Dieter Hallervorden: Vom "Palim Palim" zum gefeierten Charakterdarsteller

Dieter Hallervorden, auch bekannt als "Didi", ist eine Ikone der deutschen Comedy. Mit seiner Slapstick-Serie "Nonstop Nonsens" schrieb der Mann mit dem zerknautschten Gesicht bereits in den 70er Jahren Fernsehgeschichte. Doch Hallervorden ist mehr als nur ein Komiker. Zuletzt gelang ihm in "Honig im Kopf" ein viel beachtetes Comeback auf der Kinoleinwand.

Am 5. September feierte Hallervorden seinen 80. Geburtstag. Anlässlich seines Geburtstags hat der Allrounder für seine Fans einen neuen Song aufgenommen: "Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)" kann seit 4. September gehört werden.

Dieser Artikel beleuchtet die Karriere Hallervordens, von seinen Anfängen im Kabarett bis zu seinen jüngsten Erfolgen als Charakterdarsteller.

Dieter Hallervorden als Kongo-Otto Böllemann in Didi und die Rache der Enterbten.

Die Anfänge: "Nonstop Nonsens" und der Kult um "Palim Palim"

Mit "Nonstop Nonsens" schuf Dieter Hallervorden 1975 einen Meilenstein der deutschen Comedy-Geschichte. Bis 1980 sorgte die Slapstick-Figur "Didi" im Fernsehen für ungeahnte Einschaltquoten. Neben den rasanten und Action geladenen Filmeinspielern, in denen Didi stets von einem Unglück ins nächste schliddert, wurden auch die Sketche und die legendären "gespielten Witze" zum absoluten Kult.

Wer kennt nicht den Satz "Palim Palim! Ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frites"? Bekannt wurde das Wort in den 70ern durch einen TV-Sketch: Zwei Sträflinge im blau-weissen Querstreifentenue spielen aus Langeweile Krämer und Kunde. «Palim-Palim», ahmt Hallervorden die Ladentürglocke nach, tritt grinsend auf seinen Zellengenossen zu und verdirbt diesem die Freude mit Dada: «Guten Tag, ich hätte gerne eine Flasche Pommes frites.» Halb Deutschland (und die halbe Schweiz) lachte sich darob kaputt. Oder die Geschichte vom tragischen Ableben der "Kuh Elsa"?

Ob mit seinem legendären "Palim, Palim!" im Gag über die "Flasche Pommes Frites", dem schwarzhumorigen Butler-Auftritt im Sketch "Die Kuh Elsa" oder dem mit Helga Feddersen gesungenen Ulksong "Die Wanne ist voll" - Hallervorden hat einen Platz im kollektiven Witze-Gedächtnis.

Szene aus "Nonstop Nonsens"

Der Wandel: Vom Komiker zum Charakterdarsteller

Dass Feuilletonisten nun seine TV-Schrillheiten zerfetzten und fanden, ein Hallervorden habe überhaupt nur Erfolg, weil die Nazis den deutschen Humor unwiederbringlich ruiniert hätten - das tat ihm weh.

"Es war unheimlich schwer, aus der "Didi"-Schublade rauszuklettern und zu meinen eigentlichen Wurzeln zurückzukehren. "Ich wusste schon immer, dass ich auch ernste Rollen spielen kann. Mich hat einfach nur keiner gelassen", kommentiert Hallervorden seine späte Karriere als Charakterdarsteller.

In den 90er Jahren wendete er sich dann mit der Sendung Hallervordens Spott-Light (1994-2003) in über 100 Folgen verstärkt dem politischen Kabarett zu.

Comeback im Kino: "Honig im Kopf" und weitere Erfolge

Spätestens seit den 2010er Jahren hatte er wieder die Kinoleinwände fest im Griff. Mit Til Schweiger drehte Hallervorden 2014 die enorm erfolgreiche Tragikomödie "Honig im Kopf". Darin spielt er sehr anrührend einen alten Mann mit Alzheimer. Diesmal als vielfach gefeierter Charakterdarsteller in Filmen wie: Sein letztes Rennen (2013), Honig im Kopf (2014), Rock My Heart - Mein wildes Herz (2017), sowie im Fernsehen mit Die Spätzünder 2 - Der Himmel soll warten (2013) oder Mein Freund das Ekel (2019/2021).

Sein schauspielerisches Können hatte Hallervorden auch als eiskalter Killer in Wolfgang Menges spektakulärem TV-Thriller "Das Millionenspiel" (1970) gezeigt.

Das Publikum liebt Dieter Hallervordens Wandlungsfähigkeit.

Szene aus "Honig im Kopf"

Theater und politisches Engagement

Seine Theaterbühnen - Die Wühlmäuse, das Schlosspark Theater Berlin sowie das Mitteldeutsche Theater in der Marienkirche seiner Heimatstadt Dessau - leitet und bespielt er bis heute mit grosser Hingabe.

Dass Hallervorden zuletzt mit politischen Aussagen für kontroverse Debatten sorgte, zeigt einmal mehr, dass er auch mit 90 ein Künstler bleibt, der sich nicht scheut, unbequeme Themen anzusprechen. Er wuchs schliesslich während des zweiten Weltkriegs auf und machte seine ersten beruflichen Schritte in einer Zeit, die von der politischen DDR-Zensur beherrscht war. Dennoch scheint seine geistreiche Raffinesse heutzutage eher einem unverblümt-mahnenden Tonfall gewichen zu sein, der nicht immer das gewünschte Zielpublikum anzusprechen scheint!

Hallervordens Motto

Hallervordens Motto lautet "Ein Narr gibt niemals auf". Er habe aus einem Hobby einen Beruf gemacht, sagte er einmal. "Glücklicherweise traf meine Liebe zur Bühne beim Publikum auf Gegenliebe." Hallervordens zweite Wahlheimat ist ein Schloss in Frankreich. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.

Dieter Hallervorden Nonstop Nonsens - Didi baut ein Haus

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