Brot ist ein Grundnahrungsmittel und hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Konsumenten legen Wert auf die Herkunft ihrer Lebensmittel, insbesondere bei Backwaren. Doch woher stammen die Brötchen, Brote und Gipfeli, die wir täglich konsumieren? Dieser Frage widmen wir uns im folgenden Artikel.

Die Realität hinter den heimeligen Slogans
Viele Grossverteiler wie Lidl und Aldi werben mit heimeligen Slogans für ihre Backwaren. Bei Lidl heisst es auf Plakaten vor den Filialen, die Backwaren seien «handgemacht und frisch vom Beck». Die Realität sieht jedoch anders aus: Viele Produkte stammen aus dem Ausland.
- Das Walnussbrot wird in Slowenien hergestellt.
- Das Schoggi-Brötli kommt aus Frankreich.
- Krustenbrot, Kürbiskernbrötli und Fitnessbaguette werden aus Deutschland importiert.
- Der Blaubeer-Donut stammt aus Belgien.
Die Konsumenten erfahren dies nur, wenn sie das Kleingedruckte am Regal lesen.
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Deklarationspflicht und Transparenz
Wenn das Brot ohne Verpackung im Regal liegt, müssen Grossverteiler die Herkunft nicht deklarieren. Aldi ist hier ein Beispiel: Schweizer Flaggen prangen auf der Etikette, wenn ein Brot aus der Schweiz stammt. Fehlt die Flagge, kommt das Produkt aus dem Ausland, wobei die Herkunft nur auf Nachfrage mitgeteilt wird.
Allerdings gibt es seit dem 1. Februar 2025 eine neue Gesetzesregelung, die mehr Transparenz schaffen soll. Nach einer Übergangsfrist muss für Brot und Feinbackwaren im Offenverkauf das Produktionsland schriftlich deklariert werden. Diese Regelung ermöglicht es den Konsumenten, bewusste Entscheidungen für Schweizer Brot zu treffen.
Für Teiglinge, die in die Schweiz importiert und hier fertig gebacken werden, darf als Herkunftsland nicht die Schweiz angegeben werden, sondern das Produktionsland. Diese Massnahme soll verhindern, dass importierte Waren fälschlicherweise als Schweizer Produkte verkauft werden.
Die Umsetzung dieser Deklarationspflicht wurde im Detailhandel und in den meisten Bäckereien gewissenhaft vorgenommen. In Restaurants und an Events ist die Deklaration jedoch oft noch nicht klar ersichtlich.
Importe und ihre Auswirkungen
Der Import von Backwaren in die Schweiz hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, während die inländische Produktion stabil geblieben ist. Importierte Waren können oft günstiger hergestellt und anschliessend fast zum Schweizer Preis verkauft werden, was Schweizer Produkte unter Druck setzt.
Die importierten Waren können deutlich günstiger hergestellt und anschliessend fast zum Schweizer Preis verkauft werden, da bis anhin oftmals nicht klar ersichtlich war, woher die Produkte tatsächlich stammen.
Wünschenswert wäre natürlich ein Rückgang bei den Importen von Backwaren, welche sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht haben und heute bei rund 155 000 Tonnen liegen.
Die Rolle der Politik und der Verbände
Die Problematik von sterbenden Bäckereien und vermehrter ausländischer Billigware hat die Politik auf den Plan gerufen. Vier Motionen von Parlamentariern aus verschiedenen Parteien wurden eingereicht, die sich dem Schweizer Brot widmen und eine Deklarationspflicht für Brot und Backwaren fordern.
Die Bäckerverbände lehnen jedoch sämtliche Vorstösse ab. Sie befürchten einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand und eine Verwirrung der Konsumenten durch zu viele Deklarationen und Labels.
Stattdessen schlägt die Branche vor, die Angabe des Herstellungsortes einzuführen und eine gemeinsame Marke für Schweizer Brot zu schaffen, um auch die Herkunft des Getreides sichtbar zu machen.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Deklarationspflicht | Seit 1. Februar 2025 Pflicht zur schriftlichen Angabe des Produktionslandes für Brot und Feinbackwaren im Offenverkauf. |
| Importe | Stetige Zunahme der Importe von Backwaren in die Schweiz. |
| Politische Initiativen | Mehrere Motionen im Parlament fordern eine Deklarationspflicht. |
| Branchenlösung | Bäckerverbände schlagen Angabe des Herstellungsortes und eine gemeinsame Marke für Schweizer Brot vor. |
Das Schlumbergerli: Eine Erfolgsgeschichte
Ein besonderes Beispiel für ein Schweizer Brötchen ist das Schlumbergerli. Es wird aus demselben Teig wie die Semmel oder das Mütschli hergestellt, weist jedoch eine rosettenförmige Oberfläche auf sowie eine mehlige und so genannt "rösche" Kruste.

Es war der elsässische Bankier und Industrielle Amedée Schlumberger, den das kulinarische Heimweh plagte, als er das Elsass aufgrund der deutschen Besetzung verlassen musste und 1872 in die Schweiz emigrierte. Er beauftragte den Bäckermeister Riedtmann in Basel mit der Produktion solcher Brötchen, die er dann mit Vorliebe an den gesellschaftlichen Einladungen in seinem Hause servieren liess. So kam es, dass die Brötchen schliesslich im Volksmund einfach „Schlumbergerli“ genannt wurden.