Grillen: Sommerliche Musiker mit faszinierenden Flügeln

Im Sommer, wenn die Tage länger werden, erfüllt ein ganz besonderes Konzert die Natur: das Zirpen der Grillen. Diese kleinen Insekten sind mehr als nur sommerliche Musiker. Sie sind faszinierende Lebewesen mit einer wichtigen Rolle im Ökosystem.

Die Grille gehört zur Familie der Heuschrecken und ist bekannt für ihr charakteristisches Zirpen. Das Zirpen entsteht, wenn die Männchen ihre Flügel aneinander reiben. Damit die Menschen jederzeit in den Genuss des Gezirpes kommen können, werden Grillenmännchen in kostbaren Bambuskäfigen, aber auch in kunstvoll geschnitzten kleinen Häuschen, z. B. aus Apfelholz, im Wohnraum gehalten.

Grillen leben oft in Gebieten mit dichter Vegetation wie Wiesen, Gärten, Wäldern und sogar in städtischen Umgebungen. Sie sind Teil des Ökosystems und spielen eine Rolle im Nahrungsnetz.

Feldgrillen: Die Stars der Wiese

Bei Heuschrecken mit langen Fühlern handelt es sich um Grillen, welche im Augenblick sehr aktiv sind. Bei den Tieren, welche zurzeit auf vielen Wiesen zu hören sind, handelt es sich um die Feldgrille. Die Feldgrille ist das Tier des Jahres 2014. Pro Natura hat das Insekt, das zur Ordnung der Heuschrecken gehört, zum Tier des Jahres gewählt. Damit will die Naturschutzorganisation auf den Lebensraum der Feldgrille aufmerksam machen.

Besonders wohl fühlt sich die Grille nämlich auf besonnten Trockenwiesen und -weiden. Solche Standorte stehen in der Schweiz allerdings wegen der Intensivierung der Landwirtschaft, der Verbuschung und der Zersiedlung unter Druck. Die Feldgrille gilt als sogenannte Flaggschiffart, also als Repräsentantin für die grosse Vielfalt an Insekten, die in Trockenstandorten leben.

Diese lebt oft in Höhlen im Boden, in einer Tiefe von rund 40 Zentimetern. Dabei gibt sich die Grille nicht mit jedem Boden zufrieden. Damit sie sich gut eingraben kann, darf der Boden nicht zu fest und nicht zu dicht bewachsen sein. Die Grille mag also lockeren Boden und Wärme.

Etwa Anfang Juni schlüpfen die jungen Grillen aus ihren Eiern. Anschliessend entwickeln sie sich bis zum Herbst zu «Jugendlichen». Nach dem Überwintern im Jugendstadium werden die Grillen im nächsten Frühjahr erwachsen und die Männchen beginnen lautstark nach paarungswilligen Weibchen zu suchen. Nach etwa einem Jahr endet der Lebenszyklus der Feldgrille.

Zu sehen bekommen wir die Grillen kaum. Sie sind vorsichtig und halten sich meistens in der Nähe ihrer Höhlen auf. Naht ein Feind, verkriechen sie sich augenblicklich in ihrem sicheren Schlupfloch.

Besonders faszinierend ist die Lautstärke, die die Grillen mit ihren Flügeln erzeugen können. Damit locken sie einerseits Weibchen an und markieren gleichzeitig ihr Revier. Die Flügel haben Leisten mit Zähnen, ähnlich wie ein Kamm. Mit diesen verursachen sie das vertraute Geräusch. Vorrichtungen auf dem Flügel und das «Dach» ihrer Höhlen verstärken den Ton zusätzlich. Ihr eigenes Hörorgan, welches der Orientierung dient, befindet sich an den Beinen unterhalb der Knie.

Die Kunst der Stridulation

Wenn man an warmen Tagen über Felder und Wiesen streift, hört man es von Weitem stridulieren. Grundsätzlich durch das Aneinanderreiben von zwei Körperteilen, die sich gegeneinander bewegen können. Bei den Insekten sind die Organe, die zur Stridulation benutzt werden, speziell benannt: Es wird zwischen der strukturierten Schrillleiste, die oft mit Rillen oder Rippen besetzt ist, und der Schrillkante unterschieden.

Bei dieser Heuschreckenart befindet sich die Schrillleiste (siehe Pfeil) am linken Vorderflügel. Es ist eine verstärkte Flügelader. Wird die Schrillkante über die Schrillleiste gezogen, spricht man von Stridulation: So zum Beispiel ertönt das Zirpen der Feldgrillen, wenn sie ihre Flügel schnell vor- und zurückbewegen und dabei die Schrillleiste, eine verdickte Flügelader am rechten Flügel, die mit Zähnchen bestückt ist, über der glatten Schrillkante am linken Flügel entlang reiben.

Die Feldgrille - Wie zirpt & hört sie?

Bereits im Frühling, mit den ersten warmen Tagen, beginnt das Zirpkonzert der Männchen, das bis zum August andauert. Richtig, bei den Feldgrillen nutzen nur die Männchen die Stridulation. Die weiblichen Feldgrillen sind nicht Erzeuger sondern lediglich Empfänger der Stridulation. Zu erkennen sind sie an ihren hinteren Körperanhängen: Im Gegensatz zu den Männchen besitzen sie davon drei und nicht nur zwei. Der dritte, mittlere und zugleich längste Körperanhang ist das Legerohr, das dem Eierlegen dient.

Die Hörorgane der Feldgrillen befinden sich ungewohnterweise in ihren Vorderbeinen. Dies ist bei sämtlichen Grillen und Laubheuschrecken-Arten der Fall.

Das Zirpen als Thermometer

Hätten Sie es gewusst, dass man mit dem Zirpen der Grillen die Temperatur bestimmen kann? Grillen können tatsächlich als „thermometrische“ Indikatoren für die Umgebungstemperatur verwendet werden.

Das Zirpen von Grillen, insbesondere von männlichen Grillen, hängt von der Umgebungstemperatur ab. Je wärmer es ist, desto schneller zirpen sie. Da Grillen also bei erhöhter Temperatur häufiger Zirpen, kann man aus der Häufigkeit des Zirpens die Lufttemperatur ableiten.

Die Formel dafür ist sehr simpel. Um den Zufallsfaktor möglichst auszuschließen, sollte man mehrere Intervalle messen und dann einen Durchschnittswert verwenden. Diesen Durchschnittswert dividiert man durch die Zahl 3 und addiert die Zahl 4.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Methode ihre Grenzen hat und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden kann, wie zum Beispiel der Art der Grille, der Luftfeuchtigkeit und anderen Umweltbedingungen.

Die ungeliebte Maulwurfsgrille

Nicht mehr so oft anzutreffen sind in der Region die Maulwurfsgrillen, auch Werren genannt, weil sie verfolgt werden. Gärtner mögen sie nicht, da sie sich des Öfteren an Wurzeln zu schaffen machen soll. Dieter Thommen bezweifelt aber, ob tatsächlich immer die Werre die Schuldige ist. Sie sei nämlich eine Räuberin und fresse vor allem Drahtwürmer und Insekten, die im Boden leben.

Im Gegensatz zu anderen Heuschreckenarten wird die Werre auch bis zu drei Jahre alt und brauche zwei Jahre für ihre Entwicklung. Ausserdem kümmere sich das Weibchen um ihre Brut, andere Heuschreckenarten überlassen ihre Eier ihrem Schicksal.

Bedrohte Lebensräume

Heuschrecken sind immens wichtig für die Forschung zur Bewertung von Lebensräumen. Die Tiere sind sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Feldgrillen halten sich typischerweise dort auf, wo es warm und trocken ist und die Vegetation nicht zu dicht wächst, zum Beispiel also auf ökologisch wertvollen Magerwiesen oder an Böschungen, wo Wasser gut abfliessen kann. «Heuschrecken sind wichtige Zeiger für uns Biologen», sagt Dieter Thommen. «Sie erfordern bestimmte Qualitäten. Im Mittelland beispielsweise gibt es nicht mehr viele Grillen. Die Lebensräume werden dort zu intensiv bewirtschaftet. Hier bei uns gibt es jedoch viele.»

Von den 111 Heuschreckenarten der Schweiz stehen 40 auf der Roten Liste. Das Zirpen der Feldgrille ist nicht jedes Jahr häufig zu hören, denn die Bestände unserer bekanntesten Grille schwanken relativ stark. Im Ganzen gilt sie in der Schweiz als nicht gefährdet, obwohl ihr Lebensraum zunehmend unter Druck gerät und sie einen bedeutenden Rückgang erlitten hat.

Die bunten und artenreichen trockenen Wiesen verschwinden durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Zudem werden gerade die sonnigen Lagen vom Menschen als Wohnstandort geschätzt und häufig überbaut. In höheren Berggebieten droht dort, wo die Bewirtschaftung aufgegeben wird, die Verbuschung der Wiesen.

Einige in der Schweiz vorkommende Heuschreckenarten

Art Lebensraum Besonderheiten
Feldgrille Trockenwiesen, Weiden Zirpt lautstark, lebt in Erdhöhlen
Maulwurfsgrille Gärten, Äcker Gräbt unterirdische Gänge, unbeliebt bei Gärtnern
Weinhähnchen Magerwiesen, Weinberge Lebt auf Pflanzen, melodischer Gesang
Nachtigall-Grashüpfer Wiesen Anschwellende, schwirrende Strophen

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