Mundsoor Medikamente rezeptfrei: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Mundsoor, auch bekannt als orale Candidose oder Mundpilz, ist eine Infektion des Mund-Rachen-Raums, die durch Hefepilze wie Candida albicans verursacht wird. Diese Pilze sind natürlicherweise im Mund- und Rachenraum sowie im Verdauungstrakt vorhanden. Allerdings kann es unter bestimmten Bedingungen zu einer Überwucherung kommen, die zu einer Infektion führt.

Mundsoor zeigt sich oft durch einen weisslichen Belag im Mund.

Ursachen von Mundsoor

Ein Mundsoor ist eine opportunistische Infektion, die vor allem im Zusammenhang mit lokalen und systemischen Faktoren auftritt. Dazu gehören unter anderem:

  • Säuglingsalter: Ein Mundsoor ist bei Säuglingen, Neu- und Frühgeborenen häufig
  • Ältere Menschen
  • Geschwächtes Immunsystem: Grunderkrankungen, z.B. Krebs, Diabetes mellitus, HIV-Infektion, Leukämie, Hormonveränderungen, Mangelzustände
  • Zahnprothesen
  • Medikamente: Antibiotika, Zytostatika, inhalative Glucocorticoide (Cortisonsprays gegen Asthma und Bronchitis), Immunsuppressiva
  • Mundtrockenheit, auch aufgrund von Medikamenten, z.B. Antidepressiva
  • Kohlenhydratreiche Ernährung
  • Virulenz des Erregers

Auch Stress kann indirekt eine Rolle spielen, da er das Immunsystem schwächt.

Symptome von Mundsoor

Das Leitsymptom ist der weisse bis gelbliche, kleinfleckige Belag der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich. Er besteht aus Epithelzellen, Fibrin und Pilzhyphen und lässt sich zum Beispiel mit einem Zungenspatel abwischen. Unter dem Belag ist die Schleimhaut gerötet. Zu den weiteren möglichen Symptomen gehören:

  • Mundgeruch
  • Pelzigkeitsgefühl
  • Lymphknotenschwellung
  • Schmerzen, die Schluckbeschwerden und bei Säuglingen Trinkschwäche auslösen
  • Geschmacksstörungen
  • Aufweichung des Gewebes und Erosionen mit Blutungen
  • Mundwinkelrisse

Bei der erythematösen oralen Candidose ist die Schleimhaut gerötet und es findet sich kein Belag. Candida-Infektionen des Mund- und Rachenraums können sich auf die Speiseröhre und den gesamten Gastrointestinaltrakt ausbreiten.

Diagnose von Mundsoor

Die Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bilds und durch einen Nachweis mit Labormethoden. Milchreste im Mund von Säuglingen werden manchmal mit einem Mundsoor verwechselt. Sie lassen sich jedoch leicht entfernen und die Schleimhaut ist nicht gerötet.

Vorbeugung und nicht medikamentöse Behandlung

Die beste Therapie ist die Vorbeugung. Hier sind einige vorbeugende Massnahmen:

  • Bei der Verabreichung von inhalativen Glucocorticoiden (Asthma-Cortisonsprays) soll der Mund nach der Anwendung gründlich mit Wasser ausgespült und anschliessend etwas gegessen werden.
  • Behandlung eines Scheidenpilzes bei schwangeren Frauen kurz vor der Geburt, um eine Besiedlung des Neugeborenen mit Candidapilzen zu verhindern.
  • Risikofaktoren und zugrundeliegende Erkrankungen eliminieren und behandeln.
  • Gute Mundhygiene, Prothesen regelmässig reinigen und desinfizieren.
  • Kontaminierte Nuggi, Sauger und Zahnbürsten reinigen, Brustwarzenhygiene.

Ziel ist, Zucker zu reduzieren, die Darmflora zu stärken und Entzündungen zu dämpfen. Achte auf eine zuckerarme, ballaststoffreiche Ernährung.

Hausmittel gegen Zungenpilz

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung werden gegen Pilze wirksame Mittel (Antimykotika) eingesetzt. Bei einem leichten Soor im Mund reichen meist Mittel, die örtlich angewendet werden. Sie sind zum Beispiel verfügbar als Lutschtabletten, Mundgel, Lösung oder Suspension (flüssig mit einer Pipette).

Lokale Antimykotika

Lokale Polyene und Azol-Antimykotika sind vorwiegend im Mund und im Verdauungstrakt wirksam und gelten als Mittel der 1. Wahl bei einer unkomplizierten Infektion. Die Arzneimittel werden in der Regel viermal täglich angewandt und sollen so lange wie möglich im Mund behalten und mit dem Finger und der Zunge in der Mundhöhle verteilt werden. Bei Säuglingen wird das Mittel in der Praxis auch auf den Nuggi gegeben. Falls der Soor den Verdauungstrakt oder den Darmausgang betrifft, werden die Mittel zusätzlich eingenommen. Die Angaben der Packungsbeilage sind zu beachten.

Zu den gängigen lokalen Antimykotika gehören:

  • Amphotericin B (Ampho-Moronal® Lutschtabletten, Suspension)
  • Nystatin (Mycostatin®, Multilind®, Suspensionen)
  • Miconazol-Mundgel (Daktarin® Mundgel)

Systemische Antimykotika

Systemische Azol-Antimykotika werden üblicherweise in Form von Kapseln, Tabletten oder als Suspension eingenommen. Sie werden im Verdauungstrakt absorbiert und üben ihre Effekte von innen heraus aus. Bei der Behandlung ist zu beachten, dass Azol-Antimykotika starke Hemmer von CYP450 sind und Wechselwirkungen verursachen können. Sie sind im Gegensatz zu den Pilzmitteln ohne ärztliche Verordnung erhältlich.

Weitere Medikamente

Desinfektionsmittel werden lokal im Mund und Rachen angewandt und sind in der Regel nicht zu Einnahme bestimmt.

  • Chlorhexidin
  • Hexetidin
  • Dequaliniumchlorid
  • Povidon-Iod
  • Gentianaviolett (in der Schweiz nur als Eigenherstellung)

Schmerzmittel

Schmerzmittel wie Paracetamol werden zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Schluckbeschwerden eingesetzt. Auch lokal betäubende Arzneimittel und Gerbstoffe können dazu geeignet sein.

Probiotika

Probiotika-Lutschtabletten versorgen die Schleimhaut der Mundhöhle mit „guten“ Bakterien, welche sich ansiedeln und sich vermehren. Die Behandlung verursacht kaum unerwünschte Wirkungen.

Anwendungshinweise für Nystatin acis® Mundgel

Nystatin acis® Mundgel wird zur Behandlung von nystatin-empfindlichen Hefepilzinfektionen der Mundhöhle (Mundsoor) eingesetzt.

Anwendung:

  1. Das Gel wird eingenommen, einige Minuten im Mund belassen und dann geschluckt.
  2. Zusätzlich können die befallenen Stellen mit einem Wattestäbchen, auf das zuvor Nystatin acis Mundgel aufgetragen wurde, bestrichen werden.
  3. Das Tubengewinde ist nach dem Gebrauch zu reinigen und die Tube fest zu verschliessen.

Dosierung:

  • Säuglinge und Kleinkinder (4 - 24 Monate): Vor und nach der Mahlzeit 1/2 - 1 Messlöffel (1/2 - 1 Gramm) in die Mundhöhle geben. Das Gel sollte nicht hinten im Mund aufgetragen werden.
  • Kinder (>/= 2 Jahre) und Erwachsene: 3 - 6 mal täglich, in schweren Fällen alle 2 Stunden, jeweils 1g Gel (1 Messlöffel) einnehmen.

Dauer der Anwendung: Die Behandlung sollte mindestens 2 Tage über das Abklingen der Beschwerden hinaus fortgesetzt werden, jedoch nicht länger als 28 Tage.

Wichtige Hinweise:

  • Nicht bei Säuglingen unter 4 Monaten und Kindern, bei denen der Schluckreflex noch nicht vollständig ausgebildet ist, anwenden.
  • Bei Auftreten einer Überempfindlichkeitsreaktion ist das Arzneimittel abzusetzen und gegebenenfalls ein Arzt zu konsultieren.
  • Das Gel sollte nicht hinten im Hals angewendet werden, um eine mögliche Aspiration zu vermeiden.

Hausmittel und Tipps zur Linderung

Obwohl ein Befall mit Hefepilzen in der Regel mit ärztlich verschriebenen Medikamenten therapiert werden muss, gibt es Hausmittel und Tipps, wie sich zumindest das Brennen und Unwohlsein im Mund lindern lässt:

  • Verdünnte Myrrhentinktur auf die belegten Stellen im Mund tupfen (mindestens eine Stunde nach Anwendung des Antipilz-Mittels).
  • Salbei- und Kamillentee (pilzabtötend und entzündungshemmend).
  • Zucker und Hefe meiden, da sich der Pilz davon ernährt.
  • Fruchtsäfte und saures Essen vermeiden, da sie die Mundschleimhaut reizen können.
  • Milchprodukte einschränken, da sie schleimbildend wirken.
  • Auf optimale Mundhygiene achten und Zahnbürste häufiger wechseln. Zahnprothesen und -spangen mit antimyzitisch wirkenden Lösungen säubern.
  • Genügend Wasser trinken (Zimmertemperatur).

Wichtig: Kamillentee sollte im Falle von Mundsoor vermieden werden, da er im Verdacht steht, die Pilzinfektion im Mund eher noch zu fördern.

Hinweis: Mit Homöopathie lässt sich Mundsoor nicht erfolgreich behandeln. Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise dafür.

Wann zum Arzt?

Es ist ratsam, bei Verdacht auf Mundsoor einen Arzt aufzusuchen, insbesondere wenn:

  • die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen
  • sich die Symptome verschlimmern
  • Fieber oder andere ungewöhnliche Symptome auftreten
  • Säuglinge oder Kleinkinder betroffen sind

Ein Arzt kann die Diagnose bestätigen und eine geeignete Behandlung einleiten.

Vorbeugung

Die wichtigste Vorbeugung gegen eine Ausbreitung von Candida albicans ist eine gute Mundhygiene. Sowohl Erwachsene als auch Kinder sollten sich regelmässig die Zähne putzen - mindestens zwei Mal am Tag. Vergessen sollten sie auch nicht ihre Zahnzwischenräume. Stillende Mütter sollten darauf achten, ihre Brustwarzen regelmässig zu säubern und zu pflegen.

Übertragbarkeit

Der Hefepilz Candida albicans ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Erkrankung ist also ansteckend. Allerdings überträgt sich die Infektion nur dann, wenn die Haut oder die Schleimhäute beschädigt sind oder das Immunsystem geschwächt ist.

Zusammenfassung: Mundsoor und seine Behandlung
Aspekt Beschreibung
Ursachen Hefepilz Candida albicans, geschwächtes Immunsystem, Medikamente, etc.
Symptome Weisslicher Belag, Rötung, Schmerzen, Schluckbeschwerden
Behandlung Antimykotika (lokal oder systemisch), Mundhygiene, Hausmittel zur Linderung
Vorbeugung Gute Mundhygiene, Vermeidung von Risikofaktoren

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