Globus Bellevue: Ein Flop in der Gastronomie?

Das neue Restaurant im Globus am Bellevue in Zürich hat seit seiner Eröffnung mit geringer Auslastung zu kämpfen. Während sich vor dem «Sternen-Grill» eine Schlange bildet und das Santa Lucia gut besucht ist, bleiben die Tische im Globus grösstenteils leer.

Hinter den edlen Tresen der einzelnen Gastro-Anbieter wartet das Personal auf Kundschaft. Bei der «Balik Kitchen & Bar» (Spezialitäten: Lachs und Kaviar) unterhält sich eine Servicemitarbeiterin mit den einzigen zwei Gästen.

So trostlos sieht es hier fast immer aus, seit die Filiale vor knapp einem Jahr mit einem neuen Restaurantkonzept und der umgestalteten Delicatessa im Untergeschoss wiedereröffnet wurde. Die Haushaltsabteilung im ersten Stock ist verschwunden. Gourmet statt Warenhaus, so lautet das Konzept nach zwei Jahren Umbau.

Doch der Blick auf die neue Gastronomie lässt nur einen Schluss zu: Das Konzept ist ein Flop. Die Gäste beim «Sternen-Grill» sind bereit, 9 Franken 80 für eine Wiediker Schweinsbratwurst zu berappen.

Im «Goldküsten-Globus» selbst verkehrt die Kundschaft vom Zürichberg und vom rechten Seeufer. Die Lebensmittelabteilung scheint nach dem Umbau so gut zu laufen wie früher, die elegante Kundschaft legt, ohne mit der Wimper zu zucken, spanischen Schinken für 200 Franken oder Champagner für 390 Franken ins Einkaufswägeli. Seit der Wiedereröffnung sind 300 neue Artikel im Angebot, «in allen Preislagen».

Doch im Restaurant ist der Unterschied zu früher frappant. Vor dem Umbau war dort zur Mittagszeit und nach Feierabend oft kein Durchkommen mehr. Der Kantinen-Charme funktionierte: Selbstbedienung, hohe Tische, enge Bestuhlung, der Geruch von frisch gebratenem asiatischem Essen in der Luft. Wer Champagner wollte, musste ihn selbst auf einem Tablett zu seinem Platz transportieren. Aber das schien kaum jemanden zu stören.

Genau von diesem Konzept wollte der damalige Globus-CEO Franco Savastano wegkommen. Apart und grosszügig sollte die Gastronomie werden. Seit dem Umbau ist das Parterre luftiger gestaltet, die verschiedenen Angebote mit asiatischer, orientalischer oder italienischer Küche sind wie Mini-Restaurants angeordnet. An den Tischen wird man bedient. Doch daran haben offensichtlich nur die wenigsten Interesse.

Der Ansturm zur Neueröffnung vor knapp einem Jahr war nämlich gross: In den ersten Tagen strömten Hunderte Personen in die umgebaute Filiale. Dann aber flachte das Interesse insbesondere am Restaurant rasch ab.

Das macht sich auch bei den Öffnungszeiten bemerkbar. Zu Beginn waren die Gastronomieflächen in der «Food Hall» ab 7 Uhr geöffnet und schlossen am Freitag und Samstag um 2 Uhr. Nun ist die Gastronomie ab 8 Uhr zugänglich, und um 20 Uhr ist Schluss - auch am Wochenende. Dabei ist rund um das Bellevue auch zu später Stunde noch viel Volk unterwegs, ganz im Gegensatz zur Bahnhofstrasse. Dort sind die beiden Restaurants der Globus-Filiale bis um Mitternacht geöffnet - ein Zeichen dafür, dass die Gastronomie dort besser funktioniert.

Vielen Gästen dürfte das neue Gastro-Angebot im Globus am Bellevue zu streng gewesen sein. Wer etwa beim Asiaten ein Curry bestellte, musste es auch in dem Bereich essen. Erst im Juli hob Globus dieses System auf. Seither können die Gäste ihr Essen selbst holen und sich an einen beliebigen Tisch setzen.

Mit dem Umzug in seine Bellevue-Filiale will Globus nach eigenen Angaben ein «offeneres, unkomplizierteres Erlebnis für ein jüngeres, urbanes Publikum» schaffen. Tatsächlich sitzt an den Tischen der beiden Pop-ups eine andere Art von Kundschaft: mit Rucksack statt Prada-Tasche, mit Baseball-Kappe statt Seidenfoulard. Ob sie bereit ist, nach der verspeisten Focaccia im Untergeschoss noch ein paar hundert Franken für Kaviar auszugeben, ist eine andere Frage. Sechs Monate sollen die beiden Angebote bleiben. Was danach kommt, ist noch nicht bekannt.

Bei Globus gibt man sich jedenfalls tapfer. «Insgesamt sehen wir eine positive Entwicklung und freuen uns über einen erfolgreichen September-Abschluss.»

In wenigen Wochen beginnt das Weihnachtsgeschäft, ein Stresstest für den Detailhandel. Die Globus-Sprecherin weist darauf hin, dass ab November draussen Empanadas und Glühwein verkauft würden und in der Delicatessa bald die «Panettone-Saison» beginne.

Panettone zur Winterzeit?

Um die Situation besser zu verstehen, hier eine tabellarische Übersicht:

Aspekt Vor dem Umbau Nach dem Umbau
Atmosphäre Kantinen-Charme Apart und grosszügig
Service Selbstbedienung Bedienung am Tisch
Öffnungszeiten (anfangs) Ab 7 Uhr, Fr/Sa bis 2 Uhr Ab 8 Uhr, bis 20 Uhr
Kundschaft Gemischt Versuch, jüngeres Publikum anzusprechen
Erfolg Gut besucht Schlecht ausgelastet

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