Die Fettleber ist eine typische Zivilisationskrankheit, von der in der westlichen Welt jeder fünfte Erwachsene betroffen ist, Tendenz steigend. In Deutschland sind etwa 23% der Bevölkerung von einer stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung betroffen. Die häufigsten Ursachen für eine Fettleber sind Adipositas, Diabetes mellitus oder vermehrter Alkoholkonsum.

Andere Ursachen können Erkrankungen des Stoffwechsels, chronische Infektionen oder Arzneimittel sein. Die Leber hat kein Schmerzempfinden, und es gibt oft keine Warnsignale, wenn diese erkrankt. Schmerzen im Oberbauch sind möglich, wenn die Leber vergrößert ist und auf das umgebende Gewebe drückt. Andere Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen sind sehr unspezifisch und kein klarer Hinweis auf eine Fettleber.
Was ist eine Fettleber?
Von einer Fettleber spricht man, wenn sich zu viel Fett in den Leberzellen ansammelt - konkret, wenn über 50 Prozent der Leberzellen verfettet sind oder wenn mehr als zehn Prozent der Leber, die etwa 1,5 Kilo wiegt, aus Fett bestehen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bis etwa vor zehn Jahren war übermässiger Alkoholkonsum die häufigste Ursache dieser Erkrankung. Alkohol enthält viele Kalorien und ist ein Zellgift. Bei hohem Konsum kommt es zu einer starken Fettansammlung in den Leberzellen. Inzwischen ist der Hauptgrund für eine Fettleber in westlichen Ländern wie im Fall der Schweiz ein ungesunder Lebensstil. Dieser beinhaltet unter anderem eine kalorienreiche Ernährung, wenig Ballaststoffe und zu wenig körperliche Bewegung.
Symptome
In vielen Fällen verursacht eine Fettleber keine spürbaren Symptome, vor allem im frühen Stadium, und bleibt deshalb lange unbemerkt. Manche Betroffene fühlen sich allgemein müde und abgeschlagen. In fortgeschrittenen Fällen können Schmerzen oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch auftreten, wo die Leber liegt. Langfristig kann eine Fettleber zu Entzündungen und ernsthaften Problemen wie Gelbsucht führen.
Diagnose
Dem Arzt oder der Ärztin kann beim Abtasten des Bauchs auffallen, dass die Leber vergrössert ist. Häufig wird die Diagnose jedoch zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane erkannt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fettleber lässt sich mit dem Fettleber-Index berechnen. Die Leberwerte im Blut (abgekürzt ALT, AST) sind bei einer Fettleber oft nicht erhöht. Sind sie es doch, weist das auf eine Leberentzündung hin - ein deutliches Alarmsignal. In solchen Fällen sind weitere Abklärungen wie eine Ultraschalluntersuchung und Bluttests nötig.

Die Rolle von Zucker und Fruktose
Unser Gehirn steht auf Zucker, obwohl zu viel davon dem Körper nicht guttut. Besonders schwer zu erkennen sind versteckte Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln. Am liebsten ist unserem Gehirn der Einfachzucker Glucose, wie er in zuckerhaltigen Speisen und auch in Früchten vorhanden ist, weil er die Hirnzellen schnell mit Energie versorgt. Das Gehirn braucht besonders viel davon - es verschlingt rund 75 Prozent der aufgenommenen Glucose.
Übertreiben wir es nicht mit dem Zuckerkonsum, passt das alles schön zusammen, und der Zuckerspiegel ist weder zu hoch noch zu niedrig. Gefährlich wird es, wenn die Zuckerzufuhr hoch bleibt oder sogar allmählich ansteigt. Dann wachsen die Fettdepots an, und der Blutzuckerspiegel gerät ausser Kontrolle: Fettleibigkeit, Fettleber und Altersdiabetes können die Folgen sein, auch Herz und Nieren können Schaden nehmen.
Allerdings sollte man nicht mehr als zwei Portionen Früchte pro Tag essen. Denn Früchte enthalten neben Glucose vor allem Fructose, die der Körper nur schlecht verwerten kann - ein grosser Teil davon landet deswegen direkt in der Leber, wo der Zucker als Fett abgelagert wird. Verzehrt man die ganze Frucht, steigt der Blutzuckerspiegel langsamer an als bei einem Obstsaft. Beim Modegetränk Smoothie oder in getrockneten Früchten kann die Fructose-Konzentration ungesunde Werte erreichen, wenn grössere Mengen davon verzehrt werden.
Es ist nachgewiesen, dass Fruchtzucker, in grösseren Mengen konsumiert, stärker als andere Zuckersorten bei Übergewicht zu Folgeproblemen wie Insulinresistenz, Diabetes oder Fettleberentwicklung beitragen können. Inzwischen ist bekannt, dass eine Fettleber durch eine Überlastung mit Fruchtzucker begünstigt wird. Dennoch findet er sich in konzentrierter Form in immer mehr verarbeiteten Lebensmitteln wie Fertigprodukten, Softdrinks und Smoothies.
Ein weiterer Nachteil des Fruchtzuckers besteht darin, dass er unser Gehirn auszutricksen vermag. Weil er auf direktem Weg zur Leber geht, erhält das Hirn die Botschaft, dass im Blut kein Zucker vorhanden ist, und das Hungergefühl wird schnell wieder aktiviert. Die hier beschriebene Fruchtzuckerproblematik hat allerdings nichts mit dem Konsum von gesundem Obst und Beeren zu tun.
Maximal 25 Gramm Zucker pro Tag empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation für eine erwachsene Person; das entspricht etwa 6 Zuckerwürfeln à 4 Gramm und ist bereits in einem viertel Liter Cola enthalten. Tatsächlich aber verspeisen Schweizer im Schnitt täglich 110 Gramm Zucker, was etwa 27 Zuckerwürfeln entspricht. Mass zu halten, ist jedoch schwerer als gedacht.
Viele Lebensmittel sind mit Fruchtzucker gesüsst. Sind sie nun gesünder, und machen sie weniger dick? Wie ganz normaler Zucker hat auch Fruchtzucker Kalorien, die zu Übergewicht und Fettbildung beitragen.
Im fertig gekauften Salatdressing oder in der ebenfalls sauer schmeckenden Essiggurke, selbst in Kartoffelchips ist Zucker drin. Bei verarbeiteten Lebensmitteln hilft nur, auf die Zutatenliste und die Kalorienzahl zu achten - ist die Zahl hoch, kann das ein Hinweis auf versteckte Zucker sein. Manche Produkte lässt man am besten im Regal stehen: Süssgetränke wie Eistee, Cola oder Energy Drinks, die mit reinem Zucker oder Fruchtzucker gesüsst sind.
Aus diesem Grund sind auch Süssstoffe oder die stark süssende Pflanze Stevia nicht empfehlenswert. Völlig unterdrücken lässt sich die Lust auf Süsses kaum. Ernährungsberater empfehlen deshalb, einmal am Tag geplant Süsses zu sich zu nehmen.
Rund 100 g Zucker isst man in der Schweiz pro Kopf und Tag. Erst vor ungefähr zehn Jahren legten grössere Studien zum ersten Mal die negativen Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums wissenschaftlich dar. Trotzdem ist Zucker allgegenwärtig.
Schnell schien die Industrie für die Zuckerproblematik eine Lösung zu haben. Kristallzucker wurde durch künstliche Süssstoffe, Zuckerersatzstoffe oder natürlichen Fruchtzucker ersetzt. Fruchtzucker ist aber definitiv nicht die Lösung, auch wenn es eine natürliche Alternative wäre. Übersteigt die Menge an Fruktose nämlich ein gewisses Mass, wird sie in der Leber unmittelbar in Fett umgewandelt. Fruchtzucker gelangt vom Magen-Darm-Trakt direkt in die Leber.
Ein weiteres Süssungsmittel, das vor allem in Amerika weit verbreitet ist, unterdessen aber auch von der europäischen Lebensmittelindustrie grosszügig verwendet wird, ist der Maissirup, auch Isoglukose genannt. Dieser wird industriell aus Maisstärke hergestellt und schmeckt intensiv süss. Maissirup besteht wie Haushaltzucker eigentlich aus Glukose und Fruktose, kann aber industriell dahingehend verändert werden, dass er zu 90 Prozent aus Fruktose besteht und somit wie reiner Fruchtzucker eine Fettleber und ungesundes Bauchfett besonders stark fördert.
Amerikanische und chinesische Wissenschafter haben 2023 die bislang umfassendste Analyse der gesundheitlichen Wirkung von Zucker veröffentlicht. Es wurden 8600 wissenschaftliche Artikel ausgewertet. Dabei fand man einen kausalen Zusammenhang zwischen vermehrtem Zuckerkonsum und 45 Krankheiten.
Viele glauben, dass brauner Zucker eine gesündere Alternative ist, weil er weniger gereinigt ist und noch geringe Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen enthält. Um als Mineralstofflieferant zu gelten, müssten aber eindeutig zu grosse Mengen davon konsumiert werden. Ein paar Nüsse am Tag würden diesbezüglich mehr bringen.
Eine grosse Ausnahme aller Zuckerdrogen hingegen ist Bienenhonig. Er enthält zwar auch verschiedene Zuckerarten, darunter auch etwa ein Drittel Fruktose, aber daneben viele Substanzen, die vor allem entzündungshemmend und antimikrobiell wirken. Das könnte der Grund sein, warum Honig bei der wissenschaftlichen Bewertung von Zucker positiv auffällt.
Ernährungsempfehlungen bei Fettleber
Die effektivste Behandlung einer Fettleber ist eine umfassende Änderung des Lebensstils. Ernährung spielt eine wichtige Rolle sowohl bei der Behandlung als auch bei der Vorbeugung einer Fettleber. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit vielen Ballaststoffen, Antioxidantien, gesunden Fetten und wenig Zucker ist ideal.
Es gibt eine direkte Verbindung vom Darm zur Leber. Das bedeutet, dass alle Nährstoffe, aber auch Schadstoffe, vom Darm in die Leber gelangen.
Längere Nüchternphasen sind gut für den Stoffwechsel, denn bei jeder Insulinausschüttung müssen die Leberzellen arbeiten. Wenn sie eine Pause bekommen, können sie sich erholen, und der Stoffwechsel funktioniert besser. Diese Nüchternphasen lassen sich auf unterschiedliche Weise umsetzen: Du kannst mal eine Mahlzeit aussetzen oder bei einer Mahlzeit auf Kohlenhydrate verzichten, da diese den Insulinspiegel stark ansteigen lassen.
Achte auf eine abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und hochwertigen pflanzlichen Fetten (Oliven, Nüsse, Rapsöl). Vermeide Smoothies und Fruchtsäfte, da sie viel Fruchtzucker (Fruktose) enthalten. Wenn du Alkohol trinkst, halte dich an einen moderaten Konsum. Ein Deziliter Wein täglich ist weniger schädlich als ein hoher Alkoholkonsum am Wochenende.
Ausserdem verspricht die unterstützende Behandlung mit Probiotika für den Darm eine positive Wirkung auf die Leber.
Mit folgenden Tipps können Patientinnen und Patienten mit Fettleber ihre Ernährung verbessern:
- Traditionelle Ernährungsgewohnheiten befolgen: Grösstenteils pflanzenbasiert essen: Hülsenfrüchte als pflanzliche Proteinquelle, Gemüse und Obst und nur wenig Fleisch (insbesondere rotes Fleisch)
- Fruktose-Konsum einschränken: Stark verarbeitete Lebensmittel meiden, da diese viel zusätzlichen Zucker (insbesondere Fruktose) enthalten; gezuckerte Getränke vermeiden
- Mehr Omega-3-Fettsäuren und ungesättigte Fettsäuren konsumieren: Wenn möglich, 2-3 Mal pro Woche Fisch auf den Speiseplan setzen (Lachs, Sardinen, Forellen, Plattfisch, Makrelen oder Heringe); natives Ölivenöl zum Kochen und in Salaten verwenden; Nüsse und Samen liefern weitere ungesättigte Fettsäuren und bieten sich als Snack an
- Mehr ballaststoffreiche Lebensmittel verzehren: Gemüse sollte zu jeder Hauptmahlzeit dazugehören und einen grösseren Teil der Mahlzeit ausmachen (dabei auf Vielfalt setzen); bei Brot und Getreide Vollkornvarianten wählen; Fleisch 2-3 Mal pro Woche durch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Bohnen ersetzen; frisches Obst
Während die Ernährung zum Abbau einer Fettleber nicht unbedingt über einen niedrigen Fettanteil verfügen muss, lohnt es sich, auf die Art der verzehrten Fette zu achten. Lebensmittel mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren wie beispielsweise Butter sollten durch solche mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren/Omega-3-Fettsäuren oder einfach ungesättigten Fettsäuren ersetzt werden. Beispiele für solche Fettsäuren sind etwa Kochöle wie natives Olivenöl und Rapsöl.
Die Auswahl der Lebensmittel spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Zubereitung. So sind beispielsweise ein paar gekochte Eier pro Woche oder ein lockeres Rührei aufgrund der darin enthaltenen Proteine und Vitamine durchaus auch bei einer Fettleber gesund, während in Butter angebratenes Spiegelei mit Speck zusätzlich eine Menge gesättigter Fettsäuren liefert.
Da ein hoher Zuckerkonsum mit Insulinresistenz und der Entstehung von Typ-2-Diabetes in Zusammenhang gebracht wird, ist eine Reduktion von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil zugesetztem Zucker und stark verarbeiteten Kohlenhydraten (zum Beispiel Weissbrot) ratsam.
Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Kaffee möglicherweise einen positiven Effekt bei Patienten mit Fettleber hat. Bis zu 300 mg Koffein pro Tag konsumieren Erwachsene durchschnittlich ohne negative Auswirkungen. Das entspricht maximal vier Tassen schwarzem Filterkaffee.
Bei allen Patienten, unabhängig von deren Gewicht, unterstützt regelmässige Bewegung zusätzlich den Abbau einer Fettleber.
Zum Abbau der Fettleber reduzieren Sie die folgenden Lebensmittel so weit wie möglich oder vermeiden sie gänzlich:
- Sehr zuckerhaltige Getränke (Softdrinks, aber auch Kaffee mit Zucker oder Sirup sowie Fruchtsäfte und vermeintlich gesunde Smoothies)
- Besonders zuckerhaltige Speisen (Süssigkeiten, Gebäck, gezuckertes/eingelegtes Obst)
- Stark verarbeitete Lebensmittel (Fast Food und Fertiggerichte)
- Lebensmittel mit einem hohen Anteil gesättigter Fette (hauptsächlich in tierischen Produkten wie Butter, Schmalz, Fleisch, Sahne, aber auch in gebratenen oder frittierten Lebensmitteln)
Auch Honig ist bei Fettleber nicht empfehlenswert. Denn obwohl Honig oft als die gesündere Alternative zu Industriezucker gepriesen wird, enthält er eine grosse Menge Fruchtzucker und fällt somit in die gleiche Kategorie wie andere extrem zuckerhaltige Speisen.
Ähnlich verhält es sich mit der Regel "3 Äpfel am Tag führen zu einer Fettleber". Dabei geht es nicht darum, dass Äpfel besonders ungesund sind, sondern schlicht darum, dass zuviel Obst den Zuckerkonsum in die Höhe treibt und somit die Entstehung einer Fettleber fördert.
Zusätzlich empfiehlt es sich, bei einer Fettleber keinen Alkohol konsumieren, da dieser die Leber weiter belastet und somit die Schädigung potenziell verschlimmert. Dieser Ratschlag gilt unabhängig davon, welche Ursache die Fettleber-Erkrankung hat.
Bei der Suche nach Ernährungsempfehlungen findet sich häufig der Ratschlag, bei Fettleber keine Zwiebeln zu sich zu nehmen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Belege, dass Zwiebeln die Leber übermässig belasten. Im Gegenteil gibt es einige Studien an Tieren, die darauf hindeuten, dass Zwiebeln eventuell sogar die Leberwerte bei einer Stoffwechsel-bedingten (früher: nicht-alkoholischen) Fettleber-Erkrankung verbessern.
Insgesamt unterscheidet sich die Ernährungspyramide bei Menschen mit einer Fettleber nicht stark von der gesunden Ernährung, die generell empfohlen wird.
Eine extreme Einschränkung der Kalorienaufnahme für einen möglichst schnellen Gewichtsverlust (sogenannte Crash-Diäten) ist nicht ratsam. Patienten mit Übergewicht sollten ihre konsumierten Kalorien insgesamt zwar reduzieren, prinzipiell ist es aber wichtiger, auf die Qualität der Ernährung zu achten, als nur auf eine möglichst rasche Gewichtsreduktion. Bei Patienten ohne Übergewicht empfiehlt sich ebenfalls eine Ernährungsumstellung, um die Verfettung der Leber zu reduzieren.
Am 13. Juni 2024 findet der Globale Fettleber-Tag statt.