Crystal Meth Herstellung: Eine Anleitung?

Die Herstellung von Crystal Meth ist ein gefährlicher und illegaler Prozess. Dieser Artikel beleuchtet einige Fälle aus der Schweiz, in denen Personen Crystal Meth selbst hergestellt haben, und wirft einen Blick auf die Hintergründe und Konsequenzen.

Inspiration durch "Breaking Bad"?

Die Fernsehserie «Breaking Bad» zog vor rund zehn Jahren massenhaft Zuschauer in ihren Bann. In der fiktiven Geschichte erhält der zuvor unauffällige Chemielehrer Walter White aus New Mexico die Diagnose Lungenkrebs, sorgt sich um die Finanzierung der Therapie sowie um die Zukunft seiner Familie und gerät so auf die schiefe Bahn. Die Produktion von Crystal Meth wird seine Passion, und damit er wegen des damit verbundenen Gestanks nicht auffliegt, kocht er die Drogen draussen in der Wüste in einem Wohnwagen. Im Verlaufe der Serie steigt Walter White faktisch zum Drogenbaron empor.

Obwohl die Serie fiktiv ist, stellt sich die Frage, ob sie als Inspiration für Nachahmer dienen könnte. Die Realität der Drogenherstellung ist jedoch weit weniger glamourös und birgt erhebliche Risiken.

Kleines Drogen Einmaleins: Crystal Meth

Fälle aus der Schweiz

Fall 1: Der Immobilienschätzer

Ein 36-jähriger Schweizer Immobilienschätzer eignete sich das Wissen zur Herstellung von Crystal Meth im Internet an. Laborutensilien, chemische Substanzen und Medikamente kaufte er im Baumarkt, in Apotheken und online zusammen. Dann stellte er die Droge selber in seiner Wohnung her.

Laut Anklage veräusserte er eine Menge von 70 Gramm des Methamphetamins mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von 72 Prozent für 100 Franken pro Gramm. Vorgeworfen wurde ihm auch der Konsum von Kokain, Thaipillen, Marihuana und Crystal Meth. Weil er ein Elektroschockgerät aus Thailand einführte und eine Druckluftwaffe auf sich trug, die einer echten Feuerwaffe zum Verwechseln ähnlich sah, machte er sich auch noch des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig. Der vorbestrafte Mann war vollumfänglich geständig, so dass sich Staatsanwalt und Verteidigung auf ein abgekürztes Verfahren einigten, in dem der Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt wurde.

Viel schwerer wiegt für ihn allerdings, dass eine bedingt ausgefällte Vorstrafe von 140 Tagessätzen à 120 Franken wegen unrechtmässiger Aneignung, Diebstahls, betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Drogen- und Waffendelikten widerrufen wurde. Er muss diese 16 800 Franken nun also bezahlen, die Gerichtskosten von 2200 Franken übernehmen und auch 5000 Franken als Ersatzforderung an den Staat abliefern. Dabei hat er schon 20 000 Franken Schulden. Er sei sich bewusst, dass er die nächsten drei Jahre finanziell «unten durch» müsse, sagte er vor Gericht.

Im Moment arbeite er Teilzeit, suche aber wieder eine Hundert-Prozent-Stelle im Immobilienbereich. Nachdem er schon früher im Leben Drogenprobleme gehabt habe, später aber jahrelang drogenfrei gewesen sei, sei er wieder abgestürzt, weil die Beziehung zu seiner Freundin in die Brüche gegangen sei. Jetzt habe er sich aber erneut gefangen. Seit letztem Sommer sei er clean. Den nötigen Halt dazu gebe ihm auch sein Hund. In Zukunft wolle er einfach ein normales Leben führen. Dazu sei es auch langsam Zeit, gab ihm die Gerichtsvorsitzende auf den Weg und riet ihm, rechtzeitig Hilfe zu holen, wenn er wieder merke, dass er gefährdet sei.

Fall 2: Der Student im Wald

Etwas weniger dramatisch verlief die Drogenkarriere eines heute 23-jährigen Studenten aus dem Oberbaselbiet: Zwischen Oktober und Dezember 2018 begab er sich mehrmals in ein Waldstück in der Gegend von Diegten, um dort heimlich Crystal Meth zu kochen. Nebst den Zutaten schleppte er auch Herdplatten und einen Backofen mit, die Ausbeute war allerdings etwas geringer als beim Fernsehvorbild: Die Staatsanwaltschaft geht von insgesamt zehn Gramm Amphetamingemisch aus. Der Aufwand war gewaltig: Zuvor hatte sich der 23-Jährige die nötigen Chemikalien in Deutschland und Polen bestellt und an ein Paketfach in Lörrach liefern lassen. Die Liste ist lang: Quecksilbernitrat, Natriumhydroxyd-Plätzchen, Schwefelsäure, Essigsäure, Propanol, Aceton, Brennsprit, Phenylpropene und Reinbenzin. Teilweise gelten die Materialien als «leicht entzündbar» und sollten auch nicht miteinander gelagert werden, doch der Mann bewahrte das Zeug schlichtweg in einer Holzkiste oder einem Karton in seinem Bastelraum in Sissach auf.

Zuvor hatte er bereits einen grösseren Handel aufgezogen: Über ein Kilogramm Amphetamingemisch mit einem Reinheitsgrad von 7,5 Prozent verkaufte er zwischen Januar 2017 und Dezember 2018, das entspricht netto 75 Gramm reinem Amphetamin und erreicht somit eine qualifizierte Menge nach dem Betäubungsmittelgesetz.

Nachdem der Mann im Dezember 2018 verhaftet wurde, sass er fast drei Monate lang in Untersuchungshaft. Am Montag war er im Baselbieter Strafgericht in Muttenz geständig: Er hatte sich in einem abgekürzten Verfahren mit der Staatsanwaltschaft auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten geeinigt.

Das Crystal Meth verkaufte er auch mehrmals an Minderjährige, nebst dem Methamphetamin handelte er auch mit LSD, Ecstasy, Cannabis und psilocybinhaltigen Pilzen. Auch hatte er sich 2500 Euro Falschgeld im Darknet besorgt, den genauen Zweck gab er nicht an.

Fall 3: Der Mechaniker mit dem Hobbylabor

Ein Mechaniker tüftelte so lange, bis er in seinem Hobbylabor die Droge Crystal Meth herstellen konnte. Und landete hinter Gittern. Die Männer der Spezialeinheit Enzian schleichen zur Haustür. Vollmontur, Sturmmasken. Es ist der 19. November 2013. Der Auftrag bei der Aktion KORNBE ist klar: Wohnung stürmen, zwei Personen verhaften, Beweise sichern. Es dämmert auf dem Kornhausplatz, mitten in der Berner Altstadt. 07.45 Uhr.

Die Polizeigrenadiere stürmen die Treppe hoch. Oben wuchten sie eine Tür auf. Blitzschnell verteilen sie sich in der Wohnung. Mit gezogenen Pistolen schreien sie: «Polizei! Polizei!» Aber sie brüllen ins Leere. Keiner da. Schulterzucken. Im Fokus der Aktion steht ein 42-jähriger mutmasslicher Dealer. Er soll ein Drogenlabor betreiben. Den Polizisten ist klar: Dazu passt diese Wohnung nicht. Es stellt sich heraus, dass hier ein Pfarrer lebt - falsche Tür. Die Spezialeinheit bringt sich vor der Wohnung nebenan in Stellung. Sie rammen die Tür ein. «Polizei! Polizei!» Im Schlafzimmer liegt jemand im Bett. Die Maskierten schreien und zielen mit den Pistolen. Es ist eine 72-jährige Frau.

Marcel Hadorn erzählt seine Geschichte unaufgeregt und ruhig. Er sitzt am Esstisch in einem Reihenhaus. Berner Agglomeration. Es ist das Haus seiner Grossmutter. «Ich bin es nicht gewohnt, so viel zu reden. Ich mache Sirup. Zitrone oder Orange?»

In Japan repariert Hadorn Dieselmotoren von Frachtschiffen. Zeitdruck, andere Kultur. Und kein Heroin. «Da es wirklich kein Heroin gab, war der Verzicht einfacher. Die Arbeit war zwar hart, aber auch befriedigend.» Er hat Erfolg, arbeitet auch mal 20 Tage am Stück. Dann raucht er zum ersten Mal Crystal Meth - und putscht sich fortan damit auf.

Nach über fünf Jahren hat er genug vom Gedränge und der Hektik Japans. Er bewirbt sich in Neuseeland. Wieder Dieselmotoren, wieder läuft es wie geschmiert. Bis seine Freundin Lexi ein weisses Pulver nach Hause bringt. Lexi arbeitet in einer Bar und hat dort eine lokale Rarität ergattert: Crystal Meth. «Nach Japan lebte ich fast ein Jahr lang drogenfrei - bis zum Crystal von Lexi. Die Qualität war scheisse. Lexi aber war begeistert. Ich sagte ihr: ‹Gegen das Crystal in Japan ist das ein Dreck.›»

Marcels Ehrgeiz ist angestachelt. Er will Lexi zeigen, was gutes Crystal ist. Es ist das Jahr 1999. Hadorn googelt alles über chemische Vorgänge. Er borgt Bücher aus der Bibliothek und bestellt den Merck-Index, die Bibel der Chemiker. Er experimentiert mit Zutaten aus der Apotheke.

«In Tabletten gegen Schnupfen ist Pseudoephedrin drin. Allein schon diesen Stoff aus den Tabletten zu lösen dauert mehrere Stunden»: Hadorn erklärt mit der Geduld eines pensionierten Chemielehrers. Er gestikuliert, redet von chemischen Strukturen, von Jod, rotem Phosphor, vom Trennen der Flüssigkeiten. Oder von Dampfdestillation. «Am Schluss kratzt man eine helle Schicht aus einer Glasschüssel. Methamphetamin-Hydrochlorid, also Crystal Meth.»

Nach Monaten des Tüftelns gelingt die richtige Mixtur. Hadorn kocht weiter, verfeinert und konsumiert. Bei einem spontanen Besuch sieht die Vermieterin eine Pfanne mit verschiedenen Schläuchen. Für sie ist klar: Hier werden Drogen hergestellt.

Hadorn hat 24 Stunden Zeit, die Wohnung zu räumen. In der Nacht kommt die Polizei. Die Wohnung ist praktisch leer. Die Aussage der Vermieterin, sie habe ein paar Pfannen gesehen, reicht für 18 Monate Gefängnis. Nach einem Drittel der Haftstrafe wird Marcel Hadorn ausgeschafft. «Damals habe ich mir geschworen: Solange ich Drogen konsumiere, bleibe ich in der Schweiz. Wo man nicht verurteilt wird aufgrund vager Aussagen.»

Lexi hat auf Marcel gewartet und will ebenfalls in die Schweiz ziehen. Kurz vor der Abreise stirbt sie überraschend an einer Infektion. 22 Jahre alt. «Das hat mich total aus der Bahn geworfen. Mir war alles egal. Ich dröhnte mich nur noch zu.» Hadorns braungraue Haare sind kurz geschnitten, nur über der Stirn sind sie länger. Kleine Gruben in den Wangen erinnern an eine Zeit voller Akne. Seinen Dialekt gibt es nicht: viel Bern und Aargau, wenig Zürich. «In der Schweiz war Crystal Meth noch völlig unbekannt. Ich wollte wieder konsumieren, also versuchte ich wieder zu kochen.»

Sommer 2003. Hadorn mietet einen Lagerraum in Othmarsingen AG. In einem Holzschrank baut er sein kleines Labor. Zwei mobile Herdplatten, Schläuche, präparierte Eisteeflaschen. Er kocht für sich und seine Kollegen, die Crystal Meth von Thailand oder den Philippinen kennen. Hadorn will nur für diesen kleinen Kreis kochen. «Nach dem Kochen war Party angesagt. Wir haben immer mehrere Tage durchgemacht. Bis ich dann die Zutaten für eine neue Ladung organisiert hatte, vergingen fünf, sechs Wochen.»

Daneben konsumiert er weiterhin Heroin, doch dieses wird ihm mit der Zeit zu teuer. Hadorn meldet sich bei der Drogenabgabe in Bern. Er wohnt während Jahren beim Grosi oder bei Kollegen auf dem Sofa. Immer wieder kann er Computer reparieren oder in Büros Netzwerke installieren. Das bringt, neben dem Handel mit Crystal, genügend Geld. Dann wird in der Altstadt, am Kornhausplatz beim Zytgloggeturm, eine Maisonnettewohnung frei. Zuoberst im Haus, drei Etagen, eigener Liftzugang, 2465 Franken im Monat. Hadorn bekommt den Zuschlag. Obwohl er keine feste Anstellung vorweisen kann. Zusammen mit einer Kollegin wohnt er jetzt an einer Topadresse.

Das Wohnzimmer wird rasch zum Treffpunkt. Hadorn lässt aber längst nicht jeden rein. «Wenn es um Drogen geht, kann es schnell hässlich werden. Ich verabscheue Gewalt. Sobald einer auf einen grossen Deal drängte oder mir sogar drohte, hatte er sofort Hausverbot.» Über die Kamera der Gegensprechanlage kann Hadorn kontrollieren, wer reinwill, per Knopfdruck wird die Haustür geöffnet und der Lift für die oberste Etage freigeschaltet.

Mit der Zeit kommt immer mehr günstiges Crystal Meth von Deutschland in die Schweiz, Kochen lohnt sich nicht mehr. Doch Marcel und seine Kollegen klagen plötzlich über Zahnschmerzen. Er beginnt wieder zu recherchieren. «Bei zu heissem Kochen kann bei der Produktion weisser Phosphor entstehen, der ist hochgiftig.» Hadorn pröbelt und findet einen Weg, den weissen Phosphor herauszufiltern. Die Zahnschmerzen verschwinden.

Hadorn verkracht sich mit seiner Mitbewohnerin, sie zieht aus. Später nimmt ein Kollege eine junge Frau mit in die Wohnung am Kornhausplatz. Esther und Marcel verstehen sich prächtig. Nur Tage später zieht sie bei ihm ein. Er ist 40, sie 20. Aufgewachsen im Spiegel, einem Nobelviertel am Berner Hausberg Gurten. Erst Übergewicht, dann Magersucht. Kliniken. Crystal Meth.

Trotz Hadorns strikter Eingangskontrolle erfährt die Polizei irgendwann vom Umschlagplatz beim Zytglogge. Eine Person, die selber nie in Hadorns Wohnung war, erzählt bei einer Befragung von Luxuswohnung, Drogenlabor und viel Stoff - vom Hörensagen. Die Polizei ermittelt, observiert, hört Handys ab, liest SMS mit.

19. November 2013. Draussen ist es eben hell geworden. Esther hat schon Wäsche zusammengelegt. Gemeinsam sitzen sie im Wohnzimmer der Maisonnettewohnung. Esther mit Laptop auf den Knien, Marcel gegenüber auf dem Sofa. Plötzlich Stampfen und Lärm im Nebengebäude. «Sind das jetzt die Bauarbeiten?» Später erneutes Stampfen, diesmal näher. Ein Knall. Die Wohnungstür springt auf, der Wäschekorb wird gegen die Wand geschleudert. Zwei Polizisten rennen geradeaus ins Schlafzimmer, zwei hasten die Wendeltreppe hoch. Schon stehen sie oben im Wohnzimmer. Die Männer schreien durch ihre Sturmmasken. Der erste geht im Kreuzschritt schräg durch den Raum, die Pistole immer auf Marcel gerichtet.

Esther trinkt einen Schluck Orangensirup und zupft an ihren blonden Haaren. Wäre die Frisur nicht so zerzaust, könnte sie, mit ihrem urchigen Berndeutsch und den schneeweissen Zähnen, glatt bei einer Werbekampagne als Buttermeitschi mitmachen. «Es ging extrem schnell. Marcel konnte mir noch ein Luftküsschen zuschicken, und schon lag er am Boden.»

Handschellen, Augenbinden. Zur gleichen Zeit wird die Lagerhalle in Othmarsingen durchsucht. Eine Woche später verschickt die Berner Kantonspolizei eine Medienmitteilung: «Drogenlabors ausgehoben - zwei Personen in Haft». Vom Fauxpas im Treppenhaus steht nichts.

Marcel Hadorn wird auch von einem Chemieexperten befragt. «Wie gelangten Sie an den gasförmigen Chlorwasserstoff?» - «Selbst gemacht. Mit Kalziumchlorid und zwei PET-Flaschen. So kann man trockenes Salzsäuregas erzeugen und die freie Base in reines Methamphetamin-Hydrochlorid umwandeln. Das wandelt das Öl in Salz um, das man rauchen, schnupfen oder injizieren kann.» Die beiden kommen in Fahrt. Dem Protokollführer geht es viel zu schnell. Irgendwann gibt er auf. Im Protokoll steht dann: «Die beiden diskutieren über die Kühlung mit Trockeneis.«

Drei Monate nach der Verhaftung wird es Esther zu viel. Im Protokoll vom 18. Februar 2014 steht: «Ich kann mich einfach daran erinnern, dass der Herr von der Polizei mir gesagt hat, dass wir 6000 bis 7000 Franken hätten einnehmen müssen, damit wir die Kosten decken könnten. Und wenn man die 6000 mal 27 Monate nimmt und das nun in Crystal Meth umrechnet, kämen wir in dieser Zeit auf etwa ein Kilogramm.» Esther spricht nicht gern über diese Aussage. «Ich war fertig mit den Nerven, wollte einfach raus. Ich wusste, was sie hören wollten, so habe ich einfach die Rechnung der Polizei bestätigt.» Drei Monate später werden Marcel und Esther aus der U-Haft entlassen. Sie wohnen bei Hadorns Grossmutter. Esther zieht die Aussage mit dem Kilo zurück.

Nach dem Gefängnis findet Esther eine Lehrstelle als Landschaftsgärtnerin. Diese neue Aufgabe erfüllt sie: «Ich liebe es, draussen zu arbeiten.» Anfang Februar 2016 stehen Esther und Marcel vor Gericht.

Und wieder eine Razzia. Marcel Hadorn ist nach wie vor im Visier der Justiz. Anderthalb Jahre nach der Entlassung aus der U-Haft stürmen Polizisten im Morgengrauen das Reihenhaus. Die einbruchgesicherte Tür wird samt Verankerung aus der Wand geschlagen. Esther und Marcel hüten in dieser Woche Haus und Katze von Esthers Eltern. Die Polizei beschlagnahmt unter anderem zwei PET-Flaschen mit blauer Flüssigkeit.

Beim Prozess Anfang Februar sagte der Staatsanwalt: «Es wurden erst wenige solche Labors gefunden. Das Gericht hat nun die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen.» Er verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 44 Monaten und 8000 Franken Busse. «Wir haben es hier nicht mit einem Grossdealer zu tun», sagte dagegen der Richter. «Der Angeklagte hat nur Endverbraucher und kleine Zwischenhändler bedient.» Auch die Berechnung des Staatsanwalts über die verkaufte Menge Crystal Meth akzeptierte der Richter nicht: «Wir haben nur die Aussage, beschlagnahmte Drogen, Streckmittel und Utensilien.

Hadorn wurde schliesslich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Ohne weiteren Schuldspruch in den nächsten vier Jahren muss er nicht ins Gefängnis. Dafür muss er über 500 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Verfahrenskosten von über 47'000 Franken tragen.

Die Gefahren und Folgen des Konsums

Amphetamin, das auf dem Schwarzmarkt auch «Speed» genannt wird, ist sowohl für seine pharmazeutische Verwendung als auch für seine stimulierenden Effekte bekannt. Es wird auf dem Schwarzmarkt in Form von Pulver, Kristallen oder als Paste (weiss, beige oder rosa) und seltener in Tablettenform verkauft. Das illegal erworbene Speed besteht sehr häufig aus Amphetamin, Koffein und Syntheseverunreinigungen. In der Analyse von Drug-Checkings in der Schweiz wurden jedoch noch weitere unerwartete Substanzen gefunden, deren Wirkungen noch nicht hinreichend erforscht sind. Ob durch Syntheseverunreinigungen infolge einer mangelhaften Herstellung oder durch die Verpackung bedingt (Wiederverwendung von bereits benutzten Beuteln, Rückstände), der Wirkstoffgehalt variiert stark.

Bei jeder psychoaktiven Substanz hängt die Wirkung von der Dosierung und der Wirkstoffkonzentration ab. Amphetamine wirken auf das zentrale Nervensystem. Sie lösen die Freisetzung von körpereigenen Stimulanzien aus (Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin). Die körperlichen Auswirkungen sind insbesondere: Logorrhö (erhöhter Redefluss, Sprechbedürfnis), Zittern, Unruhe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Krämpfe, Erhöhung des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, eine Verminderung des Hungergefühls, des Schmerzempfindens sowie des Schlafbedürfnisses.

Der Konsum von Amphetaminen verursacht körperliche Auswirkungen wie Euphorie, aber auch permanente Unruhezustände, paranoide Gedanken und einen depressiven Zustand. Die Wirkung beginnt beim Sniff nach 2 bis 10 Minuten und bei der oralen Einnahme nach 30 bis 45 Minuten. Die Wirkung kann lange anhalten und dauert zwischen 6 und 12 Stunden (der Abbau von Amphetaminen ist für den Organismus schwierig).

Die besonders gesundheitsgefährdenden Risiken bei einer Amphetamin-Überdosis sind Kreislaufstillstand, Herzinfarkt, Organversagen (Nieren, Leber, Herz), Hämorrhagie und vaskulärer Spasmus, der zu einem Infarkt und komatöser Bewusstlosigkeit führen kann. Die Körpertemperatur kann bis auf 41 °C ansteigen, was eine oft unterschätzte Gefahr darstellt und das Risiko einer lebensbedrohlichen Überhitzung und Dehydrierung mit sich bringt. In hohen Dosen können Amphetamine Halluzinationen verursachen.

Bei häufigem Konsum von Amphetaminen stellt sich eine Gewöhnung ein, und die Konsument:innen müssen die Dosis erhöhen, um die gleichen Wirkungen zu erzielen. Ausserdem kann es rasch zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Der langfristige Konsum strapaziert den Körper und kann Schäden an den Organen und am Herzen verursachen. Ausserdem können Hautentzündungen (Pickel durch Speed), Zahn- oder Knochenprobleme (Kalziummangel), Verletzungen in der Nase (beim Sniff) und Magenschmerzen auftreten. Ferner können sich psychische Probleme wie Depression und Paranoia bis hin zur Psychose entwickeln.

Der gleichzeitige Konsum von weiteren psychoaktiven Substanzen birgt Risiken. Die Wirkungen können sich gegenseitig verstärken oder hemmen und somit unabsehbare Folgen haben. Manche Konsumierende berichteten, dass sie unter dem Einfluss von insbesondere zusammen mit Alkohol konsumierten Amphetaminen aggressiv wurden. Diese Kombination erhöht ebenfalls das Risiko einer Alkoholvergiftung.

Der Entzug von Amphetaminen kann zu Müdigkeit, unruhigem Schlaf, gereizter Stimmung und Empfindlichkeit, grossem Appetit, Depression, suizidalem Verhalten und Gewaltausbrüchen führen. Die Entzugssymptome verschwinden nach ein bis zwei Wochen.

Der Konsum von Amphetaminen während der Schwangerschaft kann zu einem Mangel bei der Mutter und in der Folge zu einer unzureichenden Nährstoffzufuhr für das Kind führen. Der Wirkstoff gelangt über das Blut zum Fötus, wodurch schwere Entwicklungs- und Verhaltensstörungen verursacht werden können.

Prävention und Hilfe

Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden.

Durch präventive Massnahmen soll der Einstieg in den Konsum verhindert oder hinausgezögert werden. Gleichzeitig hat die Prävention zum Ziel, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit psychoaktiven Substanzen ermöglicht wird. Eine wichtige Massnahme der Schadensminderung ist die Kombination von Testen (Drug Checking) und Informieren (Informationen/Kurzberatungen). Durch das Testen kann die tatsächliche Zusammensetzung der psychoaktiven Substanzen in mobilen Labors oder vor Ort festgestellt werden und die negativen Folgen aufgrund beigemischter Substanzen verringert werden.

Rechtliche Aspekte

Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und die entsprechenden Verordnungen regeln den Umgang mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen sowie die Aufgabenteilung der zuständigen nationalen und kantonalen Behörden. Die Herstellung, die Abgabe und der Konsum von Amphetaminen oder gleichartigen Substanzen unterliegen in der Schweiz dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG). Amphetamine können zu medizinischen Zwecken in der Behandlung von Narkolepsie oder einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschrieben werden. Das Ziel einer medikamentösen Behandlung ist es, die Hauptsymptome von ADHS wie Zerstreutheit, Unaufmerksamkeit, fehlende Organisation und Impulsivität über die Filterung der eingehenden Stimuli abzuschwächen.

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