Neue Rechtschreibung: Der Fall Spaghetti und andere orthografische Herausforderungen

Die deutsche Rechtschreibung ist ein ständiges Thema der Diskussion und Überarbeitung. Es gibt sogar erwachsene Menschen, die ernsthaft behaupten, Rechtschreibung und Grammatik seien Verhandlungssache. Doch falsch bleibt falsch, auch wenn es von einer Mehrheit für richtig befunden wird. Allerdings gibt es Wörter, bei denen zwei Schreibweisen als korrekt gelten können, wie zum Beispiel bei "Spaghetti" und "Spagetti". In solchen Fällen gibt der Duden eine Empfehlung ab.

Der Duden hat online eine Liste mit Wörtern publiziert, die häufig falsch geschrieben werden. Sie heisst „Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter“. Diese Liste, nach Anfangsbuchstaben erschlossen, ist sehr nützlich. Die schlechte Nachricht: Die Liste ist lang. Die gute: Aus Schweizer Sicht können wir einige schwierige Wörter streichen, weil uns das Problem mit dem scharfen s versus Doppel-s Wurßt sein kann.

Die Liste reicht von A wie abgeschlossen bis Z wie zuwider. Was tut man also? So, jetzt schreiben wir zur Sicherheit jedes Wort zehnmal an die Wandtafel. Vielleicht hilfts.

Die NZZ verfügt über einen eigenen sprachlichen Leitfaden - das «Vademecum». Darin sind die hauseigenen Sprachregeln festgehalten und können von jedem im Unternehmen konsultiert werden, falls er sich bezüglich eines Ausdrucks oder einer Schreibweise unsicher ist.

Von der NZZ 1971 ins Leben gerufen, sollte das «Vademecum» nach dem Vorbild des «Style Book for Writers and Editors» der «New York Times» die orthographischen, grammatischen und typografischen Zweifelsfälle regeln, so dass die gesamte Redaktion über einheitliche Richtlinien verfügt.

Heute brauchen wir das «Vademecum» in der Redaktion als verbindliche Orientierungshilfe im Dschungel der sprachlichen Möglichkeiten. Denn das amtliche Regelwerk und Wörterbücher wie der Duden klären nicht alles. Sie lassen oft verschiedene Schreibweisen zu, beispielsweise bei Lehnwörtern: «Sauce» oder «Sosse», «Spaghetti» oder «Spagetti». Bei Ausdrücken aus dem Italienischen und dem Französischen orientiert sich die NZZ an der Ursprungssprache, wobei es in den vergangenen Jahren einige Anpassungen gegeben hat.

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Ein weiteres Feld, in dem das «Vademecum» für Orientierung sorgt, ist die Wiedergabe von Namen aus Sprachen mit einem anderen Alphabet. Daneben finden sich im «Vademecum» sprachliche Steckenpferde der NZZ, beispielsweise setzen wir nach «trotz» und «dank» den Dativ. Diese Form ist ebenfalls korrekt, aber weniger gängig als der Genitiv; sprachgeschichtlich ist der Dativ älter. Umgekehrt verhält es sich mit «gedenken»: Obwohl der Duden den Gebrauch des Verbs mit Dativ mittlerweile erlaubt, bleiben wir beim Genitiv.

«In der Tendenz befürworten wir eine traditionelle Schreibweise», sagt Natascha Fischer, Leiterin des Korrektorats. Die Möglichkeiten, sich differenziert auszudrücken, möchte die NZZ nutzen. Indes stehen allzu saloppe Ausdrücke, die vermieden werden sollten, ebenfalls im «Vademecum».

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in diesem Frühjahr in einigen wenigen Bereichen Änderungen an der Rechtschreibreform vorgenommen. Insgesamt handelt es sich zwar nur um wenige Änderungen, das heisst, in den Schulen kann im Wesentlichen weiterhin so geschrieben, unterrichtet und korrigiert werden, wie in den letzten Jahren. Im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung und teilweise auch in der Gross- und Kleinschreibung führen die Änderungen jedoch dazu, dass es mehr Varianz gibt, das heisst, es sind nun öfter zwei Schreibungen erlaubt, was insbesondere fürs Korrigieren Probleme verursacht.

Auf diesem Hintergrund hat der LCH gefordert, dass für die Schweizer Schulen Richtlinien im Umgang mit dieser Schreibvielfalt zu geben sind, da eine solch hohe Varianz weder lehr- noch lernbar sei. In der Folge erteilte die EDK dem Zentrum Lesen bzw. Afra Sturm, Claudia Schmellentin und Thomas Lindauer den Auftrag, linguistische und sprachdidaktisch gestützte Erläuterungen und Empfehlungen auszuarbeiten, die für die Schulen einen gangbaren Weg durch die Variantenvielfalt zeigen.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich vor allem im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung in seiner Regelformulierung nicht mehr vom Prinzip der möglichst leicht handhabbaren Regel leiten lassen, sondern orientiert sich neu an sogenannt prototypischen Schreibungen. Entsprechend sind die neuen Regeln der Getrennt- und Zusammenschreibung zu einem recht grossen Teil in den Volksschulen weder lehr- noch lernbar. Die Orientierung am Prototypischen führt aber wie angesprochen auch zu mehr Varianz: Prototypisches unterliegt einer Interpretation, die unterschiedlich erfolgen kann.

Da nach dem geltenden Regelwerk die Getrenntschreibung immer korrekt ist, liegt die oben aufgeführte Regel im Rahmen des Regelwerks und ist zudem leicht handhab- und vermittelbar. Dort, wo keine regelorientierteVariantenführung möglich ist, muss die Schreibung frei gegeben werden: Dies betrifft weitgehend die Schreibung von Partikel und Verb. Im Schülerduden wird in diesen Fällen die Getrennt- und Zusammenschreibung aufgeführt.

Eine solche Haltung gegenüber Variantenschreibungen findet in der Schweiz breite Akzeptanz bei Fremdwörtern aus den Landessprachen Französisch und Italienisch. So werden guten Gewissens und sinnvollerweise Schreibungen wie Spagetti oder Krem auf Spaghetti bzw. Creme korrigiert, auch wenn die eingedeutschten Schreibungen durch das amtliche Regelwerk explizit legitimiert sind.

Die Reformen, die 1996 eingeführt wurden, waren von vier Expertengruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet worden. Das Ziel der Reform war, eine Vereinfachung der Schreibweisen durch die Beseitigung von Ausnahmen und Sonderfällen zu erreichen.

Als Folge öffentlichen Diskussion erarbeiteten sich einige Zeitungsverlagshäuser eigene Rechtschreibe-Reglemente. Nach und nach wurden aufgrund der heftigen Kritik gewisse neue Schreibungen rückgängig gemacht. Anstatt «es tut mir Leid» muss nach der Reform der Reform wieder «es tut mir leid» geschrieben werden, «es tut mir Leid» gilt wieder als falsch und wird seit dem 1. August in den Schulen wieder als Fehler angerechnet.

Zum Begriff «Not leidend» wurde die Variante «notleidend» wieder eingeführt. «Spaghetti» darf man seit 2006 als «Spagetti» oder «Spaghetti» schreiben.

Wissenschafter Wachter und seine Kollegen von der SOK haben im Juni ein Moratorium für die endgültige Einführung der Rechtschreibereform in der Schweiz gefordert. Es sei nutzlos, eine Orthografie zu haben, die so viele Varianten beinhaltet.

Die vor der Rechtschreibereform von 1996 gültige amtliche Rechtschreibung war auf der 2.Orthographischen Konferenz 1902 in Berlin beschlossen worden.

Der Duden gibt uns Hinweise auf die Konjugation und Deklination der Wörter, das Geschlecht der Nomen, die Worttrennung, die Betonung und oft auch die Herkunft, die Aussprache, die Bedeutung und die regionale Zuordnung der Vokabeln. Seine Hauptaufgabe ist es allerdings, die korrekte Rechtschreibung der im Deutschen gebrauchten Wörter zu vermitteln.

Nicht der Duden legt folglich die Orthografieregeln fest, sondern die entsprechenden staatlichen Stellen, in der Schweiz die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK). Erarbeitet werden die Regeln vom Rat für deutsche Rechtschreibung. In diesem Gremium engagieren sich 41 Mitglieder aus sieben Ländern, in denen Deutsch gesprochen wird.

In den vergangenen Jahren wurden die Regeln in einigen Teilen und das dazugehörige Wörterverzeichnis vollständig überarbeitet und aktualisiert. Dieses Verzeichnis umfasst nicht wie ein Wörterbuch alle gebräuchlichen Wörter, sondern nur solche, die orthografische Fragestellungen oder Zweifelsfälle betreffen.

Die EDK hat am 25. Januar 2024 den „Anpassungen des Regelwerks und des Wörterverzeichnisses“ zugestimmt und eine Übergangsfrist von drei Jahren festgelegt. Dieses Regelwerk, das alle Regelungen der deutschen Rechtschreibung enthält, im Buchhandel erhältlich und unter www.rechtschreibrat.com zu finden ist, ist „ein wissenschaftlich fundiertes, allgemeinverständliches Referenzwerk, das in allen Ländern und Regionen mit Deutsch als Amts- und Schulsprache gleichermaßen gilt.

Mit drei Bereichen hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung in der vergangenen Sitzungsperiode neben der Neuerarbeitung des Wörterverzeichnisses besonders auseinandergesetzt: (1) der Aufnahme eines Ergänzungspassus zu Sonderzeichen im Wortinneren, (2) der Neuerarbeitung des Kapitels Zeichensetzung und (3) der Schreibung von Fremdwörtern inkl.

Der Rat stellt darin fest, dass typografische Sonderzeichen „nicht zu den Satz- und Wortzeichen und daher auch nicht zur Interpunktion im engeren Sinne“ gehören. Allerdings würden Zeichen wie Doppelpunkt, Asterisk und Unterstrich bei Personenbezeichnungen zunehmend im Wortinneren verwendet. Dazu hält der Rat fest: „Diese Wortbinnenzeichen gehören nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie.“

Grundsätzlich ist ein geschlechtergerechtes Formulieren im Sinn einer Förderung der Gleichberechtigung sehr zu empfehlen, und zwar in der Form, wie es die Bundeskanzlei in ihrem Leitfaden 2023 vorschlägt. Sie rät zum Gebrauch von Paarformeln („Stimmbürgerinnen und Stimmbürger“), substantivierten Adjektiven/Partizipien („Stimmberechtigte“), geschlechtsunspezifischen Nomen („Personen mit Stimmrecht“), Kollektivbezeichnungen („Stimmbevölkerung“) oder Umschreibungen ohne Personenbezeichnungen.

Das Kapitel „Zeichensetzung“ im Amtlichen Regelwerk wurde auf der Basis sprachwissenschaftlicher und didaktischer Erkenntnisse von 2019 bis 2023 vollständig neu erarbeitet und so verständlich wie möglich in Worte gefasst. Ziel war es, die Regeln einheitlicher und nachvollziehbarer zu gestalten sowie zu straffen - insbesondere auch für den schulischen Bereich -, sie konzis zu formulieren und in eine stringente und systematische Struktur zu bringen.

Neu werden die Kommaregeln sogar in vier Paragrafen dargestellt. Eine einzige Regeländerung wurde bei den Kommas vorgenommen: Bei infiniten Nebensätzen (satzwertigen Infinitivgruppen) muss immer ein Komma gesetzt werden. Die Faustregel lautet nun: Sobald ein Verb in der Personalform oder als zu-Infinitiv am Schluss eines Teilsatzes steht, handelt es sich um einen Nebensatz, der mit einem bzw.

Deshalb wurden die seit 1996 „eingedeutschen“ Variantenschreibungen, die nachweisbar nicht oder kaum gebraucht wurden, wieder gestrichen. So schreibt man nur noch „Polonaise“ (nicht mehr „Polonäse“), „Exposé“ (nicht mehr „Exposee“), „Panther“ (nicht mehr „Panter“), „Spaghetti“ (nicht mehr „Spagetti“) u. a. In einigen wenigen Fällen wurden fremdsprachige Schreibungen gestrichen, die im Schreibgebrauch inzwischen so vollständig integriert sind, dass fast nur noch diese Form belegt ist („fotogen“, nicht mehr „photogen“).

Paragraf 21 im Amtlichen Regelwerk trägt diesem Befund Rechnung: „Bei Fremdwörtern aus dem Englischen werden Flexionsendungen in der Regel an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung angepasst. Komposita, d. h. zusammengesetzte Wörter, werden im Deutschen meist zusammengeschrieben wie „Finanzdienstleistungsunternehmen“ (so im Duden!). Das wird auch auf Fremdwörter übertragen, die im Englischen aus zwei einzelnen Nomen bestehen, zum Beispiel „Airbag“ aus „air bag“.

Bildungen aus Adjektiv und Nomen, die aus dem Englischen ins Deutsche gelangt sind, werden grundsätzlich getrennt geschrieben, allerdings mit grossen Anfangsbuchstaben wie „High Society, Social Media, Electronic Banking“. Verbindungen aus gleichrangigen englischen Infinitiven schreibt man getrennt, die Infinitive gross: „Park and Ride, Copy and Paste“. Daneben ist auch eine Schreibung mit Bindestrich möglich, und zwar mit Gross- oder Kleinschreibung des zweiten Infinitivs, zum Beispiel „Park-and-Ride/Park-and-ride“.

Wie Sie sehen, sind die Regeln in diesen Fällen recht differenziert und komplex. Bei der Zeichensetzung müssen Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler neu... deutschsprachigen Länder 1998 einführen wollen. beschlossen, am 1. unterzeichnen. Wir schreiben Nummer, aber numerieren. Rechtschreibung berücksichtigen. Die Sprache ist nicht immer logisch! Das soll mit der neuen Rechtschreibreform besser werden. handhabbar zu machen. Die Reform erfasst alle Bereiche der Rechtschreibung. ist jedoch sehr massvoll. Also nummerieren wie Nummer, oder platzieren wie Platz usw. Varianten anbietet. Spagetti weiterhin Portemonnaie, Mayonnaise und Spaghetti zu schreiben. Die Reform tritt am 1. August 1998 in Kraft. verwendet, muss sich das jedoch erst ab 2005 als Fehler anrechnen lassen. Dr.iur. h.c.

Änderung Beispiel
Kein Wegfall von Buchstaben bei zusammengesetzten Wörtern Schifffahrt
Schreibung folgt dem Wortstamm Stängel (anstatt Stengel), sich schnäuzen (anstatt schneuzen), überschwänglich (anstatt überschwenglich)
Ph/f Schreibung in Fremdwörtern Geographie/Geografie, Mikrophon/Mikrofon (beides möglich)
Getrenntschreibung von Verben Gehen lassen oder gehenlassen (Verb und Verb darf immer getrennt geschrieben werden)
Zusammensschreibung Verbindungen mit «irgend» werden immer zusammengeschrieben: irgendwann, irgendwelche, irgendwo

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