Erfunden in der Schweiz als pragmatische Zubereitungsart für Käse, ist Raclette heute vor allem an Weihnachten und Silvester bei Freunden und Familien beliebt. Mit kleinen Raclette-Geräten für zwei Personen wollen die Anbieter die Tradition auch im Alltag etablieren. Welches Gerät macht am meisten Spass? Abgottspon hat für diese Zeitung sieben Raclette-Geräte für zwei Personen getestet.
Das Internet bietet einen schier unerschöpflichen Fundus an kreativen Raclette-Ideen und ausgefallenen Rezepten. Wer aber im Schweizer Restaurant À la carte in Düsseldorf diese Schweizer Spezialität bestellt, der bekommt nichts anderes als Gschwellti, eine Beilage aus Tomate, Cornichon und Silberzwiebeln und Schweizer Raclette-Käse, frisch goldgelb gratiniert. Dazu ein bisschen Pfeffer: fertig.
Der Käse wird am Stück in die Halterung eines Rösters gespannt, kurz unter den Heizröhren erhitzt, bis er Blasen wirft und Röstaromen in die Nase steigen. Dann wird die oberste Schicht des Käses mit einem Messer abgeschabt und fliesst als zähe Masse auf die Teller. Das Raclette ist Essen für jedermann. Erfunden wurde es von Bauern und Hirten aus dem Kanton Wallis im Mittelalter, vermutlich im 13. Jahrhundert. Die Bauern hielten einen Käselaib über das Feuer und kratzten die weiche Schicht auf ihr Brot.
Seinen Namen trägt das Raclette, weil das französische Verb racler so viel wie abschaben bedeutet. Heutzutage hat sich das Raclette nicht nur als schmackhafte Käsezubereitung etabliert, sondern vor allem auch als gesellige Form des Miteinanders. Nicht wenige Haushalte entscheiden sich an Festtagen für ein Raclette daheim, weil sich das gemeinsame Essen damit so herrlich in die Länge ziehen kann. Der Käse wird in einem Pfännchen unter die Hitzeröhre geschoben.
Auf einer Grillfläche darüber kann man Fleisch oder Fisch zubereiten. Es gibt Raclette-Geräte für zwei bis zehn Pfännchen. Statt Käse vom Laib benötigt man Käsescheiben. Auffällig bei allen getesteten Geräten ist, dass der Abstand zwischen Pfännchen und Hitzeröhrchen zu gross ist, um binnen kurzer Zeit den Käse optimal schmelzen zu können. Im Originalröster dauert es 30 Sekunden, in den Geräten im Test mehrere Minuten.
Nur so aber können die Pfännchen, wie in den Haushalten üblich, auch mit anderen Zutaten wie Kartoffeln, Gemüsen, Pilzen, Schinken, Speck oder sonstigen Alternativen belegt werden, ohne dass die Zutaten an die Röhrchen stossen. Dementsprechend hat Abgottspon die längere Zeit zum Gratinieren nicht negativ bewertet, obwohl sich so das Fett aus dem Käse zunehmend löst und verflüssigt.
Kriterien für den Test waren die Handhabung, die Qualität des Materials, das Design und der Preis. Alle Geräte wurden entsprechend der Bedienungsanleitung ausreichend vorgeheizt.
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Die getesteten Raclette-Geräte im Detail
Abgottspon testete 7 Modelle, bewertete Handhabung, Materialqualität und Preis. Hier eine Übersicht der getesteten Geräte:
Das Praktische: Bestron, Raclette für 1 bis 2 Personen
Preis: 36.95 Fr.
Verfügbarkeit: Onlineshop, z. B. bei Fust
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Das Gerät ist sehr leicht. Die Pfännchen haben hübsche Holzgriffe. Dazu gibt es zwei Holzuntersetzer, um sie abzustellen. Das ist keine schlechte Idee. Das Gerät lässt sich einfach über einen Knopf ein- und ausschalten, die Temperatur ist nicht variabel. Gut sind die Handgriffe, mit denen auch ein heisses Gerät sicher angefasst und bewegt werden kann. Die Grillplatte hat zudem einen recht hohen Rand, der verhindert, dass das Fett überläuft - gerade auch beim Transport. Der Makel an diesem Set ist aber, dass die Hitzestäbe nur an einer Seite bis zum Ende richtig heiss werden. Oder anders gesagt: Der Käse röstet ungleichmässig. Das verhindert eine bessere Note, denn der Preis ist ordentlich. Und Garantie gibt es fünf Jahre.

Das Schmale: Spring, Raclette 2 Compact
Preis: 143 Fr.
Verfügbarkeit: Onlineshop, z. B. bei Digitec
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Das ist für ein 2-Personen-Set eine hohe Preiskategorie. Das Material fühlt sich robust an. Die Pfännchen haben ein hübsches Design, sind aber etwas schmaler im Vergleich, weswegen wir unseren Käse aus dem Supermarkt nicht ebenmässig hineinlegen können. Die Schaber finde ich dagegen wirklich enttäuschend. Da hat man sich wenig Gedanken gemacht. Das ist eher ein liebloses Stück Kunststoff. Beim erstmaligen Erhitzen riecht es sehr stark. Der Anbieter sagt, das seien Dämpfe von Schutzölen. Die Temperatur ist regulierbar. Gut ist die Extraebene für die Pfännchen, die man dort ablegen kann, wenn man nicht röstet. Man kann seine Portion auch darauf warmhalten. Was mich aber bei diesem Preis wirklich stört, ist der Mangel an Handgriffen. Der Transport ist nicht ungefährlich, zumal die Grillplatte auch nach dem Ausstellen noch lange heiss bleibt.
Das Beste: Kela, Raclette Splügen
Preis: rund 43.70 Fr.
Verfügbarkeit: Onlineshop, z. B. bei Galaxus
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Dieses Set unterscheidet sich im Wesentlichen durch die sehr ästhetische Grillfläche. Die Platte besteht aus Granit mit einem ansprechenden Natursteinmuster und bringt das entsprechende Gewicht mit. Das sorgt für einen sehr stabilen Stand des Geräts und verhindert, dass man beim Rumhantieren mit den Schälchen und Pfännchen versehentlich die Platte aushebelt. Die Haltegriffe ermöglichen auch hier einen sicheren Transport, wenn die Hitze noch nicht verflogen ist. Beim erstmaligen Aufheizen gibt es so gut wie keine Gerüche. Die Heizröhrchen werden gleichmässig heiss, so wie es sein soll, um den Käse punktgenau zu gratinieren. Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis - mein Testsieger.
Das Langsame: Clatronic, Raclette 2 Personen
Preis: rund 50 Fr.
Verfügbarkeit: Onlineshop, z. B. bei Nettoshop
Bewertung: 4 von 10 Punkten
Auch hier gibt es für wenig Geld zwei Handgriffe, mit denen man das Gerät selbst bei grosser Hitze problemlos tragen kann. Die Handhabe ist in dem Fall also gut. Bei dem Preis ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die Materialien sehr leicht sind. Zwar wird die Oberfläche des Geräts sehr heiss, aber die Hitze, die auf die Pfännchen strahlt, entwickelt sich nur sehr langsam und bleibt offenbar auch begrenzt. Dadurch benötigt der Käse sehr lange, bis er wirklich auch ein Röstaroma entwickelt. Dann löst sich immer mehr Fett, das auf dem Käse schwimmt. Einzig das Preis-Leistungs-Verhältnis verhindert hier eine ganz schlechte Note.
Das Internationale: Nouvel, Raclette Grill
Preis: rund 32.55 Fr.
Verfügbarkeit: z. B. bei Manor
Bewertung: 5 von 10 Punkten
Dieses Gerät hat rote Haltegriffe, auf denen das Schweizer Kreuz prangt. Zum Zubehör gehört auch ein Adapter für dreipolige Anschlüsse, um das Gerät international nutzen zu können. Mit einem Energiebedarf von 350 Watt liegt es am untersten Ende des Stromverbrauchs. Leider werden die Heizröhrchen nicht bis an ihre Enden erhitzt, weswegen der Käse nicht gleichmässig gratiniert wird. Das ist schade. Was mich auch stört: Die Grillplatte hat grossen Spielraum in der Halterung und macht deutlich hörbare Geräusche schon bei kleinen Vibrationen des Tischs. Extrapunkt für Design und Adapter.
Das Hübsche: WMF Küchenminis Raclette für 2
Preis: 59.95 Fr.
Verfügbarkeit: z. B. bei Media-Markt
Bewertung: 8 von 10 Punkten
Das ist das zweitteuerste Produkt des Tests. Und es ist tatsächlich auch sehr hübsch anzusehen. Seine Temperatur ist regulierbar, und ein LED-Licht zeigt an, wann das Gerät sie erreicht hat. Die Heizstäbe sind durchgehend gut bis an die Enden erhitzt, weswegen der Käse gleichmässig gratiniert wird. Eine Besonderheit ist die beidseitig verwendbare Aluminium-Gussplatte. Die eine Seite hat Rippen, die andere ist flach. Die Platte ist von einem ein Zentimeter hohen Rand umgeben, um Ölabfluss, gerade auch beim Transport, zu verhindern. Das vermisse ich bei den meisten anderen Geräten. Allerdings fehlen mir hier die Haltegriffe für die Bestnote.
Das Solide: Tchibo, Raclette für 2
Preis: rund 27.95 Fr.
Verfügbarkeit: z. B. bei Tchibo
Bewertung: 6 von 10 Punkten
Hier fällt gleich auf, dass es ein sehr solides Produkt der unteren Preiskategorie ist, schwerer als die vergleichbaren Sets. Es gibt keine Gerüche beim erstmaligen Erhitzen. Dafür gibt es Haltegriffe, die kühl bleiben, wenn die Grillplatte erhitzt ist. Gut so. Die Pfännchen sind sehr robust. Die Temperatur lässt sich nicht regulieren, was man bei dem Preis aber auch nicht erwarten kann. Leider wird auch hier ungleichmässig gratiniert, weil die Heizröhrchen nicht die gesamte Fläche der Pfännchen erreichen. Alles in allem ist das aber das Beste unter den Günstigen.
K-Tipp Test von Racletteöfen mit Grillfunktion
Das Konsumentenmagazin K-Tipp hat in seiner Ausgabe vom 28. Oktober 2020 (Nr. 18/2020) zusammen mit einem spezialisierten Labor zehn Racletteöfen mit Grillfunktion auf ihre Qualität und Stabilität getestet. Die Testergebnisse sowie den Testsieger und sechs weitere Modelle aus dem Test finden Sie hier.
Testkriterien
- Praxistest
- Handhabung
- Temperaturverteilung
- Robustheit
- Sicherheit

Beim Praxistest mit Käse wurde überprüft, wie lange es dauert, bis der Käse geschmolzen ist. Gleichzeitig wurde beobachtet, ob der Käse braun wird oder gar verbrennt. Das Labor testete die Geräte auch beim Grillen von Zucchetti und Fleisch. Beim Testpunkt Handhabung ging es darum den Aufbau und die Inbetriebnahme der Geräte zu testen. Es wurde überprüft, ob die Racletteöfen leicht zu bedienen sind und ob der Käse leicht vom Pfännli auf den Teller gegossen werden kann. Auch die Reinigung der Racletteöfen wurde beim Prüfpunkt Handhabung getestet.
Bei der Temperaturverteilung wollten die Experten herausfinden, wie gleichmässig die Temperatur auf der Grillplatte verteilt ist und wie stark die Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Pfännchen sind. Zur Überprüfung der Robustheit wurden die Racletteöfen und die Pfännli auf ihre Anfälligkeit für Kratzer getestet. Beim letzten Kriterium der Sicherheit lag der Fokus auf der Isolation. Es wurde überprüft, ob die Griffe und Bedienknöpfe der Öfen stark erhitzt werden und dadurch eine Verbrennungsgefahr darstellen.
Testergebnisse
Ein Grossteil der Racletteöfen bestand den Test und konnte mit seiner Qualität und Stabilität überzeugen. Zwei Racletteöfen erhielten das Testurteil «gut», fünf wurden mit «genügend» ausgezeichnet, nur drei waren gemäss K-Tipp «ungenügend».
«Gut»
Testsieger wurde das Modell «Duo 4 and more» der Marke Koenig. Der Racletteofen besteht aus zwei Teilen, die man zusammenstecken und wieder auseinandernehmen kann. Er überzeugte insbesondere beim Praxistest und beim Kriterium Temperaturverteilung. Beim Fleisch hatten die Experten jedoch Mühe, da die Fleischstückchen ungleichmässig durchgebraten waren. Zudem wurde bemängelt, dass beim Grillen relativ viel Rauch entsteht. Dafür konnte das Gerät mit der einfachen Bedienung und der gleichmässigen Temperaturverteilung punkten.
Auf Platz 2 landete das Modell «Connect 4 plus 4» von Trisa, ebenfalls mit dem Testurteil «gut». Er schnitt beim Praxistest ähnlich gut wie der Testsieger ab. Die Temperaturverteilung war bei diesem Racletteofen sogar noch etwas besser. Der Unterschied zwischen dem kältesten und dem heissesten Pfännchen betrug 37 Grad, was im Vergleich zu anderen Racletteöfen relativ wenig ist. Bemängelt wurde beim Trisa-Racletteofen jedoch die Bedienung, da u.a. die Pfännchen nicht stabil waren.
«Genügend»
Fünf Testgeräte erhielten die Gesamtnote «genügend». aus der Landi war das günstigste Gerät im Test, erzielte aber im Praxistest sogar das beste Ergebnis. Aufgrund der Tatsache, dass der Schalter zur Regulierung der Temperatur 77 Grad heiss wurde, bekam dieser Racletteofen wegen der Verbrennungsgefahr nur die Note «genügend». Die gleiche Gesamtnote erhielten auch der «Raclette 8 Leggero» von Miostar, der «Cheeseboard V8» von Stöckli, der «Ignis XA8» von Satrap sowie der «Basic 4in1» von Manor.
«Ungenügend»
Drei Racletteöfen konnten beim Test nicht überzeugen und erhielten die Gesamtnote «ungenügend». Beim «RAC8 Deluxe» von Primotecq wurden die Griffe der Pfännchen bis zu 75 Grad heiss, was eine Verbrennungsgefahr darstellt. Ebenfalls die Note «ungenügend» bekamen der «Lono 8 Personen» von WMF und der «ORA 102CH» der Marke Ok.-. Bei beiden Racletteöfen schmolz der Käse in den Pfännchen ungleichmässig und nicht mit der gleichen Geschwindigkeit. Zudem war die Temperatur auf der Grillplatte unterschiedlich verteilt, sodass die Geräte auch bei der Temperaturverteilung nicht überzeugen konnten.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Hier eine tabellarische Übersicht der Testergebnisse des K-Tipp Tests:
| Rang | Modell | Marke | Note |
|---|---|---|---|
| 1 | Duo 4 and more | Koenig | Gut |
| 2 | Connect 4 plus 4 | Trisa | Gut |
| 3 | (Name fehlt) | Landi | Genügend |
| 4 | Raclette 8 Leggero | Miostar | Genügend |
| 5 | Cheeseboard V8 | Stöckli | Genügend |
| 6 | Ignis XA8 | Satrap | Genügend |
| 7 | Basic 4in1 | Manor | Genügend |
| 8 | RAC8 Deluxe | Primotecq | Ungenügend |
| 9 | Lono 8 Personen | WMF | Ungenügend |
| 10 | ORA 102CH | Ok.- | Ungenügend |
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Für ein gutes Raclette sind letztlich die Qualität und die Röstung des Käses entscheidend. Alle anderen Zutaten sind je nach Geschmack austauschbar, aber sie sind eigentlich nicht notwendig, sagt René Abgottspon, Koch und Betreiber einer Schweizer Kochschule in Düsseldorf (D).