Süßkartoffelanbau in Europa: Anbautechniken, Sorten und mehr

Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) erfreut sich in Europa wachsender Beliebtheit. Ursprünglich aus Südamerika stammend, hat diese Knollenfrucht ihren Weg in die europäischen Küchen gefunden und wird zunehmend auch hier angebaut. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Süßkartoffelanbau in Europa, von den idealen Anbaubedingungen bis hin zu den besten Sorten.

Die Süßkartoffel: Eine Einführung

Die Süßkartoffel, auch Batate genannt, gehört zur Familie der Windengewächse und ist somit nicht mit der herkömmlichen Kartoffel verwandt. Sie bildet Speicherwurzeln in Knollenform und stammt ursprünglich aus den Tropen. Hauptanbauländer sind China, Italien, Spanien und Portugal. Je nach Sorte variiert das Fleisch in den Farben Orange, Violett oder Rot.

Die Süßkartoffel ist reich an Nährstoffen wie Kalium, Vitamin C und A und enthält wenig Kalorien. Sie wird oft für Pommes, Chips, Pürees und viele andere Gerichte verwendet. Auch Kuchen und andere Backwaren lassen sich mit Süßkartoffeln zubereiten. Im Gegensatz zu Kartoffeln können Süßkartoffeln auch roh gegessen werden, beispielsweise gerieben oder in Scheiben geschnitten in Salaten. Sogar die Blätter der Pflanze sind essbar und können wie Spinat zubereitet werden.

Die Süsskartoffel ist 1519 erstmals schriftlich in Europa erwähnt, dabei hat sie ihren Ursprung in südamerikanischen Gebieten, wo sie bis heute als Grundnahrungsmittel angebaut wird.

Man sagt den Süsskartoffeln nach, dass sie mehr Ballaststoffe als Kartoffeln enthalten und sie auch für ein längeres Sättigungsgefühl als Kartoffeln sorgen.

Obwohl die süsslich schmeckenden Süsskartoffeln deutlich mehr Zucker enthalten, erhöhen sie den Blutzuckerspiegel weniger schnell als beim Kartoffelkonsum, so dass sie sich auch sehr gut für Diabetiker eignen.

Speziell ist auch der hohe Gehalt an Vitamin A, wo das Beta Carotin sogar annährend die Werte von Karotten erreichen. Dieses wirkt sich positiv auf die menschliche Sehkraft und Haut aus.

Anbaubedingungen in Europa

Bis vor einigen Jahren war der Anbau von Süßkartoffeln in Nordeuropa kaum möglich. Dank robusteren Sorten und tendenziell wärmerem Klima werden sie aber mittlerweile auch in Norddeutschland und Grossbritannien angebaut. Die zu der Familie der Windengewächse gehörende Pflanze braucht mindestens vier frostfreie Monate und ausreichend Wärme, um überhaupt erst auf Touren zu kommen.

Die Süsskartoffeln brauchen nur noch 110 bis 130 Tage Vegetationsdauer und sind auch in unserem mitteleuropäischen Klima sehr produktiv.

Standort und Boden

Süsskartoffeln brauchen einen vollsonnigen Standort sowie einen durchlässigen Boden, indem sie gut wurzeln können. Leichtere, sandige Böden eignen sich auch deshalb besser für den Anbau der auch Knollenwinde genannten Kultur.

Die beste Anbauzeit für Süsskartoffeln ist Mitte Mai, sobald nicht mehr mit Frost zu rechnen ist. Die Knollen brauchen 130 Tage (4 Monate) bis sie vollends ausgereift sind.

Die Pflanze entwickelt sich besser und auch die Knollen werden deutlich grösser, wenn auf einen Erdwall von ca. 20-30cm Höhe gepflanzt wird.

Aussaat und Pflanzung

Setzlinge sind wegen des in Europa anhaltenden Booms nicht immer in ausreichenden Mengen verfügbar. Sie werden nach dem letzten Frost Ende Mai oder Anfang Juni auf Dämme gesetzt, mit einem Abstand von zwischen 30 und 40 cm, der Reihenabstand beträgt üblicherweise zwischen 75 und 90 cm. Wenn zu eng gepflanzt wird, besteht die Gefahr, dass die Wurzeln zu kleine Knollen bilden oder umgekehrt auch zu grosse.

Viele Direktvermarkter mit kleinen Anbaumengen stellen diese selbst her. Eine Ausnahme ist die Sorte Beauregard, die in Europa aber zu den ertragsreichsten Süsskartoffelsorten zählt.

Zur eigenen Vermehrung legt man eine Mutterknolle in eine etwa 20 cm dicke Substratschicht und lässt sie rund drei Wochen bei Temperaturen um die 20 Grad austreiben. Dann schneidet man die Ranken in 20 bis 25 cm lange Stücke, die zwei Nodien enthalten müssen.

Danach werden die Stecklinge etwa eine Woche in Wasser gelegt bis sie Wurzeln entwickeln und dann auf die 20 bis 30 cm hohen Dämme in 5 bis 8 cm Tiefe gepflanzt.

Für grössere Anbauflächen ist der Aufwand für die manuelle Vermehrung aber zu gross und der Ernteerfolg weniger garantiert, als bei zugekauften Jungpflanzen.

Als Pflanzgut bieten wir starke Süsskartoffeljungpflanzen an, die wir für sie im frühen Frühling in 1,5l Töpfen vorkultivieren.

Pflanzen Sie an einem sonnigen, möglichst gut und lange besonnten Gartenort. Die manchmal zu lesende Märchen, dass Süsskartoffeln Halbschatten wollen, ist aus dem Anbau in den Tropen und Subtropen bis zu uns eingesickert, aber für unser Klima ist das nicht zutreffend.

Pflege

Vor allem zu Beginn reagiert die Kultur empfindlich auf Trockenheit. Es ist deshalb von grossem Vorteil, wenn die Süsskartoffel-Parzelle bewässert werden kann. Ausserdem müssen Süsskartoffeln ausreichend gedüngt werden.

Um die Wärme besser zu nutzen, können die Jungpflanzen auch auf Folie gepflanzt werden, auch der Anbau im Folientunnel ist eine Möglichkeit.

Vor allem in der Anfangsphase dauert es relativ lange, bis sich das Kraut bildet. Der Unkrautdruck muss in dieser Zeit entsprechend gering gehalten werden.

Die Kultur ist deshalb auch im biologischen Anbau beliebt.

Sorten

Häufig in Europa angebaute Sorten sind Beauregard, Covington, Evangelina oder Bonita.

Eine Ausnahme ist die Sorte Beauregard, die in Europa aber zu den ertragsreichsten Süsskartoffelsorten zählt.

Gelbe bis orange Sorten haben einen besonders hohen Gehalt an Beta-Karotinen. Rotschale und purpurne Sorten verfügen zusätzlich über Anthocyane als Inhaltstoffe. Beiden Inhaltsstoffgruppen, den Anthocyanen und dem Beta-Karotin wird eine starke antioxidative Wirkung zugeschrieben, die Zellen und Schleimhäute schützt und die Widerstandfähigkeit erhöht.

Bei uns in Mitteleuropa war Ipomea bis vor wenigen Jahren hauptsächlich als Zierpflanze bekannt. Ihr Laub ist äusserst dekorativ, und auch die Blüten sind je nach Sorte ganz hübsch.

Die neuen Züchtungen der Süsskartoffel-Serie Treasure Island begeistern durch ihre doppelte Funktion: Wie die bekannten Prachtswinden haben sie wunderschönes Laub in einem Farbspektrum, das je nach Sorte von goldgelb bis fast schwarz reicht.

Auch zusammen mit den leuchtendgelben Goldmarie machen sich die neuen Süsskartoffeln bestens. Den Gestaltungsmöglichkeiten und der Phantasie sind hier fast keine Grenzen gesetzt.

Ernte und Lagerung

Ab Ende September ist ein Blick unter die Erde nötig, um zu sehen, ob die Grösse der Knolle für die Ernte bereits genügt. Kleinere Produzenten graben die Knollen vorsichtig von Hand mit einer Gabel aus.

Die frisch geernteten Knollen werden ohne Erdbesatz aber ungewaschen dem sogenannten «Curing» unterzogen.

Um die Lagerfähigkeit zu verbessern werden dabei die Schalen der Süsskartoffeln bei hoher Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent und Temperaturen von 30 Grad in einem separaten Raum gehärtet.

Nachdem das Curing abgeschlossen ist, werden die Süsskartoffeln in Zeitungspapier eingewickelt und in einem Raum gelagert, der zwischen 13° C und 15° C warm ist. An diesem Plätzchen können die Knollen bis zur Verarbeitung in der Küche ruhen.

Bei einer Temperatur von 12 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90 % können die Süsskartoffeln dann über zwölf Monate gelagert werden und sind somit jederzeit verfügbar.

Die längere Lagerfähigkeit dürfte mit zunehmenden Anbaumengen auch in der Schweiz an Bedeutung gewinnen.

Sollten kurzfristig Herbstfröste drohen, kann man sie auch mal noch mit einem Vlies abdecken.

Nach der Ernte sollten die Bataten noch ungefähr zwei Tage an der Luft trocknen.

Verletzte Knollen sollten schnellstmöglich verzehrt werden, da sie sonst faul werden können. Allgemein sollten nur unverletzte Exemplare gelagert werden. Diese können Sie für ein paar Wochen bei regelmässiger Kontrolle bei ungefähr 15 Grad aufbewahren und sich einige Wochen lang leckere Gerichte zaubern.

Herausforderungen und Chancen

Der Einstieg in den Süsskartoffelanbau muss gut überlegt sein. Denn nur schon die Setzlingskosten seien relativ hoch und wirkten auf viele abschreckend.

Schweizer Süsskartoffeln stehen deshalb im direkten Wettbewerb mit deutlich günstigerer Importware, die oft sogar aus Übersee kommt.

Man ist voll auf den Goodwill der Konsumenten angewiesen und deren Bereitschaft, die teureren Süsskartoffeln aus der Region zu kaufen.

Es besteht also noch Potenzial nach oben.

Die Parzelle mit den Süsskartoffeln hat es hier im Berner Seeland in den letzten Wochen arg erwischt: ein Hagelschlag und sintflutartige Niederschläge haben den noch jungen Pflanzen ziemlich stark zugesetzt.

Landwirt Simon van der Veer aus Sutz-Lattrigen BE weiss, dass sich die Pflanzen erholen werden: «Schon in drei Wochen wird das Kraut der Süsskartoffeln den ganzen Acker hier bedecken».

Süsskartoffelanbau in der Schweiz

Süsskartoffeln boomen zurzeit in der Schweiz.

Bei Migros steigen die Verkäufe jedes Jahr an, nur rund 15 Prozent davon kommen beim Grossverteiler aber zurzeit aus hiesigem Anbau.

Das Interesse der Konsumenten nach lokalen Süsskartoffeln ist trotz doppelt so hohen Preisen im Vergleich zur Importware aber hoch.

In der Schweiz gibt es 10 bis 15 Betriebe, die im grossen Stil Süsskartoffeln anbauen.

Obwohl durch die viele Handarbeit und das teure Pflanzgut der Verkaufspreis mit rund sieben Franken pro Kilo etwa doppelt so hoch wie bei Kartoffeln liegt, läuft der Absatz.

Die Nachfrage nach Schweizer Süsskartoffeln ist grösser als das Angebot.

Tabellarische Zusammenfassung

AspektDetails
Botanische FamilieWindengewächse (Convolvulaceae)
Optimale BodentemperaturÜber 18 Grad
Pflanzabstand im Beet30 bis 50 Zentimeter
Reihenabstand im Beet0.5 Meter
Mindestvolumen für Kübel30 Liter
ErntezeitSeptember bis Oktober
KulturdauerRund 100 Tage
LagertemperaturUngefähr 15 Grad

Der Süßkartoffelanbau in Europa bietet sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Mit den richtigen Anbautechniken und Sorten können Landwirte und Hobbygärtner gleichermaßen erfolgreich diese nahrhafte und vielseitige Knolle anbauen.

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tags: #subkartoffel #anbau #europa