umrühren.
- Den Topf abdecken und über Nacht im Kühlschrank wirken lassen.
- Am nächsten Tag den Topf über ein Sieb schütten und die Flüssigkeit auffangen.
- Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen und danach ausdrücken.
- Den Schlagrahm nochmals in einem Topf erhitzen - nicht kochen - und die Gelatine in dieser Mischung unter Rühren schmelzen lassen.
- Die Tannen-Schlagrahmsauce in kleine Schalen giessen und abgedeckt im Kühlschrank kühlen, bis die Creme fest ist.
- Die Schalen kurz in heissem Wasser eintauchen und danach jeweils auf einen Teller stürzen.
- Schön garniert servieren, z.B. mit einer Mandarinenscheibe.

Moderne Anwendungen von Tannennadeln
Die frischen Triebe eines Weihnachtsbaums kannst du zu Gewürz, Likör oder Tee verwerten. Tannennadeln sind reich an ätherischen Ölen und haben ein intensives, würziges Aroma. Das macht sie ideal für die Verwendung in der Küche.
Tannennadel-Tee
Tee aus Tannennadeln hat ein kräftiges Aroma und du kannst ihn pur oder mit etwas Honig gesüsst geniessen. Pro Tasse benötigst du etwa einen Teelöffel Nadeln, am besten von den jüngsten Triebspitzen des Baumes. Trockne die Nadeln und brühe sie auf, schon fertig.
Tannennadel-Gewürz
Zerkleinere die Nadeln und verwende sie als Gewürz für Fleischgerichte, Suppen oder Saucen - ähnlich wie Rosmarin. Wenn du willst, kannst du sie vorher in der Pfanne oder im Backofen kurz rösten. Ihr intensives Aroma verleiht deinen Speisen eine besondere Note und harmoniert wunderbar mit Pilz- und Wildgerichten. Wenn du das Nadel-Pulver zusätzlich mit einem hochwertigen Salz vermischst, erhältst du ein köstliches Kräutersalz.
Tannennadel-Likör
FICHTEN-LIKÖR selber machen - Rezept
In wenigen Schritten kannst du selbst Tannennadel-Likör herstellen. Mische rund 15 bis 20 Triebspitzen deines Tannenbaums mit 500 ml Wodka oder Gin und lass sie in einem gut verschraubten Glas vier bis sechs Wochen ziehen. Koche 120 g Zucker und 200 ml Wasser auf, lasse es abkühlen und vermische es mit dem Alkohol. Noch einmal sieben und mit Zucker abschmecken. Das Ergebnis ist ein einzigartiger Tannennadel-Likör, der perfekt als festlicher Aperitif oder als Basis für einen einzigartigen Cocktail dient.
Weitere Rezepte mit Tannennadeln
Steak an Tannenspitzen-Butter
Um das Tannen-Aroma der Butter zu verstärken, können am Vortag einige Triebe fein gehackt und mit der Butter vermengt werden. So wird die Kräuterbutter über Nacht besonders aromatisch.
Zubereitung:
- Die Steaks beidseitig mit Olivenöl bestreichen, mit Salz und Pfeffer würzen und die Gewürze sanft einmassieren.
- Eine Bratpfanne auf hoher Stufe erhitzen. Die Steaks in die sehr heisse Pfanne geben. Von beiden Seiten ca. 2 Minuten scharf anbraten. Jeweils nach einer Minute wenden.
- Die Steaks aus der Pfanne nehmen, in Alufolie einpacken und etwa 5 Minuten ruhen lassen.
- Die ganzen Knoblauchzehen mit dem Messer oder dem Handballen andrücken. Die Bratpfanne erneut erhitzen. Den Knoblauch mit der Butter und den Tannenspitzen in die Pfanne geben und das Fleisch dazugeben. Die Pfanne schwenken und die aromatisierte Butter löffelweise über die Steaks schöpfen.
- Die Steaks zum Servieren in Streifen schneiden, mit Tannenspitzen garnieren und mit den Zitronen-Kartoffeln anrichten.
Lammschulter mit Fichtennadeln
Eine spannende Alternative zu Rosmarin, Thymian und Salbei sind heimische Fichtennadeln. Diese sammelst du einfach bei deinem nächsten Waldspaziergang.
Zubereitung:
- Lammschulter trocken tupfen. Fichtennadeln von den Stielen zupfen und grob hacken. Senf-, Koriander- und Pfefferkörner grob zerdrücken. Alles mit Meersalz mischen und die Lammschulter kräftig damit einreiben. Das Fleisch in eine ofenfeste Form geben, mit einem Teller bedecken und mind. 2 Stunden ziehen lassen.
- Ofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen (Umluft 160 °C). Zwiebeln schälen und halbieren, Knoblauch schälen und mit Weisswein und Gemüsebouillon zur Lammschulter geben und für 60-70 Minuten ohne Deckel im Ofen braten.
- Braten aus dem Ofen nehmen, in Scheiben schneiden und auf vorgewärmten Tellern anrichten. Pilze und Bratenfond dazugeben. Kartoffelstock mit Brennnesseln anrichten und dazu servieren.

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