Möchten Sie erleben, wie aus kleinen Samen prächtige Akelei-Pflanzen entstehen? Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, wie Sie gefüllte Akelei-Samen erfolgreich aussäen und aufziehen können.

Akelei im Garten.
Allgemeine Informationen zur Akelei
Ein zentrales Anliegen ist der Erhalt alter oder ungewöhnlicher Sorten. Was man erhalten will, muss man aussäen - das gilt natürlich auch für Blumen.
Es gibt eine Zusammenstellung von fünf historischen Akeleien-Sorten:
- Kanadische Akelei (Aquilegia canadense): Eine amerikanische Art, die 1640 entdeckt wurde. Die 45 cm hohe Pflanze trägt zierliche rot-gelbe Blüten und eignet sich hervorragend als Bodendecker im Steingarten.
- Duftende Akelei (Aquilegia fragrans): Diese Akelei stammt ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet und ist eine der ganz seltenen duftenden Arten. Ihre blaugrünen Blätter duften nach Äpfeln, die cremefarbenen Blüten süß nach Nelken. Sie wird 40 cm hoch.
- Wald-Akelei ’Woodside Strain‘ (Aquilegia vulgaris): Eine Mischung aus verschiedenen Blütenfarben (Blau, Violett, Rosa und Weiß); das Besondere ist das goldgelb panaschierte Laub. Höhe 60 cm.
- Wald-Akelei ’Nora Barlow‘ (Aquilegia vulgaris): Nach der Enkelin von Charles Darwin benannte Sorte mit dicht gefüllten Blüten, hellrot mit grün-weißen grünen Spitzen. Darstellungen solcher sternförmigen Blüten finden sich bereits im 15. Jahrhundert. Mit graugrünem Laub, bis 75 cm hoch.
- Wald-Akelei ’Munstead White‘ (Aquilegia vulgaris var. nivea): Reinweiße Variante aus dem Munstead-Wald in Surrey, eine Lieblingssorte von Gertrude Jekyll. Blühfreudige, aufrecht wachsende, bis 75 cm hohe Akelei mit kurzen Spornen.
In dem 1898 verfassten Buch „Unsere Pflanzen“ von H. Resing und I. Bohnhorst finden sich folgende Angaben über die verschiedenen deutschen und den botanischen Namen und damit einige einfühlsame Beobachtungen der Pflanze selbst: „Die Akelei oder Aglei ist eine deutsche Waldblume mit echtdeutschem Namen. Über die Bedeutung und Entstehung des botanischen Namens Aquilegia und des Wortes Aglei herrschen die verschiedensten Ansichten.
Wahrscheinlich ist die botanische Bezeichnung Aquilegia erst aus dem Deutschen entstanden, da diese Pflanze den Botanikern des Altertums nicht bekannt war. Das Wort Aglei stammt aus dem althochdeutschen agana mit der Bedeutung Granne, Spitze oder Stengel.
Man gab der Pflanze diesen Namen, weil die fünf Schoten derselben spitz und den Vogelkrallen gleich gekrümmt sind. Andere suchen das Wort Aquilegia in anderer Weise zu deuten. So findet man die Erklärung, daß Aquilegia aus aqua (Wasser) und legere (schöpfen) zusammengesetzt sei.
Die fünf trichterförmigen Kronblätter, in denen sich Regen leicht ansammelt, mögen Anlaß zu dieser Deutung gegeben haben. Nach anderen soll der Name Aquilegia eigentlich Alleluja gelautet haben, weil diese Pflanze zur Zeit des Mittelalters wegen der Blätter als Symbol der Dreifaltigkeit gegolten hat.
Nach Einführung des Christentums wurden die der Frigga geheiligten Pflanzen in den Marienkultus verwoben, aus „Elfenhandschuh“ wurde der Name „Unserer lieben Frauen Handschuh“.
Hildegard von Bingen hegte neben Christrosen, Alpenveilchen und Königskerzen auch Akeleien in ihrem Garten. Wurzel, Blatt und Blüte der „Agleia“, „Ackeleia“ oder „acoleia“ galten als Heilmittel gegen Skorbut, Gelbsucht und ähnliche Krankheiten; aus den Blumen bereitete man „herzstärckenden“ Tee.
Aus der in Mittel- und Süddeutschland heimischen Akelei sind im Laufe der Jahrhunderte zahllose Gartensorten entstanden. Der Arzt Laurentius Scholz in Breslau verzeichnete bereits 1585 rote, weiße, blaue, einfache und gefüllte Akeleien.
Durch die Einführung schöner Arten aus Nordamerika, Japan, Sibirien und ihrer Kreuzung mit den bisher kultivierten Arten und Sorten verfügen wir heute über eine ausgesprochen reichhaltige Auswahl dieser Pflanzen in kräftigen und zarten Farben und edelster Form der Blüten.
Akelei aussäen / vermehren in Pflanzgefäß | DiY | Andy´s World
Vorbereitung der Aussaat
Bevor Sie mit der Aussaat beginnen, ist es wichtig, die richtigen Materialien bereitzulegen:
- Feine Anzuchterde (enthält wenig Nährstoffe, um die Wurzelbildung anzuregen).
- Akelei-Samen
- Kleine Töpfe oder Schalen mit Abtropflöchern.
- Klarsichtfolie oder Anzuchtbox zur Feuchtigkeitsregulierung.
- Saubere Sprühflasche oder Gießbrause.
Beachten Sie das Mindesthaltbarkeitsdatum des Saatguts. Wenn Sie verschiedene Samen aussäen, helfen Etiketten, den Überblick zu behalten.
Aussaat-Anleitung für Akelei-Samen
Sobald Sie alles vorbereitet haben, können Sie mit der Aussaat beginnen:
- Füllen Sie die Gefäße mit Anzuchterde.
- Säen Sie die Akelei-Samen aus. Kleine Samen können Sie locker auf die Erdoberfläche streuen, größere Samen mit etwas Abstand oder einzeln in Töpfe legen.
- Drücken Sie die Samen leicht an, um den Kontakt zum Substrat zu gewährleisten.
- Bedecken Sie die Samen locker mit einer dünnen Schicht Erde (etwa 2-3 Mal so tief wie der Samen dick ist). Einige Arten werden nur angedrückt.
- Gießen Sie die Samen vorsichtig, ohne sie wegzuspülen. Verwenden Sie eine feine Gießbrause.
- Decken Sie das Gefäß mit einem Plastikdeckel oder Folie ab, um ein Mini-Gewächshaus zu schaffen.
- Stellen Sie den Topf an einen warmen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Eine Fensterbank eignet sich gut.
- Halten Sie die Erde feucht, aber nicht nass. Öffnen Sie die Abdeckung täglich für 5-10 Minuten, um Schimmel vorzubeugen und die Keimlinge an die Umgebungsluft zu gewöhnen.
- Kontrollieren Sie regelmäßig, ob sich Sprosse zeigen. Dies kann je nach Sorte einige Tage bis Wochen dauern.
- Entfernen Sie die Folie oder den Deckel, sobald das Pflänzchen 1-2 weitere Blattpaare nach den Keimblättern gebildet hat.
Pikieren der Akelei-Sämlinge
Nach dem Auflaufen der Saat wählt der Gärtner die kräftigsten Keimlinge aus, um sie weiter zu kultivieren. Das Pikieren ist ein Verfahren, bei dem gezielt die gewünschten Jungpflanzen aus Breitsaaten ausgewählt und für die Weiterkultur in Kulturtöpfe umgesetzt werden. Es eignet sich gut für besonders kleine Sämlinge.
Beim Pikieren werden zu dicht stehende Sämlinge in einen grösseren Abstand verpflanzt. Dabei wird zur Schonung der empfindlichen Keimwurzel ein Pikierstab als Hilfsmittel benutzt.
Beim Pikieren werden Löcher in das Substrat gestochen, in welche die Sämlinge dann eingesetzt werden. Fülle Töpfe mit Kultursubstrat und drücke es leicht an. Streife überschüssige Erde ab und wässere das Substrat. Dann stichst du in die Mitte ein tiefes Loch, in das der Sämling eingesetzt werden kann.
Nachdem du die neuen Töpfe vorbereitet hast, lockerst du mit einem Pikierstab das Substrat in der Anzuchtschale auf und hebst die einzelnen Pflanzen vorsichtig an. Setze mithilfe des Pikierstabs jeweils eine in das vorgestochene Loch, sodass die Keimwurzel möglichst gerade darin eintaucht, ohne zu knicken. Es wird in der Regel so tief pikiert, dass die Keimblätter auf dem Substrat aufliegen. Dann drückst du die Erde mithilfe des Pikierholzes um die Pflanze herum fest.
Nach dem Umsetzen werden die Jungpflanzen einige Tage lang in gespannter Luft weiterkultiviert, bis sie wieder einen guten Bodenschluss haben. Schützt du sie nicht vor Verdunstung, kann es sein, dass sie verwelken. Am besten pikierst du deine Pflanzen an einem schattigen Platz an einem nicht zu heissen Tag.
Umpflanzen der Setzlinge
Ob Ihre Pflänzchen bereit fürs Umtopfen sind, hängt davon ab, wie weit sie gewachsen sind. Tragen Ihre frisch gekeimten Setzlinge 1-2 Blattpaare unter den Keimblättern, sind sie bereit für das Umtopfen bzw. das Pikieren.
Zeit fürs Umtopfen:
- Gib eine dünne Schicht Blähton (Leca) in den neuen Topf - das Abflussloch bleibt so frei und Staunässe wird vermieden.
- Bedecke den Ton anschliessend mit frischer, nährstoffreicher Gartenerde.
- Heb die kleinen Pflänzchen vorsichtig aus der Erde - am besten mit einem Pikierstab, Holzstäbchen oder einem Löffel.
- Platziere deinen Setzling mittig auf der Erde, sodass er wenige Zentimeter unter dem Topfrand sitzt. Fülle rundum mit Erde auf, bis der Wurzelballen gut bedeckt ist. Der grüne Stiel und die Blätter sollten dabei oberhalb der Erde bleiben.
- Giesse deinen Setzling leicht an - die Erde soll feucht, aber nicht nass sein.
Nach dem Umtopfen sollten Sie Ihre Setzlinge für ein paar Tage an einen geschützten, hellen bis halbschattigen Ort stellen - aber bitte ohne direkte Sonne. So können sie sich stressfrei an die neue Umgebung gewöhnen.
Auf den Balkon oder ins Beet dürfen die Jungpflanzen erst, wenn draussen der Frost vorbei gezogen ist - also nach den Eisheiligen Mitte Mai. Die kleinen Pflänzchen sind nämlich noch frostempfindlich. 🥶
Auspflanzen ins Beet
Nach den Eisheiligen Mitte Mai können Sie Ihre Jungpflanzen endlich ins Freie setzen - zum Beispiel auf den Balkon oder in den Garten. Wie Sie Ihre Setzlinge im Beet richtig einpflanzen, zeigen wir Ihnen hier:
- Wählen Sie einen hellen bis halbschattigen, windgeschützten Standort.
- Lockern Sie den Boden gründlich auf, damit sich die Wurzeln später gut ausbreiten können.
- Graben Sie ein Loch, das etwa doppelt so gross ist wie der Wurzelballen Ihres Stecklings.
- Mischen Sie die ausgehobene Erde 1:1 mit frischer, nährstoffreicher Gartenerde.
- Setzen Sie den Setzling vorsichtig in die Mitte und achten Sie darauf, dass der grüne Stiel mit den Blättern oberhalb der Erde bleibt.
- Füllen Sie das Loch mit Erde auf und drücken Sie sie rundherum leicht an - aber nicht zu fest, die Wurzeln sind noch sensibel.
- Giessen Sie grosszügig, damit sich die Erde gut an die Wurzeln legt.
Standort und Pflege von Setzlingen
Damit Ihre Jungpflanzen kräftig werden, brauchen sie einen passenden Standort und etwas Aufmerksamkeit.
Licht und Standort für Setzlinge im Freien
Junge Setzlinge sind wie Babys noch sehr sensibel auf äussere Einflüsse, wie Wind und Wetter. Deshalb brauchen sie einen geeigneten Standort:
- Windgeschützt: starker Wind oder ständiger Durchzug setzen jungen Pflanzen zu - sie trocknen schneller aus oder knicken sogar um.
- Unterstand: ein kleines Vordach, ein Regenschutz oder ein schräg aufgestelltes Brett helfen schon, damit der Spross nicht durch starken Regen zerdrückt wird.
- Keine pralle Sonne: genügend Licht ist wichtig für die Entwicklung, dennoch können junge Blätter schnell in der Mittagssonne verbrennen. Bei einer Jungpflanze mit nur wenigen kleinen Blättern ist das fatal. 🔥
Die meisten Sämlinge fühlen sich an einem hellen bis halbschattigen Platz mit indirektem Sonnenlicht bei Temperaturen zwischen 18-24 °C am wohlsten.
Je kräftiger Ihre Setzlinge werden, desto besser vertragen sie Licht und Wetter. Falls sich allerdings die Blätter gelblich verfärben, ist es ihnen eventuell zu heiss. ☀️
Setzlinge giessen
Auch Ihre jungen Setzlinge müssen regelmässig in kleinen Mengen gegossen werden. Ihre Erde sollte stets feucht, aber nicht durchnässt sein - Staunässe schadet jeder Pflanze. 🌊
Je kleiner der Topf, desto schneller trocknet die Erde darin aus. Mache darum etwa 1-2× pro Wochen den Fingertest:
- Steck deinen Finger etwa 2 bis 3 cm tief in die Erde. Fühlt sie sich trocken an und bröckelt von der Haut, darfst du giessen.
- Bleibt etwas Erde am Finger kleben, ist noch genug Feuchtigkeit vorhanden.
Achten Sie beim Giessen auf Folgendes:
- Schütten Sie das Wasser direkt in die Erde - nicht auf die zarten Blätter, damit sie nicht faulen.
- Giessen Sie nur morgens - so kann überschüssiges Wasser tagsüber verdunsten und es bilden sich nachts keine Pilzsporen. 🍄🟫
Setzlinge düngen
Nährstoffe unterstützen Ihr zartes Pflänzchen dabei, kräftige Wurzeln, stabile Stängel und gesunde Blätter zu bilden. Gute Erde liefert dafür in den ersten Wochen alles, was es braucht. 🤗
Zu frühes Düngen kann die feinen Wurzeln überfordern - vor allem bei mineralischem Dünger. Die hohe Nährstoffkonzentration reizt das Wurzelgewebe und kann es regelrecht «verbrennen». 🔥
Düngen Sie nur kräftige Jungpflanzen, die bereits mehrere Blattpaare entwickelt haben - während der Wachstumsphase von März bis September. Mischen Sie dazu sparsam organischen Flüssigdünger ins Giesswasser, etwa alle 2 bis 4 Wochen. 🫗
Grössere Balkon- oder Gartenpflanzen können Sie alternativ mit Langzeitdünger-Pellets versorgen, jeweils 1× im März und 1× im Juni. 🍽️
Häufige Fehler bei der Anzucht von Samen
Manchmal will es mit der Anzucht einfach nicht klappen - und das liegt oft an denselben typischen Fehlern. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten sollten und wie Sie kleine Probleme ganz einfach beheben können.
Samen keimen nicht
Ihre Samen keimen noch nicht - und Sie fragen sich, woran es liegt? Wenn sich auch nach mehreren Wochen noch nichts tut, kann das verschiedene Gründe haben:
Wann haben Sie Ihre Samen in die Erde gegeben? Vielleicht war’s einfach zu früh - oder ein bisschen zu spät?
Kaltkeimer brauchen eine längere Kältephase, um keimen zu können. Warmkeimer dagegen starten erst bei wärmeren Temperaturen. Halten Sie sich deshalb unbedingt an die Aussaat-Angaben auf der Verpackung. ☝️
Auch der Standort spielt bei der Keimung eine wichtige Rolle. Ist es zu kalt, zu warm, zu dunkel oder zu hell, bleibt die Keimung oft aus - oder verläuft ungleichmässig.
Lichtkeimer brauchen Helligkeit, Dunkelkeimer hingegen keimen nur mit Erddeckung. Achten Sie deshalb auf die Angaben zur Aussaattiefe und den Standortempfehlungen auf der Verpackung.
Mit dieser Anleitung und etwas Geduld können Sie erfolgreich gefüllte Akelei-Samen anziehen und sich an den prächtigen Blüten in Ihrem Garten erfreuen.