Mandeloperation: Nachwirkungen, Risiken und was Sie wissen sollten

Tonsillektomien und Adenotomien gehören zu den häufigsten Eingriffen im Kindesalter. Doch welche Nachwirkungen hat eine Mandeloperation wirklich? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Eingriffs, von den Indikationen bis zu den möglichen Komplikationen.

Gaumenmandeln (Tonsillen)

Indikationen für eine Mandeloperation

Treten immer wieder vergrößerte Rachenmandeln (Tonsillitis) und Mandelentzündungen im Hals und Rachen auf, so ist das besonders lästig - auch wenn die Beschwerden der Mandel häufig nach wenigen Wochen wieder abklingen. Heutzutage wird eher wegen OSAS als wegen Tonsillitis operiert. In der Studie ging es um die Frage, ob es eine Assoziation zwischen Tonsillektomieraten, der Hospitalisation wegen Tonsillitis und Infektionen mit invasiven A-Streptokokken (iGAS) gibt.

Eine Mandeloperation (Tonsillektomie mit vollständigem Entfernen der Gaumenmandeln oder Tonsillotomie mit teilweisem Entfernen der Mandeln) kann Abhilfe für den Patienten schaffen und ist unter Umständen sinnvoller und zielführender als eine immer wiederkehrende Behandlung einer Mandelentzündung mit Antibiotika oder das dauernde Lutschen von Halsbonbons. Die Entfernung der Mandeln in einer Mandel-OP kann dann eine sehr sinnvolle und effektive Lösung darstellen. Eine Mandeloperation ist ein Routineeingriff und gehört mit zu den am häufigsten durchgeführten Operationen.

Bei mehrmals im Jahr auftretenden Mandelentzündungen stellt sich die Frage, ob man darauf wartet, ob von alleine eine Besserung eintritt - denn wirklich gefährlich wird eine Mandelentzündung in den seltensten Fällen, sie ist nur ziemlich lästig. Bei Kindern besteht die Möglichkeit, dass sich die Beschwerden an den Mandeln beim Kind mit zunehmendem Alter und dem Wachstum von alleine geben. Bei vergrößerten Gaumenmandeln (Tonsillitis) und generell einem Verkleinern der Atemwege sollte man sich ebenfalls überlegen, ob bei einer Entzündung ein operativer Eingriff mit einem Entfernen der Mandeln nicht die beste Lösung für die Beschwerden darstellt.

Oft werden solche Indikationen bereits vom Hausarzt - wenn auch nicht unbedingt nahegelegt - aber zumindest doch ins Gespräch gebracht. Um diese Fragen für sich zu beantworten, überstürzen Sie nichts! Kinder und Heranwachsende haben ungleich öfter als Erwachsene Mandelentzündungen.

Entscheidungsgrundlage für eine Tonsillektomie

Entscheidungsgrundlage ist die Zahl der Episoden in den letzten 12 Monaten vor der Erstvorstellung des Patienten. Eine Episode ist definiert als ärztlich diagnostizierte und bei einer bakteriellen Infektion (bzw. Tonsillektomie ist keine therapeutische Option. Tonsillektomie ist eine mögliche therapeutische Option, wenn sich innerhalb der nächsten 6 Monate weitere Episoden (d.h. Tonsillitis oder Pharyngitis) ereignen und mit diesen zusammen insgesamt die Zahl von 6 Episoden erreicht wird.

Indikation Tonsillektomie

Ablauf einer Mandeloperation

Bei einer Mandeloperation werden die Mandeln entweder vollständig im Rahmen einer Tonsillektomie oder teilweise (Tonsillotomie) entfernt. Das geschieht entweder mit Hilfe von medizinischen Instrumenten (z.B. Schere) oder durch eine thermische Methode, die Hitze eines Radiofrequenzgerätes die Wunde direkt verschließt. Eine Teilentfernung der Mandel ist schneller überstanden, da die Wunde kleiner ist und weniger Gewebe entfernt werden muss.

Für beide Verfahren sind verschiedene Operationstechniken denkbar:

  • Die klassische Methode ohne Hitze (Dissektion) bedient sich mechanischen Instrumenten wie Scheren oder Schlingen, um die Mandeln damit zu entfernen.
  • Die Diathermie arbeite mit Hitzeentwicklung und entfernt die Mandeln mithilfe eines Lasers oder eines Radiofrequenz-Gerätes.

Vom Eingriff selber werden Sie nichts mitbekommen, da die Behandlung unter Vollnarkose durchgeführt wird. Die Operation wird in einem kurzen stationären Aufenthalt in Vollnarkose durchgeführt. Die Operation wird durch den Mund durchgeführt. Die beiden Gaumenmandeln werden mit speziellen Instrumenten mitsamt ihrer Kapsel aus ihrer Nische herausgelöst. Der Eingriff dauert ca. 30 Minuten.

Wir führen die Eingriffe mit dem herkömmlichen, bewährten Instrumentarium durch, d.h. mit Skalpell, Schere und Raspatorium sowie einer „Brennpinzette“ zur Verödung der verschiedenen Blutgefässe im Mandelbett. Grundsätzlich gibt es auch andere Operationsmethoden z.B. mit dem Laser, welche jedoch aus unserer Sicht keine Vorteile für den Patienten bringen.

Mögliche Komplikationen und Nachwirkungen

Nach der Operation bleibt eine offene Wundfläche zurück, die in folgenden 2-3 Wochen abheilt. Wichtig ist immer die Sorgfalt, die der Operateur walten lässt, dazu gehört vor allem eine genaue Blutstillung nach Entfernung des kompletten Mandelgewebes, ohne die in der Nachbarschaft liegenden Strukturen zu verletzen.

Mögliche Komplikationen:
  • Nachblutung: Die bekannteste Komplikation nach Mandeloperation ist eine Nachblutung, da das Operationsgebiet sehr gut durchblutet ist.
  • Postoperative Schmerzen: Treten in jedem Fall auf. Nach Operation der Rachenmandeln handelt es sich um leichte Schmerzen, die Entfernung der Gaumenmandeln verursacht umso stärkere Schmerzen, je häufiger es bereits zu Entzündungen gekommen ist.
  • Leichte Infektionen des Wundbettes: Sind häufig, da das Wundbett offen liegt und beim Essen und Trinken mit Bakterien in Kontakt kommen kann.

Nach der Gaumenmandeloperation kann es bis zu 2 Wochen nach Eingriff zu einer Nachblutung aus dem Wundgebiet kommen. In der Regel sind diese Blutungen leicht, ungefährlich und einfach zu behandeln. In sehr seltenen Fällen wird eine Blutstillung in lokaler Betäubung oder Vollnarkose notwendig. Eine Blutung aus Nase oder Mund ist während der Hospitalisation sofort dem Pflegepersonal zu melden.

Da nach der Operation eine offene Wundfläche zurückbleibt, besteht eine gewisse Gefahr einer Wundinfektion. Falls die Schmerzen 2 -3 Tage nach dem Eingriff massiv zunehmen und ein verstärkter Mundgeruch auftritt, kann dies ein Zeichen für einen Wundinfekt sein. Ich bitte Sie, dies dem nachbehandelnden Hausarzt oder dem Pflegepersonal zu melden. Nach Gaumenmandelentfernung kann es, wenn auch nur selten, trotzdem zu erneuten Halsschmerzen kommen, da es in der Umgebung der grossen Gaumenmandel noch weiteres Lymphgewebe hat, welches sich entzünden kann.

In den ersten 3 Wochen nach Gaumenmandelentfernung sollte man alles meiden, was den Blutdruck erhöht („Alles, was einen roten Kopf macht“), wie z.B. Sport, heisse Bäder, direkte Sonneneinstrahlung, Sauna, Heben von schweren Lasten etc.. Ebenso zu vermeiden sind Alkohol, heisse Getränke, saure Getränke wie Fruchtsäfte, scharfe oder kantige Speisen wie Brotrinden oder Pommes frites.

Die Hospitalisationszeit beläuft sich auf 3-5 Tage. Eine Nachkontrolle ist ca. Wichtig ist, dass die frisch operierten Kinder nicht in Kontakt mit anderen, erkälteten Kindern kommen. In der Regel sollten sie deshalb während ca. 10 Tagen nach der Operation nicht in den Kindergarten oder die Spielgruppe.

Langzeitrisiken und neue Erkenntnisse

Eine neue Studie liefert nun Indizien dafür, dass man den Kindern damit langfristig auch schaden könnte. In einer grossen Kohortenstudie in Dänemark zeigte sich nach einer Tonsillektomie oder Adenotomie im Kindesalter (< 9 Jahre) im weiteren Verlauf des Lebens ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege, allergische Erkrankungen und Infektionskrankheiten im Allgemeinen. Das Follow-up dauerte mindestens 10 und bis zu 30 Jahre. Eingeschlossen wurden rund 1,2 Millionen in Dänemark von 1979 bis 1999 geborene Kinder.

Neben dem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen zeigte sich in der Studie auch, dass der gewünschte Erfolg der Eingriffe durchwachsen ausfiel. Eine obstruktive Schlafapnoe (OSAS) war nach einer Adenotomie, wie gewünscht, zwar seltener. AOM, Sinusitis und andere Infektionskrankheiten traten hingegen bei den operierten Kindern im weiteren Verlauf des Lebens nicht seltener oder sogar häufiger auf.

Séverine Niederer-Wüst zieht daraus keine voreiligen Schlüsse. «Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinerlei Kausalität aufzeigt.» Die Grundursache sei zu wenig betrachtet worden. So seien Kinder mit Infektionen der Atemwege, Asthma oder Allergien häufiger bei Spezialisten und würden somit eher operiert als gesunde Kinder. In diesem Fall sei die genetische Veranlagung schon vor der OP vorhanden. Zudem gebe es weitere Faktoren, die Atemwegs-Erkrankungen begünstigen, etwa rauchende Eltern.

Unabhängig vom Studienergebnis sollte man die Vor- und Nachteile einer Operation abwägen. Die Mandeln vorsorglich zu entfernen, wie es früher üblich war, wird schon lange nicht mehr gemacht. Statt Gaumenmandeln ganz zu entfernen, werden sie heute manchmal nur verkleinert. Dies hilft beispielsweise Kindern mit massiven Atembeschwerden. Die Vorteile: Das Risiko einer Nachblutung ist geringer, die Schmerzen nach der Operation sind schwächer und die Mandeln behalten ihre immunologische Funktion.

Teilentfernung vs. vollständige Entfernung der Mandeln

Bei einer Mandeloperation werden die Mandeln vollständig (Tonsillektomie) oder teilweise (Tonsillotomie) entfernt. Eine Teilentfernung der Mandel ist schneller überstanden, da die Wunde kleiner ist und weniger Gewebe entfernt werden muss. Es wird daher bei einer Teilentfernung weniger häufig zu Nachblutungen kommen und auch die Schmerzen nach dem Eingriff sind deutlich geringer als bei einer vollständigen Entfernung.

Dennoch kann es bei häufig wiederkehrenden Mandelentzündungen sinnvoll sein, das Verfahren der kompletten Mandeloperation zu wählen. Da die Effektivität der teilweisen Entfernung nicht hinreichend belegt ist, wird eine vollständige Entfernung empfohlen. Vor allem bei Kindern mit ausgeprägt vergrösserten und chronisch entzündlichen Mandeln ohne häufige Scharlachangina wird oft eine Entfernung des Mandelgewebes unter Belassung der Kapsel durchgeführt, wodurch das Nachblutungsrisiko auf ein Minimum reduziert wird und auch die Schmerzen nach der Operation deutlich geringer sind.

Tabelle: Vergleich Teilentfernung vs. vollständige Entfernung

Aspekt Teilentfernung (Tonsillotomie) Vollständige Entfernung (Tonsillektomie)
Wundgröße Kleiner Größer
Heilungsdauer Kürzer Länger
Nachblutungsrisiko Geringer Höher
Schmerzen nach OP Geringer Stärker
Effektivität bei wiederkehrenden Entzündungen Weniger belegt Empfohlen

Egal, für welche Variante man sich entscheidet - eine gute Nachsorge muss sein. Klar ist, es ist ein chirurgischer Eingriff und es wird eine Wunde geben, die schmerzen wird. Die Beschwerden klingen jedoch nach wenigen Tagen ab und können auch mit Schmerzmitteln wie Tabletten oder Zäpfchen gelindert werden. Wichtiger ist jedoch, dass sich der Patient unbedingt einige Tage schont, damit das Risiko von Nachblutungen verringert wird. Das bedeutet im Allgemeinen: Kein Sport, kein schweres Heben und Tragen in den ersten Tagen nach der Operation.

Nachsorge nach Mandel-OP

Diese 5 Operationen würde ich als Arzt NICHT bei mir machen lassen - bzw. nicht ohne Zweitmeinung

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