Frankenland Joghurt: Haltbarkeit auch ohne Kühlung?

In der Schweiz und Deutschland wird intensiv über die Haltbarkeit von Lebensmitteln diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit der Vermeidung von Food Waste. Seit November 2021 ist der Verkauf von Lebensmitteln mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erlaubt, solange diese korrekt gelagert und deutlich gekennzeichnet sind.

Viele Konsumenten sind unsicher, wie lange Joghurt haltbar ist, besonders wenn das MHD überschritten wurde. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Joghurt-Haltbarkeit und gibt praktische Tipps, wie man Lebensmittelverschwendung vermeiden kann.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) vs. Verbrauchsdatum (VD)

Verpackte Lebensmittel in der Schweiz unterliegen einer Kennzeichnungspflicht, die zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum unterscheidet. Diese Regelung orientiert sich an den europäischen Standards und soll den Verbrauchern helfen, informierte Entscheidungen über den Kauf und den Verzehr von Lebensmitteln zu treffen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt lediglich an, bis wann der Hersteller garantiert, dass das Produkt nach seinen Kriterien qualitativ einwandfrei ist. Es bedeutet nicht, dass das Produkt nach diesem Datum ungeniessbar ist, sondern dass die Qualität möglicherweise nicht mehr optimal ist.

Das Verbrauchsdatum (VD) hingegen ist ein relativ strenges Datum, das auf leicht verderblichen Lebensmitteln steht. Nach Ablauf dieses Datums sollte das Lebensmittel nicht mehr konsumiert werden, da es gesundheitliche Risiken bergen kann. Es besteht das Risiko einer Lebensmittelvergiftung. Das gilt zum Beispiel für Hackfleisch, Wurst und ganz besonders für Fisch.

In der Regel hat ein Lebensmittel entweder ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder ein Verbrauchsdatum, aber nicht beide. Die Kennzeichnung hängt von der Art des Lebensmittels ab.

Beim Einkaufen sollte man darauf achten, ob das angegebene Datum ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder ein Verbrauchsdatum ist. In der Schweiz und vielen anderen Ländern wird das Verbrauchsdatum oft klarer gekennzeichnet, häufig mit dem Hinweis «zu verbrauchen bis» oder «Verbrauchsdatum». Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird normalerweise mit «mindestens haltbar bis» oder «MHD» angegeben.

Joghurt: MHD oder VD?

Bei Joghurt handelt es sich in der Regel um ein Produkt mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, da es bei richtiger Lagerung oft auch nach Ablauf des Datums noch geniessbar ist, auch wenn die Qualität möglicherweise nicht mehr optimal ist. Ich habe schon Joghurt gegessen, der drei Monate über das MHD hinaus war - er sah aus und schmeckte, wie er sollte. Damit habe ich alles richtig gemacht.

Was tun, wenn das MHD abgelaufen ist?

Viele Produkte sind deutlich länger geniessbar als das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angibt. «Mindestens haltbar bis» heisst nicht «bestimmt tödlich ab», das hat fast jeder schon gehört. Viele Produkte sind deutlich länger geniessbar als das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angibt.

Anstatt Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gleich wegzuwerfen, sollte man das Produkt genau betrachten, daran riechen und es betasten. Hat die Milch noch keine Klumpen und riecht nicht sauer? Ist die geöffnete Fertigsauce nicht mit Schimmel überzogen und riecht normal? Ist der etwas welk gewordene Salat tatsächlich nicht mehr essbar? Oft können Produkte auch nach dem Verfallsdatum noch ohne Gesundheitsrisiko oder Geschmackseinbusse konsumiert werden.

Auge, Nase und Zunge können bei der Beurteilung helfen. Gibt es verfärbte Stellen oder Pilzbefall? Riecht es faulig oder anders als gewohnt? Schmeckt es bitter, sauer, anders als gewohnt?

Einige Frischwaren tragen gar keines, andere ein Verbrauchsdatum. «Verbrauchsdatum» (VD) heisst: Bis zum angegebenen Tag muss das damit bezeichnete Lebensmittel verzehrt werden. Sonst können sich Keime darin so stark vermehren, dass es nicht mehr sicher geniessbar ist.

Es gibt auch Lebensmittel ohne aufgedrucktes Datum. Dazu gehören beispielsweise die Äpfel aus der Region, Brot oder andere frische Produkte: Hier helfen Auge und Nase oft besser als jedes Durchschnittskalkül. Zucker, Essig und andere lang haltbare Produkte kriegen auch kein Datum aufgedruckt, weil sie so lange haltbar sind.

Umgang mit Lebensmitteln ohne Kühlung

Es war nicht geplant, dass wir unsere mehrmonatige Europareise ohne Kühlschrank durchziehen. Den kleinen Absorber-Kühlschrank des Vorbesitzers hatten wir aus unserem Camper nur deshalb ausgebaut, weil er zu viel Strom frass und ganz unpraktisch direkt an der Autobatterie angeschlossen war.

Einige Geräte geben Wärme an die Umgebung ab, was gerade im Sommer unerwünscht ist. Schliesslich ist natürlich ein qualitativ hochwertiges Kühlgerät nicht gerade zu einem Schnäppchen zu haben und kostet i.d.R.

Es gibt viele Milch- und Fleischprodukte, die nicht gekühlt werden müssen, da sie auf andere Art haltbar gemacht werden. So kann man bei der Milch zu UHT Milch, Milchpulver oder Kondensmilch greifen. Beim Käse gibt es diverse Sorten von Schmelzkäse. Ja es gibt sogar ungekühltes Fondue! Und insbesondere bei Fleisch steht ein grosses Angebot zur Verfügung wie z.B. Salami, Rohschinken, Bündner Fleisch, Beef Jerky, Fleischpasteten oder die gute alte Streichwurst.

Die meisten Camper haben irgendwo eine Stelle, wo es auch bei warmen Temperaturen einigermassen kühl bleibt. Bei unserem Camper ist diese Stelle direkt unter dem Bett. Dort bleibt es auch bei 30 Grad Aussentemperatur gerade so kühl, dass man problemlos einen Käse oder ein Joghurt für 1-2 Tage lagern kann.

Keinen Kühlschrank im Camper zu haben klingt im ersten Moment nach Verzicht, ist es aber bei genauerem Hinschauen nicht. Das Kochen ganz ohne Kühlschrank erfordert zwar ein wenig Umstellung, ist schlussendlich aber Übungssache. Man wird erstaunt feststellen, was sich in der Campingküche auch ohne gekühlte Lebensmittel alles hervorzaubern lässt.

Tipps zur Vermeidung von Food Waste

Food-Waste hat weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Produktion von Lebensmitteln ist weltweit für rund 30 Prozent aller Umweltbelastungen verantwortlich. Werfen wir einwandfreies Essen in den Abfall, werden knappe Ressourcen wie Wasser, Boden und fossile Energieträger also vergebens belastet oder verbraucht. Gleichzeitig verknappt eine durch Verluste erhöhte Nachfrage das weltweite Angebot an Lebensmitteln - während die Ernährungssicherheit vieler Menschen nicht garantiert ist.

Schlechte Planung ist der Hauptgrund für Food-Waste. Oftmals wird schlicht zu viel eingekauft. Deshalb sollte man sich vor dem Wocheneinkauf fragen, wie oft in der kommenden Woche wie viele Personen zu Hause essen werden, was aktuell im Kühlschrank steht und wie man bereits gekaufte Lebensmittel mit Frischprodukten ergänzen möchte. Menüplanung und darauf basierende Einkaufszettel helfen dabei, bewusster einzukaufen.

Hier sind einige Tipps, wie du Food Waste vermeiden kannst:

  1. Plane deine Einkäufe bewusst und lass dich nicht zu Impulskäufen verleiten.
  2. Kaufe saisonal und regional ein.
  3. Lagere deine Lebensmittel richtig, damit sie möglichst lange frisch bleiben.
  4. Mach den Haltbarkeits-Check mit deinen Sinnen.
  5. Koche realistische Portionengrössen.
  6. Organisiere deinen Kühlschrank nach dem «First in, First out»-Prinzip.
  7. Verarbeite deine Reste zu neuen, leckeren Gerichten.
  8. Teile deine Lebensmittel, statt sie wehzuwerfen.
  9. Rette Lebensmittel vor der Verschwendung mit Apps wie Too Good To Go.

Initiativen gegen Food Waste

Ein Beispiel ist der Online-Shop Secend, der abgelaufene Lebensmittel günstig verkauft, ein anderes der Bioladen Hallerladen in Bern. Foodwaste.ch stellte dem Hallerladen dazu gratis ein Starterset mit «Länger Gut-Etiketten» zur Verfügung.

Einige Denner-Filialen frieren Produkte mit ablaufendem Verbrauchsdatum im Rahmen eines Pilotprojekts ein und spenden sie an die Caritas. Die kirchliche Organisation gibt sie mit einem Rabatt von 66 Prozent weiter. Wer ein solches kurz vor dem Ablaufen des VD eingefrorenes Produkt erwirbt, muss es nach dem Auftauen jedoch sofort essen und darf es nicht wieder einfrieren.

Zudem bietet die Migros Produkte, deren Haltbarkeit in Kürze abläuft, vergünstigt an, oder sie gehen gratis an karitative Organisationen wie Tischlein deck dich, Partage oder Schweizer Tafel.

Am 29. September ist der Internationale Tag gegen Food Waste - ein guter Anlass, um über unseren Umgang mit Essen nachzudenken. Noch immer landen viele Lebensmittel ungenutzt im Abfall: In der Schweiz wird fast jedes dritte Produkt weggeworfen, obwohl es noch geniessbar wäre - das sind insgesamt 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr.

Abgelaufene Lebensmittel: Was bringt das MHD & wie lang ist Essen wirklich haltbar? I Ökochecker SWR

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