Rezept für verheiratete Kuchen: Köstliche Inspirationen für jeden Anlass

Es ist höchste Zeit, sich ein paar Gedanken zum Fest zu machen. Genau! Wie Sommer ohne Sonne. Deswegen habe ich euch heute ein Rezept für einen ganz besonderen Cake mitgebracht. Für alle, die ein schnelles Rezept besonders lieben, ist dieser Kuchen ein Glücksgebäck. Er ist schnell gemacht, einfach und herrlich köstlich.

Der Überraschungskuchen mit Kreuz

Der „Wow-Moment“ offenbart sich erst beim Anschneiden des Cakes. Natürlich stellt sich jedem, der nicht schon mal solch einen Cake gebacken hat, die Frage, wie das Kreuz in den Kuchen kommt. Das ist im Grunde genommen relativ einfach. Man muss dafür jedoch 2 Cakes backen.

Zutaten und Zubereitung

  1. Eine Cakeform von 30 cm Länge mit Backpapier auslegen.
  2. Für den 1. Cake 175 g Butter mit dem Zucker, Vanillezucker und Salz weich rühren. Die 4 Eier nach und nach unterrühren und danach die Crème Fraîche hinzufügen.
  3. Nun den Teig in die Backform füllen und ca. 55 Minuten im unteren Teil des Ofens backen. Stäbchenprobe machen.
  4. Danach den Cake aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter komplett auskühlen lassen.
  5. Den Cake aus der Cakeform lösen. Den hellen Cake in dicke Scheiben schneiden, die sich gut mit einem Keksausstecher ausstechen lassen.
  6. Aus den Kuchenscheiben Kreuze ausstechen.
  7. Einen zweiten Rührteig zubereiten nach derselben Vorgehensweise wie beim ersten Kuchen.
  8. Nun den Boden der Cakeform mit einer kleinen Menge rotem Kuchenteig bedecken.
  9. Die Cakeform mit dem restlichen Teig auffüllen und 55 Minuten im unteren Teil des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens backen. Erneut eine Stäbchenprobe machen.
  10. Klebt nichts mehr am Stäbchen, kann man den Kuchen aus dem Ofen holen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

Der helle Teig wird übrigens durch das zweifache Backen nicht trocken. Und aus den Resten vom 1. Cake lassen sich wunderbar Cake Pops herstellen.

Apfelmuskuchen: Ein schnelles Rezept

Ideal für den kommenden Valentinstag am Sonntag, den 14. Alle Zutaten (ausser dem Apfelmus) in eine Schüssel geben und miteinander verkneten. 2/3 des Teiges in eine gefettete oder mit Backreinpapier ausgelegte kleine Springform (ca. Darauf das Apfelmus geben und nach Belieben etwas Zimt darüber streuen. Bei 200° ca. 30 Min.

Kulinarische Kindheitserinnerungen zum Muttertag

Zum Muttertag haben wir unsere Starchefs nach ihren kulinarischen Kindheitserinnerungen gefragt. Niemand kocht wie Mama! Auch wenn unsere Punktechefs heute am Herd filigrane Gerichte kochen - sie wurden doch geprägt von den einfachen Speisen, die es in der Kindheit zu Hause gab. Wir haben nachgefragt, ob und wie sie sich am Muttertag dafür dankbar zeigten.

#1: Mitja Birlo und der Zwiebelkuchen

«Meine Geschwister und ich hatten tatsächlich eine jährlich zum Muttertag wiederkehrende Tradition: Wir buken am Tag vorher zusammen einen Zwiebelkuchen, für den wir uns jeweils aufteilten. Meine zwei grossen Brüder schnitten Zwiebeln klein, bis ihnen die Tränen in den Augen standen. Meine kleine Schwester, etwa sechsjährig, schlug die Eier auf. Ich machte den Teig, eine ziemlich einfache Zubereitung aus nichts mehr als Quark, Öl und Mehl. Die Aufgaben wurden Jahr für Jahr neu zugeteilt - und auch das Rezept für den Kuchen veränderte sich: Irgendwann liessen wir den Speck weg, weil meine Schwester kein Fleisch mehr ass. Mal gab es eine Ecke auf dem Blech ohne Kümmel, weil ich dieses Gewürz damals schon nicht ausstehen konnte. Zur Familientradition gehörte, dass meine Mutter jeweils die Küche putzen musste… Zum Zwiebelkuchen, den wir am Sonntagmittag ratzefatz wegputzten, wurde jeweils eine Flasche Weisswein entkorkt. Es klingt klischeehaft, aber sowohl meine Mutter als auch meine Grossmutter haben mich kulinarisch geprägt: Es kam vor, dass es im Haus von Oma jeweils schon ganz früh morgens nach Fleisch roch, weil seit 7 Uhr ein Schmorgericht mit Kraut auf dem Herd stand. Diesen Muttertag? Da gehe ich in Berlin mit Mama in ein sardisches Restaurant in Charlottenburg - wir werden sicher eine Flasche Wein öffnen.

Zwiebelkuchen selber machen. Rezept einfach & lecker vom Blech.

#2: Michaela Frank und die chinesischen Baozi

«Meine Mutter kommt ursprünglich aus China. Und es kam in meiner Kindheit vor, dass sie auch typisch Schweizerische Gerichte mit asiatischen Touch zubereitete. So würzte sie beispielsweise Zürcher Geschnetzeltes mit Ingwer, was für eine Zehnjährige wie mich natürlich gewöhnungsbedürftig war. Was ich aber liebte: ihre Baozi, gedämpfte chinesische Teigtaschen, die mit Tofu oder Hackfleisch gefüllt sind. Dazu reicht man eine Sauce aus Reisessig, Sesampaste, Sojasauce, Honig, Koriander, Chili und Knoblauch. Der Knoblauch muss - meiner Mutter, die sich mit traditioneller chinesischen Medizin auskennt, ist das wichtig - muss dabei roh sein, weil er so viel gesünder ist. Baozi wurden aufgetischt, wenn Gäste kamen. Und oft half ich vorher meiner Mutter beim Füllen des Teigs. Ob die Eltern meine heutige Küche beeinflusst haben? Ja, ich serviere im Rank zum Beispiel eine Art Congee, ein eigentlich einfaches chinesisches Gericht, für das ein Teil Reis mit acht Teilen Wasser vermengt wird. Meine Mutter hat das jeweils für mich gekocht, wenn ich krank war, weil es sehr bekömmlich ist. Ich bereite fürs Restaurant jetzt natürlich eine pfiffigere Version zu.

# 3: Marco Ortolani und der Eintopf namens Casoela

«Das Gericht, das mich an meine Mutter erinnert? Casoela natürlich! Das ist eine Art Choucroute garni auf italienisch… Neben Kohl werden allerlei Teile vom Schwein in dieses Schmorgericht gegeben, also Rippli, Haut, Fuss und Nase. Und um das Ganze bekömmlicher zu machen, gibt man am Ende der Kochzeit noch ein halbes Glas Grappa hinzu. Das ist natürlich schwere Kost und wird nur im Winter serviert, zwischen Ende November und Anfang März. Weil der Kohl, um einen schönen Biss zu haben, schon mal gefroren sein sollte. Als Kind mochte ich diesen Eintopf noch nicht so gerne - ich musste erst die Welt bereisen, um zu verstehen, mit welch herrlichen Produkten meine Jugend in der Lombardei gesegnet war. Inzwischen liebe ich alles, was dort von den lokalen Metzgern, Bauern und Käseproduzenten hergestellt wird. Kein Wunder sassen wir sonntags jeweils während Stunden am Tisch mit der Familie… Schade nur, dass meine Mammetta Luisa, wenn ich sie heute besuche, nicht mehr für mich kocht.

Sommerlicher Blechkuchen mit Beeren

Eines der Dinge, die ich am Hochsommer so liebe, ist die grosse Auswahl an inländischem Obst. Ich könnte mich praktisch von frischen Aprikosen, Himbeeren, Kirschen, Brombeeren und Heidelbeeren ernähren. Ob pur, im Müsli oder natürlich in einem leckeren Kuchen verbacken. Letzteres habe ich gerade letzte Woche ausprobiert und für euch nun ein wunderbares Rezept zusammengestellt. Entstanden ist ein wunderbarer Sommerblechkuchen. Da stecken ganz viele leckere Sommerfrüchte und viel Sommerliebe drin. Genau richtig für alle, die den Sommer und seine Früchte so sehr mögen wie ich. Der Blechkuchen ist super schnell und wirklich kinderleicht zu machen.

Je nach Vorliebe kann man von den einen oder anderen Beeren natürlich mehr auf den Kuchen legen. Oder eine Frucht auch komplett weg lassen, wenn man sie nicht so mag. Ich persönlich bevorzuge die ganze, bunte Palette und all jene, denen ich vom Blechkuchen zum Versuchen gegeben habe, haben ihn sehr gerühmt. Da würde ich mal sagen: Test bestanden! Die Beeren waschen und trocken tupfen. Die Kirschen halbieren und die Aprikosen vierteln. Die Butter zusammen mit 250 g Zucker, Vanillezucker und Salz schaumig schlagen. Die Eier eins nach dem anderen unterrühren. Weissmehl mit Backpulver vermischen und in den Teig sieben. Kurz unterrühren bis alles vermengt ist. Den Teig auf ein mit Backpapier belegest Blech von ca. 28 x 30 cm verteilen. Die Früchte gleichmässig auf dem Teig legen und leicht andrücken. 50 g Zucker und die Mandelblättchen über den Kuchen streuen. In der Mitte des auf 180 Grad Ober- Unterhitze vorgeheizten Ofens ca. 50 Minuten backen. Stäbchenprobe machen. Klebt nichts mehr am Stäbchen, kann der Kuchen aus dem Ofen geholt und auf einem Kuchengitter abgekühlt werden. Danach mit Puderzucker verzieren, in Stücke schneiden und servieren. Ich wünsche euch ganz viel Spass beim sommerlichen Backen. Geniesst den Sommer (mit all seinen Früchten) - er ist so schnell vorbei.

Schneller Schokoladenkuchen von Sven Epiney

Es ist wohl kein Zufall, dass Sven Epiney während sieben Jahren eine der beliebtesten Kochesendungen beim Schweizer Fernsehen moderierte. Von 2004 bis 2010 war er das Aushängeschild der Quiz-Koch-Show «Al Dente». Auch privat steht er gern am Herd und zaubert allerhand Köstlichkeiten auf die Teller. Ein Renner bei Kolleginnen und Kollegen, aber auch beim Publikum: sein Schokoladenkuchen. Im Nu ist er fertig - und noch schneller gegessen.

Zubereitung

  1. Mehl mit Zucker und den 3 Eiern gut mischen, bis die Masse hell ist.
  2. Butter und Schokolade in einer Pfanne vorsichtig schmelzen lassen und zur Masse hinzufügen.
  3. Kirsch am Schluss zur Masse beigeben.
  4. Runde Springform, ca. 25 cm Durchmesser.
  5. Backen: 11 Minuten bei 250 Grad auf der zweituntersten Rille im vorgeheizten Ofen. Wichtig: Backzeit genau einhalten! Der Kuchen sollte innen noch leicht feucht sein. Ist er schon durch, Backzeit um 30-60 Sekunden verringern. Kommt auf den Ofen an.
  6. Tipp: Man kann die Springform mit Alufolie auslegen. Sie verhindert, dass der Kuchen am Rand klebt.

Die Betty Bossi Kuchenklassiker

Letzthin habe ich auf dem Flohmarkt mein liebstes Bilderbuch aus der Kindheit gefunden: Betty Bossis «Kuchen, Cakes & Torten». Die Verkäuferin lobte die gute alte Zeit, wo ihr diese Ringhefte noch für einen Fünfliber aus der Hand gerissen wurden. Ich gab zu bedenken, dass dieses Original schon gut amortisiert wirke - besonders die Linzertorte, der Mississippi Cake «mit dem interessanten Innenleben» und das «lustige Rüeblibeet» scheinen oft und gern grosszügig gerührt worden zu sein.

Gâteau Saint-Honoré: Eine Torte zum Hochzeitstag

Heute sind meine Eltern 49 Jahre verheiratet. Schon verrückt, gell. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Neunundvierzig Jahre… 49 Jahre Höhen und Tiefen, Freude und Leid, Lustiges und Trauriges miteinander durchlebt. Sie haben zusammen gearbeitet, ein Haus umgebaut, zwei Junghühner aufgezogen, sind gemeinsam in die gleiche Richtung gegangen. Klar gab es Auseinandersetzungen, auch Krisen und all den Scheiss, den es halt so gibt in einer Beziehung. Aber im Endeffekt haben sich beide immer wieder auf das Gemeinsame besonnen.

Eines aber haben meine Eltern all die Jahre immer wieder vergessen: ihren Hochzeitstag. Den 25. Hochzeitstag hätten meine Eltern damals glatt auch wieder versemmelt: Voll der Stress im Job (Heimleiter in einem Altersheim) und gerade gar keine Zeit, um an sowas «Profanes» wie an einen Hochzeitstag zu denken. Aber ich hatte dran gedacht und meinen Eltern verboten, in die Wohnung zu kommen (Dienstwohnung im Altersheim). Ich hatte am Nachmittag extra frei genommen und die Küche mit Beschlag belegt. Gut, dass meine Mutter an dem Tag soviel um die Ohren hatte, dass sie gar nicht nachgefragt hat, was ich da eigentlich mache. Somit hatte ich meine Ruhe und die brauchte ich auch. Denn ich bastelte die erste Torte meines Lebens - einen Gâteau Saint-Honoré. Ich weiss bis heute nicht, wie ich es damals in einem halben Tag geschafft hatte, die Torte zu basteln und dazu noch ein mehrgängiges Abendessen hinzulegen - ich war damals gerade mal 23. Jedenfalls hatte alles geklappt und mein Vater hatte damals die Torte über den Klee gerühmt. Und es werden nicht wieder fast 25 Jahre vergehen, bis es die Torte wieder gibt, das weiss ich.

Rezept (für eine Torte mit ca.

  1. In einem flachen Topf Milch mit der Butter, dem Salz, Zucker und Muskat aufkochen. Dann das Mehl dazu geben und dabei ständig rühren, auf kleinem Feuer ca. 3 bis 5 Minuten abbrennen. Das ergibt einen dicken Teig, der sich vom Topfboden löst und total mühsam im Schneebesen hängt. Topf vom Herd nehmen, den Teig aus dem Schneebesen klopfen und ca. 10 Minuten etwas auskühlen lassen.
  2. Den Blätterteig auswallen und eine runde Form von ca. 24 cm Durchmesser ausschneiden (habe ich mit einem Topfdeckel und einem Pizzarad gemacht).
  3. Den Brandteig in einen Spritzbeutel mit grosser Sterntülle geben und auf den Blätterteig einen Rand aufspritzen, der ca.
  4. Mit dem Rest des Brandteiges kleine Windbeutel spritzen. Das Blech in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen schieben (zweite Schiebeleiste von unten), backen ca. 20 Minuten.
  5. Für die Crème die Milch mit der ausgekratzten Vanille-Schote und dem Zucker aufkochen. Die Eigelb in eine Schüssel geben. Die heisse Milch dann langsam unter ständigem Rühren zu den Eiern giessen. Nun die Eier-Milch-Geschichte zurück in den Topf geben und diesen zurück auf den Herd stellen. Bei schwachem Feuer solange rühren, bis die Crème anfängt zu binden (nicht kochen!). Die Gelatineblätter in kaltem Wasser einweichen, wenn sie schön labbrig sind, ausdrücken und in die heisse Crème rühren.
  6. Eiweiss zu Schnee und den Rahm steif schlagen.
  7. Die Windbeutel mit einer Schere aufschneiden und jeden Windbeutel mit der Crème füllen.
  8. In einem Topf den Zucker caramelisieren, das Wasser beifügen und anschliessend gute 5 Minuten kochen lassen, bis sich ein dickflüssiger Sirup bildet. Die Windbeutel kopfüber in den Caramel tauchen.
  9. Die restliche Sahne in einen Spritzbeutel geben und zwischen die Windbeutel weisse Sahnetupfer setzen.

Der Kastanienkuchen meiner Grossmutter

Eines gleich vorweg: Kein Dessert auf dieser Erde wird je den Kastanienkuchen meiner Grossmutter übertrumpfen können. Vergesst es. Keine Chance. So unglaublich fein war das, dass ich das Originalrezept (handgeschrieben von der Adoptivmutter meiner Grossmutter!) eingerahmt habe:

Um die 120 Jahre alt muss das sein! Schauen wir uns doch den Wortlauf mal genau an:

«Man schält 40 Kastanien, kocht sie u. drückt sie durch ein Sieb. 125 gr. Butter, 200 Gr. Zucker, 4 Eier, Vanille. Butter vergehen lassen, mit Zucker, Eigelb ziemlich lange rühren, dann die Kastanien u. zuletzt der Eierschnee darunter. Bei mittlerer Hize [sic!] backen.» Und dann offenbar später hinzugefügt: «Eine Zuckerglasur darüber.»

Es gibt noch eine weitere spätere Annotation - in der Handschrift meiner Grandma -, welche die ursprünglichen «40 Kastanien» durch etwas Benutzerfreundlicheres ersetzt: «... oder 3 Büchsen Maroni-Purée à 100 gr.» Und deshalb wohl ist auch der Zuckeranteil auf «100 Gramm» nach unten korrigiert. Jedenfalls schmeckte die Torte so gut wie die Ursünde. Sie bestand aus einer feuchten, perfekt (nicht übermässig) gesüssten Marroni-Paste, die mit einer feinen Zuckerglasur mit viel Kirsch überzogen war. Aufbewahrt wurde der Kuchen nicht im Kühlschrank, sondern im Geschirrkasten, wo er von Tag zu Tag schmackhafter und feiner wurde. Bis heute habe ich noch keinen besseren Kastanienkuchen gegessen. (Und glaubt mir, ich habe sooo viele probiert - weil ich Kastanien-Desserts über alles liebe.) Es gibt also nur einen möglichen Ausweg: Ich muss mir meinen eigenen Kuchen nach diesem alten Rezept backen!

Obwohl meines Wissens meine Grossmutter immer die Marroni-Püree-Version wählte, finde ich die Idee der «40 Kastanien», die da «durch ein Sieb» gedrückt werden, ungemein spannend. Deshalb: Ich backe gleich zwei Versionen!

Hier, zusammenfassend, nochmals beide Rezepte, Schritt für Schritt:

Los geht's! 40 Kastanien!

Okay, okay, nein, die sind nicht selbst gesammelt, sondern beim örtlichen Supermarkt gekauft. Nun ist «kochen» und «schälen» angesagt, wobei genaue Anweisungen, wie dies genau zu bewerkstelligen ist, fehlen. Eine kurze Internetrecherche ergibt alsbald: im Ofen oder in kochendes Wasser. Und da im Rezept «kocht» steht, tippe ich darauf, dass im Wasser kochen gemeint ist. Und dies geht offenbar wie folgt: Zuerst jede Kastanie kreuzförmig einschneiden ...

Es folgt eine Werbung von: In der neuen TV-Show «Mis Mami chocht besser als dis» treten zwei Promis in einem spannenden Kochduell mit ihrem Mami oder nahestehenden Person gegeneinander an. Gekocht werden die Lieblingsrezepte aus ihrer Kindheit, natürlich mit Migros Produkten.... (was imfall gar nicht so einfach geht, plant man sich keine Verletzungen zuzufügen), und dann circa 20 Minuten in leicht gesalzenem Wasser kochen.

Derweil: «125 gr. Butter, 200 Gr. Zucker, 4 Eier, Vanille» Liest man etwas weiter, ist von «Eigelb» und «Eierschnee» die Rede. Aha - die Eier müssen also getrennt werden. Die Eigelbe werden mit der geschmolzenen Butter und dem Zucker verrührt. Und wohl an dieser Stelle kommt auch die Vanille rein - obwohl auch hier nicht genau steht, wann und wie viel. Ich probiere es mal mit dem Inhalt einer halben Schote.

«Ziemlich lange rühren»? Naja ... ewig lange machte ich da nicht. Und dann die vier Eiweisse mit einer Messerspitze Salz so lange steif schlagen, bis sich beim Herausziehen des Schneebesens kleine Spitzen bilden. Wie erwähnt mache ich dies alles zweifach, parallel zueinander - für die Rezeptvariation mit der Marroni-Paste habe ich, wie oben vermerkt, den halben Anteil Zucker verwendet - was eine viel gelbere Farbe des Eigelb-Mixes ergibt.

Während die Marroni kochen, geht es also mit der Püree-Version weiter. Und zwar nicht irgendein Marroni-Püree, wie meine Grossmutter mir stets eintrichterte, sondern genau das hier: Crème de marrons de l'Ardèche vanillée Clément Faugier - SOWAS von fein. Mit tiefdunkler Farbe und einiges cremiger als das gängige hiesige Marroni-Püree (zudem: «vanillée», womit man die Vanilleschote weglassen kann). Aber ... ich konnte keine solche auftreiben, denn leider hatten drei verschiedene Läden in meiner Umgebung das Produkt gerade nicht vorrätig. Ich wich auf ein vergleichbares, erhältliches Produkt aus «mit 100 Prozent Schweizer Marroni», das mir qualitativ am besten erschien (was aber Auswirkungen auf den Geschmack haben würde - dazu unten mehr). Dies kommt in die Eier-Zucker-Vanille-Mischung und wird unterrührt:

Danach den Eierschnee darunter ziehen, in eine eingefettete Kuchenspringform geben ... und ab in den 180 Grad heissen Ofen für ... wie lange eigentlich? In meiner Erinnerung sprach meine Grandma glaub von circa 30 Minuten.

Zurück zur Urgrossmutter-Version! Derweil sind bald mal die Marroni fertig gekocht. Und siehe da: Dank des kreuzförmigen Einschnittes sind sie etwas aufgesprungen und nun (hoffentlich) schälbar!

Etwas abkühlen lassen muss man sie ... und schon können sie geschält werden! Oder auch nicht. Denn während sich die Aussenhülle easy peasy entfernen lässt, bleibt die bittere Innenhaut zum Teil kleben, und diese zu entfernen ist dann eine mega nervige, niffelige Büez. Zudem: 40 Stück davon. Immerhin - einige springen problemlos aus der Innenschale raus. Danke, Karma!

Tabellarische Zusammenfassung der Rezepte

Zutat Urgrossmutter-Version Grossmutter-Version
Kastanien 40 (roh oder tiefgekühlt) -
Marroni-Püree - 3 Büchsen à 100 g
Butter 125 g 125 g
Zucker 200 g 100 g
Eier 4 4
Vanille 1/2 Schote -
Zuckerguss Puderzucker, Wasser, Schnaps Puderzucker, Wasser, Schnaps

Nach einer gefühlten halben Ewigkeit (und einer ordentlichen Sauerei in der Küche) ist es dann so weit: Im Vorfeld stellte sich die Frage, wie die Anweisung, «drücke sie durch ein Sieb» zu verstehen ist? Nachfrage bei unserem redaktionseigenen Profi-Koch Adrian Bürgler bestätigte meine Vermutung: Ja, nimm' ein Passe-vite oder so was Ähnliches.

Und in der Tat - das funktioniert ganz gut ... ist aber härteste Knochenarbeit, die auch wieder gehörig Zeit in Anspruch nimmt. Irgendwann ist auch dieser Chrampf erledigt (boah ihr solltet nun meine Armmuskeln mal sehen!). Die Kastanien sind mit dem Eigelb verrührt, ... der Eierschnee kann unterrührt werden ... und alles kommt wiederum in eine eingefettete Kuchenform und wiederum ab in den 180 Grad heissen Ofen für wiederum circa 30 Minuten.

Zwischenstand: Wow - ich verstehe, weshalb die 120-jährige 40-Kastanien-zuerst-kochen-dann-schälen-und-danach-mit-Muskelkraft-durch-ein-Sieb-drücken-Methode der Cheat-Version mit vorgefertigtem Püree weichen musste. Selten musste ich etwas derart aufwendiges und zeitintensives vollziehen. Nun dürfen wir uns aber über zwei - hoffentlich feine - Kuchen freuen! Beide Kuchen werden nach 30 Minuten aus dem Ofen genommen. Ich hatte die Check-Methode mit dem Holzspiesschen-Reinstecken gemacht, und bei beiden klebte nichts. Links die Urgrossmutter-Version, rechts die Grosi-Version:

Und dann kommt noch eine Zuckerglasur drüber (darauf gehe ich nun nicht im Detail ein - Puderzucker mit Wasser und Vieille Prune verühren). Und obwohl letztere nicht amtlich perfekt und gleichmässig ist ... HEY ich bin glaub mega stolz auf meine beiden Marroni-Kuchen!!

Nun zum Taste-Test! Links die 120 jährige Version, rechts die Püree-Version: Hey. Ja. Doch. Beide sind richtig, richtig fein! Eine Meinung übrigens, die mir meine Kollegen aus der Watson-Redaktion teilten, als ich beide Kuchen am nächsten Tag mit ins Büro brachte. Und: Meine Kindheitserinnerung erwies sich als richtig, denn beide Kuchen schmeckten am nächsten Tag sogar noch besser.

Welche Version ist die Bessere? Mir persönlich mundete die Version mit dem Püree ... allerdings mit einem «aber»: Sie hätte noch besser sein können. Das von mir verwendete Kastanienpüree ist schlicht und einfach nicht so geil (sorry - diese Wortwahl ist hier angebracht) wie die Crème de marrons de l'Ardèche. Es fehlt jene schmierige Dekadenz, jene geschmackliche Tiefe. Trotzdem: Lecker.

Der Kuchen mit den frischen Marroni hat eine etwas lockerere Konsistenz; ... die chunky Marroni-Stückchen verleihen ihm etwas Biss und die Süsse ist etwas zurückhaltender. Allgemein wirkt der Kuchen irgendwie urchiger. Und ja, auch: Lecker. Hey, mir ging es darum, statt immer nur in Erinnerungen zu schwelgen, jene Ikone meiner kulinarischen Familiengeschichte in der Praxis zu testen. Das Fazit ist eindeutig: Ich empfehle fortan, meiner Grossmutters Annotation zu folgen und Marroni-Püree zu verwenden (aber zwingend jene Französische). Die 120-jährige Zubereitungsmethode mit den rohen Kastanien war durchaus spannend zu erleben, letztendlich aber viel zu zeitintensiv und eine saumässige Büez. Wer jene Version trotzdem versuchen will, könnte einige der folgenden Ideen in Betracht ziehen, um die Arbeit zu erleichtern:

  • Statt rohe, ungeschälte Kastanien könnte man wohl auch tiefgekühlte verwenden.
  • Oder hey: Geh zum Marroni-Verkäufer und kauf dir 40 Stück davon!
  • Wenn du trotzdem mit rohen Marroni hantieren willst, solltest du vielleicht die Ofen-Methode versuchen. Vielleicht sind sie so einfacher zu schälen.
  • Und vielleicht statt mit dem Passe-vite sich einem Oberkörper-Workout zu unterziehen, ginge es mit einem Mixer besser?

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