Was passiert, wenn Herbert Grönemeyer, Currywurst und eine Prise Kohlenstaub aufeinandertreffen? Die Antwort findet sich in Bochum, einer Stadt, die mehr zu bieten hat als nur Kohle und Malocher-Charme. Mit liebevoll-ironischem Blick werden Kultorte wie das Bermuda3Eck, die Jahrhunderthalle oder das Starlight Express Theater ebenso pointiert porträtiert wie legendäre Persönlichkeiten, schräge Eigenheiten und die kleinen Alltagswunder zwischen Trinkhalle, Zeche und Stadion.

Jahrhunderthalle Bochum
Das Ruhrgebiet: Mehr als nur Kohle
Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Kohlebergbau in industriellen Massstäben betrieben und prägt seitdem die Landschaft und die Seele des Ruhrgebiets. Seit 2018 heisst es allerdings endgültig «Schicht im Schacht»: Die letzten beiden Kohle-Zechen wurden geschlossen - die Produktion der Steinkohle ist schlichtweg zu teuer. Die Schliessungen begannen allerdings schon Ende der 60er Jahren. Mittlerweile hat das Ruhrgebiet den Wandel gemeistert, neue Berufszweige kreiert und die alten Industrieruinen kreativ umgenutzt.
Schönstes Überbleibsel aus der Zeit des Kohleabbaus und DAS Wahrzeichen des Potts ist die Zeche Zollverein in Essen. Der Bauhaus-Doppelturm wird auch als der Eiffelturm des Ruhrgebiets bezeichnet und wurde in die Unseco Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Mit dem Kohlebergbau kam auch die Schwerindustrie in den Potts. Die beiden Stahl-Dynastien Thyssen und Krupp, die mittlerweile fusioniert haben, wurden an der Ruhr gegründet. Alfred Krupp (1812-1887) baute die «Kruppsche Gussstahlfabrik» zur grösste Fabrik Europas mit etwa 45000 Arbeitern aus.
Das emotionale Herz: Fussball im Ruhrgebiet
Das emotionale Herz des Ruhrgebiets ist der Fussball. In der 1. Fussballbundesliga spielen derzeit (2019) der FC Schalke 04 aus Gelsenkirchen, der auf dem 14. Platz gelandet ist, und Borussia Dortmund, der knapp hinter den Bayern auf den 2. Platz kam. Treffen die Lokalmatadore aufeinander, ist Ausnahmestimmung im Stadion und auf den Strassen garantiert. Ein Muss (nicht nur für Fussballfans) ist ein Fussballspiel im Dortmunder Stadion, wenn 60 000 Fans den Kessel zum Kochen bringen.
Es hat Bochum hart getroffen: der VFL Bochum spielt nur noch in der 2. Bundesliga. Damit hat die Stadt eine wichtige Attraktion verloren.
Das Vonovia Ruhrstadion
Ob Fußballfan oder Freund*in moderner Architektur - die neue Führung aus derReihe „Hinter den Kulissen“ zeigt das 1979 eingeweihte Vonovia Ruhrstadion auchabseits der allbekannten Rasenfläche. Teilnehmende von „Das Schmuckkästchenhautnah“ werden über 90 Minuten von der Kabine über den Stadionknast bis zurTrainerbank geführt, inklusive Geschichten rund um Derbys und Kultkicker.
Termine: Montag um 17:30 Uhr am 12. Januar, 2. Februar und 16. März. Kosten:15 Euro.

Vonovia Ruhrstadion
RUHRPOTT VS VOLKSWAGEN | WER MACHT DIE BESSERE CURRYWURST?
Kulinarische Genüsse: Mehr als nur Currywurst
Kulinarisch hat das Ruhrgebiet keine Topküche zu bieten - dafür aber umso mehr deftige Kalorienbomben. Der Fastfood-Klassiker ist Currywurst mit Pommes rot-weiss, also mit Tomatenketchup und Mayonnaise - etwas poetisch auch Revier-Carpaccio genannt. Mittlerweile hat allerdings eine anderes Fastfood-Gericht den Siegeszug angetreten: der Döner.
„Pommes Rot-Weiss“ ist eine Portion Pommes Frites mit Ketchup und Mayonnaise, gerne auch „Pommes-Schranke“ (denn die Bahnschranke ist auch rot-weiss gestreift) genannt. „Rot-Weiss“ heisst auch ein Fussballverein: Rot-Weiss Essen.
Der Hamburger Uwe Timm hat darüber ein tolles Buch geschrieben: „Die Entdeckung der Currywurst„. Kein Sachbuch, sondern eine ganz fabelhaft erzählte Novelle, die sogar auf Englisch übersetzt wurde. Etwas, dass sehr selten geschieht in der Deutschen Literatur. Nebenbei bemerkt: Wie das Rezept für die Currywurst entdeckt wurde, das erfahren Sie auch in dem Buch, aber es ist nur eine ganz kleine Geschichte am Rand. Eigentlich ist es eine ganz ausserordentliche und ungewöhnliche Liebesgeschichte in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs.
In der Schweiz haben wir da nur MacDo und ab und zu einen Döner-Kebab, der sich auch in Sachen „Currywurst“ versucht. Etwas Bratwurst mit Ketschup und Currypulver soll dann unseren Ansprüchen genügen. Currywurst vom Wurststand am Zürcher Hauptbahnhof isst man als Deutscher auch nur genau ein Mal: Viel zu fett, die Wurst wurde nicht auf dem Rost gebraten sondern in der Pfanne in Fett, und dazu wird eine bananen-gelbe Sosse als „Curry“ gereicht, die vielleicht besser zu Reis und Huhn passen würde. Noch dazu das Ganze doppelt so teuer wie in Deutschland.
Pommesbuden-Kultur
Die „Pommes-Kultur“ ist übrigens absolut kein gesamtdeutsches Phänomen. Im Schwabenland um Stuttgart werden Imbiss-Stuben schon um 18.30 Uhr geschlossen, also ziemlich genau dann, wenn der normale Norddeutsche gerade mal anfängt, Lust auf eine „Portion Pommes Schranke“ zu bekommen. Es gibt da mächtige Unterschiede zwischen dem Norden und Süden in Deutschland.
Der Schwabe geht abends lieber heim und „schlotzt“ sein Viertele Wein allein vor dem Fernseher, während weiter nördlich an Rhein und Ruhr die Eckkneipe bei vielen zum zweiten Wohnzimmer wird und die Imbiss-Stuben bis um Mitternacht geöffnet sind.
Herbert Grönemeyer und Bochum
Herbert Grönemeyer, der Performer: Der deutsche Musiker wendet sich der ersten Reihe zu. «Alles» ist ein grosses Wort, wenn nicht das allergrösste. Herbert Grönemeyer nennt so seine erste eigene Werkausgabe, 23 Platten, in Vinyl wiegen die Klassiker zehn Kilo. Nun ist Grönemeyers Hang zur grossen Geste auch immer ein Witz, er stammt schliesslich aus Bochum.
«Alles» sei «ein Rückspiegel», wie er im beigelegten Buch erklärt. Man weiss von ihm, dass er nie seine Memoiren schreiben wird, weil er sich nicht so wichtig nehmen kann wie andere Rocksänger, hier wäre also «Alles», eine Autobiografie auf seine Art. Sie hört mit «Live in Bochum» von 2016 auf und fängt mit «Zwo» von 1980 an.

Herbert Grönemeyer
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