Cetirizin ist ein Antiallergikum (Antihistaminikum), das zur Behandlung von allergischen Reaktionen wie Juckreiz, allergischem Schnupfen, Heuschnupfen oder Nesselsucht eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Antihistaminika der zweiten Generation und ist in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich. Im Folgenden werden die Wirkungsweise, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen von Cetirizin detailliert beschrieben.

Symptome von Heuschnupfen.
Wirkungsweise von Cetirizin
Cetirizin blockiert als sogenanntes H1-Antihistaminikum die Andockstellen (H1-Rezeptoren) des körpereigenen Botenstoffs Histamin. Histamin ist eine Substanz, die überall im Körper vorkommt und in normalen Konzentrationen an wichtigen Vorgängen wie der Immunantwort, der Produktion von Magensäure und der Regulation des Schlafs beteiligt ist.
Eine allergische Reaktion ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Bei Kontakt mit einem eigentlich ungefährlichen Allergen (wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaaren) reagiert der Körper mit einer überschiessenden Freisetzung von Histamin, um das vermeintlich gefährliche Allergen zu bekämpfen.
Bindet Histamin an seinen Rezeptor, kommt es zu typischen Allergiesymptomen wie verstärkter Durchblutung des Gewebes (Rötungen und Schwellungen), Juckreiz, tränenden Augen bis hin zum Verkrampfen der Atemwegsmuskulatur (Bronchospasmus). Cetirizin unterbindet durch die Blockade des Histamin-Rezeptors die Wirkungen von Histamin und lindert somit die Symptome einer allergischen Reaktion.
Wirkstoff ABC: Cetirizin I (23.09.2022)
Aufnahme, Abbau und Ausscheidung
Cetirizin wird rasch und nahezu vollständig im Dünndarm aufgenommen, wodurch die Wirkung relativ schnell eintritt (etwa zehn Minuten bis eine halbe Stunde nach der Einnahme) und ungefähr 24 Stunden anhält. Die Ausscheidung des Wirkstoffes erfolgt vor allem über die Nieren. Aus diesem Grund muss bei Menschen mit einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) die Dosierung verringert werden.
Anwendung von Cetirizin
Cetirizin wird bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren zur Behandlung verschiedener allergischer Erkrankungen eingesetzt:
- Allergische Rhinitis, saisonal (Heuschnupfen, Pollinosis) und perennial.
- Allergische Konjunktivitis.
- Chronische idiopathische Urtikaria.
Die Behandlungsdauer bei Kindern mit saisonaler Rhinitis beträgt maximal 4 Wochen. Bei allergischem Asthma muss rasch eine geeignete Behandlung eingeleitet werden, die in der Regel aus inhalativen Medikamenten besteht, welche ein Kortisonpräparat und eine bronchialerweiternde Substanz enthalten.

Pollenkalender.
Dosierung und Anwendung
Die übliche Dosierung hängt vom Alter und der Art der Erkrankung ab:
- Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre: Einmal täglich 10 mg (1 Tablette).
- Kinder von 6 bis 12 Jahren: Während maximal 4 Wochen 1 Mal täglich 10 mg (1 Tablette) oder verteilt auf zwei Einnahmen (je eine halbe Tablette morgens und abends).
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung erforderlich, es sei denn, es liegt gleichzeitig eine Nierenfunktionsstörung vor. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen müssen die Dosisintervalle individuell angepasst werden, abhängig von der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Die Einnahme sollte am Abend erfolgen, da die Symptome dann oft stärker ausgeprägt sind. Die Tablette sollte unzerkaut mit Flüssigkeit eingenommen werden, unabhängig von den Mahlzeiten.
Hinweis: Sollten bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren leichte Nebenreaktionen auftreten, empfiehlt sich die Einnahme je einer ½ Tablette morgens und abends.
Nebenwirkungen von Cetirizin
Cetirizin gilt als gut verträgliches Medikament, dennoch können unerwünschte Wirkungen auftreten. Im Gegensatz zu Antihistaminika der ersten Generation dringt Cetirizin weniger stark ins Zentralnervensystem ein, wodurch sedative Effekte reduziert sind.
Häufige Nebenwirkungen (können 1 bis 10 von 100 Behandelten betreffen):
- Somnolenz (Schläfrigkeit)
- Kopfschmerzen
- Mundtrockenheit
- Müdigkeit
- Schwindel
Gelegentliche Nebenwirkungen (können 1 bis 10 von 1000 Behandelten betreffen):
- Magen-Darm-Störungen (z.B. Durchfall, Bauchschmerzen)
- Unwohlsein
- Juckreiz
- Ausschlag
- Erregung
Seltene Nebenwirkungen (können 1 bis 10 von 10'000 Behandelten betreffen):
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Krampfanfälle
- Herzrasen
- Ödeme (Schwellungen)
- Gewichtszunahme
Sehr seltene Nebenwirkungen (können weniger als 1 von 10'000 Behandelten betreffen):
- Bewegungsstörungen
- Zittern
- Allergischer Schock
- Sehstörungen
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar):
- Gedächtnisverlust (Amnesie)
- Gedächtnisstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Selbstmordgedanken
- Alpträume
Nach Absetzen von Cetirizin wurden Juckreiz und/oder Nesselsucht berichtet.
Wichtig: Bei Auftreten von Nebenwirkungen sollte Cetirizin nicht weiter eingenommen und ein Arzt konsultiert werden.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Cetirizin
Gegenanzeigen
Cetirizin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments.
- Schwerer Nierenfunktionsstörung.
- Stillenden Frauen.
- Kindern unter zwei Jahren.
Wechselwirkungen
Bislang sind keine wesentlichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Cetirizin unterdrückt die Reaktion der Haut auf Allergietests, weshalb das Medikament drei Tage vor einem solchen Test abgesetzt werden sollte, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Während der Behandlung mit Antihistaminika wie Cetirizin ist es ratsam, auf Alkohol zu verzichten.
Schwangerschaft und Stillzeit
Verfügbare Daten deuten auf kein erhöhtes Risiko für die Mutter oder das Ungeborene hin, wenn während der Schwangerschaft Cetirizin angewendet wird. Nach Rücksprache mit dem Arzt kann Cetirizin in der Stillzeit angewendet werden, wobei Experten zufolge keine Stillunterbrechung nötig ist.
Überdosierung
Im Falle einer Überdosierung können Symptome wie Verwirrung, Diarrhöe, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Mydriasis, Pruritus, Unruhe, Sedierung, Somnolenz, Stupor, Tachykardie, Tremor und Harnverhaltung auftreten. Es gibt kein spezifisches Antidot für Cetirizin. Im Falle einer Überdosierung wird eine symptomatische oder unterstützende Behandlung empfohlen.
Weitere Behandlungsmethoden bei Allergien
Die Behandlung von Atemwegsallergien beruht auf drei Säulen:
- Vermeidung der Allergene: Die wichtigste Strategie ist das Vermeiden der auslösenden Allergene.
- Medikamentöse Behandlung: Verschiedene Medikamente können helfen, Symptome zu lindern. Neben Antihistaminika können Kortisonpräparate in Form von Nasenspray lokal bei mittelschwerem bis schwerem allergischem Schnupfen eingesetzt werden.
- Allergenspezifische Immuntherapie (Desensibilisierung): In einigen Fällen kann diese Therapie in Betracht gezogen werden, um die Krankheit ursächlich zu behandeln.
Antihistaminika gelten als wirksame und sichere Medikamente, auch bei langfristiger Anwendung. Es ist jedoch empfehlenswert, verschiedene Präparate zu testen, um den am besten geeigneten Wirkstoff zu finden. Bei allergischem Schnupfen kann auch ein Nasenspray verwendet werden, das ein Antihistaminikum (z.B. Azelastin) und ein Kortikosteroid (z.B. Fluticason) kombiniert.
Die allergenspezifische Immuntherapie ist bis heute die einzige ursächliche Therapie bei Atemwegsallergien. Bei einer erfolgreichen Immuntherapie können die Beschwerden verringert oder in einigen Fällen gar das völlige Ausbleiben von Beschwerden erreicht werden.
Zusammensetzung von Cetirizin-Mepha 10 Lactab®
Die Zusammensetzung von Cetirizin-Mepha 10 Lactab® umfasst folgende Bestandteile:
- Wirkstoff: Cetirizin (als Cetirizin-Dihydrochlorid)
- Hilfsstoffe: Mikrokristalline Zellulose, Laktose-Monohydrat (64.08 mg pro Lactab), Croscarmellose-Natrium (0.21 mg Natrium pro Lactab), hochdisperses Siliziumdioxid und Magnesiumstearat.
- Filmüberzug: Opadry Y-1-7000 (Hypromellose E 464, Titandioxid E 171 und Macrogol 400).
Es ist wichtig zu beachten, dass die Lactab Laktose enthalten. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.
Dosierungsanpassung bei Nierenfunktionsstörungen
Die Dosisintervalle sind je nach Nierenfunktion individuell einzustellen (absolute GFR, glomeruläre Filtrationsrate). Die Dosisanpassung sollte gemäss der folgenden Tabelle vorgenommen werden:
| Gruppe | GFR (ml/min) | Dosis und Einnahmehäufigkeit |
|---|---|---|
| Normale Nierenfunktion | ≥90 | 1 Lactab täglich |
| Leicht verminderte Nierenfunktion | 60 - < 90 | 1 Lactab täglich |
| Mässig eingeschränkte Nierenfunktion | 30 - < 60 | ½ Lactab täglich |
| Stark verminderte Nierenfunktion | 15 - < 30 (nicht dialysepflichtige Patienten) | ½ Lactab alle 2 Tage |
| Terminale Niereninsuffizienz | < 15 (dialysepflichtige Patienten) | Kontraindiziert |