Pilze sind überall - auf der Haut, im Darm und in unserer Umgebung. Solange sie sich nicht übermäßig vermehren, sind sie harmlos. Doch ein geschwächtes Immunsystem oder falsche Hygiene können das Wachstum von Pilzen anregen und zu Infektionen führen. Ein bekanntes Beispiel ist der Hefepilz Candida albicans, der sowohl im Darm als auch auf der Haut vorkommt.
Neben Medikamenten aus der Apotheke gibt es auch natürliche Mittel, die bei Pilzinfektionen helfen können. Eines davon ist Joghurt. Doch wie wirkt Joghurt gegen Candida und wann ist er sinnvoll?

Candida albicans unter dem Mikroskop
Was ist Candida und wie entstehen Infektionen?
Candida-Pilze sind ein natürlicher Bestandteil der Darmflora und leben auch auf unserer Haut. Sie ernähren sich von Keratin, dem Hauptbestandteil von Haut, Haaren und Nägeln. Normalerweise hält unser Immunsystem die Pilze in Schach. Wenn das Immunsystem jedoch geschwächt ist, können sich die Pilze leichter ausbreiten.
Risikofaktoren für eine Candida-Überbesiedlung sind:
- Diabetes mellitus
- HIV
- Geschwächtes Immunsystem
- Antibiotika-Einnahme
- Hormonelle Schwankungen (z.B. Schwangerschaft)
Pilze bevorzugen warme und feuchte Körperareale wie die Leiste, Achseln, Zehenzwischenräume, Geschlechtsorgane und die Bereiche unter der Brust. Daher treten an diesen Stellen die meisten Infektionen auf.
Wie wirkt Joghurt gegen Candida?
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Lebensmittel einer Pilzinfektion entgegenwirken können. Ein Beispiel ist der Naturjoghurt. Er enthält sogenannte Probiotika. Dabei handelt es sich um „gute“ Darmbakterien, welche die Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweissen unterstützen. In einer Untersuchung mit 276 Neugeborenen zeigte sich, dass diejenigen, die Probiotika erhielten, deutlich weniger Pilze im Darm hatten.
Joghurt enthält Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die auch in der Scheide vorkommen. Diese Bakterien helfen, die Vaginalflora wieder aufzubauen und können das Wachstum von Candida-Pilzen hemmen.
Italienische Forscher haben im Labor gezeigt, dass alle 5 von ihnen getesteten Lactobacillen wohl einen hemmenden Effekt auf das Wachstum von Candida hatten. Aber: nur zwei Lactobacillen, nämlich Lactobacillus rhamnosus IMC 501 und Lactobacillus paracasei IMC 502, konnten H2O2 produzieren, was zusätzlich einen hemmenden Effekt auf das Pilzwachstums hat.
Joghurt bei Scheidenpilz: Anwendung und Studien
Viele Frauen haben bereits von Joghurt gegen Candida-Vaginitis gehört. Einige haben Erfolg damit, andere klagen, dass das Ganze ihre Vagina noch mehr austrocknet. Es gibt auch schon ältere Berichte, dass Lactobazillen wirklich die Vaginalflora wieder aufbauen und mit Produktion von Wasserstoffsuperoxid, andere pathogene Keime wie z.b.
In der Naturheilkunde ist Joghurt schon lange zur Linderung von Juckreiz bekannt. Der Scheidenpilz selber lässt sich durch Joghurt kaum beeindrucken.
Eine Studie aus der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine konnte dieses Ergebnis bei 13 Frauen beobachtet, die 200 Gramm Joghurt am Tag assen.
Hausmittel gegen Scheidenpilz: Welche helfen wirklich?
Anwendung von Joghurt-Tampons:
So wendest du Joghurt-Tampons richtig an:
- Einen Mini-Tampon etwa 1 - 2 Minuten in ein Nature-Joghurt halten, bis er vollgesogen ist.
- Der Tampon soll Jogurt abgeben, nicht Schleim auf saugen.
- Tampon in die Scheide einführen.
- Nach 3 - 4 Stunden wechseln, ev. über Nacht behandeln und am Morgen entfernen.
- Nach Bedarf wiederholen. Ev. einmalig, ev. ein paar Nächte lang, ev.
Wichtig: Nehmen Sie keinen gezuckerten Nature-Jogurt.
Obwohl bei Pilzinfektionen die eigenen Milchsäurebakterien oft ausreichend vorhanden sind, wirken Jogurt-Tampons trotzdem lindernd.
Joghurt und Honig gegen Scheidenpilz in der Schwangerschaft
Hauptsächlich während der Schwangerschaft erhöht der steigende Östrogenspiegel das Risiko für eine Scheidenpilzinfektion. Die vaginale Behandlung mit einem Antipilzmittel (Antimykotikum) birgt zwar keine Gefahr für den Feten, doch viele Schwangere haben dennoch ein mulmiges Gefühl.
Eine Studie konnte zeigen, dass sich der Pilz mit einer Mixtur aus Honig und Joghurt leicht behandeln lässt. Wegen seiner auf Keime wachstumshemmenden und gleichzeitig entzündungshemmenden Wirkung ist die Honig-Joghurt-Mixtur vor allem in arabischen Ländern als „Hausmittel“ bekannt.
An der ägyptischen Studie nahmen 129 Schwangere mit einer sogenannten Candidiasis der Scheide teil. Diabetikerinnen sowie immunsupprimierte Frauen durften nicht an der Studie teilnehmen.
82 Frauen wurden während einer Woche zweimal täglich mit 30 g einer Mixtur aus Honig und Joghurt (62.5% Honig, 25% Joghurt, 12.5% destilliertes Wasser) behandelt. 47 Frauen erhielten einmal täglich eine lokale Behandlung mit einem Antimykotikum (100 mg Tioconazol).
In beiden Gruppen ließ sich die Infektion gut in den Griff bekommen. Nach einer Woche hatten die Frauen der Gruppe mit der Honig-Joghurt-Behandlung deutlich weniger Beschwerden als in der Gruppe mit dem Antimyotikum. Allerdings zeigte sich im Mikroskop und in der Pilzkultur, dass nach der Behandlung mit dem Pilzmedikament die Hefepilze häufiger reduziert waren als nach der Honig-Joghurt-Therapie.
Beide Therapien wurden etwa gleich gut vertragen. Insbesondere für Schwangere sei dies eine gute und willkommene Therapieoption, so die Forscher.
Allam M. Abdelmonem und sein Team überprüften an 129 Schwangeren mit vulvovaginaler Candidiasis (VVC) die Wirksamkeit dieses alten Hausmittels.
Die 82 Schwangeren der Verumgruppe wurden sieben Tage lang zweimal täglich mit 30 g einer Mixtur aus 62,5% Honig, 25,0% Joghurt und 12,5% destilliertem Wasser behandelt, die 47 Frauen der Kontrollgruppe bekamen über die gleiche Zeitdauer einmal täglich 100 mg Tioconazol vaginal.
In beiden Gruppen konnte die Infektion gut in den Griff bekommen werden. Allerdings waren deutlich mehr Frauen nach den sieben Tagen Joghurt-Honig-Behandlung im Vergleich zur Tioconazol-Behandlung symptomfrei (87,8% vs. 72,3%). Tioconazol schnitt allerdings bei der mykologischen Heilungsrate besser ab (91,5% vs. 72,3%).
Bei Mischinfektionen hingegen hatte die Joghurt-Honig-Mixtur die Nase vorn. Während vor der Behandlung in beiden Gruppen bei etwa gleich vielen Frauen neben Candida-Spezies vor allem Staphylokokken nachgewiesen werden konnten (26,8% vs. 25,5%), war der Anteil an Mischinfektionen in der Verumgruppe nach der Behandlung deutlich tiefer als in der Kontrollgruppe (6,1% vs. 14,9%).
Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler erklären diese Diskrepanz mit der breiten wachstumshemmenden und gleichzeitig entzündungshemmenden Wirkung der Honig-Joghurt-Mixtur. Dafür spreche unter anderem die bessere Wirksamkeit bei Mischinfektionen.
Fazit: Joghurt kann eine unterstützende Maßnahme bei Candida-Infektionen sein, insbesondere bei Scheidenpilz. Die Kombination mit Honig scheint besonders in der Schwangerschaft eine gute Option zu sein. Bei schweren oder wiederkehrenden Infektionen sollte jedoch immer ein Arzt aufgesucht werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.