Die Schweden lieben Weihnachten und gutes Essen. Kein Wunder also, dass sie die ideale Kombination dafür gefunden haben: das Julbord. Vor den Weihnachtstagen biegen sich die Tische in den schwedischen Haushalten und Gastronomiebetrieben unter einer Vielzahl von leckeren Speisen.
Die Zubereitung eines Julbords ist aufwändig, wenn man alles selber machen will. Da lohnt es sich auch, wenn dann die ganze Familie am prall gefüllten Tisch Platz nimmt. Das Julbord hat aber einen grossen Vorteil: vieles kann man vorbereiten, so dass beim Essen niemand vorwiegend in der Küche stehen muss.
Gerade weil die Vorbereitung eines umfassenden Julbords viel Zeit und Können braucht, bieten viele Schwedische Restaurants ein Julbord für Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen an. Wenn du im Dezember in Schweden bist, dann ist es ein Leichtes, ein Lokal zu finden, das ein Julbord zelebriert. Eines der grossartigsten Julbords wird im Fjäderholmarnas Krog auf der Insel Fjäderholm vor Stockholm aufgetischt. Seit 2006 inszeniert Gert Klötzke das Julbord mit täglich über 300 Gästen. Wahnsinn.
Während früher die Speisen in grossen Schüsseln oder Platten serviert wurden, hat Klötzke ein neues System etabliert. Alle Gerichte werden sinnvoll portioniert, so dass das Buffet auch nach dem ersten grossen Ansturm noch ansehnlich aussieht. So sieht das unglaubliche Julbord im Fjäderholmarnas Krog aus.
Im Grunde ist es ein Smörgåsbord, wie man es in vielen Gegenden von Schweden kennt. Zur Weihnachtszeit wird es dann noch mit weiteren, typischen Gerichten, z.b. dem Weihnachtsschinken (Julskinka) aufgepeppt. Und nun eine Bitte an alle Nichtschweden: Die Teller werden nicht vollgeladen, sondern man holt sich immer kleine frische Portionen. Das Julbord ist also keine Buffetschlacht, sondern ein gemütliches Beisammensein, das sich gerne über Stunden hinziehen kann. Hamstern am Büffet wird in Schweden nicht geschätzt.
Nun geht es also los mit der Feier. Am besten startest du einem Glögg, dem schwedischen Glühwein mit Mandeln und Rosinen. Dazu gibt es ein paar knusprige Pepparkakor. Das zusammen schmeckt schon so grandios nach Weihnachten, man kommt richtig in Stimmung. Ich finde es noch schön, wenn man den Glögg draussen im Garten, auf dem Balkon oder der Veranda gereicht bekommt und erst dann in die Warme Stube disloziert. Das Rezept für einen leckeren Glögg habe ich vor einiger Zeit aufgeschrieben.
Bevor wir uns über das Buffet hermachen, sei noch erwähnt, dass je nach Region auch die Speisen unterschiedlich sein können. Nur schon beim Kohl gibt es Unterschiede. Neben dem klassischen Rotkohl „Rödkål“ gibt es in Halland eher „Grönkål“ (Grünkohl) und in Skåne „Brunkål“ (Braunkohl).
In der Regel gibt es drei „Gänge“ bei einem Julbord. Man startet mit dem kalten Buffet. Dominant sind die diversen Sorten von eingelegtem Hering (Sil). Hier lassen die Schweden ihrer Fantasie vollen Lauf. Oft gibt es auch Lachs in unterschiedlichen Variationen, wobei sich die Schweden nicht einig sind, ob Lachs dazu gehört oder nicht. Wenn er dabei ist, dann braucht es auch Dill-Senf-Sauce, Meerrettich-Sauce oder Hovmästarsauce (Graved-Lachs-Sauce). Ergänzt wird die Fisch-Bescherung mit Krabben zum Schälen oder Krabbensalat. Auch schon habe ich Räucheraal auf so einem Buffet entdeckt.
Was nie fehlen darf ist Leberpastete (Leverpastej) und diverser Wurstaufschnitt, Eier und weitere Ergänzungen nach Lust und Laune.
Warme Speisen
Ist das kalte Buffet ausgiebig ausprobiert worden, dann wechselt man zu den warmen Speisen. Hier sind natürlich Köttbullar ein Muss, ebenso die Prinskorv, kleine geräucherte Würstchen. Himmlisch ist auch die Janssons frestelse, ein Kartoffelgratin mit Anchovis.
Dessert
Zu guter Letzt, wenn der Bauch schon prall und die Stimmung toll ist, gibt es noch den Nachtisch. Dieser kann aus Rismalmata (kalter Milchreis) mit Sahne, Vanillezucker und Apfelstückchen bestehen. Oft sieht man auch Lussekatter, Plätzchen, Kuchen oder auch Käse auf dem Tisch. Mann kennt die Schweden ja.
Getränke
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Durst kommt bei dir bei diesen Leckereien sicher auch auf. Speziell an den Festtagen gibt es Julmust (eine Süsse Brühe). Julmust ist ein Limonadengetränk, das hauptsächlich in Schweden verkauft wird. In der Abteilung Alkohol ist das süsse, dunkle Julöl (Weihnachtsbier) Trumpf. Zum Fisch trinkt man gerne Aquavit oder einen trockenen Weisswein. Zum Fleisch darf es auch ein Gläschen Rotwein sein.
Du hast es sicher bemerkt. Der Fantasie sind bei so einem Julbord keine Grenzen gesetzt. Pflicht ist Sil (Hering) und der Julskinka. Ansonsten werden regionale und traditionelle Gerichte aufgetischt.
Wenn du jetzt Lust hast selber so ein Julbord zu basteln und du kulinarisch höhere Ansprüche hast, dann empfehle ich dir das Buch „Smörgasbord“ von Gert Klötzke und Niclas Wahlström. Das Buch Smörgasbord umfasst über 200 Rezept (Englisch). Ich habe mich mit Gert Klötzke im Sommer 2017 auf Fjäderholm getroffen und mit Ihm über die schwedische Gastronomie gesprochen.

Ein reichhaltiges Julbord mit verschiedenen Köstlichkeiten.