Der Snack- und Süsswarenriese Mondelez ist auf einer schwarzen Liste der Ukraine gelandet. Nun kämpft er um seinen Ruf in Schweden und Norwegen. Für den Toblerone-Hersteller Mondelez International gilt es ernst in Skandinavien.
Die schwedische Armee hat entschieden, dass die Soldatinnen und Soldaten künftig keine Produkte des Unternehmens mehr zu essen bekommen. Man habe der Ukraine im vergangenen Jahr auf verschiedene Weise geholfen, sagte ein Sprecher der Streitkräfte gegenüber lokalen Medien, dies sei nun ein weiterer Weg, um die Ukraine zu unterstützen.
Es ist zudem das erste Mal, dass eine staatliche Stelle einen Boykott ausspricht. In den vergangenen Wochen hatten zunächst verschiedene Unternehmen in Skandinavien angekündigt, keine Produkte aus dem Hause Mondelez mehr anzubieten, etwa die Airlines SAS und Norwegian Air, der Detailhändler Elkjöp oder die Hotelkette Strawberry.
Der Auslöser für den Boykott liegt in der Ukraine. In Kiew hatte die Nationale Agentur zur Korruptionsprävention (NACP) Mondelez International am 25. Mai auf eine schwarze Liste mit «internationalen Sponsoren des Krieges» gesetzt. Die NACP wurde nach den Maidan-Protesten im Jahr 2014 gegründet und dient vor allem der Korruptionsbekämpfung in der Ukraine selbst.
Bei der NACP heisst es, dass sich Mondelez im Gegensatz zu anderen Firmen nicht aus Russland zurückziehe, sondern dass sein dortiges Geschäft jüngst sogar deutlich gewachsen sei. Das Unternehmen sei ein wichtiger Steuerzahler in Russland und trage so zur Finanzierung des Angriffskrieges bei.
Tatsächlich läuft das Russlandgeschäft von Mondelez auffällig gut. Das Unternehmen gilt als lokaler Marktführer bei Schokolade und Biskuits. In seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2022 erklärte der Konzern, dass sowohl der Umsatz als auch der Gewinn in Russland aus verschiedenen Gründen deutlich gestiegen seien. Der Anteil des Russlandgeschäfts am Konzernumsatz erhöhte sich von knapp 3 auf 4 Prozent.
Mondelez kündigte zwar an, dass man keine neuen Investitionen in Russland mehr tätige und die Werbung einstelle. Aber die Produktion in den drei russischen Fabriken mit rund 2500 Mitarbeitern läuft weiter, das Geschäft wird nicht reduziert.
Der Mondelez-Konzern nimmt die Angelegenheit ernst. Laut Agenturberichten hat er die norwegische Regierung um ein Treffen gebeten, um sein lokales Geschäft zu schützen. Man vertreibe in Skandinavien keine Produkte aus russischen Fabriken, erklärte das Unternehmen. Zudem verletze man mit dem Verkauf von Lebensmitteln in Russland keine internationalen Sanktionen.
Tatsächlich ist es für westliche Unternehmen legal, in Russland Lebensmittel zu verkaufen. Der Bereich unterliegt keinen Sanktionen. Zudem lässt sich argumentieren, dass die russische Bevölkerung aus moralischen Gründen weiterhin mit lebenswichtigen Produkten versorgt werden sollte. Erstaunlich an der jetzigen Boykottwelle in Skandinavien ist vor allem, dass sie 16 Monate nach Ausbruch des Ukraine-Krieges kommt.
In Deutschland ist naschen viel günstiger als in der Schweiz. Das zeigt ein Preisbarometer, der vom Marktforschungsinstitut Nielsen veröffentlicht wurde. Für den Vergleich stellte das Institut im Auftrag des Süsswarenhandelsverbands Sweet Global Network einen Korb mit 17 Markenprodukten zusammen, darunter etwa ein Glas Nutella und ein Kinderüberraschungsei.
Während in Deutschland 20.41 Euro für den Korb gezahlt werden müsste, kosten die gleichen Produkte in der Schweiz 32.87 Euro. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigen sich ähnliche Preisunterschiede, nur in Rumänien ist der Einkauf ähnlich billig wie in unserem nördlichen Nachbarland. In Österreich würden die Produkte bereits 27 Euro Kosten. Am tiefsten müssen Naschkatzen in Norwegen in die Tasche greifen: 49.61 Euro müssten die Konsumenten dort für den Einkauf zahlen.

Süßigkeitenpreise in Europa
Am tiefsten müssen Naschkatzen in Norwegen in die Tasche greifen: 49.61 Euro müssten die Konsumenten dort für den Einkauf zahlen.
«Das in der Schweiz vergleichsweise höhere Preisniveau geht einher mit einem höheren Lohnniveau sowie mit weiteren Kosten, die in der Schweiz vergleichsweise hoch sind», schreibt Urs Furrer, der Geschäftsführer des Verbands für Süss- und Zuckerwaren Biscosuisse. Zusätzlich gebe es in der Schweiz nur wenige grosse Detailhandelsketten.
Einer der Hauptkostentreiber für inländische Produkte sei der Schweizer Grenzschutz, durch diesen würden Rohstoffe künstlich verteuert. Jüngstes Beispiel sei der Grenzschutz für Zucker, der seit diesem Jahr in Kraft ist. Ausserdem würden in der Schweiz strengere Produktionsvorschriften herrschen, welche die Produktionskosten in die Höhe treiben. Diese Faktoren seien eine Herausforderung für inländische Produzenten.
Die Situation für Schweizer Produzenten sei zusätzlich erschwert, weil die Schweiz seit Anfang Jahr beim Export auch keine Zollrückerstattungen mehr auf in der Schweiz künstlich verteuerte Agrarrohstoffe ausrichten darf. «Das führt in der Industrie zu Mehrkosten, was die Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten beeinträchtigt», schreibt Furrer.
Aber auch in Deutschland könnten die Preise bald ansteigen. Grund dafür ist der heisse, trockene Sommer im vergangenen Jahr. Wegen des Wetters gab es Ernteausfälle, etwa bei den Kartoffeln oder beim Getreide. Weil es weniger Rohstoffe gibt, sind die Preise dafür gestiegen. Auch Butter und Milch sind in Deutschland teurer, weil der Preis für das Futter für die Kühe angestiegen ist.
Urs Furrer von Biscosuisse schliesst das nicht aus. «Die Rohstoffmärkte sind allgemein sehr volatil.
Die Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC möchte, dass Grossverteiler an den Supermarktkassen keine Süssigkeiten mehr präsentieren - um übermässigen Verzehr von ungesunden Lebensmitteln nicht anzukurbeln. Laurence Fehlmann Rielle goss das Anliegen in einen Vorstoss und forderte ein Verbot für Süssigkeiten in Kassennähe.
42 Prozent der Schweizer Bevölkerung seien übergewichtig oder fettleibig, gibt die Genfer SP-Nationalrätin zu bedenken. Kinder müssten von klein an davor bewahrt werden. Dafür sei eine ausgewogene Ernährung wichtig. Die Gesundheitspolitikerin will auch Erwachsene den kalorienhaltigen Verführungen schützen.
Der Bund plant eine neue Empfehlung an die Adresse der Grossverteiler: Sie sollen Supermarktkassen von ungesunden Produkten säubern. Auch der Bundesrat ist nicht glücklich über die Schleckwaren in Kassennähe. Aber einer Empfehlung, insbesondere für Grossverteiler, ihre Kassenumgebung mit gesunden Produkten auszustatten, steht er positiv gegenüber.
Im Rahmen der Ernährungsstrategie 2017 bis 2024 erarbeitet das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) derzeit ein Konzept, um das an Kindern gerichtete Marketing von zu süssen, zu salzigen und zu fettigen Produkten einzudämmen. Im Fokus stehen Werbebeschränkungen in Printmedien, Radio und Fernsehen und sozialen Medien. Eine Massnahme davon könnte die Empfehlung sein, in Supermärkten in Kassennähe gesunde Produkte anzubieten.
Klar ist: Der Bund wird die Lebensmittelwirtschaft und die Grossverteiler nicht dazu zwingen können, das Marketing an Kindern - dazu gehört auch die Präsentation Süssigkeiten im Kassenbereich - einzuschränken. Die Massnahmen basieren gleich wie die Reduktion von Zucker in Milchprodukten und Frühstücksflocken auf Freiwilligkeit.
In grösseren Migros-Filialen, sagt eine Sprecherin, stünden Familienkassen zur Verfügung, die frei von Süssigkeiten seien. An den Self-Scanning-Kassen stellt sich das Problem ohnehin nicht. Coop schreibt: «Sofern es die Platzverhältnisse zulassen, setzen wir in unseren Megastores, wenn immer möglich, auf Familienkassen.»
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«Süssigkeiten in Kassennähe anzubieten, entspricht in unseren Dorfläden einem Kundenbedürfnis», sagt eine Volg-Sprecherin. In den meisten der rund 600 Volg-Dorfläden gebe es nur eine Kasse. Für eine «alternative» Kasse habe es keinen Platz. In der Regel kämen Kleinkinder in Begleitung ihrer Eltern in die Dorfläden. «Wie unsere Erfahrung zeigt, handhaben sie die Frage, was ihre Kinder konsumieren dürfen, gerne eigenverantwortlich.»
Der Discounter bietet in seinen Läden schon seit Jahren alternative Kassen an. Jeweils an der Hauptkasse mit dem grössten Kundendurchlauf würden gesunde Alternativen wie Nüsse, getrocknete Früchte oder Mineralwasser angeboten. Lidl steht einer Empfehlung des Bundes für süssigkeitenfreie Kassen positiv gegenüber.
In der Stadt Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien befinden sich seit März im Kassenbereich keine Schleckereien mehr. In Grossbritannien plant Premierminister Boris Johnson angesichts grassierenden Übergewichts bei Jung und Alt, die Kassenzone von ungesunden Snacks zu befreien und sie stattdessen in weniger gut sichtbaren Regalen zu verstecken. Ein entsprechendes Gesetz soll 2022 in Kraft treten.
Für Barbara Pfenniger, verantwortlich für den Bereich Ernährung bei der Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC, zeigen diese Beispiele: Ist der politische Willen vorhanden, lassen sich klare Regeln installieren. In der Schweiz scheine ihr das derzeit aber unrealistisch. Was die FRC nicht vom Ruf nach aus ihrer Sicht vernünftigen Einschränkungen abhält. Sie verlangt, dass Süssigkeiten wenigstens nicht in Griffweite und auf Augenhöhe von Kindern platziert werden.