Joghurt ist ein beliebtes Nahrungsmittel, das in vielen Varianten erhältlich ist. Doch was macht ein gutes Joghurt aus? Und welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Sorten? Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Tests, Inhaltsstoffangaben und Ernährungstrends rund um das Thema Joghurt.

Fruchtjoghurt unter der Lupe: Wie viel Frucht ist wirklich drin?
Bei der Herstellung von Früchtejoghurts wird oft geschummelt, wie ein Test des Schweizer Konsumentenmagazins «Kassensturz» zeigte. Dabei wurde festgestellt, dass Schweizer Joghurts nur etwa die Hälfte der angegebenen Fruchtmenge enthielten.
Die Westschweizer Variante von «Kassensturz», «A bon Entendeur», testete zehn verschiedene Aprikosenjoghurts von Schweizer Herstellern. Das Ergebnis der Laboranalyse war ernüchternd: Der Fruchtanteil in den getesteten Joghurts betrug nur etwa 50 Prozent der angegebenen Menge!
Die Gewinner des Tests:
- «Yoplait» (Coop): 5,9 Prozent Fruchtstückli
- «Biojoghurt» (Migros): 4,1 Prozent Früchte (deklariert 7,9 Prozent Aprikosenanteil)
Die Verlierer des Tests:
- «Toni-Joghurt»: 2,9 Prozent Fruchtstückchen (deklariert 8 Prozent Aprikosen und 2 Prozent Aprikosen-Püree)
- «Qualité & Prix» (Coop): 0,4 Prozent Aprikosen-Stückli
- «Bio Naturaplan-Joghurt» (Coop): Schnitt ebenfalls weniger gut ab
Coop erklärte dazu, dass sich der Fruchtanteil nicht nur an den ausgewaschenen festen Fruchtstücken bemisst, sondern auch am Fruchtpüree und weiteren Fruchtbestandteilen, die während des Kochprozesses entstehen.
Kritik vom Konsumentenschutz
Sara Stalder vom Konsumentenschutz kritisierte die irreführende Kennzeichnung: «Täuschend für den Konsumenten ist tatsächlich, wenn auf dem Etikett eine grosse Frucht prangt und sich der Inhalt lediglich noch als kleiner Prozentanteil Püree präsentiert. Dies wäre ein klarer Fall für die Lebensmittelinspektoren, denn das Bild darf nicht falsche Tatsachen vorgaukeln.»
Sie forderte mehr Personal für die Lebensmittelinspektion, um Täuschungen bei Lebensmitteln zu verhindern.
Reaktionen der Hersteller
Die Produzenten der getesteten Joghurts, darunter die Emmi AG (Toni-Joghurts), betonten, dass ihre Deklarationen korrekt seien. Die gesetzlichen Vorschriften würden nicht vorschreiben, in welcher Form der Fruchtanteil zugesetzt werden muss.
Dennoch reagierten einige Hersteller auf die Ergebnisse. Emmi Schweiz kündigte an, die Beständigkeit der Fruchtstücke im Fruchtgrundstoff verbessern zu wollen. Nestlé versprach, die Angaben auf der Verpackung zu präzisieren.
Beispiel: Nestlé
Neue Angabe: Aprikosen 9 Prozent (Fruchtstücke und Püree aus Konzentrat)
Naturjoghurt im Test: Geschmack und Qualität
Neben Fruchtjoghurts wurde auch Naturjoghurt getestet. Dabei standen Geschmack, Konsistenz und Frische im Fokus. Ein Test von «Kassensturz» zeigte, dass es auch bei Naturjoghurts grosse Unterschiede gibt.
Die Degustation offenbarte, dass die geschmacklichen Unterschiede trotz identischer Zutatenliste (Milch, Milchprotein, Magermilchpulver) sehr gering sein können. Erschwerend kam hinzu, dass beim Naturprodukt Joghurt nicht jede Charge gleich schmeckt wie die andere.
Die Testergebnisse im Überblick:
| Produkt | Note | Beschreibung |
|---|---|---|
| Milfina Joghurt Nature (Aldi) | 3 | Kompakt, ausdruckslos, sehr prägnante Säure |
| Amselspitz Joghurt Nature (Globus) | 1 | Sehr flüssig, schmeckt nach Molke, nicht befriedigend |
| Demeter Biomilk Jogurt Nature (Egli) | 4 | Schmeckt nach Milch, zurückhaltende Säure |
| Jogurt Nature, Naturaplan (Coop) | 6 | Sanft, cremig, ausgewogen, passt pur |
| Jogurt Nature, Qualité & Prix (Coop) | 3 | Wenig Milchgeschmack, Säure bleibt auf der Zunge haften |
| Joghurt Nature (Denner) | 5 | Säure und Milcharoma im Gleichgewicht, cremig, rahmig, elegant |
| Milbona Joghurt Nature (Lidl) | 2 | «Joghurtiges» Joghurt, industriell, langweilig, Säure unangenehm |
| Nature Joghurt Bio (Migros) | 4 | Neutral, cremig, angenehme Säure |
| Joghurt Nature M Classic (Migros) | 5 | Brav, geschmacklos, zurückhaltend |
Joghurt-Trends: Griechischer Joghurt, Skyr und Co.
Die Joghurtwelt ist vielfältig und erlebt ständige Veränderungen. Neben dem klassischen Naturjoghurt erfreuen sich vor allem griechischer Joghurt und Skyr grosser Beliebtheit.
Skyr, ursprünglich aus Island, zeichnet sich durch einen zwei- bis dreimal so hohen Eiweissgehalt im Vergleich zu herkömmlichem Joghurt aus. Griechische Joghurts sind fettreicher und cremiger, da sie aus Vollmilch oder mit zusätzlichem Rahm hergestellt werden.

Fett rauf, Zucker runter
«Früher versuchte man bei Joghurts den Fettanteil zu senken und setzte dafür mehr Zucker zu. Heute geht man den umgekehrten Weg», erklärt Ernährungswissenschafterin Barbara Walther. «Man reduziert den Zucker und erhöht dafür den Fettgehalt. Denn sowohl Zucker wie Fett sind Geschmacksträger.»
Milchfett enthalte zwar einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, wirke sich aber nicht negativ auf die Gesundheit aus, wie Studien zeigen konnten. Das künstliche Reduzieren des Fettgehalts habe sogar Nachteile, da damit auch der Anteil fettlöslicher Vitamine verringert werde.
Frozen Joghurt selber machen - so geht's
Welches Joghurt ist am gesündesten?
Für Barbara Walther ist klar: «Am gesündesten ist das Naturejoghurt, das man nach Bedarf selber mit Früchten, Flocken oder etwa Nüssen mischt.»
Joghurt ist grundsätzlich als fermentiertes Lebensmittel eine gesunde Sache: «Bakterien zu essen, hilft, unsere Darmflora vielfältig zu halten.» Probiotika wie Bifidusjoghurts enthalten zusätzlich Bifidusbakterien, die eine positive Wirkung auf das Mikrobiom haben können.
Die Bakterien im Joghurt bauen einen beträchtlichen Teil der Laktose ab, weshalb Joghurt für laktoseintolerante Menschen besser verträglich ist als Milch.