Die Welt der klassischen Cocktails: Ein umfassender Test

«Classic Cocktails» sind aus der internationalen Barkultur nicht wegzudenken. Manche, wie der Martini, haben es in Bond-Filmen zu Kultstatus gebracht. Um andere ranken sich Legenden, wie um den Mojito, angeblich das Lieblingsgetränk von Ernest Hemingway. Aber wo und wie sind diese hochprozentigen Evergreens entstanden?

Der Martini: Ein Klassiker der Cocktailwelt.

Die Entstehungsgeschichten berühmter Cocktails

Singapore Sling

Kaum ein Drink der Welt hat eine so hübsche Entstehungsgeschichte wie der Singapore Sling, heute das Nationalgetränk des Stadtstaates. Man schrieb das Jahr 1915. Im kolonialen Singapur tummelten sich Plantagenbesitzer, die sich in der Long Bar des berühmten Raffles Hotels gerne ein Gläschen Gin oder Whiskey genehmigten. Die Etikette besagte, dass Frauen in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken durften. Auf Basis von Gin mischte Boon Ananas- und Limettensaft sowie Curaçao und Bénédictine. Abgerundet wurde das Getränk mit Grenadine und Kirschlikör, was ihm bis heute seinen rosigen Farbton verleiht.

«Der Singapore Sling wurde natürlich sofort ein Hit», erzählt ein Mitarbeiter. Heute lockt die Bar Besucher aus aller Welt, schon mittags bildet sich eine Schlange - trotz des stolzen Preises von 39 Singapur Dollar (27 Euro) pro «Sling». Zum Cocktail gibt es Erdnüsse, die Schalen dürfen die Gäste traditionell auf den Boden werfen.

Bellini

Der Bellini ist ein solcher Klassiker, dass man ihn sogar in deutschen Supermärkten bekommt, abgefüllt in Dreiviertelliter-Flaschen. Mit dem Original aus Harry’s Bar in Venedig haben solche Fertigmischungen allerdings nur wenig zu tun. Dort wurde der Bellini zum ersten Mal 1948 serviert - wobei sich die Puristen streiten, ob es sich tatsächlich um einen Cocktail handelt. Manche vertreten die Auffassung, dass ein richtiges Mix-Getränk aus mindestens drei Zutaten bestehen muss.

Anfangs gab der Gründer von Harry’s Bar, Giuseppe Cipriani, noch frische Stücke von Weinbergpfirsichen dazu. Dann begann er, die Früchte auszupressen. Inzwischen wird der Bellini auch in besseren Bars nahezu überall mit Pfirsichpüree serviert - auch in Venedig. Der Beliebtheit von Harry’s Bar schadet das nicht, ebenso wenig wie das oft etwas hochnäsige Gehabe des Personals und die Preise.

Piña Colada

Getränke aus Rum, Ananas und Kokos sind in der Karibik schon lange Teil der Getränkekultur. Dem puerto-ricanischen Piratenkapitän Roberto Cofresí wird nachgesagt, seiner Schiffsbesatzung bereits im frühen 19. Jahrhundert ein solches Gemisch verabreicht zu haben. Der Name Piña Colada (gesiebte Ananas) wurde hingegen 1922 im «Travel Magazine» einem Getränk in Kuba zugeschrieben. Dennoch ist der Cocktail seit 1978 Puerto Ricos Nationalgetränk.

Nach Darstellung des Strandhotels Caribe Hilton in der Hauptstadt San Juan kreierte der Barkeeper der dortigen Caribar, Ramón «Monchito» Marrero, nach monatelangem Experimentieren 1954 das Rezept aus Rum, Kokoscreme, Schlagsahne, Ananassaft und zerstossenem Eis.

Martini

Gin und trockener Wermut, dazu eine Olive: Der Martini gehört zu den bekanntesten Cocktails der Welt - vor allem dank James Bond, der ihn in verschiedenen Versionen, aber immer «geschüttelt, nicht gerührt» trinkt. Wo, wie, wann und von wem der Martini erfunden wurde, das ist unklar - es gibt Dutzende Anekdoten und Gerüchte.

Eine Version, die sich hartnäckig hält, sieht die Ursprünge im Knickerbocker Hotel direkt am New Yorker Times Square. 1912 soll ein Bartender namens Martini di Arma di Taggia dem Business-Mogul John D. Rockefeller dort den ersten Martini serviert haben.

Swimming Pool

«Es war die Zeit des Rums und der Kokosdrinks, süss ohne Ende», sagt Charles Schumann über die späten 1970er Jahre. Die Getränke wurden damals auch nach Farbe konsumiert. Als ihn ein Gast bat, seine Piña Colada noch «spektakulärer» zu machen, gab Schumann einfach einen Schuss blauen Likör dazu - und der Swimming Pool war geboren. Die Schumann’s Bar prägt seit über 40 Jahren die Münchner Trinkkultur, und dazu gehört bis heute der blaue Cocktail.

Irish Coffee

Die Geschichte, wie Irlands Nationalgetränk auch in den USA zum Hit wurde, begann vor über 70 Jahren. Damals hatte der amerikanische Reiseschriftsteller Stanton Delaplane am Shannon Flughafen in Irland erstmals die Mischung aus Kaffee, Sahne, Zucker und Whiskey gekostet. Der Besitzer des Buena Vista Cafes in San Francisco, Jack Koeppler, forderte ihn 1952 heraus, gemeinsam den perfekten Irish Coffee in Kalifornien zu kreieren.

Blitzschnell füllt Jeide eine lange Reihe angewärmter Kelchgläser mit den klassischen Zutaten. Zwei Stück Würfelzucker landen im Glas, darauf dampfend heisser Biokaffee, kräftig umrühren, dann ein guter Schuss irischer Whiskey der Marke Tullamore D.E.W. Der Trick am Ende: Im Mixer wird extra fette Sahne nur halbsteif geschlagen, so dass sie über einen Löffel ins Glas gleitet und obenauf schwimmt.

Mimosa

Der elegante Drink, der sich seinen Namen von den sattgelben Mimosa-Blumen aus Südfrankreich geliehen hat, besteht zu gleichen Teilen aus Champagner und Orangensaft. Auf wen genau der simple Cocktail zurückgeht, ist nicht ganz sicher. Die Legende schreibt den Cocktail Frank Meier von der Ritz Bar zu, wie das Pariser Edelhotel der dpa mitteilte. Meier soll ihn 1925 kreiert haben. Immerhin taucht das Getränk eine Dekade später in Meiers Buch «The Artistry of Mixing Drinks» auf.

Gemunkelt wird, dass bereits vor 1925 in Grossbritannien ein ähnlicher Drink gemixt wurde - allerdings mit mehr Champagner und weniger Saft. Wer heute die Ritz Bar an der noblen Place Vendôme in Paris besucht, erhält ebenfalls eine etwas andere Version als die von Meier.

Cosmopolitan

Wohl kein Cocktail ist so typisch New York wie der Cosmopolitan, gemixt aus Wodka, Orangenlikör, Limetten- und Cranberrysaft. In der Serie «Sex and the City» tranken sich ab Ende der 1990er Jahre Carrie Bradshaw und Co. durch die Cosmopolitans des Big Apple. Erfunden wurde der Drink in den 1980er Jahren im damaligen In-Lokal The Odeon im Stadtteil Tribeca von Bartender Toby Cecchini.

Daiquirí und Mojito

Für Kuba-Besucher ist es beinahe Pflichtprogramm, in El Floridita einen Daiquirí und in La Bodeguita del Medio einen Mojito zu trinken. Der Literatur-Nobelpreisträger trank gerne ungesüsste Daiquirís mit doppeltem Rum in der seit 1817 bestehenden Bar El Floridita, als er zwischen 1932 und 1960 zeitweise in dem Karibikstaat lebte. Eine Hemingway-Statue ist Stammgast an einem Ende des Tresens - und ein beliebtes Fotomotiv. Dazu spielt eine Band Evergreens wie «Guantanamera».

Mojito: Ein erfrischender Klassiker aus Kuba.

Der Drink wird aus Rum, Limettensaft, Zuckersirup, Maraschino-Likör und Crushed Ice gemischt. Der Mojito hat fast die gleichen Zutaten, erhält seinen ureigenen Geschmack aber durch Minzblätter. Das Ganze wird durch Zerstossen gemischt und mit Sodawasser aufgefüllt. Der Ursprung des Drinks und seines Namens ist ungeklärt. In der 1942 eröffneten Bodeguita sind schon Prominente von Salvador Allende bis Robert De Niro eingekehrt, um einen Mojito zu kosten. Die Unterschriften unzähliger Besucher, die die Wände zierten, fielen vor kurzem einer Renovierung zum Opfer. Hemingways Zettel ist zwar noch da - ist aber eine Fälschung, wie der frühere Betreiber zugab.

Black Russian

Kaffeelikör und Wodka auf Eis - der Black Russian («schwarzer Russe») ist ein klassischer Short-Drink. Erfunden wurde das Getränk verschiedenen Angaben zufolge vom Barkeeper Gustav Tops im Jahr 1949. Das altehrwürdige Hotel mit Belle-Epoque-Einrichtung in der Altstadt der belgischen Hauptstadt wird derzeit umfassend renoviert und soll 2025 wiedereröffnet werden. Doch der süsse Geschmack des Getränks, der fast an ein Dessert erinnert, lässt sich auch in anderen Bars der Stadt kosten.

Die Top-Cocktails des Jahres

Trends kommen und gehen, doch alte (Trink-) Gewohnheiten haben Bestand. Dementsprechend sind auch 2019 die meistverkauften Cocktails in Bars weltweit alles alte Klassiker - dies zeigt die alljährliche Statistik des Fachblatts «Drinks International».

Cocktails selbst machen: 5 Cocktail Klassiker aus 5 Ländern - Schnell und einfach zubereitet

Rezeptübersicht beliebter Cocktails

Hier eine Übersicht einiger der beliebtesten Cocktails und ihrer Zutaten:

CocktailZutaten
Moscow Mule6 cl Wodka, 2 cl Limettensaft, 1,5 dl Ginger Beer, Angostura
Aperol Spritz6 cl Prosecco, 4 cl Aperol, Mineralwasser, Orangenschnitz
Margarita5 cl Tequila, 3 cl Triple Sec, 2 cl Limettensaft, Salz
Espresso Martini5 cl Wodka, 2 cl Kahlua, Ristretto, Sirop de Gomme, Kaffeebohnen
Dry Martini5 cl London Dry Gin, 1 cl trockener Vermouth, Olive/Zitronenzeste
Manhattan5 cl Canadian Whisky, 2 cl Vermouth Rosso, Angostura, Cocktailkirsche
Daiquiri5 cl weisser Rum, 1 cl Sirop de Gomme, 3 cl Limettensaft
Whiskey Sour5 cl Bourbon, 2 cl Zitronensaft, 1 cl Simple Syrup, Eiweiss, Cocktailkirsche, Orangenschnitz
Negroni3 cl London Dry Gin, 3 cl Vermouth Rosso, 3 cl Campari, Orangenschnitz
Old FashionedAngostura, Würfelzucker, Wasser, Bourbon, Orangenschnitz, Cocktailkirsche, Sodawasser

Daiquiri: Ein einfacher, aber köstlicher Cocktail.

Detaillierte Cocktail-Rezepte

Moscow Mule

Eine Kupfertasse mit Eiswürfeln füllen; Limettensaft und Wodka beigeben und mit Ginger Beer auffüllen, vorsichtig umrühren und mit einem Limettenschnitz garnieren.

Aperol Spritz

Gehörig viel Eiswürfel in ein grosses Weinglas geben und mit Prosecco aufgiessen.

Martini Fiero Spritz

Weinglas mit viel Eis befüllen, Martini Fiero und Prosecco hinzugeben sowie die Blutorangen- oder Orangenschnitze ausdrücken und hineingeben. Alles vorsichtig umrühren.

Margarita

Das Salz auf einen kleinen flachen Teller geben. Den Rand einer Margarita-Schale am Limettenfruchtfleisch entlangführen und dann in das Salz tupfen, sodass ein feiner Salzrand entsteht. Die restlichen Zutaten in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben, energisch schütteln und in das Glas abseihen.

Espresso Martini

Wodka, Kahlua, Kaffee und Sirup in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und energisch schütteln. In ein Cocktail-Glas abseihen. Drei Kaffeebohnen obenauf schwimmen lassen.

Dry Martini

Cocktailglas mit Eiswürfeln oder (falls dein Tiefkühlfach gross genug ist) im Freezer vorkühlen. Vermouth und Gin in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und sanft umrühren. In das Cocktailglas abseihen, Olive mit einem Cocktailstäbchen hineingeben. Alternativ auch ein Stückchen Zitronenzeste.

Manhattan

Whisky, Vermouth und Angostura im Shaker mit Eiswürfeln gut rühren, in ein vorgekühltes Cocktailglas abseihen und mit einer Cocktailkirsche garnieren.

Daiquiri

Rum, Zuckersirup und Limettensaft in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und energisch schütteln. In eine eisgekühlte Cocktailschale abseihen. Mit einer Limettenschale garnieren.

Whiskey Sour

Bourbon, Zitronensaft, Zuckersirup und Eiweiss in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und energisch schütteln. In ein mit Eiswürfeln gefülltes Old-Fashioned-Glas abgiessen und mit Cocktailkirsche und Orangenschnitz garnieren.

Negroni

Alle Zutaten in einen mit Eiswürfeln gefüllten Whisky-Tumbler/Old-Fashioned-Glas geben, vorsichtig umrühren, mit einem Orangenschnitz garnieren.

Old Fashioned

In einem Whiskyglas Zuckerwürfel, Angostura und einen Teelöffel Wasser mit einem Löffel vermischen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Danach gibt man die Orangenscheibe und Cocktailkirsche mit in das Glas und füllt dieses mit Eiswürfeln auf.

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